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Veröffentlicht am 11.12.2025

Exil unter Palmen

Wenn die Sonne untergeht
1

Wer kennt sie nicht, die Familie Mann. Florian Illies nimmt sich ihrer während einer Zeit an, in der die Nationalsozialisten alles Jüdische verbannen, ja ausrotten wollen. Thomas Mann, der deutsche Schriftsteller, ...

Wer kennt sie nicht, die Familie Mann. Florian Illies nimmt sich ihrer während einer Zeit an, in der die Nationalsozialisten alles Jüdische verbannen, ja ausrotten wollen. Thomas Mann, der deutsche Schriftsteller, wurde 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, schon 1901 erschien Buddenbrooks, weitere bekannte Werke folgten.

Katia und Thomas Mann sind bald unterwegs nach Amsterdam, es ist Februar. Der 11. Februar des Jahres 1933, um genau zu sein. Noch sitzen sie mit drei ihrer sechs Kinder beim Mittagessen. Golo, 23, ist noch in Göttingen, er bereitet sich auf sein Staatsexamen vor. Michael, 13, ist in Neubeuern im Internat und Monika, 22, in Berlin. Mit leichtem Gepäck will das Ehepaar Mann reisen, die Wintersachen sollen direkt nach Arosa geschickt werden, hier werden sie in ihrem geliebten Waldhotel wohnen, das in Thomas „Zauberberg“ eine tragende Rolle spielt. Wir lesen noch öfter davon, wie Thomas Manns Werke direkt in diese Geschichte einer Vertreibung mit einfließen.

Nun, sie werden den Sommer 1933 im südfranzösischen Exil verbringen - es gibt beileibe schlechtere Orte, dem NS-Regime zu entfliehen. Im Mai kommen Thomas und Katia nach Bandol, hier wohnen sie zunächst in einem Hotel, um dann in ein Haus in Sanary-sur-Mer zu wechseln. Dort treffen sie sich alle, auch Thomas Bruder Heinrich ist zuweilen zu Gast, auch er musste Nazi-Deutschland verlassen. Lion Feuchtwanger, Stefan Zweig, Bertold Brecht und wie sie alle heißen - für Deutschlands Dichter und Denker war die Côte d'Azur Zufluchtsort, bevor sie weiterziehen mussten.

Illies gewährt tiefe Einblicke in das Innenleben dieser so exzentrischen Familie Mann im Ausnahmezustand, jeder für sich ist eine Persönlichkeit. „Ein Thomas Mann lässt sich von niemandem sagen, an welchem Ort er zu sein hat!“ Ja, natürlich weiß er, dass er nicht zurück kann. Er wird vom Rotary-Club ausgeschlossen, hat Probleme mit der Pass-Verlängerung, seine Münchner Villa wird durchsucht, später konfisziert, um nur einige der Repressalien zu benennen.

„Wenn die Sonne untergeht“ ist trotz der Schwere des Themas ein leichtes Buch voller Leben und auch voller Tragik. Man spürt die bedrohliche Situation, in der sie sich befinden und doch sind sie hier, im Exil, frei. Der Autor geht ganz nah ran, fängt sinnliche Momente genauso ein wie die kritischen Augenblicke, er hält den prominenten Exilianern, auch den Dichterkollegen mitsamt Ehefrauen und Geliebten, den Spiegel vor.

Es ist heiß in diesem Sommer. „Waldbrand in der Nähe, wovon abends eine rosige Rauchwolke über Sanary schwebte. Dazu Feuerwerk“ notiert Mann in diesem in jeglicher Hinsicht heißen August. Bis September erzählt Florian Illies von ihnen, vom Verlust der Heimat, vom Exil dieser außergewöhnlichen Familie Mann. Es ist ein lesenswertes Buch geworden, das ich gerne gelesen habe, das ich nicht missen möchte.

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Gelungener Abschluss der O`Brian-Familien-Trilogie

Grünes Feuer
1

Mit dem Abschlussband „Grünes Feuer“ endet die fulminante O’Brian-Familien-Trilogie aus der Feder des Autorenpaares Rüdiger und Sonja Lehmann. „Zwei Federn“ und „Schattenbrüder“ sind die absolut lesenswerten ...

