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Veröffentlicht am 31.03.2026

Starke Dialoge

Der Vater meiner Tochter
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Er hat gekündigt. Eva weiß es noch nicht. Diese Scheißautowerbung raubte ihm die Sinne. Er ist schließlich Schriftsteller, kein Texter.

Die Kleine schlüpft zwischen sie unter die Bettdecke. „Wer liest ...

Er hat gekündigt. Eva weiß es noch nicht. Diese Scheißautowerbung raubte ihm die Sinne. Er ist schließlich Schriftsteller, kein Texter.

Die Kleine schlüpft zwischen sie unter die Bettdecke. „Wer liest vor?“ „Was?“ „Dornröschen.“ „Das kennst du schon auswendig.“ „Dornröschen!“ Auf Seite fünf wird sie ihn fragen, was ein Scheiterhaufen ist. „Was ist ein Scheiterhaufen?“ „Ein großes Feuer.“ Er könnte den Arm zu Eva ausstrecken, aber er tut es nicht. Nicht weil die Kleine zwischen ihnen liegt, sondern weil sie aufhörten, sich zu berühren. Es schlich sich ein. Wenn sie den motivierten Versuch wagen, sich einmal zu umarmen, wirkt es ungelenk und sie scheitern an dem Gefühl, eine leere Hülle im Arm zu halten.

„Das Bett der Kleinen passt nicht mehr, wir werden ein neues kaufen.“ „Was stimmt nicht mit dem Bett?“ „Ihre Füße ragen raus.“ „Weißt du was das kostet?“ „Wir haben doch Erspartes.“ „Ich habe meinen Job gekündigt.“ „Vielleicht hättest du vorher mit mir darüber reden können?“

Statt nur eines Bettes zu kaufen, will Eva jetzt eine Wand herausreißen und die Küche umbauen. Das Umbaukomitee rückt Montagmorgen an. Sie sollen ihre Sachen im Schlafzimmer stapeln und dann werden sie zu Evas Onkel ziehen.

Auf dem Weg zum Onkel fragt die Kleine: „Was bin ich?“ „Ein kleines Mädchen.“ „Nein, was noch, bin ich Muslimin?“ „Nein, du bist meine Tochter.“ „Christin?“ „Nein, wir sind Sarajevoer.“

Fazit: Der Autor Nenad Velickovic (Nachtgäste 2025) hat einen unglücklichen Protagonisten erschaffen, der nicht nur mit seiner Ehe hadert. Der verträumte, selbst ernannte Sarajevoer glaubt an eine Zukunft als Schriftsteller. Er schreibt an seinem Leben entlang und entblößt seine Familie wider des eigenen Vergessens. Er hat den Krieg überlebt, ohne einen Schuss abgegeben zu haben und dem Untergang des Sozialismus beigewohnt und betrachtet die Entwicklung mit Argusaugen. Die Bombenruinen werden mit Werbeplakaten verhängt. Auf den Gräbern der Gefallenen tanzt der Kapitalismus. Seine Arbeit als Werbetexter empfindet er als durch und durch sinnlos, aber die ehemalige Kollegin, die würde er gerne mal anfassen. Velickovic hat einen unzuverlässigen Ich-Erzähler erschaffen, der seine Gedanken mit mir teilt. Die Dialoge fand ich großartig, die vorwitzige Tochter wunderbar gezeichnet. Manche Fantasiepassagen fand ich schwer durchschaubar. Mein Lesefluss wurde gestört durch falsche Anfangsbuchstaben und die Worte sie und sich, die beide konsequent sieh geschrieben wurden. Ich muss gestehen, dass ich nach dem Buch „Nachtgäste„, das für mich im letzten Jahr ein Highlight war, etwas anderes erwartet habe und das beeinflusst meine Meinung natürlich enorm. Ihr seht mich also etwas befangen. Velickovic kann definitiv gut schreiben und die Erzählung ist besonders. Für alle, die gern in die Köpfe mittelalter Männer schauen.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Treffsichere, glasklare Sprache

In den Flügeln das Licht
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Kaveh hatte bisher neun Jahre gelebt, als sein Vater starb. Kaveh sagte okay, als seine Mutter es ihm erzählte. Er hatte kein Gefühl für die Endgültigkeit des Todes. Sein Vater war seit drei Jahren in ...

