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Veröffentlicht am 06.11.2025

Faszinierendes Meran zwischen Kurbetrieb und Maskenbällen

Die Welt in Meran - Walzerblut
1

In Meran kündigt sich der Frühling an, als Helen von Burt, die Tochter eines englischen Squire, in Begleitung von Mrs David und Lady Greville ankommt. Helen hofft auf eine gute Partie, die Maskenbälle ...

In Meran kündigt sich der Frühling an, als Helen von Burt, die Tochter eines englischen Squire, in Begleitung von Mrs David und Lady Greville ankommt. Helen hofft auf eine gute Partie, die Maskenbälle eigenen sich ihrer Meinung nach hierfür hervorragend. Zur gleichen Zeit treffen andere Kurgäste ein wie etwa der Korse Jean de Benedetti und auch der Arzt Sigmund Hirsch, dessen Dienste alsbald benötigt werden. Neben dem Erbgrafen Maximilian von Montalban begegnen wir noch so etlichen anderen, auch dem Dienstmädchen Anna und einem Lohnkutscher, werfen einen Blick in eine Spinnerei und in so einige Familien. Bei einer davon lebt das Kostkind Lucia, die achtjährige Waise Rosa schuftet von früh bis spät - die Standesunterschiede sind nicht nur hier deutlich sichtbar.

Wir sind in Südtirol im Fasching des Jahres 1872. Die so unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und die damaligen Gepflogenheiten, auch in moralischer Hinsicht, sind hervorragend in die Geschichte eingewoben, die einzelnen Charaktere, deren Lebensentwürfe und deren Mentalität bestens herausgearbeitet. Einmal angefangen, konnte ich das Buch nicht mehr weglegen, wollte es auch gar nicht. Dieser gut recherchierte erste Band, der in und um Meran angesiedelt ist, hat mich sofort begeistert, auch die Beschreibung dieser Gegend weckt so manch Erinnerung.

Man merkt die Verbundenheit der Autorin mit diesem Landstrich und ihre besondere Faszination mit der Meraner Geschichte der letzten 150 Jahre, wie sie im Nachwort verrät. Ihre „Sardische Hochzeit“, die sie als Grit Landau schreibt, habe ich seinerzeit verschlungen, weitere Bücher folgten und jedes einzelne war ein Lesegenuss. Umso schöner, dass diesem ersten Band „Walzerblut – Die Welt in Meran“ weitere Bücher folgen werden.

Erwähnen möchte ich noch das hilfreiche Glossar, das vom Affront über so manch Hallodri bis hin zum Vicomte vieles erklärt und auch das Personenverzeichnis, das gerade anfangs eine gute Stütze ist - unterteilt nach den Tirolern und den Kurgästen, den Ärzten, dem Adel und noch etlichen anderen. Bald aber sind sie alle im Gedächtnis, dem genussvollen Lesen steht nichts mehr im Wege.

Der erste Band dieses so wundervollen, sehr lesenswerten historischen Romans ist ausgelesen, ich freue mich auf die Folgebände, auch wenn es noch ein Weilchen dauern mag.

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Ruths Geschichte überzeugt, der zweite Erzählstrang dagegen weniger

Großmutters Geheimnis
1

In Kopenhagen begegne ich Gry und Alexander und Lillian, seiner Mutter, einer gefeierten Musical-Sängerin. Wir schreiben das Jahr 2015. Lillians Geburtstagsvorstellung zu ihrem Siebzigsten steht an, die ...

In Kopenhagen begegne ich Gry und Alexander und Lillian, seiner Mutter, einer gefeierten Musical-Sängerin. Wir schreiben das Jahr 2015. Lillians Geburtstagsvorstellung zu ihrem Siebzigsten steht an, die Bühne war ihr Metier und dahinter war seit jeher Alexanders Kinderstube. Dort hat er auf sie gewartet. Auf sie, den Star, ihr Kind hatte nur allzu oft das Nachsehen. Auch heute noch wähnt sich Lillian im Mittelpunkt, drängt sich in Alexander und Grys Leben, ist übergriffig und auch hat sie Alexander die vor langer Zeit von ihrer Mutter Ruth besprochenen Kassetten für ihn nie gegeben. Alexander verdient seine Brötchen als Musiker, er und Gry sind schon lange zusammen. Ihr Kinderwunsch hat sich nie erfüllt und nun versuchen sie es schon länger mit der In-vitro-Fertilisation.