Mit dem Abschlussband „Grünes Feuer“ endet die fulminante O’Brian-Familien-Trilogie aus der Feder des Autorenpaares Rüdiger und Sonja Lehmann. „Zwei Federn“ und „Schattenbrüder“ sind die absolut lesenswerten Vorgängerbände. Man solle sie schon allein des besseren Überblicks wegen kennen.

Zunächst sind wir mit Bridget O’Brian und Allen „Dakota“ Harris unterwegs nach Bologna. Hier treffen sie auf Julie Farrell. Sie erforscht die Familiengeschichte und teilt nun ihr Wissen mit den beiden. In angenehmer Atmosphäre verbringen sie Zeit in Julies Atelier, schlendern durch Bologna… Schon allein diese ersten Eindrücke sind es, die mich förmlich ins Geschehen ziehen. Die Erkenntnis, dass ihre Väter – Davy Farrell und Liam O’Brian - Zwillingsbrüder waren, ist das erste von so einigen Geheimnissen, die im Laufe der Erzählung aufgedeckt werden.

Danach reisen Bridget und Dakota weiter nach Rom. Der Notar eröffnet Bridget, dass Dr. Mauritia Albioni sie als Alleinerbin ihres beachtlichen Vermögens eingesetzt hat. Wird sie das Erbe annehmen? Noch ist sie am Überlegen. Unterschwellige Warnungen von Seiten des Erzbischofs machen sie vorsichtig.

Es ist aber noch so viel mehr, von dem ich lese. Von der weitreichenden Familiengeschichte über mehrere Generationen hinweg, die auch von Irland erzählt. Von der großen Hungersnot, beginnend mit der Kartoffelfäule bis hin zum Nordirlandkonflikt spannt sich der Erzählbogen. Auch ist von Bodhi Bai, dem angeblich unsterblichen Meister der Schatten-Brüder, die Rede mitsamt dem geheimnisvollen Babel-Projekt. Spuren führen direkt zur Mafia – alles scheint mit allem zusammenzuhängen.

Beginnend in Bologna im Jahre 2024 wechseln Zeiten und Orte mehrmals, wir gehen hier zurück bis 1798, dabei sind den einzelnen Kapiteln die notwendigen Infos, die handelnden Personen mit Orts- und Zeitangaben, vorangestellt. Man hat also stets den Überblick und kann sich voll und ganz auf die Handlung einlassen. Der Roman besticht durch seine gründliche Recherchearbeit und auch der einnehmende Schreibstil hält einen direkt im Buch gefangen. Er basiert auf historischen Ereignissen, verwebt diese mit realen und mit den fiktiven Personen, die mir mittlerweile sehr vertraut sind.

Erwähnt sei noch das der Geschichte vorangestellte Namensverzeichnis, gegliedert nach den Familien in Irland, Indien und Kanada sowie noch einige Personen mehr. Die Autoren verstehen es, Geschichten zu erzählen, die viel historisch Interessantes vermitteln, indem sie fiktive und auch reale Personen zum Leben erwecken, diese gekonnt vermengen und gut lesbar aufbereiten.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Vom Krieg, von Freundschaft und von der Liebe - intensiv erzählt

Die Welt in unseren Händen
1

Die Erinnerungen ihrer Großmutter Jean sind es, die Emily Walton inspirieren, ihre Geschichte zu erzählen. June Johnson ist dabei ihre Protagonistin, die schon auch ein Eigenleben entwickelt, wie die Autorin ...

Die Erinnerungen ihrer Großmutter Jean sind es, die Emily Walton inspirieren, ihre Geschichte zu erzählen. June Johnson ist dabei ihre Protagonistin, die schon auch ein Eigenleben entwickelt, wie die Autorin im Nachwort verrät.

„Die Welt in unseren Händen“ erzählt von June, die während des Zweiten Weltkrieges ihren eigenen Weg geht. „Versprich mir, dass du etwas aus deinem Leben machst, Junebug.“ Sie erinnert sich an ihre zu früh verstorbene Mutter, die sie darin bestärkt hat.

