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Maria_12

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.04.2025

Licht und Schatten

Maikäferjahre
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Nach dem gelungenen Debüt „Heimatsterben“ der Drehbuchautorin Sarah Höflich, war ich sehr gespannt auf ihren neuen Roman „Maikäferjahre“, der eine Geschichte über Hoffnung und Vergebung in dunklen Zeiten, ...

Nach dem gelungenen Debüt „Heimatsterben“ der Drehbuchautorin Sarah Höflich, war ich sehr gespannt auf ihren neuen Roman „Maikäferjahre“, der eine Geschichte über Hoffnung und Vergebung in dunklen Zeiten, erzählt und ich wurde nicht enttäuscht.

Annis Vater Gottlieb Baumgartner ist Violinist bei der Sächsischen Staatskapelle und ein begnadeter Musiker, der sich immer schon mit der Herrschaft der Nationalsozialisten schwergetan hat. Besonders hart trifft es Gottlieb Baumgartner, als sein „Jahrhundertgeiger“ wie er seinen Protegé den Halbjuden Adam Loewe nennt, in Gefahr schwebt. Er muss eine schwere Entscheidung treffen, will er Adams Leben retten und zahlt einen hohen Preis.

Bereits seinen ältesten Sohn Siegfried hat Gottlieb Baumgartner, im Russlandfeldzug verloren und sein Sohn Tristan ist im Krieg und jagd als Kampfpilot über dem Ärmelkanal während seine Hochschwangere Zwillingsschwester Anni in Dresden bei den Eltern lebt und auf ihren in Russland vermissten Mann Fritz, wartet.

In den Wirren des Zweiten Weltkriegs getrennt, in Gedanken immer verbunden: Nie hören die Geschwister Anni und Tristan auf, sich Briefe zu schreiben – in der verzweifelten Hoffnung, der jeweils andere möge noch leben.
Aus wechselnden Perspektiven unterteilt in Kapiteln, die jeweils mit einem Brief entweder von Anni oder Tristan beginnen, erzählen beide über ihre Ängste und Erlebnisse während des Krieges, der Flucht und der Hoffnung sich wieder zu sehen.

Gegen Ende des Krieges wird Dresden von den Alliierten schwer bombardiert und bevor Anni mit ihrer Tochter in den Luftschutzkeller flieht, nimmt sie den Violinenkoffer mit der geliebten Geige ihres Vaters, etwas Geld und ein paar wichtige Unterlagen aus dem Safe mit. Annis Leben liegt in Scherben. Ihr Bruder Tristan ist vermisst, Mutter und Vater haben die letzten Kriegstage nicht überlebt. Einzig ihre Tochter Clara gibt ihr Hoffnung. In Annis dunkelsten Stunden trifft sie den halbjüdischen Geiger Adam wieder und gemeinsam fliehen sie aus dem brennenden Dresden, quer durch das besetzte Deutschland – auf der Suche nach einem sicheren Ort.
Bald hat Adam nicht nur die kleine Clara ins Herz geschlossen, auch für Anni schlägt längst sein Herz, doch eines Tages steht Fritz vor der Tür …

Tristan ist nur knapp dem Tod entronnen und in englische Kriegsgefangenschaft geraten. Einzig die Hoffnung, dass seine Zwillingsschwester Anni überlebt haben könnte, lässt ihn für seine Genesung kämpfen. Und noch etwas hält ihn am Leben. Die Liebe zur britischen Krankenschwester Rosalie, eine Liebe, die vom Gesetz verboten und heftigen Anfeindungen ausgesetzt ist.
Rosalie, fühlt sich gegen jede Vernunft zu Tristan hingezogen und kämpft für ihre Liebe.

Zum Abschied von Adam überreicht Anni ihm die Geige ihres Vaters mit den Worten: „Sie gehörte meinem Vater. Er hätte es so gewollt. Glaub mir. Du spielst sie schöner, als ich es je können werde.“ – „Hör nicht auf, an dich zu glauben!“ – „Versprich mir das.“

Der Autorin ist es hervorragend gelungen, mit ihren fiktiven Charaktere und Ereignissen, eine sehr bewegende und emotionale Geschichte über das Leben in schwierigen Zeiten zu erzählen. Besonders die Anfeindungen und der Hass zwischen den Deutschen und Engländern werden anschaulich beschrieben. Die Protagonisten sind im Handlungsverlauf bildhaft und hervorragend ausgearbeitet. Das Ende der Geschichte, wartet fast auf eine Fortsetzung …
Von mir 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 15.04.2025

Nach außen den Schein wahren

Bis die Sonne scheint
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Der Autor versteht sein Handwerk, denn er weiß genau, was er erzählen will und geht diesen Weg zielsicher. In seinem neuen Roman „Bis die Sonne scheint“ erzählt Christian Schünemann, von seinen eigenen ...