Und da ist Ruth, die ich als junge Frau im Jahre 1943 sehe. Die Musik liegt ihr im Blut, ihre Stimme ist die einer Opernsängerin. Bis zu dem Tag, als sie und ihr Vater nach Theresienstadt deportiert werden, als sie verstummt. Dorthin folge ich ihr, sehe ihr tagtägliches Leid, ihr Elend und das ihrer Mitgefangenen. Benjamin Koppel beschreibt die Herrschaft der Nationalsozialisten und das Dahinvegetieren im Lager sehr eindringlich, die Qualen, deren die Inhaftierten ausgesetzt sind und so manch Martyrien, deren sie sich nicht erwehren können.

Und da ist die alte Ruth, die schon lange erblindet ist. Sie ist die älteste von vier Geschwistern, es verschlägt sie von Polen nach Dänemark, sehr viel später dann lebt sie in den USA. Dort bespricht sie für ihren Enkel, den sie nicht kennt, diese Kassetten, die er auf dem Dachboden seiner Mutter findet.

Vor einiger Zeit habe ich „Annas Lied“ von dem Autor gelesen. Auch dieses Buch ist ein Zeugnis einer Zeit, voll politischer Wirren, über eine jüdische Familie, die ihren Glauben hoch hält. Also war ich voller Vorfreude, als ich „Großmutters Geheimnis“ in Händen hielt. Ruths Part hat mir sowohl als junge und auch als sehr alte, 96jährige Frau, gut gefallen. Ich konnte ihr folgen, konnte sie verstehen, habe mit ihr gelitten. Ruths Geschichte hätte wesentlich mehr Raum verdient, denn auch wenn zwei Zeitebenen wechselseitig erzählt werden, so müssen sie beileibe nicht den in etwa gleichen Umfang haben.

Alexanders und Grys Geschichte mitsamt Lillians Dasein in der Jetztzeit nehmen dem Buch sehr viel. Gefühlt lese ich in dieser Erzählebene nur von der Fertilitätsbehandlung, gespickt mit einigen Nebensächlichkeiten. Schade, denn „Großmutters Geheimnis“ hat mit diesem über den in zu vielen Seiten ausgewalzten Kinderwunsch nichts zu tun.

Wäre noch das Ende, das zu gewollt geraten ist. Nicht alles muss sich in Wohlgefallen auflösen, nicht alles bis ins kleinste Detail geklärt sein. Von meinen anvisierten vier Sternen bleiben letztendlich drei übrig.

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Verräterische DNA-Spuren?

Die Chemie des Verbrechens - Die Fährte
7

Sabine Weiss legt mit „Die Chemie des Verbrechens. Die Fährte“ den Auftaktband um die forensische Kriminologin und Rechtsanwältin Dr. May Barven vor. Gemeinsam mit dem Privatdetektiv Tarek beginnt sie ...

Sabine Weiss legt mit „Die Chemie des Verbrechens. Die Fährte“ den Auftaktband um die forensische Kriminologin und Rechtsanwältin Dr. May Barven vor. Gemeinsam mit dem Privatdetektiv Tarek beginnt sie zu ermitteln.

Gleich mal sind wir im Jahre 2007, als Jugendliche einem anderen übel mitspielen, um danach May und ihren beiden kleinen Kindern bei einem DNA-Experiment zuzuschauen.

May Barven hat sich als Strafverteidigerin selbständig gemacht, Ihre Mandate allerdings sind sehr überschaubar. Als dann der Startup-Millionär Ruben Rickleffs unter Mordverdacht gerät und dieser in U-Haft sitzt, bietet sie ihm ihre Dienste an. Als erfahrene DNA-Forensikerin, die lange im Polizeidienst war, ist sie für diesen Fall geradezu prädestiniert.

