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Veröffentlicht am 17.01.2021

Außergewöhnliche Liebe

Hingabe
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Hingabe ist ein etwas anderer Roman. Tomas, Ende 30, hat den nahen Tod vor Augen. Er
bewirtschaftet einen Hof, hat gelernt mit seinen Gefühlen sparsam umzugehen.
Werte wie Liebe, Ehre, Respekt oder Freundschaft ...

Hingabe ist ein etwas anderer Roman. Tomas, Ende 30, hat den nahen Tod vor Augen. Er
bewirtschaftet einen Hof, hat gelernt mit seinen Gefühlen sparsam umzugehen.
Werte wie Liebe, Ehre, Respekt oder Freundschaft drückte er nur in Taten aus. Das alles
auch nur noch auf ein Mindestmaß beschränkt.
Die Entbehrungen haben ihn sehr zurückhaltend mit Gefühlen werden lassen.
Dann kommt Suiza, zart mit einer sehr starken Zerbrechlichkeit. Etwas hilfs- und
orientierungslos geht sie durch das Leben. Tomas fühlt sich gleich angezogen von
ihr und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Es entsteht etwas zwischen den beiden
das man als Leser nicht unbedingt bejahen kann. Es gibt einige recht brutale Szenen
aber dann auch wieder sehr zarte, fast liebevolle Momente.
Beide Seelen sind stark beschädigt und vielleicht auch deshalb finden sie zueinander.
Sie leben zusammen, Suiza wird mit der Zeit Selbstbewusster und Tomas scheint so etwas
wie Liebe zu empfinden. Aber es kommt alles anders als gedacht.

Dieser Roman hat etwas Ungewöhnliches, dunkles das aber immer wieder durch Lichtblicke
und Hoffnungen aufgehellt wird. Es gibt einige etwas gewalttätige sexuelle Szenen
die aber durch die wunderbare Schreibweise durchaus auszuhalten sind.
Die Charaktere bringen einen enormen Nuancenreichtum in die Handlung
und sorgen dadurch für viel Farbe und Abwechslung. Sie alle sind stark geprägt durch
ihr Leben. Haben gute und schlechte Eigenschaften.
Und genau diese Fehler und Macken lassen sie so natürlich und echt wirken.
Anfangs etwas roh und ungehobelt entwickelt sich die Geschichte zu einem fast schon
liebevollen zusammenleben der beiden.

Ein starkes Debüt und für mich ein absolutes Lesehighlight.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2021

Ein Dutzend Fotografien

Die Frauen von Paris
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Manhattan, 1946: 
Die junge Witwe Grace Healey findet einen Koffer mit
einem Dutzend Fotografien junger Frauen.
Grace findet heraus, dass alle zwölf Frauen während des Krieges von
England ins besetzte ...

Manhattan, 1946: 
Die junge Witwe Grace Healey findet einen Koffer mit
einem Dutzend Fotografien junger Frauen.
Grace findet heraus, dass alle zwölf Frauen während des Krieges von
England ins besetzte Frankreich geschickt wurden, um die Landung der
Alliierten vorzubereiten. Keine von ihnen ist zurückgekehrt.
London, 1943:
Die alleinerziehende Marie hat ihre kleine Tochter auf dem Land untergebracht.
Das soll sie vor den Bombenangriffen der Deutschen schützen.
Eines Tages macht ihr der britische Militärgeheimdienst ein Angebot:
Weil die männlichen Agenten im besetzten Frankreich zu schnell enttarnt werden,
sollen zum ersten Mal in der Geschichte Frauen als Spione eingesetzt werden.
Zunächst scheint es eine relativ einfache Aufgabe zu sein.
Doch schon bald wird klar, dass es einen Verräter in den eigenen Reihen geben muss.

