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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.01.2021

Komplex und anders

Aus dem Schatten des Vergessens
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Ich lese gerne und viel Krimis und Thriller, Kanada als Handlungsort war für mich jedoch Premiere.
Ich hatte durchaus Einstiegsschwierigkeiten, dies ist nicht der erste Band und es hat etwas gedauert, ...

Ich lese gerne und viel Krimis und Thriller, Kanada als Handlungsort war für mich jedoch Premiere.
Ich hatte durchaus Einstiegsschwierigkeiten, dies ist nicht der erste Band und es hat etwas gedauert, bis ich mich eingelesen hatte.
Das hauptsächlich französischsprachige Montreal in der Provinz Quebeck mit den französischen Straßennahmen usw. macht es für Menschen, die nicht der französischen Sprache mächtig sind etwas anstrengend zu lesen.

So wie ich es verstanden habe, ist das Buch Band 3 der Reihe um das Ermittlerteam, aber erst Band 1, der ins Deutsche übersetzt wurde. Deshalb steigt man hier quasi quer ein und kennt die Vorgeschichte der Ermittler nicht. Hier würde ein Lesen in der richtigen Reihenfolge vermutlich den Einstieg erleichtern, auch wenn man für das Buch natürlich keine direkten Vorkenntnisse braucht.

Die Handlung nimmt mit einigen Rückblenden auch Bezug zum politischen Geschehen der Vergangenheit - und mit Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Provinzen Kanadas kannte ich mich bislang gar nicht aus, da musste ich erst mal etwas Recherche betreiben.

Klingt alles ziemlich ungemütlich und so gar nicht nach Lesevergnügen? Anfangs fand ich es auch ziemlich anstrengend, aber im Laufe der Handlung hat mich diese immer mehr fasziniert. Dann fand ich es gerade spannend, mal über meinen gewohnten Thriller-Tellerrand zu blicken.
Und nicht nur das - auch ansonsten war der Spannungsbogen für mich sehr passend, anfangs so lala, hat er sich Seite um Seite mehr aufgebaut, ab etwa der Hälfte des Buches wollte ich es dann nicht mehr aus der Hand legen.

Was ich etwas überzeichnet fand, war das Ermittlerteam: trockener Alkoholiker und lesbische und sehr direkte, auf dem ersten Blick wenig feinfühlige Kollegin, naja, kann man machen, muss man aber nicht unbedingt.

Davon abgesehen aber feine Unterhaltung, sehr spannend und durchaus anspruchsvoll.

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Veröffentlicht am 26.12.2020

Spannende und unterhaltsame Frauenpower

Miss Bensons Reise
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Das Buch ist mir wegen dem unglaublich schönen und farbenfrohen Cover aufgefallen, der Klappentext hat mich dann allerdings weniger begeistert. Eine Expedition, um am anderen Ende der Welt einen Käfer ...

Das Buch ist mir wegen dem unglaublich schönen und farbenfrohen Cover aufgefallen, der Klappentext hat mich dann allerdings weniger begeistert. Eine Expedition, um am anderen Ende der Welt einen Käfer (!!!) zu finden? Hm. Bio und Naturkunde war nie so meines. Abenteuer, Freundschaft und Freiheit aber natürlich schon, also habe ich das Buch doch gelesen und was soll ich sagen? Es hat es definitiv in meine Buch-Top Ten des Jahres geschafft! Käfer-Forschungsreisen sind super!

Aber von Anfang an: Miss Benson hat ihren Kindheitstraum ganz hinten in eine Ecke verbannt und lebt im England der 50er Jahre ein langweiliges Leben als Hauswirtschaftslehrerin. Vorher erfahren wir aber, wie es dazu kam und warum sich ihr Leben nun so urplötzlich verändert hat.

Das Trauma des Kriegs in seinen verschiedenen Facetten, vor allem aber eine anrührende und spannende Geschichte über eine besondere Frauenfreundschaft - und die gefährliche und aufregende Reise auf und über eine mir bis dahin völlig unbekannte Inselgruppe im Südpazifik, nämlich Neukaledonien (die heute immer noch zu Frankreich gehört).

Ich konnte mich in beide weiblichen Haupt-Figuren sehr gut hineinversetzen, obwohl sie doch so grundverschieden waren und habe das Buch mit einem großen Bedauern nach dem Lesen zugeschlagen.
Männer kommen übrigens im Buch nicht gut weg - die wahren Heldinnen sind die Frauen.

Und die Botschaft des Buches muss man sich viel öfter vor Augen halten: "Es passiert so leicht, dass man sein Leben mit Dingen verbringt, für die man kein bisschen brennt. Aber jetzt waren sie endlich unterwegs!"

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Veröffentlicht am 26.12.2020

Faszizinierende Reise 200 Jahre zurück

Madame Clicquot und das Glück der Champagne
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Mein erstes Aha-Erlebnis hatte ich gleich zu Beginn, mir war nicht klar, dass "Veuve" im Namen der berühmten Champagnermarke Witwe heißt...

Aber genauso war es, Barbe wird früh Witwe und möchte die Champagnerfirma ...

Mein erstes Aha-Erlebnis hatte ich gleich zu Beginn, mir war nicht klar, dass "Veuve" im Namen der berühmten Champagnermarke Witwe heißt...

Aber genauso war es, Barbe wird früh Witwe und möchte die Champagnerfirma ihres verstorbenen Mannes übernehmen. Vor 200 Jahren war eine selbständige Frau absolut ungewöhnlich - und tatsächlich wäre diese Form der Unabhängigkeit in einer Ehe undenkbar gewesen.

In einer spannenden Zeitreise können wir Barbe auf ihrem faszinierenden, aber auch holprigen und steinigen Weg begleiten.


Das Buch hat mir sehr gut gefallen, eigentlich bin ich gar kein Fan von historischen Romanen, nur bei Lebensgeschichten von Powerfrauen bin ich dann doch interessiert.
Und hier kam ich voll auf meine Kosten. Barbe ist eine starke Persönlichkeit, die nicht aufgibt - wobei sie natürlich finanziell und gesellschaftlich eine gute Ausgangsbasis hatte.

Mir hat besonders die sehr gut ausbalancierte Mischung des Romans gefallen. Zum einen eine unterhaltsame, spannende Geschichte, die sich ruckzuck weglesen ließ, zum anderen aber jede Menge Hintergrundwissen. Es gab sowohl geschichtliche Informationen und Zusammenhänge der Zeit als Einblicke in die Champagnerherstellung. Garniert mit einer ordentlichen Portion Liebes-Herz-Schmerz war das einfach nur schön zu lesen.

Krönender Abschluss war dann für mich ein sehr stimmiges Ende (kurz hatte ich Kitschtriefendes befürchtet, aber weit gefehlt) samt einem Überblick im Editorial, was im Roman auf historisch belegten Fakten beruht und was literarische Freiheit war. Nachdem ich mich das beim Lesen auch ab und an gefragt habe, war ich über diese Auflösung auch dankbar.

Insgesamt ein rundum gelungenes, spritziges Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 21.12.2020

Traurig und weniger verschroben als ich dachte

Bären füttern verboten
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Das Buch hat viele schöne Sätze, so wie zum Beispiel ""Womöglich verpasst man das Wesentliche im Leben, während man dasitzt und ruhig ist. Etwas ganz Wunderbares könnte vorbeifliegen wie ein Wirbelwind, ...

Das Buch hat viele schöne Sätze, so wie zum Beispiel ""Womöglich verpasst man das Wesentliche im Leben, während man dasitzt und ruhig ist. Etwas ganz Wunderbares könnte vorbeifliegen wie ein Wirbelwind, von dem man sich nur mitreißen lassen müsste, wenn man nicht so mit dem Ausmalbuch für Erwachsene beschäftigt wäre, das der Gatte einem zum Geburtstag geschenkt hätte."

Den Satz finde ich sehr gelungen - er steht aber auch für das Buch. Die Figuren sind so in ihre Ausmalbücher (auch im übertragenen Sinn) beschäftigt, nur um sich den eigentlichen Problemen nicht zu stellen und lassen ihr Leben an sich vorbeiziehen. Das ist traurig und tragisch.
Nach dem Klappentext habe ich mir eine skurrile, witziges und schräge Handlung erhofft, so ist das Buch aber eben gar nicht.
Mich konnte es nicht abholen, viele Charaktere, viele Wechsel, auch Rückblicke und über weite Strecken eine trostlose, hoffnungslose Grundstimmung.

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Veröffentlicht am 20.12.2020

Paula ist prima, genauso wie das Buch

Paula Prima – Chaos in der Schulküche
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Paula geht in die Waldschule und die heißt nicht so, weil eine berühmte Person Wald hieß...
Die Kinder bleiben den ganzen Tag dort und brauchen keine Brotzeitbox mitbringen, sie werden komplett in der ...

Paula geht in die Waldschule und die heißt nicht so, weil eine berühmte Person Wald hieß...
Die Kinder bleiben den ganzen Tag dort und brauchen keine Brotzeitbox mitbringen, sie werden komplett in der Schule versorgt. Das ist super, weil so alles das selbe Essen bekommen. Doch seit einiger Zeit ist es gar nicht mehr super, das Essen ist ganz fürchterlich geworden.

Ach je. Damit können sich bestimmt fast alle Kinder identifizieren, denn mieses Schulessen ist weitverbreitet. Bei Paula ist es aber anders, denn bis vor Kurzem war es ja völlig o.k., ,meist sogar richtig gut.
Klar, dass Paula und ihre Freunde sich da auf Ursachenforschung machen.

An den Paula-Büchern gefällt mir besonders gut, dass die Kinder dort nichts einfach hinnehmen, sondern sich viele Gedanken machen und die Situation verbessern wollen. Gemeinsam statt Gegeneinander ist die Devise.
Auch dass es im Schulalltag von Kindern spielt, furchteinflößende Schwimmabzeichen, schlechtes Essen und Freundschaft sind die Themen. Das ist trotzdem (oder gerade deswegen?) schön spannend und realistisch.

Paula und ihre Freunde sind wirklich prima, wir hoffen, dass wir bald Band 3 lesen können, eine Fortsetzung wäre wirklich fein.

Dicke Weiterempfehlung für Schulkinder der Klassen 1-4, für die Jüngeren noch zum Vorlesen, später dann zum Selbstlesen.