Cover-Bild Großmutters Geheimnis
(23)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: FISCHER
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 496
  • Ersterscheinung: 29.10.2025
  • ISBN: 9783758700361
Benjamin Koppel

Großmutters Geheimnis

Roman
Ulrich Sonnenberg (Übersetzer)

1943. Die junge Opernsängerin Ruth wird nach Theresienstadt deportiert, nur die Liebe zur Musik gibt ihr Hoffnung. Ein halbes Jahrhundert später erzählt sie einem schnarrenden Kassettenrekorder in einem New Yorker Altersheim ihre Geschichte. Dänemark, 2015: Alexander kämpft mit seiner Gesangskarriere und einem unerfüllten Kinderwunsch, den er und seine Frau so sehr haben. Seine Mutter mischt sich ständig in sein Leben und seine Ehe ein, bleibt aber ungewohnt still, wenn es um ihre eigene Herkunft geht. Eines Tages findet Alexander auf dem Dachboden zwei kleine Kassetten, und als er sie abspielt, knistert ihm eine Stimme aus der Vergangenheit entgegen. Von Kopenhagen über Deutschland und New York - »Großmutters Geheimnis« ist eine warmherzige, das letzte Jahrhundert umspannende europäisch-jüdische Familiengeschichte über vererbte Traumata und die erlösende Kraft der Musik, inspiriert von der Familiengeschichte des Autors, ausgezeichnet mit dem dem wichtigsten dänischen Literaturpreis, der Goldenen Lorbeere.

Weitere Formate

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.11.2025

Zwischen Kassetten und Arien — ein Familienband, das nicht reißt

0

Musik als letzte Zuflucht — so fängt dieses Buch an, und es bleibt nicht bei der schönen Formulierung: Benjamin Koppel gelingt ein warmes, melancholisches Stück Literatur, das lange nachklingt. Die Geschichte ...

Musik als letzte Zuflucht — so fängt dieses Buch an, und es bleibt nicht bei der schönen Formulierung: Benjamin Koppel gelingt ein warmes, melancholisches Stück Literatur, das lange nachklingt. Die Geschichte beginnt 1943 mit Ruth, einer jungen Opernsängerin, deren Stimme mehr ist als bloß Talent: sie ist Überlebensfaden, Widerspruch und Erinnerung zugleich. Ein halbes Jahrhundert später knistert ihre Aufnahme aus einem New Yorker Heim wie ein Brief, der zu spät und doch rechtzeitig kommt. Parallel dazu stolpert Alexander durch sein modernes Dasein in Kopenhagen: Karriere, Ehe, der laute, schmerzliche Wunsch nach einem Kind — und eine Mutter, die lieber schweigt, als die Vergangenheit zu erzählen.

Stilistisch trifft Koppel genau den Ton zwischen leiser Würde und nordischer Direktheit. Kein Pathos-Geplapper, sondern kleine, scharf beobachtete Szenen — der Geruch von Dachbodenkartons, das eigenartige Schweigen bei Familienessen, die peinlich lustigen Versuche, ein altes Band abzuspielen. Das Buch schafft es, schwere Themen wie Vererbung von Traumata und jüdische Lebensgeschichten ohne Belehrungszeigefinger zu erzählen. Musik zieht sich wie ein roter Faden durch die Seiten und wirkt gleichzeitig Heilmittel und Mahnung.

Ein paar Figuren könnten noch etwas kantiger sein; manche Nebenstränge kippen gegen Ende ein wenig in Sentimentalität. Trotzdem sitzt die Mischung aus Familiengeheimnis, Historie und persönlichem Ringen. Wer emotionale, gut erzählte Familienromane mag — und Musik im Herzen trägt — findet hier ein echtes Kleinod. Herzschmerz trifft Intelligenz, und die Stimme des Erzählens bleibt lange im Ohr.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.11.2025

Die Vergangenheit beeinflusst uns immer

0

Ein Roman der in zwei Zeitebenen ja auch Perspektiven erzählt wird: Alexander und Alexanders Großmutter Ruth.

Alexander, im Jahr 2015 in Kopenhagen, Musiker in einer Fernsehshow, Nachkomme einer bekannten ...

Ein Roman der in zwei Zeitebenen ja auch Perspektiven erzählt wird: Alexander und Alexanders Großmutter Ruth.

Alexander, im Jahr 2015 in Kopenhagen, Musiker in einer Fernsehshow, Nachkomme einer bekannten Musikerfamilie, von der er eigentlich nur seine (eher egozentrische) Mutter Liliane kennt. Als Fernsehmusiker verdient er sein Geld, lebt etwas das Musikerklischee von Drogen und Alkoholkonsum. Er versucht mit seiner langjährigen Freundin ein Kind durch künstliche Befruchtung zu bekommen. Greifbare Selbstzweifel von Alexander begleiten den Leser durch diese Abschnitte.