Damals, im Jahre 2007, wurde eine junge Frau ermordet und nun haben deren Eltern auf einem Schal DNA-Spuren sichern lassen, die Ruben Rickleffs zum Verhängnis werden könnten. Der Mordfall Ute Pusch wird neu aufgerollt, für den Verdächtigen sieht es nicht gut aus. Wie vor achtzehn Jahren mischt auch heute Kriminalhauptkommissar Hattentrop wieder mit, unterstützt von seinem jungen Kollegen Jo Mückenhaupt. Der Fall wurde seinerzeit unerledigt zu den Akten gelegt und nun sieht es so aus, als ob sie mit Rickleffs den Schuldigen gefunden haben, was May jedoch anzweifelt. Sie legt Beweise für seine Unschuld vor, Ihr Mandant jedoch bleibt inhaftiert.

Vorab werfen wir einige Blicke in andere Vorfälle, die dem Anschein nach nichts mit diesem Cold Case zu tun haben, zwischendurch dann treffen wir immer wieder auf die Jugendgruppe im Jahre 2007 und auch, wenn so einiges und einige der damaligen Freunde näher beleuchtet werden, bleibt der Mord an Ute weiterhin nebulös. War Ruben in die Gruppen involviert? Auch dies bleibt unklar.

Es kommt zum Prozess und hier ist May in ihrem Element. Denn es geht darum, den DNA-Abgleich dem wahren Täter zuzuordnen. Ob ihr das gelingen wird? Sie ihren Mandanten entlasten kann? Der Prozess ist eine Herausforderung, die sie trotz so manch lücken- und lügenhaften Aussagen zu meistern weiß. Wie nebenbei erfahren wir so einiges über die Beweislast der DNA-Spuren, verfolgen gespannt Tarek und seine Ermittlungen, wissen mehr um die Jugendgruppe und auch rückt Rickleffs Familie in den Fokus.

Sabine Weiss versteht es bestens, trotz der vielen Informationen, die sie uns Lesern gibt, die Spannung hochzuhalten und nichts vorschnell zu verraten. Ihre Charaktere sind allesamt glaubhaft angelegt, angefangen von May und Tarek über die Familie Rickleffs bis hin zu dem Familien- und Freundeskreis des Mordopfers. Verdächtig sind sie mir fast alle, letztendlich kristallisiert sich dann doch der wahre Täter heraus, den ich bis zum Schluss nicht auf dem Schirm hatte. Ein rundum gelungener Auftakt der neuen Reihe, die ich unbedingt weiter verfolgen muss.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Stille Heldinnen

Wir dachten, das Leben kommt noch
1

Elisabeth Sandmann erzählt in ihrem historischen Roman „Wir dachten, das Leben kommt noch“ vom Zweiten Weltkrieg, hier ganz besonders von den mutigen Frauen, deren heldenhaftes Wirken nie wirklich an die ...

Elisabeth Sandmann erzählt in ihrem historischen Roman „Wir dachten, das Leben kommt noch“ vom Zweiten Weltkrieg, hier ganz besonders von den mutigen Frauen, deren heldenhaftes Wirken nie wirklich an die Öffentlichkeit drang. Ein gut recherchierter Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht.

Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt, der für mich spannendere Teil spielt während des Zweiten Weltkrieges in den Jahren 1939 bis 1942.

1998 dann bekommt Pat Conway von der BBC-Redakteurin Gwen einen Anruf. Sie interessiert sich für Pats Vergangenheit, speziell für ihre Arbeit in Frankreich während des Zweiten Weltkrieges. Woher weiß Gwen davon? Nun, Pat ist auch heute nicht bereit, darüber zu sprechen. Gwen indessen reist auf den Spuren ihrer Großmutter Ilsabé nach Paris, denn auch sie scheint involviert gewesen zu sein.

Die beiden Erzählstränge vermischen sich zuweilen, was mir das Hineinfinden ins Buch schon erschwert hat. Auch die vielen Namen musste ich erst zuordnen, um der Geschichte gespannt folgen zu können. Abgesehen von diesen anfänglichen Hürden ist es eine eindringlich erzählte Geschichte über mutige Frauen im Widerstand, die ich nicht mehr weglegen wollte.