Der Autor versteht sein Handwerk, denn er weiß genau, was er erzählen will und geht diesen Weg zielsicher. In seinem neuen Roman „Bis die Sonne scheint“ erzählt Christian Schünemann, von seinen eigenen Kindheitserinnerungen.

Im Mittelpunkt der Geschichte, steht der 14jährige Daniel mit seinen Kindheitserinnerungen und Wahrnehmungen, die das verstörrende Familienverhältnis der Hormanns in den 80er Jahren wiederspiegelt.

Daniel freut sich auf seine Konfirmation und träumt von einem blauen Samtsakko und grauer Flanellhose. Danach soll er mit dem Schüleraustausch nach Frankreich reisen. Oh, wie freut er sich, Philip wieder zu sehen und eine schöne Zeit mit ihm zu verbringen! Daniel kann es kaum erwarten und freut sich im Stillen auf seine Konfirmation und besonders auf die Geldgeschenke.
Doch sein Traum zerplatzt aus heiterem Himmel, als er seine Eltern belauscht, die völlig pleite sind. Seine Eltern wissen nicht mehr, wie sie die sechsköpfige Familie über die Runden bringen sollen. Ideen haben sie viele aber nichts will so recht gelingen, denn kaum haben sie ein wenig Geld in der Hand, ist es auch schon wieder für unnötige Dinge ausgegeben. Selbst den Gerichtsvollzieher und die aufgeklebten Kuckkucks, nehmen sie nicht Ernst, sondern eher mit Humor!

Zwischendurch zweifen Daniels Gedanken zu seinen Großeltern ab, die eigentlich zu der Generation des Schweigens gehören und trotzdem weiß er erstaunlich viel über deren hartes Leben während der Kriegszeiten. Seine Erinnerungen an seine Großeltern, erzählt er nüchtern und ungeschont offen.

Währenddessen versucht Daniels Mutter mit Handarbeiten, die Familie über Wasser zu halten, doch das bisschen Geld ist schnell verpufft und reicht nicht mal fürs Nötigste. Sein Vater ist Architekt und nach seiner misslungenen Selbständigkeit, nicht mehr flexibel genug, um sich eine Arbeit zu suchen. Schade um die verlorenen Chancen!

Trotz ihrer vier Kinder, verschließen die Hormanns leider immer wieder die Augen vor der Realität und leben nach dem Motto, es wird schon irgendwie weitergehn.

Fazit:
Der Autor hat mit einer klaren Sprache, die äußeren und inneren Familienverhältnisse seiner eigenen Kindheitserinnerungen locker und angenehmn, erzählt. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass mir teilweise die Emotionen fehlen, wodurch die Geschichte leider etwas kühl wirkt.
Von mir 4 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Die Revolution und ihr Scheitern

Im Wind der Freiheit
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Tanja Kinkel gehört zu den interessantesten deutschen Unterhaltungsautorinnen. Sie legt sich nicht auf eine historische Epoche fest, sondern lädt dazu ein, an ihrer Seite in die unterschiedlichsten Zeiten ...

Tanja Kinkel gehört zu den interessantesten deutschen Unterhaltungsautorinnen. Sie legt sich nicht auf eine historische Epoche fest, sondern lädt dazu ein, an ihrer Seite in die unterschiedlichsten Zeiten zu reisen und faszinierende Persönlichkeiten kennenzulernen.

Mit diesem historischen Roman entführt die Autorin ins Jahr 1848/1849, als die Menschen im Deutschen Bund gegen die autoritäre Herrschaft der Fürsten und die drückende Zensur revoltieren.

Während Deutschland die Morgendämmerung der Demokratie erlebt, finden in den Wirren der Zeit zwei ungleiche Frauen zueinander:
Die mutige Schriftstellerin und unbeirrbare Demokratin Louise Otto, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit ihren sozialkritischen Schriften für Freiheit und Selbstbestimmung zu kämpfen und die arbeits- und mittellose Susanne Grabasch.

Beide Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein, denn Louise Otto, stammt aus einer wohlhabenden Familie, wollte nie heiraten, sondern schon immer Schriftstellerin werden, während Susanne für sich und ihre Mutter ums nackte Überleben kämpfen muss.