Kaveh hatte bisher neun Jahre gelebt, als sein Vater starb. Kaveh sagte okay, als seine Mutter es ihm erzählte. Er hatte kein Gefühl für die Endgültigkeit des Todes. Sein Vater war seit drei Jahren in seinem Alltag abwesend, eingesperrt im Evin-Gefängnis, was konnte sein Tod noch verschlimmern?

Für die Trauerfeier wurde das Wohnzimmer geschmückt. Die Verbindung zwischen Trauer und Feier schien Kaveh unerklärlich. Auf kleinen Tellern wurde Halwa und reife Datteln herumgereicht, süße Köstlichkeiten, die es nicht auf Hochzeiten gab, sie kündigten den Tod eines Menschen an.

Der jüngere Bruder des Vaters kam ebenfalls zum Abschied. Er hatte sich frühzeitig auf die richtige Seite geschlagen, die der Revolutionsgarde, der Seite Gottes. Sicher hätte er mit wenigen Worten den Bruder aus dem Gefängnis holen können, manchmal bedurfte es nur der richtigen Worte, aber er hatte es nicht getan. Auch die Mutter des Vaters war zur Trauerfeier eingeladen, ohne dass sie wusste, dass es um eine Trauerfeier ging. Kavehs Mutter hatte sie unter falschem Vorwand hergelotst, um es ihr schonend beizubringen. Doch noch vor Eintreffen ihrer Schwiegermutter wurde sie verhaftet, weil sie gegen die Auflage – keine Trauerfeier – verstoßen hatte. Kaveh sah seine Großmutter eintreffen und rannte ihr entgegen. Er spürte ihre Unsicherheit, weil die Gäste sie betreten ansahen. Kaveh übernahm in Abwesenheit seiner Mutter die Verantwortung eines Erwachsenen und schrie ihr mit dem Enthusiasmus eines Kindes entgegen: „Sohrab ist tot!“

Fazit: Aidin Halimi, Poetry Slammer, Comedian und Autor, nimmt mich in seinem Debüt mit auf eine Reise in seine eigene Vergangenheit, in sein Herkunftsland Iran. Mit treffsicherer, glasklarer Sprache erzählt mir der Autor über den Verlust des Vaters und wie ein Regimewechsel alles verändert.

Der größte Kampf bestand nicht darin, sich gegen die herrschende Klasse aufzulehnen, sondern sich für oder gegen seine Familie zu entscheiden.

Obwohl der Autor von expliziten Gewaltbeschreibungen absieht, ist das Leid Sohrabs und seiner Familie omnipräsent. Ich erfahre, wie Sohrab verschwindet und die Mutter siebzig Tage nichts über seinen Verbleib erfährt. Dann sickern Informationen durch und es kommt zu dürftigen Besuchszeiten. Weil der Lebensunterhalt weggebrochen ist, zieht die Mutter mit ihren Kindern zu ihrer eigenen Mutter und dem angespannten Verhältnis zwischen ihnen. Die Geschichte ist durchtränkt mit Liebe. Der liebevolle Vater und Erzähler großer Geschichten. Die liebevolle Mutter, die um Zusammenhalt ringt, die Oma mit ihrem großen Garten und Bibi, die Iranerin mit der geschichtsträchtigen Vergangenheit und dem Antiquariat. Lauter starke Frauen, die während der Gewaltherrschaft versuchen, den Zusammenhalt zu forcieren und die Würde zu bewahren. Wieder eine so wichtige Geschichte, die Menschen eine Stimme gibt, die sonst kein Gehör finden. Für alle, die „Der letzte Sommer der Tauben“ von Abbas Khider oder „Evil Eye“ von Etaf Rum mochten.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Solider, unterhaltsamer Roman

Crashtest Dummies
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Er habe von oben etwas läuten hören, sagt Bernhard verschwörerisch. Er hatte Martin und Cleo nach der Besprechung noch in sein Büro gebeten. Nun freue er sich auf die nächsten Tage, in denen die beiden ...

Er habe von oben etwas läuten hören, sagt Bernhard verschwörerisch. Er hatte Martin und Cleo nach der Besprechung noch in sein Büro gebeten. Nun freue er sich auf die nächsten Tage, in denen die beiden sich beweisen dürften, denn er werde einen von ihnen nach China schicken, um ihre E-Auto- Branche zu beleben. Seine engere Wahl sei auf sie beide gefallen, seine besten Pferde im Stall.

Juli, die einzige weitere Ingenieurin, allerdings einer anderen Abteilung, nestelt in den Waschräumen an ihren Klamotten rum, während Cleo Wasser über ihre Handgelenke laufen lässt, um ihren Kreislauf zu stabilisieren. Die Absatzzahlen seien in Europa unterirdisch, erläutert Juli. Vielleicht bräuchten wir noch ein paar Hochwasser, erwidert Cleo grinsend.

Wieder im Büro angekommen setzt Cleo sich an ihren Platz und beobachtet Martin mit neuen Augen. Smarter Typ, schlank, kleiner Hintern in Chinohose, breite Schultern im faltenfreien Hemd. Der verkniffene Zug um den Mund suggeriert Perfektionismus. Ganz im Gegensatz zu Cleo, die nichts von Überstunden hält. Schon ihr normaler Arbeitsalltag verlangt ihr einiges ab. Das morgendliche, zerknitterte aus dem Bett Schälen, getoppt von der Bahnfahrt, der gefräßige Computer, Mittagessen, Computer, Kaffee, Computer, Bahn, Zuhause. Gestern erst, auf dem Weg zwischen Firmengelände und Haltestelle, hat sie im Dunkeln so ein Vollidiot angehupt. Martin sieht sie an und grinst. „Bist du gestern erschrocken, als ich hupend an dir vorbeigefahren bin? Du hast die Augen aufgerissen wie ein Reh.“ Martin freut sich, lacht immer lauter. „Bambi“ ruft er und wischt sich mit dem Handrücken eine Träne aus dem Augenwinkel.

Fazit: Mercedes Spannagel hat in ihrem zweiten Roman ihre Erfahrungen als weibliche Ingenieurin im Maschinenbau verwörtlicht. Ihre Protagonistin Cleo leistet gerne so wenig wie möglich und so viel wie nötig. Ihr Vorgesetzter bringt sie in eine Konkurrenzsituation mit dem Kollegen Martin und in Cleo wächst der Wunsch, es ihm mal so richtig zu zeigen. Mit diversen Fisimatenten durchkreuzt Cleo Martins Pläne, der nicht nur mit abstürzenden Excel-Dateien kämpft, sondern auch mit dem nächtlichen Gebrüll seiner gerade geborenen Tochter. Die Autorin hat die Geschichte mit Kapiteln unterteilt, die sie KW nennt und startet mit KW42 ihren Countdown. Die Stimmfarbe ist lakonisch. Cleo ist kein Mensch, den man ins Herz schließen möchte. Der Tenor lautet Frau gegen Mann und ist weniger ein feministisches Manifest, als viel mehr das Zeigen der Folgen des Spätkapitalismus. Dennoch lässt die Autorin, einer Männerdomäne angemessen, eine Menge ätzender Frauenfeindlichkeit anklingen.

Die Ehe ist das Penisgefängnis, Sebi. S. 85

Der Roman enthält viel Ironie und zeigt sowohl wie Frauen, als auch Männer ticken und bedient einige Klischees. Es gab Längen, die vielleicht zeigen wollten, dass so ein ungeliebter Arbeitstag sich ziemlich zieht. Bei der Wahl des Genres tue ich mich schwer, denn für eine Satire war die Geschichte nicht überspitzt genug. Ein solider, unterhaltsamer Roman, mit einigen richtig guten Momenten.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Erschütternd und fesselnd

Sommer der schlafenden Hunde
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Laika liegt im Bach, ihr schwarzes Fell voller Blut, der Schädel gespalten. Die Zunge hängt blau aus dem Maul, da wo vorher alles rosa gewesen war. Warum sie sie umgebracht hat, wollte Josef wissen. Der ...

Laika liegt im Bach, ihr schwarzes Fell voller Blut, der Schädel gespalten. Die Zunge hängt blau aus dem Maul, da wo vorher alles rosa gewesen war. Warum sie sie umgebracht hat, wollte Josef wissen. Der Köter hatte sie nie leiden können. „Sie hat es verdient!“

Als das mit Josef passiert ist, hat Laura sich im Bett versteckt und nur noch geheult, wochenlang nicht auf Trice Nachrichten reagiert, bis die ihr fast die Türe eingetreten hätte. Als sie sie reinließ, schrie Trice sie an: „Du blöde, selbstgefällige Schlampe, warum machst du so was immer mit mir? Warum muss ich mich ständig um dich kümmern, immer und immer und immer?“ Danach nahm Trice sie pflichtbewusst und sehr liebevoll in ihre Arme und Lena weinte und weinte.

Trice Mitbewohner musste gehen, weil er zu viel groß musste. Jetzt sucht sie jemand Neuen und Lena soll das in ihren Kontakten teilen, aber sie hat ja gar keine scheiß Kontakte.

Sie war die mieseste Mitbewohnerin, die sie je hatte, sagte Trice ihr danach. Nachdem ihre Großmutter gestorben war, hatte sie noch bei Josef gewohnt. Er fragte sie ständig, was er ihr Gutes tun könne. Dann zog sie zu Trice und zuerst war alles gut. Doch dann war Trice genervt von ihrer Unordnung. Sie war genervt, weil sie Trice ständig bekochen musste, weil Trice es nicht lernen wollte. Sie musste gehen, wenn Trice jemanden mitbrachte, weil die sich nicht einlassen konnte, wenn Lena in der Nähe war.

Bis ich anfing, mich verstoßen zu fühlen, bis sich jedes Augenverdrehen von Trice anfühlte, wie ein Schlag ins Gesicht, bis wir einmal stritten und Trice eine Steinvase nach mir warf, die dann ein Loch in die Küchentür schlug und so weiter, immer so weiter. S. 14

Fazit: Laura Dürrschmidt hat mich mit flirrender Intensität in das Dasein dreier zutiefst verletzter Seelen geführt. Lena wurde von ihrer zu jungen, alleinerziehenden Mutter bei ihrer Großmutter abgesetzt. Der Freund der Familie, Jakob nimmt sie nach dem Tod der Großmutter auf. Lena kommt hinter sein Geheimnis und stürzt ins Bodenlose. Lena wechselt in der neunten die Schule und lernt Trice kennen, die Königin, immer in ihrem Windschatten, die unheimliche Sascha. Beide umringt von vier coolen Jungs. Lena schleicht sich in den Dunstkreis der Gruppe, gehört irgendwann dazu und das Spiel um Ressourcen (Trice) beginnt. Die Autorin bedient sich großartiger Dialoge, um Stimmung zu machen. Die Sprache ist boshaft, schlagfertig und schmerzhaft ehrlich, aber auch witzig, wie sie eben ist bei jungen Menschen, die um so mehr Selbstbewusstsein vortäuschen, je kleiner sie sich fühlen. Im Laufe der Erzählung eskalieren die Mädchen völlig und machen sogar den Jungs Angst. Die vorherrschenden Gefühle sind Eifersucht, Missgunst, Wut und Hass. Die Geschichte entblättert sich langsam durch die Ich-Erzählerin Lena, die in ihren trüben Erinnerungen fischt. Auf erschütternde und auch fesselnde Weise zeigt die Autorin, wie Grenzen überschritten werden und macht mich froh, nicht mehr jung zu sein. Eine sehr gelungene Entwicklungsgeschichte, die dann am Ende doch Heilung durch Weitsicht erfährt.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Erfrischend spritzig