June nimmt all ihren Mut zusammen, fährt nach London, bewirbt sich bei der WAAF, der Women´s Auxiliary Air Force, der Frauenhilfsluftwaffe. Schon bald lernt sie Dotty und Peggy kennen, die ihr zu guten Freundinnen werden, die sich während der Ausbildung gegenseitig stützen. Peggy wird abkommandiert, während Dotty und June als Schreibkräfte gefordert sind. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, den Angehörigen schlimmste Nachrichten zu übermitteln. Danach geht es für June mit der Royal Navy weiter, ihre Stationen sind Kairo, Ägypten und später dann Italien, ihr Dienst fordert sie enorm, sie lernt neue Freunde kennen, allen voran ist es Ken, der ihr Herz erobert.

Das Buch hat mich sofort gefesselt, es hat mich regelrecht ins Geschehen gezogen und mir eine total fremde Welt nähergebracht. Ich war mit June in der Wüste, habe den Sand zwischen den Zehen und auch zwischen den Zähnen gespürt und die hier kriechenden Skorpione weit weg gewünscht. Habe bei ihrer Arbeit, bei ihrem ganz persönlichen Einsatz mitgefühlt, als sie persönliche Worte fand, entgegen des Befehls, Formbriefe an die Hinterbliebenen zu senden. Habe gelernt, was Sperrballons sind und wie diese eingesetzt wurden und noch so vieles mehr.

Es waren gar nicht so wenige Frauen (250.000), die bei der WAAF gedient haben. Mutige Frauen, die bis Kriegsende in achtzig unterschiedlichen Bereichen eingesetzt waren. Emily Waltons Nana hat dies hautnah erlebt, ihr ledergebundenes Büchlein, das sie nun mit ihrer Enkelin durchblättert, birgt so manch Geheimnis. Es waren schöne, tieftraurige und auch angenehme Zeiten, nicht alles wendet sich zum Guten - so wie das Leben eben spielt.

Ein großartiges Buch ist ausgelesen, der so intensive Schreibstil und die Geschichte um June, einer jungen, mutigen Frau unter vielen anderen, machen es zu etwas ganz Besonderem. Zwei sehr persönliche Fotos am Ende runden diese lesenswerte Erzählung dann perfekt ab.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Kurzweiliger Erzählstil, überladene Story

Flutrache
4

Der vierte Fall für den Kriminalkommissar Stephan Möllenkamp und die Lokaljournalistin Gertrud Boekhoff ist für mich der erste Fall dieser Ostfriesland-Krimi-Reihe von Heike van Hoorn.

Schon der Prolog ...

Der vierte Fall für den Kriminalkommissar Stephan Möllenkamp und die Lokaljournalistin Gertrud Boekhoff ist für mich der erste Fall dieser Ostfriesland-Krimi-Reihe von Heike van Hoorn.

Schon der Prolog lässt darauf schießen, dass es sich bei diesem noch Unbekannten um einen ganz fiesen Charakter handelt. Die Story dann beginnt einige Tage zuvor, als einer Briefe mit verdächtigem Inhalt verschickt. Was dies mit dem Toten zu tun hat, der am Fuße einer übergroßen Lenin-Statue gefunden wird, ist unklar.

Nun, Lars Kröger, der Tote, war Chef einer deutschen Sicherheitsfirma. Möllenkamp und sein Team ermitteln zusammen mit ihren niederländischen Kollegen. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit klappt sowohl im beruflichen als auch im Zwischenmenschlichen, das viel Raum einnimmt. Auch von Möllenkamp und seiner Meike bekomme ich viel mit, nicht zu vergessen von der Lokaljournalistin Gertrud Boekhoff.

All dies liest sich kurzweilig, wenngleich ich mich des Öfteren frage, was denn einzelne Einschübe mit der Aufklärung zu tun haben, wie etwa die einer Reisegruppe, die auf den Toten aufmerksam wurde. Auch warte ich gespannt, was es mit diesen Briefen auf sich hat. Mittlerweile weiß ich, dass eine Spur direkt zu einem Reichsbürger führt, andere Erzählstränge berichten von Waffenschmuggel, gehen zurück in die damalige DDR bis hin ins KZ. Auch von Offshore-Konten und von noch so einigem mehr lese ich. Die Frage wie dies alles zusammenhängt, wird schon geklärt, trotzdem mutet es abenteuerlich an, die Story ist heillos überfrachtet. Und genau dieses Vollgepackte ist es, dass mir diese FLUTRACHE zunehmend suspekt anmutet.

Gut finde ich die Endnotes zum Schluss, welche die niederländischen Einschübe im Text übersetzen, allerdings hab ich, trotzdem ich die Sprache nicht beherrsche, alles verstanden. Auch der flotte Schreibstil der Autorin sei erwähnt, die viele Akteure ins Rennen schickt. Für meinen Geschmack sind es zu viele, grundsätzlich ist dieser Krimi zu überladen. Daher mein Fazit: Weniger wäre hier wesentlich mehr gewesen, auch hätte ich so einige mutige Aktionen nicht gebraucht, die schon am gesunden Menschenverstand zweifeln lassen.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Kurzweiliger Krimi

Wem du traust
2

Eva und Daniel leben mit ihrem 5jährigen Sohn Linus in einer Neubausiedlung, die noch ziemlich viele Baulücken aufweist. Wie schon oft, ist auch heute die 15jährige Sofia Linus Babysitterin, beide verstehen ...

Eva und Daniel leben mit ihrem 5jährigen Sohn Linus in einer Neubausiedlung, die noch ziemlich viele Baulücken aufweist. Wie schon oft, ist auch heute die 15jährige Sofia Linus Babysitterin, beide verstehen sich super, sind doch ihre Mütter Eva und Susanne allerbeste Freundinnen, die heute davon ausgehen, dass Sofia bei Eva übernachtet. Doch Sofia hat andere Pläne, sie will nach Hause. Es ist schon weit nach Mitternacht, als Eva und Daniel heimkommen und da Eva etwas Wein getrunken hat ist es Daniel, der Sofia bis fast vor ihre Haustür fährt. Am nächsten Morgen dann ist die Panik groß, als ihnen allen bewusst wird, dass von Sofia jede Spur fehlt.

Kriminalhauptkommissarin Heidi Westphal übernimmt den Fall, sie befragt Sofias Mutter und Axel, ihren Lebensgefährten, recherchiert zu Sofias Heimweg, forscht bei ihren Mitschülern nach und auch bei der etwas älteren Nele, der Chefredakteurin der Schülerzeitung, bei der auch Sofia Artikel verfasst. Momentan schreiben sie über den fünfzehn Jahre zurückliegenden Discomord. Bis heute ist der Mörder der damals 18jährigen Jennifer Mann nicht gefasst – hat Sofias Verschwinden damit zu tun? Ist dieser Unbekannte wieder aktiv?

Es sind ganz und gar unterschiedliche Typen, die hier aufeinanderprallen. Eva und Daniel sind das Vorzeigepaar schlechthin, sie harmonieren perfekt, gehen liebevoll miteinander um, während Susanne mit ihrem neuen Lover, dem erfolgreichen Architekten Axel, eher mondän daherkommt. Meine Sympathien sind bald verteilt, nicht jeder kommt dabei gut weg. Es tauchen noch einige Randfiguren auf wie etwa Heidi Westphals Ex, der eine steile Karriere bei der Polizei hingelegt hat, der mir trotzdem nicht ganz geheuer ist. Und auch Heidis Ermittlungen, die sich mehr und mehr auf Daniel konzentrieren, sind mir schon auch suspekt. Warum dieser Tunnelblick? Das frage ich mich nicht nur einmal, bin auch leicht genervt, weil anderes, für mich doch Relevantes, übersehen wird.

Trotzdem ich mit Heidis Vorgehen nicht immer einverstanden bin, so bin ich doch voll dabei, möchte dringend wissen, wo Sofia ist, wer für ihr Verschwinden verantwortlich ist und auch, ob sie noch lebt. Denn ein blutiges Teil spricht dagegen. Auch lese ich zwischendurch von jemandem, der große Angst hat. Könnte es Sofia sein? Und – es wird gelogen, und das nicht zu knapp. Warum?

Der Krimi ist durchgehend rasant, er beleuchtet menschliche Abgründe, ist kurzweilig bis zum Schluss, der noch so einiges offenbart. Die Auflösung dann hat mich ein wenig ernüchtert, dennoch habe ich mich gut unterhalten gefühlt und vergebe sehr gerne vier verdiente Sterne.

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