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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.05.2025

Leicht, lebendig und überraschend

Das Leben fing im Sommer an
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"Das Leben fing im Sommer an" ist der Debütroman von Christoph Kramer – ein ehemaliger Fußballprofi, der hier mit überraschender Leichtigkeit und Tiefe eine Coming-of-Age-Geschichte erzählt. Im Mittelpunkt ...

"Das Leben fing im Sommer an" ist der Debütroman von Christoph Kramer – ein ehemaliger Fußballprofi, der hier mit überraschender Leichtigkeit und Tiefe eine Coming-of-Age-Geschichte erzählt. Im Mittelpunkt steht der 15-jährige Chris, der während des WM-Sommers 2006 nicht nur von einer Fußballkarriere träumt, sondern vor allem seinen Platz im Leben sucht. Die Geschichte führt zurück ins „Sommermärchen“, voller Hitze, Freundschaft, ersten Gefühlen und jugendlichem Freiheitsdrang. Besonders spannend ist das Spiel mit der Frage, welche Anteile autobiografisch sind und wo die künstlerische Freiheit beginnt.
Mich hat der Roman positiv überrascht. Trotz meiner sonstigen Distanz zum Genre hat mich die Leichtigkeit des Erzähltons, die glaubwürdige Perspektive eines Jugendlichen und die bildhafte Sprache sofort abgeholt. Das Gefühl dieses besonderen Sommers wurde stimmig eingefangen – leicht, warm, lebendig. Die Geschichte wirkt emotional, ohne schwer zu sein, und bleibt dennoch reflektiert.
Einziger Kritikpunkt ist für mich das Preis-Leistungs-Verhältnis – das Buch ist recht schmal, dafür aber relativ teuer. Dennoch überwiegt der positive Gesamteindruck: Ich habe den Roman aufgrund vieler guter Rezensionen und aus reiner Neugier gelesen – und obwohl ich ohne Erwartungen gestartet bin, hat mich die Geschichte rund um Chris berührt und bestens unterhalten. Eine schöne Lektüre für alle, die sich gerne in jugendliche Erinnerungen und das Lebensgefühl eines besonderen Sommers entführen lassen.

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Veröffentlicht am 03.05.2025

Mord auf Schienen

Die mörderischen Cunninghams. Jeder im Zug ist verdächtig (Die mörderischen Cunninghams 2)
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In „Jeder im Zug ist verdächtig“ von Benjamin Stevenson nimmt Autor Ernest Cunningham an einem ganz besonderen Literaturfestival teil: Es findet an Bord eines Langstreckenzugs statt, der mehrere Tage durch ...

In „Jeder im Zug ist verdächtig“ von Benjamin Stevenson nimmt Autor Ernest Cunningham an einem ganz besonderen Literaturfestival teil: Es findet an Bord eines Langstreckenzugs statt, der mehrere Tage durch das australische Outback fährt. Seit sein letzter Krimi zum Bestseller wurde, steht Ernest unter Erfolgsdruck – da kommt ihm die Einladung gerade recht. Doch die inspirierende Kulisse wird schnell zum Schauplatz eines echten Verbrechens: Erst stirbt ein Passagier, dann wird eine zweite Leiche entdeckt – mit einem Manuskript neben sich, das noch feucht von der Tinte ist. Gemeinsam mit den anderen Krimiautor:innen an Bord versucht Ernest, den Täter zu entlarven. Doch wem kann man trauen, wenn sich alle bestens mit dem perfekten Mord auskennen?

„Jeder im Zug ist verdächtig“ ist der zweite Band der Reihe „Die mörderischen Cunninghams“ und lebt vor allem von seiner besonderen Atmosphäre, dem skurrilen Erzähler und der originellen Idee. Der Krimi spielt mit bekannten Tropen des Genres, bricht sie auf humorvolle Weise und bietet unterhaltsame Lesestunden mit einem augenzwinkernden Ton. Zwar ist der Mittelteil mitunter etwas langatmig, und die Vielzahl an Figuren kann verwirren, doch die Auflösung ist clever und das Setting sorgt für eine dichte, charmant-theatralische Krimistimmung.

Wer klassische Whodunits liebt, gerne miträtselt und dabei auch den ein oder anderen Seitenhieb auf das Genre selbst zu schätzen weiß, wird bei diesem Buch bestens unterhalten. Fans nüchterner Ermittlungsarbeit oder hochspannender Thriller sollten hingegen besser zu einem anderen Titel greifen – hier geht es mehr um Atmosphäre, Stil und Witz als um realistische Polizeiarbeit. Alles in allem ein gelungener Cosy Crime mit einem etwas anderen Ton.

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Veröffentlicht am 03.05.2025

Ein Blick nach rechts

Zu Besuch am rechten Rand
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In ihrem politischen Sachbuch „Zu Besuch am rechten Rand – Warum Menschen AfD wählen“ beschäftigt sich Sally Lisa Starken mit einer der drängendsten Fragen unserer Zeit: Warum wenden sich immer mehr Menschen ...

In ihrem politischen Sachbuch „Zu Besuch am rechten Rand – Warum Menschen AfD wählen“ beschäftigt sich Sally Lisa Starken mit einer der drängendsten Fragen unserer Zeit: Warum wenden sich immer mehr Menschen einer Partei zu, die in Teilen bzw. zwischenzeitlich komplett vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird? Was treibt sie an, und welche Hoffnungen setzen sie in das Programm der AfD? Vor allem aber stellt sich die Frage, wie diese Menschen wieder für demokratische Werte gewonnen werden können. Statt nur über sie zu sprechen, sucht die Autorin das direkte Gespräch – sie hört zu, lässt Biografien sprechen und beleuchtet die Brüche, an denen die demokratischen Kräfte möglicherweise den Kontakt verloren haben.
Das Buch richtet sich an alle, die sich politisch orientieren, einordnen und aufklären möchten. Es ist leicht verständlich geschrieben, gut recherchiert und stützt sich auf zahlreiche namhafte Quellen, die ausführlich belegt werden. Besonders hervorzuheben sind die vielen Gespräche mit Menschen, die der AfD nahestehen oder sie gewählt haben, sowie die tiefgehende Auseinandersetzung mit der Entstehung, Struktur und den zentralen Akteur:innen der Partei.
Mich hat besonders beeindruckt, wie zugänglich und gleichzeitig fundiert das Buch geschrieben ist. Obwohl ich politisch interessiert bin, habe ich viele neue Informationen erhalten und konnte Einblicke in Denkweisen gewinnen, die mir bislang fremd waren. Das Buch benennt die Gefahren, die von der AfD ausgehen, klar und deutlich – aber ohne in Panikmache zu verfallen. Eine Sorge bleibt dennoch: Es könnte sein, dass ausgerechnet die Menschen, die am meisten von dieser Lektüre profitieren würden, sie gar nicht zur Hand nehmen.
Ein Satz hat mich besonders nachdenklich gestimmt: „Die Brandmauer muss von einer Seite durchlässig sein, damit die Menschen wieder zur Demokratie zurückfinden können.“ Genau hier setzt das Buch an – es öffnet einen Raum für Verständnis, ohne Verständnislosigkeit zu rechtfertigen.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Ein Wochenende voller Entdeckungen

Mein perfektes Wochenende Hamburg
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In „Mein perfektes Wochenende Hamburg“ nimmt Malte Brenneisen seine Leser:innen mit auf einen 48-stündigen Streifzug durch die Hansestadt – kompakt, abwechslungsreich und abseits der typischen Touristenpfade. ...

In „Mein perfektes Wochenende Hamburg“ nimmt Malte Brenneisen seine Leser:innen mit auf einen 48-stündigen Streifzug durch die Hansestadt – kompakt, abwechslungsreich und abseits der typischen Touristenpfade. Der Aufbau folgt dem klassischen Wochenendtrip von Freitag bis Sonntag und verbindet kulturelle Highlights, besondere Orte, kulinarische Tipps und charmante Unterkünfte.

Mit inspirierenden Fotos, neugierig machenden Texten und Interviews mit spannenden Persönlichkeiten bringt der Autor seine Begeisterung für Hamburg auf jeder Seite zum Ausdruck. Trotz vieler Hamburg-Besuche konnte ich neue Orte entdecken – etwa die Bunthaus-Spitze oder die Boberger Dünen. Besonders praktisch: der integrierte Wochenendplaner, der Eventkalender, eine HVV-Übersichtskarte und das handliche Format.

Der Fokus liegt auf Erwachsenen ohne Kinder – das sollte man bei der Planung bedenken.

Fazit: Ein idealer Begleiter für den nächsten Städtetrip und auch ohne konkrete Reisepläne eine inspirierende Lektüre für zwischendurch. Hamburg ist und bleibt eine Reise wert.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Psychothriller mit Längen

SIEBEN STUNDEN. Wen würdest du retten?
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„Sieben Stunden“ klang für mich nach einem fesselnden Thriller: Eine Gruppe von Überlebenden, ein tragisches Ereignis in der Vergangenheit und ein geheimnisvoller Todesfall – all das versprach Spannung, ...

„Sieben Stunden“ klang für mich nach einem fesselnden Thriller: Eine Gruppe von Überlebenden, ein tragisches Ereignis in der Vergangenheit und ein geheimnisvoller Todesfall – all das versprach Spannung, psychologischen Tiefgang und eine dichte Atmosphäre. Leider konnte das Buch dieses Versprechen für mich nicht einlösen.

Obwohl die Grundidee wirklich viel Potenzial hatte und der Schreibstil angenehm flüssig war, kam ich nur schwer in die Geschichte hinein. Der Einstieg zog sich, und auch im weiteren Verlauf wollte sich bei mir keine echte Spannung aufbauen. Ich hatte das Gefühl, immer auf einen Höhepunkt zu warten, der nie wirklich kam.

Hinzu kam die Vielzahl an Charakteren, die es mir erschwerte, den Überblick zu behalten oder eine emotionale Bindung zu entwickeln. Die Handlung blieb für mich oft blass, und die Dynamik innerhalb der Gruppe konnte mich nicht fesseln. Der Klappentext hatte eine deutlich packendere Story suggeriert, als letztlich erzählt wurde.

Trotz einzelner atmosphärischer Momente und eines soliden Schreibstils sprang der Funke bei mir einfach nicht über. Schade – denn ich hatte mir von diesem Thriller deutlich mehr erhofft.

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