England hat für den Einsatz in Frankreich Agentinnen für geheime Missionen des SOE (Special Operatons Executive) ausgebildet. Sie wurden etwa als Kurierinnen und Funkerinnen eingesetzt, sie haben nicht nur Sprengstoff geschmuggelt, sie haben auch Explosionen durchgeführt. Ihre Aufgaben waren vielfältig, nach außen hin waren sie ganz normale, möglichst unauffällige junge Frauen. Dafür brauchte es auf französischem Gebiet Muttersprachlerinnen, die eine neue Identität bekamen, die sie voll und ganz verinnerlichen mussten, denn jeder noch so kleine Fehler konnte für sie tödlich enden. Pat war eine von ihnen, die Sprache beherrschte sie dank ihrer französischen Mutter perfekt.

Viel habe ich über diese und ähnliche Themen gelesen, über diese Frauen der SOE jedoch wusste ich nichts. Gerne wäre ich noch länger in die Vergangenheit abgetaucht, wobei die Gegenwart schon auch interessant, zuweilen jedoch zu ausschweifend, zu ausführlich war. Im Finale werden dann noch die geschichtlichen Fakten präsentiert. Nicht jede dieser mutigen, dieser unangepassten Frauen hat überlebt.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Lebensklug, einfühlsam, wundervoll erzählt

Sonnenaufgang Nr. 5
1

Der 19jährige Jonas Engelbaum hat gerade sein Germanistikstudium geschmissen, er versucht sich nun als Ghostwriter. Seine erste Kundin, die alternde Filmdiva Stella Dor, lebt in einem Strandpavillon an ...

Der 19jährige Jonas Engelbaum hat gerade sein Germanistikstudium geschmissen, er versucht sich nun als Ghostwriter. Seine erste Kundin, die alternde Filmdiva Stella Dor, lebt in einem Strandpavillon an der Küste. Ihre Autobiographie soll ihr schillerndes, ihr glückliches, ihr erfülltes Leben widerspiegeln.

Ihre Gedanken hat sie im Laufe der Jahre auf vielen Zetteln festgehalten und diese dann in Bücher ihres Regales gesteckt, die sie nun wieder hervorholt, um sie gemeinsam mit Jonas auszuwerten. Darüberhinaus beginnt er, eigene Recherchen anzustellen, was Stella so gar nicht gefällt. Mehr noch, sie bricht die Arbeit ab.

Noch bevor sich die beiden Hauptakteure kennenlernen, trifft Jonas auf Bentje, die jeden Tag auf ihren Mann wartet. Später dann begegnen wir Paul und Guter Junge, seinem Hund und Geraldo, der immer wieder Sonnenaufgänge malt und Gustav, den ganz besonders - obwohl Stella ein Geheimnis um ihn macht und auch warum sie über ihn nicht sprechen kann, erfahren wir dann doch noch. Da ist auch Nessa, die Jonas sehr gerne sieht und sein Vater, mit dem er endlich reden kann. Denn auch Jonas holt seine nicht unproblematische Vergangenheit ein.

Zuweilen spielen uns die Erinnerungen einen Streich, wir verklären oder verdrängen so manch Erlebnis, auch um uns selbst zu schützen. Auch Stella und Jonas sind nicht frei davon, die Erkenntnis jedoch ist schmerzhaft. Emotionen kochen hoch, so manch Gespräch endet abrupt. Stella fällt gerne in die Rolle der glamourösen Diva zurück, ihre schillernde Persönlichkeit verdeckt nur zu gerne die verletzliche Stella.

Oliver Siebeck liest das über 7 Stunden und 21 Minuten dauernde Hörbuch. Er ist für diesen so einfühlsam erzählten Roman der perfekte Sprecher, gibt den so unterschiedlichen Charakteren ihre ganz besondere Note. Sie sind glücklich, sie sind wütend, sie sind unendlich traurig und dazwischen fühlen sie in so vielen unterschiedlichen Nuancen - so, wie das Leben nun mal ist.

Diese wunderbare Geschichte ist auserzählt, sie lässt mich nachdenklich zurück. Carsten Henns „Sonnenaufgang Nr. 5“ - ein (Hör)Buch voller Wärme, voller weiser Gedanken, das ich sehr gerne empfehle.

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