Waisenkind
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Dies ist Avitals zweites Mal im Kloster. Zuerst war sie mit sechzehn hier, da hatte Jesus ihr den Weg gewiesen, damals war sie Nutte, genauso, wie man das der Maria Magdalena ja nachgesagt hatte. Heute ...

Dies ist Avitals zweites Mal im Kloster. Zuerst war sie mit sechzehn hier, da hatte Jesus ihr den Weg gewiesen, damals war sie Nutte, genauso, wie man das der Maria Magdalena ja nachgesagt hatte. Heute ist sie fast aus freien Stücken gekommen, als Mörderin. Es hat sich einiges geändert. Damals war Theresa die Äbtissin, jetzt ist es Agnes. Der schöne Innenhof mit den Bänken, so als habe Jesus hier irgendwann einen Gastauftritt, lockt zum Verweilen. Der Weg zur Bibliothek ist von Bougainvillen gesäumt und kurz, damit die Männer, die zum Lesen kommen die Nonnen nicht schwängern.

Aufgewachsen ist Avital in Lifta bei ihren Großeltern Malka und Jakob Ochajon, der Terroristin und dem Informanten. Ihre Mutter hatte sie nur als Grabstein kennengelernt, mit vielen Kanten und einem Foto, das mehr Dunkelheit als Licht enthielt. Sie hieß Schula und war in Avitals Geburtsjahr gestorben.

Sobald Oma und ihr Informant Mama erwähnten, ließen sie einen ganzen Schwall Flüche vom Stapel. S. 17

Eine ganze Weile lang hat Avital ihren König Lear gesucht, den Typen, den Shakespeare in seinem Stück beschreibt, ihren Vater halt, den sie eben Lear nannte. Aber diese Suche und die verfluchte Geschichte mit Opas Parlament, lauter alte Säcke, die anrückten, wenn Oma Arak besorgte oder Leichen wusch und Avital dann auf die Pelle rückten, hatte sie zum ersten Mal in dieses Kloster geführt.

Fazit: Galit Dahan Carlibach, mehrfach ausgezeichnete Autorin, hat mich aus dem Staunen nicht mehr rausgelassen. Ihre Protagonistin ist ohne Eltern bei ihren alkoholkranken Großeltern aufgewachsen. Sie sucht ihren Vater, weil sie sich ein bisschen Geborgenheit wünscht, die sie sonst nirgendwo findet. Nach einer Eskalation haut sie mit vierzehn ab und schlägt sich mit allem, was sie kann, durchs Leben, bis sie auf einen alten Mossad-Agenten trifft, der alles über Avitals Familie weiß, aber das weiß Avital wiederum nicht. Avitals Geschichte könnte schlimmer nicht sein, doch ich finde keine Sekunde Zeit, das arme Ding zu bemitleiden und das tut gut, weil mir nicht weh. Die Autorin bedient sich einer besonderen Stilart. Sie lässt ihre Protagonistin einen Brief an den Herrn Richter und die Sozialarbeiter schreiben, in dem sie ihnen alles berichtet, für was sie sie schuldig befinden könnten und die Umstände, die dazu geführt haben. Die Sprache ist erfrischend abgefuckt und macht Avital so authentisch. Natürlich geht es in Avitals Berichterstattung drüber und drunter, doch ich erkenne schnell, dass der Mossad Agent das Beste ist, was Avital passieren konnte, nicht weil der Mossad eine gute Einrichtung wäre, sondern weil der Spion sich schuldig fühlt. So mehr wird nicht verraten. Das ist kreatives Schreiben par excellence. So erfrischen und spritzig, ich bin hin und weg.

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