Im Rahmen einer ihrer Recherchen trifft Louise auf Susanne, die in dieser Tuchfabrik arbeitet und von deren Besitzer ausgebeutet wird. Als Susanne sich für eine verletzte Freundin einsetzt, gibt sie Louise, die Hinweise, die diese für ihren Artikel benötigt woraufhin Susanne und ihrer Mutter gekündigt wird. Ihr bleibt nichts anderes überig als sich der Prostitution hinzugeben und lernt einen mystheriösen charismatischen Mann kennen, der sie als Spionin anwirbt. Das von diesem Mann nichts Gutes zu erwarten ist, bleibt Susanne vorerst verborgen. Ihr geht es ums Überleben!
Von nun an mischt Susanne in der Bewegung mit und ausgerechnet sie und Luoise kommen sich näher. Ihre Spionagetätigkeit führt sie zu der Frauenrechtlerin Amelie Struwe, doch bald verbindet die beiden Frauen ein enger Umgang miteinander.

Die fiktive Susanne ist interessant und als mutiger Charakter gut ausgearbeitet, obwohl ich oft nicht so recht wusste, auf welcher Seite sie steht. Ihre ständigen Reisen haben wohl dazu beigetragen. Schön fand ich, wie eindrücklich Louise und Amalie, die beiden historischen Persönlichkeiten, dargestellt wurden.
Schon alleine wegen der vielen historischen Persönlichkeiten, hätte ich mir hier ein Personenregister, recht gut gefallen.

Fazit:
Von der Autorin habe ich schon einige Bücher gelesen und finde ihr Talent, historische Fakten gut recherchiert mit fiktiven Handlungen auf eine leichte Art zu vermitteln, ausgesprochen angenehm. In diesem Roman „Im Wind der Freiheit“ wird der geschichtliche Hintergrund zwar anschaulich dargestellt aber irgendwie fehlte mir etwas mehr Tiefe in der ganzen Handlung.
Von mir 4 Sterne!

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Veröffentlicht am 07.04.2025

Familiengeheimnisse, die Generationen beeinflussen und bis in die Gegenwart wirken

Wenn die Tage länger werden
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In ihrem neuen Roman „Wenn die Tage länger werden“ erzählt die Autorin Anne Stern, eine leise Geschichte über die alleinerziehende Musiklehrerin Lisa Fischer, die das erste Mal nach sechs Jahren ohne ihren ...

In ihrem neuen Roman „Wenn die Tage länger werden“ erzählt die Autorin Anne Stern, eine leise Geschichte über die alleinerziehende Musiklehrerin Lisa Fischer, die das erste Mal nach sechs Jahren ohne ihren Sohn ihre Sommerferien verbringt.

Lisas Freude auf die lang ersehnte Freiheit lösen in ihr immer mehr Zweifel an sich selbst aus. Ihr Sohn ist mit seinem Vater verreist und Lisa grübelt warum diese Beziehung auseinanderbrach, ja was sie falsch gemacht hat. Schnell erkennt sie selbst, dass sie überfordert war und sich hat gehen lassen aber nur warum, ist ihr unklar. Ihre Gedanken kreisen auch um ihre Mutter, mit der sie ein sehr kühles Verhältnis pflegt. Liegt es an ihrer Kindheit und der Geige ihres Vaters, mit der sie so einige kleine Erfolge hatte! Warm ums Herz wurde es Lisa nie mit der Geige, weiß aber nicht so recht, warum und weshalb ihre Mutter so großen Wert darauf legte, dass Lisa damit Erfolg haben sollte.

Nach all diesen Überlegungen ist Lisa auf der Suche nach einem Geigenbauer, denn warum sollte sie nicht wieder spielen, jetzt wo sie etwas Zeit hat. Letztendlich trifft sie bei ihrer Suche auf die Obstbäuerin Ute in ihrem Kirschgarten, einer Frau, die keine Zeit mehr für Kompromisse hat. Utes Bruder Heinrich ist der Geigenbauer und macht eine Entdeckung, die Lisas Leben verändern wird …

Es braucht Zeit bis Lisa sich bewußt wird, dass ihre Selbstzweifel eng in der Vergangenheit ihrer Familie, liegen. Der frühe Tod des Vaters, der nie ganz geklärt wurde und das schwierige Verhältnis zur Mutter, die selbst mit ihrer Vergangenheit kämpft.

Lisa erlebt einen Sommer zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, findet endlich zu sich selbst und einer ungeahnten Freiheit.

Fazit:
Mit ihrem Schreibstil verbindet die Autorin geschickt ernste Themen mit einer Leichtigkeit, die gut verknüpft sind. Schade fand ich nur, dass manche Handlungsstränge im Sand verlaufen und nicht auserzählt wurden, besonders das Geheimnis um die Geige. Hier wäre ich gerne noch etwas länger in der Vergangenheit geblieben.
Eine ruhige Geschichte zwischen Vergangenheit und Gegenwart mit der ich schöne Lesestunden hatte.
Von mir 4 Sterne und eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 07.04.2025

Die geheimnisvolle Statue

Was ich von ihr weiß
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Dem französischen Autor Jean-Baptiste Andrea, gelingt es mit seinem neuen historischen Roman „Was ich von ihr weiß“ auf eine eindrucksvolle Weise, die Lebensgeschichte von Michelangelo Vitaliani und seiner ...

Dem französischen Autor Jean-Baptiste Andrea, gelingt es mit seinem neuen historischen Roman „Was ich von ihr weiß“ auf eine eindrucksvolle Weise, die Lebensgeschichte von Michelangelo Vitaliani und seiner einzigartigen Liebe zu Viola Orsini, atmoosphärisch dicht zu erzählen.

Im Jahr 1986 liegt der Sterbende 82jährige Mimo – Michelangelo Vitaliani - in der Abtei, ein Bruder der als Einziger kein Gelübde abgelegt hat und trotzdem durfte er vierzig Jahre an dieser Stätte bleiben. Der Sterbende kämpft, öffnet die Augen, schließt sie wieder. Die Brüder, die ihn umgeben sind ratlos und als er sich erneut regt, sind sie sich diesmal alle einig – Er will etwas sagen -.

Alle warten auf Padre Vincenzo. doch bevor er zu dem Sterbenden eilt, steigt er erst hinab in das Gewölbe, denn er möchte vorher die geheimnisvolle Statue sehen, die ihm manchmal einen ungemütlichen Schlaf bereitet.

Eine Frage von Stunden umgibt den 82jährigen Mimo und er denkt, dass ich nicht lache, denn ich bin schon lange tot aber seit wann können Tote ihre Geschichte nicht mehr erzählen und so schaut er rückblickend auf sein Leben und seiner einzigartigen Liebe zu Viola.

Mimo wird 1904 in Frankreich als Kleinwüchsiger in Armut geboren und hat einen schweren Stand im Leben. Als sein Vater ums Leben kommt, schickt seine Mutter den 12jährigen nach Italien in den Ort Pietra d´Alba in Ligurien, zu einem entfernten Onkel, um das Handwerk eines Bildhauers zu erlernen. Nur ist dieser entfernte Onkel nicht gerade von dieser Situation begeistert, nimmt aber das Geld von Mimos Mutter und lässt Mimo dann ohne Lohn in seiner Bildhauerwerkstatt schuften und hungern. Bald zeigt sich Mimos Talent als Bildhauer, aber der angebliche Onkel, setzt seine Signatur unter die Skulpturen und steckt den Lohn dafür in seine Tasche.
In dem kleinen ligurischen Dorf, begegnet Mimo bald Viola, Tochter aus gutem Hause und jüngstes Kind der Orsinis, einer angesehenen Adelsfamilie. Viola ist hochintelligent, vergisst nie etwas Gelesenes und bringt Mimo die Welt der Literatur und der Wissenschaft nahe.
Von ihrer ersten Begegnung an durchleben Viola und Mimo Seite an Seite die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, den Aufstieg des Faschismus und die Unruhen der Weltkriege.

Mimo, der ungewöhnlich kleine Bildhauer, wird ein von der Elite gefeierter Künstler; sie versucht unermüdlich, ihre Träume als emanzipierte Frau zu verfolgen. Beide werden sich immer wieder verlieren und finden, als Verbündete oder Gegner, ohne ihre Freundschaft jemals aufzugeben.

Fazit:
Der Einstieg in die Geschichte ist mir schon etwas schwer gefallen, da es keine Kapitelüberschriften mit Zeitangaben gibt und der Autor im ständigen Wechsel von der Gegenwart in die Vergangenheit und umgekehrt, springt.
Mit Mimos künstlerischer Entwicklung und Violas Streben nach Unabhängigkeit, hat der Autor seinen Figuren ein Leben eingehaucht, das mich nach der anfänglichen Schwierigkeit, fesseln und emotional berühren konnte.
Von mir 4 Sterne für diese anspruchsvolle Literatur!

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