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Veröffentlicht am 01.05.2021

Eine Geschichte zum Träumen

Der Sommer hat doch Meer zu bieten
1

Dieser Sommer hat nicht nur Meer zu bieten, er hält für Julia soviel mehr bereit, auch wenn es zunächst so gar nicht danach ausschaut. Erwischt sie ihren sehr erfolgreichen, aber selten anwesenden Gatten ...

Dieser Sommer hat nicht nur Meer zu bieten, er hält für Julia soviel mehr bereit, auch wenn es zunächst so gar nicht danach ausschaut. Erwischt sie ihren sehr erfolgreichen, aber selten anwesenden Gatten in flagranti. Nicht genug, schlägt sich Nele, ihre halbwüchsige Tochter auf die Seite des Vaters. Julia braucht Abstand und fährt kurz entschlossen an die Ostsee.

Ein Sommerroman, der sich als Oase der Glückseligkeit entpuppt. Alles passt. Ein Märchen – für dieses Leben würde wohl jeder gerne den in die Jahre gekommenen, untreuen Ehemann gegen einen attraktiven, äußerst netten, treuen und fürsorglichen Tierarzt eintauschen.

Dieser Sommer sprüht vor Lebensfreude. Beim Lesen konnte ich alles hinter mir lassen, mich in diese wunderschön beschriebene Landschaft direkt hineinbeamen. Da wäre ich jetzt auch gerne. Diesen Wunsch verspürte ich des Öfteren, habe Julia ihr neues Leben gegönnt und für ihren treulosen Noch-Ehemann keinerlei Sympathie verspürt. Wird Nele sich von der Mutter entfernen oder kommt sie doch zur Einsicht, dass Julia die Beste von allen ist?

Gerne habe ich diese Wohlfühlgeschichte rund um eine Frau, die ihrem Leben eine neue Wende gibt, gelesen. Natürlich braucht es dazu eine gehörige Portion Mut, einfach die gewohnten Bahnen zu verlassen, sich dem Unbekannten zu stellen. Warum es letztendlich „nur“ 3 Sterne anstatt 4 sind? Eine Geschichte, nicht aus dem Leben gegriffen – ein modernes Märchen eben. Schön geschrieben, sehr gut zu lesen. Wie ein lang ersehnter Traum.

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Veröffentlicht am 29.04.2021

Ein Haus voller Aggressionen

Das Haus
1

Zunächst ist es Enis Al Agha, dessen Tod aufgeklärt werden muss. Wie kommt der von seiner Terrasse über die Brüstung und fällt in die Tiefe – war es Selbstmord oder hat da einer nachgeholfen? Bei den ...

Zunächst ist es Enis Al Agha, dessen Tod aufgeklärt werden muss. Wie kommt der von seiner Terrasse über die Brüstung und fällt in die Tiefe – war es Selbstmord oder hat da einer nachgeholfen? Bei den regelmäßigen Treffen der Mieter mit Umtrunk war genau er es, der sich zurückhielt, keinen Anschluss suchte oder wollte. Hat er die Fremdenfeindlichkeit gespürt? Nachgesagt wird einem schnell was von wegen Asylant, lebt von unseren Steuergeldern…

Jeder beäugt jeden, es gibt die Lauscher an der Wand und in der Besenkammer. Je länger sich die Bewohner gegenseitig beobachten, desto eher findet sich bei jedem ein dunkler Punkt oder noch mehr – eine kriminelle Energie. Zugetraut wird jedem alles, keiner traut dem anderen so richtig über den Weg. Bei dem einen Toten bleibt es nicht, es werden Bewohner vermisst, andere tot aufgefunden.

Was ist los in diesem Haus? Erzeugt es gar Aggressionen, ist schuld an all diesen Verbrechen? Aus Sicht der Parapsychologin Nadja wird die Geschichte erzählt. Geht der Tötungsbefehl von diesem Haus aus?

Die Story hat mich gleich für sich eingenommen, die in jeder Hinsicht unterschiedlichen Bewohner tappen genau wie ich als Leser im Dunkeln, man kommt keinen Schritt weiter. Bis das nächste Unglück geschieht – hat diese Tat mit dem ersten Toten zu tun? Man sieht zu, wie sie sich untereinander taxieren, die Angst ist greifbar. Eine unheilvolle Atmosphäre, gepaart mit Ratlosigkeit lässt einen nicht los.

„Das Haus“ von Olivia Monti ist ein gut zu lesender, ja durchaus fesselnder Krimi mit übersinnlichen Momenten.

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Veröffentlicht am 28.04.2021

Konnte mich nicht wirklich berühren

Mado
1

Mado Kaaris hat ihren Boxer satt, sie will dieses Leben nicht mehr. Kurzerhand erschlägt sie ihn und macht sich aus dem Staub. Weg von Paris, zurück zu ihrer Herkunftsfamilie in die Bretagne. Und diese ...

Mado Kaaris hat ihren Boxer satt, sie will dieses Leben nicht mehr. Kurzerhand erschlägt sie ihn und macht sich aus dem Staub. Weg von Paris, zurück zu ihrer Herkunftsfamilie in die Bretagne. Und diese Familie hat es in sich. Rosa, die Großmutter – im Gefängnis gewesen. Laure, die Mutter – eine Nutte. Und schließlich ist da noch ihre kleine Schwester Verelle – eine Nonne. Mado lässt sich da nichts nachsagen, ist sie doch eine Mörderin. Perfekt!

Mado meint, schwanger zu sein, weiß es aber nicht so genau. Trotzdem schießt sie sich jeden Tag ab – Alkohol, Drogen und ein paar Pillen dazu. Das braucht sie, um ihr Dasein zu ertragen. Genau so lese ich dieses Buch. Eine Familie, die sich in all ihren schlechten Eigenschaften ergänzt, der Alkohol spielt neben Rachegedanken all den Männern gegenüber eine große Rolle. Die Protagonisten irren total verstört durch die Seiten, ergeben sich in Hirngespinsten, sind meist schlecht gelaunt, besoffen oder/und bekifft.

Eine diffuse, zuweilen desorientierte, ja verstörte Titelheldin, ein konfuser Erzählstil. Dadurch nicht immer einfach zu lesen. Die kurzen Kapitel sind hilfreich, um dann doch noch weiterzulesen, denn so manches Mal hätte ich am liebsten abgebrochen. Da wusste ich nicht so recht, wo genau die Story spielt, wer denn nun agiert. Es waren sehr abrupte Brüche, herbe Übergänge. So wie Mado, ihr verworrenes Ich. MeToo ist hier eher im umgekehrten Sinne zu lesen. Die Titelheldin nimmt sich, was und wen sie will und das nie ohne Hintergedanken. Sie wird wohl weiterirren, immer wieder stolpern, nichts dazulernen.

„Sie hatte jedes Recht dazu, für den Rest ihres Lebens wegzulaufen. Es war ihr verdammtes Leben, und sie musste niemand anderem das Leben retten.“

Mado – ein selbstbestimmtes Leben. Für sie genau richtig, für andere falsch, unkorrekt, ungehörig. Der gesellschaftliche Background prägt. Ein Buch, das mich mit nicht wirklich berühren konnte, welches für mich trotz vieler Emotionen leidenschaftslos blieb.

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Veröffentlicht am 23.04.2021

Atemraubende Familiengeschichte

Girl A
1

Alexandra, genannt Lex, trifft im Gefängnis ein. Ihre Mutter ist gestorben, sie soll als Testamentsvollstreckerin fungieren. Das Haus in der Moor Woods Road und etwas Geld sind da, sieben Geschwister müssen ...

Alexandra, genannt Lex, trifft im Gefängnis ein. Ihre Mutter ist gestorben, sie soll als Testamentsvollstreckerin fungieren. Das Haus in der Moor Woods Road und etwas Geld sind da, sieben Geschwister müssen sich einigen, was damit geschehen soll. Eine Begegnungsstätte schwebt Lex vor, sie braucht dafür die Zustimmung der anderen.

Voller spannungsgeladener Vorfreude begab ich mich in das Haus des Grauens, war Zaungast bei der Familie Grace und deren unheilvoller Geschichte. Aus Lex Sicht offenbart sich so nach und nach das schauerliche Familienleben, falls man es als solches bezeichnen kann. Zunächst gehen die älteren Kinder zur Schule, der gestrenge Vater wacht über allen. Gott spielt für ihn eine zentrale Rolle und somit in ihrer aller Leben. Aber dann - wie konnte es soweit kommen?

Girl A, wie Lex von den Medien später genannt wird, kann sich eines Tages befreien, ihr gelingt die Flucht. Sie ist mittlerweile Anwältin, nimmt den Leser direkt mit in ihr Leben, wobei sie gedanklich immer wieder in die Vergangenheit abdriftet. Ein hin und her, das oftmals schnelle Wechsel mit sich bringt und aufmerksam gelesen werden will. Evie – Girl C – ist ihr am nächsten, verbrachten die Mädchen doch ihre Fesseltage, ihre Kettenzeiten gemeinsam eingesperrt. Mit ihr ist sie, wie es scheint, heute noch in Kontakt, die beiden verstehen sich, vertrauen sich blind.

Ein fulminanter Anfang, atemraubend und beklemmend. Genau so las ich von ihnen, konnte mir aber kein komplettes Bild machen. Es fehlten wesentliche Teile, was dem Ganzen noch mehr Spannung gab. Ich lernte Ethan - Boy A – kennen, der so ganz anders war als seine Geschwister, heute noch anders ist. Auch den anderen Gracie-Kindern sind Kapitel gewidmet.

Nach dem perfekten Einstieg in deren deprimierendes Dasein war die Luft über lange Strecken raus. Warum nur war es plötzlich sehr langatmig, so gar nicht mehr fesselnd? Sehr schade drum. Wäre das Erzählte, dieses subtile Spiel mit dem Leser weitergegangen, hätte es ein grandioses Ganzes ergeben. So aber ist die Story abgeflacht, hat sich so dahin gequält, um dann wieder zu erwachen. Weil – es ist ein Ende, das anknüpft an die ersten Seiten, es wieder los geht mit dem fein austarierten Spiel.

Der Anfang, das Ende – grandios, besser geht es nicht. Dazwischen geht die Spannung dahin, jeder Zauber ist verloren. Eine Erzählung, die so dahinplätschert ohne Höhen und Tiefen. Darum werden es „nur“ 4 Sterne, was jedoch keinen Leser davon abhalten sollte, diese Psychospielchen näher zu betrachten.

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Veröffentlicht am 23.04.2021

Ein Sommer mit Asta Nielsen

Das Haus der Winde
1

Juni 1934: Gut gelaunt unternehmen die Schwestern Asta und Johanne einen Segeltörn, als sie gerammt werden. Zunächst sieht es so aus, als ob sie für den nicht unerheblichen Schaden aufkommen müssen, bis ...

Juni 1934: Gut gelaunt unternehmen die Schwestern Asta und Johanne einen Segeltörn, als sie gerammt werden. Zunächst sieht es so aus, als ob sie für den nicht unerheblichen Schaden aufkommen müssen, bis die Fischer mehrere Studenten im fliegenden Holländer als Verursacher ausmachen. Nachdem die Sache aus der Welt geschafft ist, will Asta für ihren guten Freund Joachim Ringelnatz, von ihr liebevoll Ringel genannt, ein Bett bauen lassen. Er soll in ihrem Haus, das sie Karusel nennt, von seiner schweren Krankheit genesen. Da trifft es sich gut, dass Kai, der Fischer, auch ein hervorragender Möbelbauer ist. Asta und Kai kommen sich näher, sie verbringen unbeschwerte Wochen auf der Ostseeinsel Hiddensee.

Der Stummfilmstar Asta Nielsen inmitten der Insulaner. Neben Ringelnatz zählten Gerhard Hauptmann, Heinrich George und viele Größen ihrer Zeit zu ihren Freunden. In das Leben der Insulaner konnte ich mich gut hineinversetzten, Sylvia Frank hat mich direkt daneben gestellt, mich als Beobachter einen Blick auf deren Alltag werfen lassen.

Die Zeit des Stummfilms ist vorbei, Asta wendet sich dem Theater zu. Als Hitler sie umgarnt, ihr eine eigene Filmgesellschaft anbietet, vom Staat finanziert, lehnt sie ab. Sie, die Dänin, will nichts mit den Nazis zu tun haben.

Dieser unbeschwerte Sommerurlaub mit der Diva, die ganz bescheiden daherkommt, ein großes Herz für alle hat, ist kurzweilig und unterhaltend geschrieben. Eine Auszeit in Hiddensee, ganz nett zu lesen, eine Liebelei – oder war es doch Liebe? Genau so könnte es gewesen sein, einen unprätentiösen Umgang mit den einfachen Leuten pflegte sie. Es war ihr letzter Sommer auf dieser Ostseeinsel, danach kam sie nie wieder her.

„Das Haus der Winde“ ist angenehm zu lesen, die Liebesgeschichte nimmt für meinen Geschmack jedoch einen zu breiten Raum ein. Das Angebot der Nazis, mit ihnen zu kooperieren, wurde auf wenigen Seiten abgetan. Was an und für sich in Ordnung ist, doch die Ankündigung dessen las sich für mich, als ob da noch mehr kommen müsste. So bleibt eine wohlgefällige Liebesgeschichte übrig – wie eine Sommerbrise. Ein durchaus erfrischender Roman für vergnügliche Lesestunden.

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