Ruth, Musikerin und Überlebende aus Theresienstadt, nimmt zu einem unbestimmten Zeitpunkt, allerdings schon in höherem Alter, in New York Tonbänder für ihren Enkel Alexander auf. Neben Beschreibungen ihres derzeitigen Alltags in einem Pflegeheim, erkundigt und sehnt sie sich nach Alexander, den sie nicht kennt. Sie spricht auf den Tonbändern ihre Lebensgeschichte nieder von einer glücklichen Jugend, die durch Musik geprägt war, bis hin zu schrecklichen Zeit in Theresienstadt ab 1943

Ein Roman der einerseits lange ist und andererseits auch wieder nicht. Während in Alexandersteilen über weite Strecken wenig passiert (kein Fortschritt, man dreht sich im Kreis), stolpert man mit Ruth, doch recht rasant durch ihr Leben, oder sagen wir prägendsten Jahre. Wir begleiten sie in ihrer Erinnerung von der Jugend bis kurz nach dem Ende ihrer Zeit in Theresienstadt. Auch das Ende kommt dann etwas rasch.

Speziell Ruths Kapitel, fand ich trotz eines gewissen Tempos schwer zu lesen, da sie natürlich sehr berührend ja bedrückend waren. Dies ist natürlich neben dem Thema auch dem entsprechendem Erzählstil geschuldet.

Ein Roman sehr tief in die Welt der Musik eintaucht und jedes Musikstück, egal in welcher Umgebung es gespielt wird feiert. Es ist bewundernswert mit welcher Hingabe Musikstücke beschrieben werden – Stimmen, Musikinstrumente, Tonarten.

Ein weiteres bzw. das zentrale Thema des Buches ist Generationentrauma. Wie beeinflusst das Leben der vorherigen Generationen das eigene, auch wenn man das Trauma so nicht mit erlebt hat. Ein denke ich sehr wichtiges Thema um viele Konflikte zu verstehen, denn Trauma gibt es ja in unterschiedlichsten Gestalten.

Für mich war es definitiv ein lesenswertes Buch, da ich das Thema Generationentrauma wichtig finde. Ich werde bei Gelegenheit auch das Vorgängerbuch Annas Lied lesen. Auch dabei erwarte ich wie hier kein Buch, dass sich leicht nebenbei lesen lässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2025

Nie wieder!

0

Als mich das Buch erreicht, ist es Anfang November. Der Gottesdienst zum Gedenken an die Reichspogromnacht und eine Reihe an Veranstaltungen zum Tagebuch der Anne Frank gehören in meinen Tagesablauf. In ...

Als mich das Buch erreicht, ist es Anfang November. Der Gottesdienst zum Gedenken an die Reichspogromnacht und eine Reihe an Veranstaltungen zum Tagebuch der Anne Frank gehören in meinen Tagesablauf. In einem Konzert gibt es Musik aus der Kinderoper „Brundibar“, die mich zutiefst berührt. Ich erfahre, dass sie in Theresienstadt aufgeführt wurde, was mich mit dem Buch „Großmutters Geheimnis“ von Benjamin Koppel verbindet.
Ruth ist eine junge Opernsängerin, die 1943 nach Theresienstadt deportiert wird. Fünfzig Jahre später lebt sie in einem Altenheim in New York. Ihren Enkel Alexander hat sie nie kennengelernt, möchte aber ihre Familiengeschichte nicht für sich behalten und bespricht Kassetten.
Ihr ganzes Leben breitet sie aus, alles, was sie im Lager erlebt und gefühlt hat, nachdem sie mit ihrem Vater in Theresienstadt angekommen ist, erzählt sie dem Kassettenrekorder. Die Grausamkeiten und Ruths Verzweiflung erschüttern mich zutiefst. Auf der anderen Seite ist die Musik. Welch große Liebe sie verbindet und welche Hoffnung die Musik ihr schenkt, das erkenne ich, wenn Ruth über Musik spricht. Diese Erzählungen schenken Mut und lassen auch mich als Leserin ein wenig aufatmen. Einige dieser Stellen weitet der Autor aus, indem er interessante Informationen einfließen lässt. Vielleicht ist durch die Musik tatsächlich vieles selbst beim Lesen der Geschichte leichter zu ertragen.
Es ist nicht viel, was Alexander weiß aus seiner Vergangenheit und über die Herkunft seiner Mutter. Dann findet er die Kassetten …
Mich hat das Buch bis zum Schluss gefesselt und ich kann kaum glauben, was Menschen anderen Menschen antun können - wozu Menschen fähig sind. Nie wieder!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.11.2025

Bewegende Familiengeschichte

0

Benjamin Koppels Roman „Großmutters Geheimnis“ ist ein vielschichtiger Familienroman über Schweigen, Erinnerung und die Weitergabe von Trauma über Generationen hinweg. Die Kapitel wechseln zwischen Alexanders ...

