Toller Kriminalfall und -polizist, schwache Figuren im zweiten Handlungsstrang
Tod in der ProvenceDieses Buch hat es geschafft, dass ich mir einerseits sehr schnell sicher war, die Reihe fortsetzen zu wollen, weil mir der Fall und die Ermittlung wirklich gut gefallen hat (dabei bin ich in letzter Zeit ...
Dieses Buch hat es geschafft, dass ich mir einerseits sehr schnell sicher war, die Reihe fortsetzen zu wollen, weil mir der Fall und die Ermittlung wirklich gut gefallen hat (dabei bin ich in letzter Zeit gar nicht so Krimi-begeistert), andererseits gab es mehrfach auch Momente, in denen ich dachte, ich sollte es doch nur bei Band 1 belassen (und dabei habe ich schon einen ganzen Stapel der Bücher sogar in meinem Regal stehen).
Großteils besteht dieses Buch aus zwei Handlungssträngen: 1. Einem Kriminalfall, in dem Albin Leclerc ermittelt und versucht, endlich einen Fall aufzuklären, den er vor seinem Ruhestand nie lösen konnte, zu dem es jetzt aber endlich Hinweise gibt, das ganze aus Leclercs Sicht; 2. Familie Streuben, die nach Carpentras fahren, um sich dort um das gerade geerbte Chateau kümmern, das ganze aus Sicht der Ehefrau. Ab und an gibt es noch andere Perspektiven (von Täter und Opfer), diese sind aber nicht wirklich tragend für die Handlung und ich habe nicht das Gefühl, dass sie notwendig gewesen wären. Trotzdem fand ich deren Perspektiven auch nicht schlecht, sie waren mir eher gleichgültig. Und Leclercs Perspektiven und Handlungsstrang fand ich wirklich toll. Generell mochte ich den Schreibstil, war gleich im Geschehen, und konnte mir innerhalb weniger Kapitel vorstellen, durchaus mehr von der Reihe zu lesen, weil Leclerc und sein kleiner Mops Tyson ein super Duo sind und Leclerc so sympathisch ist, dass ich ihn echt gerne weiter bei seinen Fällen begleiten möchte. Leider steht im Gegensatz dazu die Perspektive von Hanna, die mir einfach viel zu lang war, und deren Familiendrama mich wirklich nicht interessiert hat, und im Endeffekt hat es zwar alles seine Berechtigung, wie es ist, leider ändert das aber nichts daran, dass ich von der ganzen Familie nur die Tochter sympathisch fand, und die eher selten auftaucht. Hanna und Niklas kommunizieren einfach überhaupt nicht miteinander, sind beide in meinen Augen ziemlich schreckliche Figuren (weil ich echt ungerne von ihn gelesen habe, nicht zwingend wegen dem, was sie tun, ich denke, das hätte man vermutlich auch so schaffen können, dass ich vielleicht lieber davon gelesen hätte), und so gerne ich von Leclerc gelesen habe, so ungerne habe ich mich durch Hannas Kapitel gequält.
Dennoch ergibt sich am Ende durchaus ein Gesamtbild, das ich auch in Ordnung fand. Ich hatte nicht zwingend das Gefühl, dass man das Puzzle selbst hätte zusammensetzen können, gleichzeitig war ich tatsächlich nicht so überrascht, also vielleicht war eine gewisse Vorahnung durchaus vorhanden, und Leclerc bei seinen Ermittlungen zu begleiten hat Spaß gemacht. Man merkt, dass er kompetent ist, gleichzeitig wirkt er aber trotzdem "nur" wie ein normaler Mensch mit sehr viel Erfahrung auf dem Gebiet, nicht wie irgendein total intelligenter Überflieger, was ihn für mich total sympathisch gemacht hat. Er ist anderen oft einen Schritt voraus, oder so fühlt es sich an, aber nie sehr weit, und er wirkt nicht unersetzbar, und irgendwie hat das dafür gesorgt, dass ich ihn noch mehr mochte. Außerdem merkt man, dass er was im Kopf hat, und er ist nicht irgendein Held, der sich Hals über Kopf in alle Gefahren stürzt, wodurch er eher Bodenständig wirkt, und mit Tyson finde ich ihn einfach sehr niedlich.
Gibt auch ein wenig Liebesgeschichte, zumindest im Ansatz, die mir persönlich eher egal war, sie war aber auch nicht störend, und hat nie vom eigentlichen Geschehen abgelenkt, sodass Leclerc teils noch auf Dates mit Gedanken nur beim Fall war, was ich ziemlich mochte. Dadurch war klar, dass die Aufklärung der Morde immer im Vordergrund steht, was ich eindeutig zu schätzen weiß.
Insgesamt werde ich sehr sicher weiterlesen, und dann vermutlich je nach Aufbau des nächsten Bandes entscheiden, ob es sich der Rest in meinem Regal auch lohnt. Je nachdem, wie die Perspektiven aufgeteilt sind, oder was der zweite Handlungsstrang wird, kann ich mir vorstellen, dass mir weitere Bücher durchaus mehr gefallen könnten, aber das werde ich wohl nur durch ausprobieren feststellen können.