Der wunderbar flüssige Schreibstil der Autorin nimmt einen geradewegs mit
in eine vergangene Zeit. Es wird in zwei Zeitsträngen erzählt.
London 1943 und Manhattan 1946. Die Vergangenheit wird wieder lebendig.
Die Wirren des Zweiten Weltkriegs und die schlimme Zeit der Besatzung werden gekonnt
in die Geschichte eingewoben. Mit gut gesetzten Spannungsbögen und mit einem
sehr fesselndem Schreibstil.
Nicht nur die politische Seite ist sehr interessant, sondern auch die Lebensumstände.
Die Schreibweise ist fließend, manchmal etwas zu ausschweifend.
Die Charaktere und Ihre Entwicklungen sind wunderbar beschrieben.
Während der erste Erzählstrang mich richtig mitgerissen hat, fand ich den zweiten eher
Langweilig. Auch sind einige Passagen ziemlich holprig und nicht immer nachvollziehbar.
Es gibt  viel drumherum was das Lesevergnügen doch erheblich gemindert hat.
Die Recherche ist gut. In der Kombination mit der fiktiven Geschichte ist es durchaus ein
Leseerlebnis allerdings mit einigen Schwachstellen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2021

Träger des guten Geschmacks

Groß & Fett
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Dieses wunderbare Kochbuch hebt sich so schön von der Masse ab. Alleine der Titel Groß & Fett. Nun ja, Maria heißt Groß und Fett ist ein sehr guter Geschmacksträger. Das Essen ist halt nicht nur Nahrungsaufnahme ...

Dieses wunderbare Kochbuch hebt sich so schön von der Masse ab. Alleine der Titel Groß & Fett. Nun ja, Maria heißt Groß und Fett ist ein sehr guter Geschmacksträger. Das Essen ist halt nicht nur Nahrungsaufnahme und Mittel zum Zweck, sondern auch etwas mehr. Etwas Besonderes. Nämlich sinnlich, wohltuend und lebendig. Genauso wird es auch vermittelt.

Die Inhaltsangabe ist sehr übersichtlich.

-Die Vorstellung-

des Teams ist schon eine sehr launige Angelegenheit.

Man merkt gleich, dass die Chemie zwischen den beiden stimmt.

-Die Grundzutaten-

sind sehr wenige. Das ist eine Offenbarung.

Fast alles findet man in einer Küche, in der gekocht wird. Das wenige das fehlt, kann man selbst herstellen oder beim Kaufmann um die Ecke kaufen.

-Die Theorie für die Praxis-

kann selbst erfahrenen Köchen/innen noch was bringen. Die Tipps sind wunderbar alltagstauglich und vor allem sehr hilfreich. Liebevoll und ohne den erhobenen Zeigefinger werden sie erklärt.

-Kleine Gerichte – sind wirklich kleine und vor allem feine Gerichte.

Der Brotsalat zum Beispiel ist schnell gemacht, macht wenig Abwasch und schmeckt mit der Salatsoße einfach köstlich.

-Vegetarische Gerichte-

gibt es sehr viele. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei.

-Fleisch und Fisch-

hat viele Gerichte mit ungewöhnlichen Zusammensetzungen. Da bekommt man Lust es auszuprobieren.

Schweinefilet mit Kartoffel-Senf-Ragout ist ein wirklich leckeres Gericht.

Mit einer Soße zum reinlegen.

-Desserts-

gibt es natürlich auch. Da kann ich den schnellen Apfelkuchen empfehlen.

Der ist nicht nur schnell gemacht, er ist auch sehr schnell gegessen.

Aufgelockert wird das Buch durch wundervolle Fotos und witzigen Texten.

Immer wieder gibt es Tipps und kleine Erklärungen. Da es keine genauen
Mengenangaben und Garzeiten gibt, ist es für Anfänger evtl. etwas schwierig.
Dafür gibt es aber den Podcast, den ich sehr empfehlen kann.
In ca. 30 Minuten ist das Rezept fertig.

Ein sehr gelungenes Kochbuch. Für Anfänger und auch für alte Hasen.

Die Angaben stimmen, die Rezepte gelingen.

Die Rezepte sind abwechslungsreich und nicht überkandidelt.

Da gibt es für jeden Geschmack etwas.

*Das beste aber ist bei diesem Buch, das das Auge mitisst.

Sobald man dieses Buch aufklappt, möchte man sofort loskochen.
Die Leidenschaft mit der Maria kocht, ist ansteckend.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.12.2020

Buntglasfenster

Erinnerungen aus Glas
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Niederlande 1942:
Zwei Frauen, beste Freundinnen, stehen sich nach langer Zeit wieder gegenüber.
Die Jüdin Eliese arbeitet im Auftrag des Judenrates als Registrierungskraft
in der Hollandschen Schouwburg, ...