Benjamin Koppels Roman „Großmutters Geheimnis“ ist ein vielschichtiger Familienroman über Schweigen, Erinnerung und die Weitergabe von Trauma über Generationen hinweg. Die Kapitel wechseln zwischen Alexanders Perspektive im modernen Kopenhagen und Ruths nachträglichen Tonbandaufnahmen aus einem Altenheim in New York, in denen sie zum ersten Mal über ihre verdrängte Vergangenheit während der NS-Zeit spricht. Besonders Ruths Erzählstimme fand ich dabei sehr authentisch, erst nach und nach entfaltet sich ihre Geschichte. Alexanders Geschichte fand ich aber auch interessant: Es geht recht ausführlich um eine Kinderwunschbehandlung mit seiner Freundin Gry. Das hatte ich so detailliert nicht erwartet, fand es aber insgesamt dann sehr stimmig.

Koppel verbindet in seiner Geschichte so die Themen Erbschaft und Identität mit aktuellen Fragen: unerfüllter Kinderwunsch, Beziehungsdruck, emotionale Überforderung. Alexanders Unfähigkeit, seiner Partnerin Gry in der schwierigen Zeit beizustehen, wird plausibel als Ausdruck eines tieferliegenden, generationsübergreifenden Traumas erzählt. Ruths Erzählung über ihre Jugend, Flucht und das Überleben als Jüdin ist der erschütternde Kern des Romans, der von Ruths Erzählstimme lebendig und erschütternd erzählt wird. Der gemeinsame Nenner der Familienmitglieder über die Zeiten hinweg ist dabei die Musik, deren Wirkung im Roman ausführlich beschrieben wird - wer insbesondere Mahler und Verdis Requiem liebt, wird an diesen Beschreibungen seine Freude haben.

Das Ende des Romans, an dem die beiden Erzählstränge zusammengeführt werden, kann man sicher begründet kritisieren, mir hat es aber gut gefallen und es hat mich berührt. Insgesamt war für mich deshalb auch Koppels zweiter Roman nach seinem Debüt „Annas Lied“ eine tolle Lektüre und ich werde auch sein nächstes Buch sehnsüchtig erwarten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.11.2025

Bewegende Geschichte

0

Das Lesen des Romans lohnt sich schon allein wegen der Geschichte von Ruth, der Großmutter Alexanders, die sie gegen Ende des 20. Jahrhunderts nach Jahren des Schweigens mithilfe eines Recorders auf Kassetten ...

Das Lesen des Romans lohnt sich schon allein wegen der Geschichte von Ruth, der Großmutter Alexanders, die sie gegen Ende des 20. Jahrhunderts nach Jahren des Schweigens mithilfe eines Recorders auf Kassetten spricht. Es ist fast eine Biographie, angefangen mit den unbeschwerten Jahren der 1930er Jahre in Kopenhagen. Der Autor Benjamin Koppel beschreibt das Leben in einer jüdischen Großfamilie, in deren Alltag die Musik eine große Rolle spielt. Die liebevoll charakterisierten Familienmitglieder haben alle ihre Eigenarten. Mit der Annektion Dänemarks 1941 durch Nazi-Deutschland ändert sich alles zum Schlechten. Koppel vermag es geschickt, die sich immer stärker auswirkenden dramatischen Veränderungen nicht nur zu beschreiben, sondern spürbar zu machen bis hin zur Internierung von Ruth und ihrem Vater im Konzentrationslager Theresienstadt, dem Leben dort und der Befreiung aus der Haft.
Ruth, deren Kontakt nach Kopenhagen abgebrochen ist, bespricht die Bänder, während sie sich in einem amerikanischen Altenheim befindet. Auch das Leben dort wird vom Autor kritisch, aber trotzdem eher amüsant vermittelt.
In einem zweiten Erzählstrang geht es im Kopenhagen des Jahres 2015 um den Enkel Alexander, seine Lebensgefährtin Gry und seine Mutter.die egozentrische Lillian, Ruths Tochter. Nahezu alles dreht sich um den unerfüllten Kinderwunsch des jungen Paares und den mühsamen Weg, mithilfe künstlicher Befruchtung den Wunsch doch noch zu erfüllen. Die Ausführungen dazu sind nicht uninteressant, drehen sich aber langatmig mit Wiederholungen im Kreis und fallen gegenüber der Geschichte von Ruth deutlich ab. Ebenso wie das unbefriedigende Ende, in dem die Erzählstränge zusammen laufen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere