Erste Hälfte starke Fantasy, zweite hälfte schwache Romanze
Anathema"Anathema" ist eins der Bücher, die einen sehr starken Anfang haben (das erste Drittel war SO GUT), ein recht gutes Ende haben und dann eine schwächere Mitte haben.
Der Anfang hatte mich wirklich sehr ...
"Anathema" ist eins der Bücher, die einen sehr starken Anfang haben (das erste Drittel war SO GUT), ein recht gutes Ende haben und dann eine schwächere Mitte haben.
Der Anfang hatte mich wirklich sehr stark abgeholt. Die Atmosphäre, die geschaffen wurde, wie der Wald hochgehypet wurde, die Kultumgebung der Sterblichen um Maevyth, die uns gezeigt wurde, sowie die magische Gesellschaft um Zevander, und wie diese beiden Welten in Kontrast gesetzt wurden. Beide Charaktere hatten eine schwere Kindheit und Jugend, haben Traumata erlitten. Beide haben eine Schwester, die sie beschützen wollen.
Wie die Parallelen und Unterschiede der beiden, ihrer beiden Welten und ihrer beiden Leben aufgebaut wurden, hat mich sehr gefesselt und ich habe mich sehr darauf gefreut zu erfahren, wie es weiter geht. In dieser Zeit begegnen sie sich noch nicht so wirklich, aber man kriegt ein Gefühl dafür, was die Handlung für die beiden noch birgt, wer sie als einzelne Charaktere sind, was sie gewinnen und verlieren können.
Ab ca. der Hälfte, als Maevyth gezwungen war in Zevanders Welt zu flüchten und ihre Schwester zurückzulassen und sie auf seiner Burg festhängt, wendet sich der Fokus viel mehr zur Romanze, und die Handlung geht nur noch sehr langsam voran. Trotzdem bewegt sich auch die Romanze nicht wirklich voran, sie ist und bleibt vor allem körperliches Verlangen zwischen den beiden. Wir verbringen recht wenig Zeit damit, zu sehen, wie die beiden miteinander interagieren außerhalb dessen, dass sie sich heiß finden. In Zevanders Handelsstrang lernen wir ein wenig mehr über das Worldbuilding und die Risiken, die sich hinter jeder Ecke bergen, und in Maevyths Strang lernt sie vor allem Zevanders Geschwister und Verbündeten kennen. Ich mochte Zevanders Geschwister sehr, aber Rykaias Interaktionen haben in diesem Teil viel daraus bestanden, dass sie versucht hat die beiden zu verkuppeln. Dies hat meiner Meinung nach weder zur Atmosphäre des Buches, noch zum Verhalten von Maevyth und Zevander gepasst und weiter dazu beigetragen, dass die Romanze doch sehr oberflächlich ablief, da sie vor allem in Rykaias Worten ablief und nicht wirklich in den Interaktionen zwischen Maevyth und Zevander.
Richtung Ende wurde es dann doch noch mal wieder spannender als wieder mehr passiert ist und einige der Risiken, die vorher angedeutet wurden, zum Tragen kamen. Ich hätte gerne noch etwas mehr Zeit in der Welt verbracht, in der Maevyth aufgewachsen ist, da der Kontrast und die Parallelen über das Buch hinweg so sehr ausgearbeitet wurden, aber es scheint, als sei das kein Fokus der Geschichte.
Dass das Ende und der Anfang stärker waren, konnte leider die schwächere Mitte leider nicht aufwiegen, da die Romanze so schwach war. Ich habe oft Probleme mit dem Konzept von Seelengefährten in Büchern, da es zum Teil als Abkürzung verwendet wird, um die Romanze nicht entwickeln zu müssen, und das war leider hier der Fall. Es stört mich auch, dass man erst bei 74 % erfahren hat, dass "Gefährten" in dieser Welt existieren, denn sonst hätte ich das Buch möglicherweise gar nicht gelesen, da ich oft die Erfahrung gemacht habe, dass dann die Romanze nicht genug entwickelt ist und mir das Buch nicht gefällt.
Wenn einem "Das Reich der Sieben Höfe" gefallen hat, wird einem aber sicher auch das hier gefallen, obwohl da die Romanzen doch noch etwas mehr entwickelt sind als in "Anathema", auch wenn die Bücher in meinen Augen recht ähnliche Schwachstellen haben.
Ich finde es sehr schade, dass mich das Buch ab der Mitte dann doch wieder verloren hat, da die düstere Atmosphäre, diese hexenartigen Vibes, Götter, Kulte und Hofintrigen eigentlich alles Aspekte sind, die sehr dafür sprechen, dass ich Bücher mögen werde, und das war ja auch hier für die ersten 50% der Fall. Leider konnte die zweite Hälfte einfach nicht mit der ersten mithalten.