Niederlande 1942:
Zwei Frauen, beste Freundinnen, stehen sich nach langer Zeit wieder gegenüber.
Die Jüdin Eliese arbeitet im Auftrag des Judenrates als Registrierungskraft
in der Hollandschen Schouwburg, einem Amsterdamer Theater,
das zur Sammelstelle für Juden umfunktioniert wurde.
Josie im gegenüberliegenden Kinderheim. Die Zustände sind für sie unerträglich und sie
schmieden einen nicht ungefährlichen Plan.

75 Jahre später reist Ava Drake als Direktorin der Kingston-Stiftung nach Uganda.
Sie will einen Förderantrag prüfen. Sie lernt Landon West kennen.
Unerwartet tut sich eine Verbindung zwischen ihren Familien auf. Ava fängt an zu
recherchieren. Sie stößt auf Widerstand und sticht in ein Wespennest aus Lügen,
Betrug und Habgier.....

Mit einer sehr ausdrucksstarken Schreibweise nimmt uns die Autorin mit in eine
schlimme Zeit. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen und springt immer wieder
in die Vergangenheit zurück. Eine sehr gut recherchierte Geschichte.
Hier werden historische Fakten mit dem Schicksal zweier Familie verwoben.
Es ist ein sehr berührender Roman. Unprätentiös und lebensnah erzählt,
so das es nie rührselig oder kitschig wird.
Die Charaktere und Ihre Entwicklungen sind wunderbar beschrieben und man kann sich sehr gut mit ihnen Identifizieren.
Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm zu lesen.
Hier wird Zeitgeschichte authentisch vermittelt. Sie macht deutlich was die Menschen damals alles auf sich genommen haben,
um Leben zu retten. Dieses Netzwerk aus Männern und Frauen, die ihr Leben dafür riskiert haben.

Melanie Dobsen hat einen wunderbaren Roman geschaffen. Ein Denkmal für die vielen mutigen Helfer und Helferinnen.
Richtig gut recherchiert und spannend umgesetzt.
Eine unbedingte Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.12.2020

Ein wunderbarer Roman

Wo du nicht bist
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Die Autorin erzählt eine Liebesgeschichte und damit ein Stück Deutsche Geschichte.
Irma, eine einfache Verkäuferin verliebt sich in Erich einem Arzt.
Erich lebt in einer sehr großen Altbauwohnung am Kurfürstendamm, ...

Die Autorin erzählt eine Liebesgeschichte und damit ein Stück Deutsche Geschichte.
Irma, eine einfache Verkäuferin verliebt sich in Erich einem Arzt.
Erich lebt in einer sehr großen Altbauwohnung am Kurfürstendamm, in der er auch seine Praxis hat. Dort gibt es große Abendessen, er spielt Klavier und hat sogar ein Auto. Für Irma ist das eine ganz andere Welt.
Aber sie fasst langsam Vertrauen und ist glücklich. Die beiden verloben sich.
Doch bald ist das kurze Glück vorbei.
Denn Erich ist Jude und die Nationalsozialisten haben immer mehr Einfluss.
Für den Arzt Erich wendet sich das Blatt und sein Leben wird immer eingeschränkter.
Erst verliert er seine Praxis und die Wohnung und letztendlich auch seine Approbation.
Erich wird deportiert und überlebt nicht.
Irma hat mit ihrem Herzen ein Eheversprechen gegeben, das sie bis an ihr
Lebensende bindet.
Von nun an setzt sie alles daran, auch rechtlich als Frau Bragenheim anerkannt zu werden. Es geht ihr nicht um ein eventuelles Erbe oder eine Rente. Sie möchte schlicht eine Tatsache offiziell bestätigt haben.

Viel Lokalkolorit und ein sehr gutes Hintergrundwissen machen diesen Roman zu einem Leseerlebnis.
Charaktere und Aufbau sind sehr überzeugend und mitreißend.
Das Leiden der Menschen wird schonungslos wiedergegeben.
Die Geschehnisse sind sehr echt und packend beschrieben.
Alles wird sehr anschaulich und bildhaft dargestellt.
Sehr sachlich und nüchtern wird so das Grauen greifbar.
Ein sehr tiefer Einblick in eine dunkle Zeit.
Die Schreibweise ist wunderbar fließend und macht das Lesen zu einem Erlebnis.
Ein wunderschöner Roman über eine ganz besondere Frau.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere