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Veröffentlicht am 11.11.2021

Nature Writing in bestform

Das geheime Liebesleben der Pinguine
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Fast vierhundert Seiten Pinguinporno. Da wird gevögelt was das Zeugs hält. Noch nie wurden Pinguine so erotisch gezeigt. Okay, all das ist Quatsch. Das Buch mag anhand des Titels vielleicht Liebe, Romantik ...

Fast vierhundert Seiten Pinguinporno. Da wird gevögelt was das Zeugs hält. Noch nie wurden Pinguine so erotisch gezeigt. Okay, all das ist Quatsch. Das Buch mag anhand des Titels vielleicht Liebe, Romantik und auch Sex erwarten, aber es ist weit mehr und geht weit über ein Buch über das Fortpflanzungsverhalten von Pinguinen hinaus. Homosexualität, Vergewaltigung, Seitensprünge, als das ist Teil davon, aber neben den Vögeln spielen auch Menschen eine Rolle.
George Murray Levick war ein britischer Arzt, Antarktis-Forscher und Gründer der British Schools’ Exploring Society.
Levick studierte Medizin am St Bartholomew’s Hospital in London, bevor er 1902 der Royal Navy beitrat, wo er als Spezialist für Kraft- und Wiederaufbautraining tätig war.
Während der Terra-Nova-Expedition (1910–1913) unter Robert Falcon Scott war er Schiffsarzt im Rang eines Leutnants. Als Mitglied der sogenannten Nordgruppe verbrachte Levick das erste Jahr der Forschungsreise am Kap Adare, wo er die Biologie und das Sozialverhalten von Adeliepinguinen untersuchte. 1914 schrieb er ein Buch darüber (Antarctic penguins. A study of their social habits). G. M. Levicck war demnach der erste ernsthafte Pinguinforscher, der jedoch (genauso wie seine Beteiligung am der Terra-Nova-Expedition) in Vergessenheit geriet. Lloyd Spencer Davis versucht mehr über den Forscher herauszufinden und so widmet er sein Buch nicht nur den Pinguinen, sondern auch dem Forscher, der seine wahren Erkenntnisse vor der Öffentlichkeit verbarg. Denn wie bereits geschrieben, die niedlich erscheinenden Adeliepinguine haben es faustdick hinter den Ohren. Jeder der das Bild der kleinen und süßen Frackträger genau so im Auge behalten möchte sollte die Hände von DAS GEHEIME LIEBESLEBEN DER PINGUINE lassen, denn dann wird er Abgründe erkennen, die man sonst nur Menschen zutrauen würde.
Davis reist in die Vergangenheit und lässt die frühen Südpolexpeditionen lebendig werden. Nebenbei besucht er historische Stätten auf und entwirft ein Blick der großen Forscher Amundsen und Scott, aber auch von Levick. Fast treten die Pinguine in den Hintergrund, denn die Expeditionsbeschreibungen nehmen einen Großteil des Buches ein und lesen sich ebenso spannend wie das geheime Liebesleben der Pinguine.
Davis legt ein interessantes Buch vor, das neben den Adeliepinguinen auch die Menschen nicht vergisst und dabei Fakten offenbart, die man erst nach und nach wahrhaben möchte und die Pinguine in einem ganz anderen Bild darstellen lässt. Außerdem wird ein vergessener Forscher in den Vordergrund gestellt, der seine Forschungen zu seinen Lebzeiten nicht so veröffentlichen konnte wie er wollte und seine eigene Arbeit selbst zensierte. Levick und andere haben Mitschuld daran, dass man Adeliepinguine lange Zeit als liebenswerte, niedliche Tiere wahrnahm.

Spannend und Informativ. Nature Writing in Bestform. Geeignet für diejenigen, die sich für die Entdeckungen und Expeditionen rund um den Südpol zu Beginn des 20. Jahrhunderts interessieren und keine Probleme damit haben, die dunklen Seiten der Pinguine kennen zu lernen.

Veröffentlicht am 11.11.2021

Klassisch aber gut

Ein Schritt ins Leere
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Es muss nicht immer Miss Marple oder Hercule Poirot sein. Agatha Christie schafft es auch anderen Charakteren Leben einzuhauchen und sie in spannende Kriminalfälle zu verwickeln. In diesem fall sind es ...

Es muss nicht immer Miss Marple oder Hercule Poirot sein. Agatha Christie schafft es auch anderen Charakteren Leben einzuhauchen und sie in spannende Kriminalfälle zu verwickeln. In diesem fall sind es Pfarrerssohn Bobby Jones und seine freundin seit Kindertagen Lady Frances Derwent.
Ein Schritt ins Leere ist typischer Agatha Christie und muss sich nicht hinter neuen Kriminalromanen verstecken. Die Lady of Crime zeigt auch verstorben noch, dass es ihre alten Bücher immer noch wert sind gelesen zu werden. Der Atlantikverlag hat zudem das Buch neu übersetzt (die bisher verwendete Übersetzung stammte noch aus dem Jahr 1935).
Natürlich ist klar, dass es sich bei dem Unglück nicht um einen Unfall handelt und der Leser wird sehr schnell in ein sehr unterhaltsames und spannendes Verbrechen verwickelt, mit zahlreichen falschen Fährten, falschen Verdächtigungen und mutigen Plänen. Es bleibt spannend bis zum Schluss und anders als Poirot oder Miss Marple (die beide ja schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben) agieren die jungen Protagonisten ihrem Alter entsprechend und teilweise auch sehr waghalsig. Gute Unterhaltung mit etwas Witz und auch einer kleinen (sehr dezenten) Liebesgeschichte.
Ein Schritt ins Leere ist ein weniger bekannter Christie-Roman, liest sich aber genauso flüssig und schnell zu lesen wie alle anderen Werke der großen Autorin. Langweilig wird es nie und antiquiert wirkt die Geschichte auch nicht. Der Christie-Charme funktioniert auch heute noch.

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Veröffentlicht am 10.11.2021

Belanglos

Jack Carter ist unsterblich
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Ich gebe zu, dass ich das Buch nicht verstanden habe. Anders kann ich mir nicht erklären, dass es meist positiv aufgenommen wurde (damals, bei der Erstveröffentlichung und jetzt). Und dabei gebe ich zu, ...

Ich gebe zu, dass ich das Buch nicht verstanden habe. Anders kann ich mir nicht erklären, dass es meist positiv aufgenommen wurde (damals, bei der Erstveröffentlichung und jetzt). Und dabei gebe ich zu, dass mich die Geschichte durchaus interessiert hätte und die Idee dahinter auch gut war. Nur ... Eine abgedrehte Superhelden-Story voller Sarkasmus und Tiefgang ... habe ich nicht bekommen.
Gut, an Sarkasmus fehlt es in Jack Carter ist unsterblich bei Weitem nicht, aber wenn die Geschichte Tiefgang hätte, dann ist dieser an mir vorbei gegangen. Man mag also verzeihen wenn mir diese Geschichte nicht gefallen hat. Aber wie gesagt: Vielleicht habe ich sie wirklich nicht verstanden.
Erzählt wird die Geschichte eines "Superhelden" in 48. Sitzungen bei seiner Psychiaterin. Schnell wird klar, dass er ein Arsch ist. Später ist er zwar immer noch ein Arsch, hat aber zumindest auch ein paar Gefühle für andere und ist nicht nur der unausstehliche Typ, der Frauen flach legt und auch sonst von sich eine besondere Meinung hat und Frauen tatsächlich nur als Frischfleisch sieht. Ich habe lange zeit den Eindruck gehabt, dass die Geschichte nur vor sich hinplätschert und Jacks Erlebnisse mit Frauen oder seinem Mitbewohner sind eher belanglos. Auch seine Unsterblichkeit ist am Anfang eher Nebensächlich und wird als Selbstverständlich hingenommen (neben verschiedenen anderen Dingen, die Jack von normalen Menschen unterscheidet).
Langsam entwickelt sich eine gewisse Superhelden-Geschichte, allerdings nur schleppend und nur am Ende wird es interessant ... kurzfristig. Der Spannungsbogen hält sich in Grenzen und auch die Charakterentwicklung ist nicht stark genug, als dass man sie lobend erwähnen müsste.
Ich habe mich von Sitzung zu Sitzung gearbeitet, ständig mit der Frage im Hinterkopf warum ich überhaupt weiter lese. Aber ich habe bis zum Ende durchgehalten und am Ende: Ich habe fertig. Und wieder eine Rezension, bei der das Schreiben derselben mehr Spaß macht als das Lesen des Buchs.
Dabei mag ich Superhelden und Sarkasmus. Aber vielleicht funktionieren Superhelden in Comics und auf der Leinwand (ob klein oder groß spielt keine Rolle) besser. Jack Carter ist unsterblich konnte mich nicht überzeugen. Manche Dialoge/Gedanken sind zwar durchaus witzig, aber das nutzt sich schnell ab und hilft nicht darüber hinweg, dass die Geschichte nicht überzeugen kann.

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Veröffentlicht am 09.11.2021

Geniale SF

Der Wüstenplanet Band 1-3: Der Wüstenplanet / Der Herr des Wüstenplaneten / Die Kinder des Wüstenplaneten (3in1-Bundle)
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Das Ebook-Bundle enthält die ersten drei Bücher des Dune-Zyklus:
Der Wüstenplanet
Der Herr des Wüstenplaneten
Die Kinder des Wüstenplaneten
Dune (Der Wüstenplanet) ist ein Klassiker der Science Fiction ...

Das Ebook-Bundle enthält die ersten drei Bücher des Dune-Zyklus:
Der Wüstenplanet
Der Herr des Wüstenplaneten
Die Kinder des Wüstenplaneten
Dune (Der Wüstenplanet) ist ein Klassiker der Science Fiction Literatur und erfreut sich seit Jahrzehnten großer Beliebtheit. Dass der Hype immer wieder auflebt ist nicht zuletzt den Verfilmungen zu verdanken, die schon fast regelmäßig um Zuschauer buhlen.
Die erste Verfilmung aus dem Jahre 1984 von David Lynch war zwar mit großen Stars besetzt, erlaubte sich aber einige Freiheiten.
Aber mich hat der Film begeistert. Ich habe danach versucht, das Buch zu lesen, aber vielleicht war ich zu jung (12/13) . Ich fand es furchtbar langweilig. Erst Jahre später habe ich mich wieder an die Bücher gewagt, das war sogar noch bevor die TV-Serie zu sehen war.
Und dann hat mich das Dune-Fieber gepackt. Ich habe die sechs Bücher regelrecht verschlungen. Ich lese nicht sehr viel SF, aber die Dune-Bücher von Frank Herbert gehören zu meinen absoluten Favoriten.
Die Neuübersetzung der ersten Trilogie von Jakob Schmidt bietet auch Neueinsteigern die Gelegenheit sich mit dem Werk vertraut zu machen. Und das ebook bietet immerhin (Umgerechnet) über 1700 Seiten Lesevergnügen.


Band 1: Der Wüstenplanet
Tausende von Jahren in der Zukunft: Herzog Leto, Oberhaupt des Hauses Atreides, erhält Arrakis zum Lehen, den Wüstenplaneten, eine lebensfeindliche und doch begehrte Welt, denn unter dem Sand liegt das Gewürz. Diese Droge, die man auf Arrakis im großen Stil abbaut, verleiht Menschen die Gabe, in die Zukunft zu sehen, und bildet damit die Grundlage der interstellaren Raumfahrt. Als Letos Armee in einen tödlichen Hinterhalt gerät und der Herzog fällt, flieht sein Sohn Paul in die Wüste und taucht bei Arrakis‘ Ureinwohnern, den Fremen, unter. Diese erkennen in ihm den lange vorhergesagten Messias, und Paul rüstet sich zu einem gnadenlosen Rachefeldzug …
Band 2: Der Herr des Wüstenplaneten
Die ferne Zukunft: Der Kampf um Arrakis, den Wüstenplaneten, ist beendet, und Paul Atreides, genannt Muad’dib, ist von den Fremen zu ihrem Propheten ernannt worden. Sie folgen ihm bedingungslos in einen Djihad, der wie ein Sturmwind durch die Galaxis fegt. Pauls neues Imperium und seine Machtfülle ruft Neider auf den Plan, die seine Herrschaft brechen wollen. Und so mischen sich unter die Pilger, die nach Arrakis kommen, um den Erlöser zu sehen, Attentäter, menschliche Zeitbomben …
Band 3: Die Kinder des Wüstenplaneten
Paul Atreides, der Retter des Wüstenplaneten, ist verschwunden. In seiner Abwesenheit regiert seine Schwester Alia mit immer grausamerer Hand, bis sich schließlich die anderen Kinder von Paul Atreides gegen sie erheben. Doch der Machtkampf hat ungeahnte Folgen für den Planeten und das ganze Sternenimperium …
Die Handlung ist actionreich, bietet aber noch viel mehr. Neben höfischen Intrigen, fremden Kreaturen und fremden Planeten beschreibt Herbert die Ökologie eines ganzen Planeten und den Lebenszyklus eines der wichtigsten Lebewesen auf Arrakis. Wissenschaft trifft auf Religion, rücksichtslose Zuchtprogramme versuchen den Übermenschen zu züchten. Absoluter Gehorsam trifft auf Rebellion. Es wird viel geboten, aber es wirkt nie überfrachtet.
Der Wüstenplanet und Die Kinder des Wüstenplaneten sind dabei die interessanteren Teile. Der Herr des Wüstenplaneten wirkt auf mich eher wie ein Anhang zum ersten Teil und besteht fast nur aus Unterhaltungen. Immerhin endet das Buch mit einem Knall. Aber davor bleibt man etwas ratlos zurück, da man nicht unbedingt weiß wohin das Buch führen soll.
Immerhin ist es das kürzeste der drei Teile. Die Kinder des Wüstenplaneten entschädigen für die kurze Durststrecke, denn dieser Teil muss sich hinter dem ersten Teil nicht verstecken.

Die Dune-Bücher von Frank Herbert bieten gute SF (die nicht so technisch ist, als dass sich nicht auch der Fantasy-Freund daran erfreuen könnte), und auch wenn nicht alle drei Bücher das selbe Niveau aufweisen können so ist der größte Schwachpunkt (leider) die Übersetzung. Manche Worte werden offensichtlich falsch übersetzt, dabei sollte selbst dem übermüdeten Übersetzer der Fehler auffallen. Auch wirkt manches leicht vereinfacht, was den Satzbau anbelangt.
Aber mit dem verklärten Blick des Fans kann ich darüber hinwegsehen und mich leicht in die Welt des Wüstenplaneten hineinversetzen.

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Veröffentlicht am 09.11.2021

Muss man nicht lesen

Animant Crumbs Staubchronik
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Der Klappentext war sehr vielversprechend... die Zeit auch und ich hatte mir eine starke Frau in einer männerdominierten Welt erhofft. Und das habe ich auch bekommen. Zeitweise zumindest. ANIMANT CRUMBS ...

Der Klappentext war sehr vielversprechend... die Zeit auch und ich hatte mir eine starke Frau in einer männerdominierten Welt erhofft. Und das habe ich auch bekommen. Zeitweise zumindest. ANIMANT CRUMBS STAUBCHRONIK hat durchaus einige Ansätze, die vermuten lassen, dass sich eine wunderschön erzählte Geschichte entwickelt und der Leser (oder besser gesagt die Leserin) mit Herzklopfen und einem Schmunzeln das Buch kaum zur Seite legen will. Leider sind es nur Ansätze und ein Großteil des Buchs ist staubtrocken und langweilig, so wie man es vom Titel fast schon erwarten kann (und manche mögen das Vorurteil hegen, dass es auch in Bibliotheken viel Staub gibt ...). ich habe bis zum Ende durchgehalten, aber belohnt wurde ich dafür nicht. Gut, es gibt Schlechteres auf dem Sektor historische Liebesromane (und hätte ich gewusst, dass man dieses Buch darauf reduzieren MUSS, hätte ich wohl einen Bogen darum gemacht) und Besseres (wobei mir spontan Jane Austen einfällt, bei deren Romanen zwar auch nicht viel passiert, sie aber das Talent hatte interessante Charaktere zu schaffen) Die Geschichte in ANIMANT CRUMBS STAUBCHRONIK ist vorhersehbar, langatmig bis langweilig (mit kleinen Ausreißern von interessanten Begebenheiten, deren Potential allerdings nicht ausgeschöpft wird) mit blassen bis nervenden Charakteren (die Mutter finde ich zu übertrieben, um sie ernst nehmen zu können und Animant selbst ... eine Frau, die weiß was sie will, nur um dann doch dem Heiratswahn zu verfallen ... das ging dann irgendwie zu schnell). Sprachlich muss man sich auch an die eine oder andere merkwürdige Floskel gewöhnen wenn z. B. das Herz schwermütig wird oder davonrast.
Eine moderne Sprache mag man begrüßen, aber in gewisser Weise sollte man auch die Zeit, in die man den Leser entführen möchte, entsprechend authentisch darstellen.
Ohne niemandem nahe treten zu wollen ... wer sich an belanglosen, oberflächlichen Liebesgeschichten vor historischem (aber vernachlässigbaren) Hintergrund erfreut, der wird seine Freude an Animant Crumb haben. Ich hatte mir mehr erwartet.

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