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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.01.2026

Ungewöhnlich, witzig und kurzweilig

Nussschale
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Ian McEwan ist ein genialer Autor und einer meiner liebsten. In Nussschale beweist er einmal mehr, warum. Der Ich-Erzähler erzählt aus einer der ungewöhnlichsten Perspektiven überhaupt - er ist der noch ...

Ian McEwan ist ein genialer Autor und einer meiner liebsten. In Nussschale beweist er einmal mehr, warum. Der Ich-Erzähler erzählt aus einer der ungewöhnlichsten Perspektiven überhaupt - er ist der noch ungeborene Sohn von Trudy und erlebt in ihrem Körper am Ende der Schwangerschaft, wie sie und ihr Schwager sich verbünden gegen seinen Vater. Trudy und sein Vater sind getrennt, sie hat eine Affäre mit dem Bruder ihres Mannes und sie planen, diesen zu töten.
Wie der Ich-Erzähler, ein männlicher Säugling, das Drama beschreibt, in dessen Zentrum sich seine Eltern und der Liebhaber seiner Mutter, immerhin sein Onkel, befinden ist Shakespeare-esk und sehr, sehr lustig geschrieben. Der Roman ist wirklich eine gute Lektüre zur Ablenkung und die vielen Anspielungen auf Politik und Weltgeschehen verleihen zusätzlich Tiefe. Klar eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Überraschungshighlight!

Der unsichtbare Elefant
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Der Rechtsanwalt Thomas Siebenmorgen stürzt an einem Winterabend im Foyer der Anwaltskanzlei, in der er arbeitet, vor den Augen seiner Kollegin Maria und eines Wachmannes in den Tod und zerstört dabei ...

Der Rechtsanwalt Thomas Siebenmorgen stürzt an einem Winterabend im Foyer der Anwaltskanzlei, in der er arbeitet, vor den Augen seiner Kollegin Maria und eines Wachmannes in den Tod und zerstört dabei ein wertvolles Kunstwerk.

Viktor, ein Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams, Maria, die Kollegin und Zeugin und Simon, ebenfalls ein Kollege aus dem Münchner Büro befassen sich mit dem "Fall" Thomas Siebenmorgen und gehen dabei nicht nur in seine Vergangenheit zurück.

Der Roman hat mich absolut überrascht - im positivsten aller Sinne! Ich habe von dem nüchtern gehaltenen Cover und dem Titel her nicht wirklich auf diesen Inhalt schließen können.
Die Figuren sind perfekt gezeichnet und haben mich von Beginn an mitgerissen. Oft schnell, manchmal auch fast poetisch wird die Geschichte erzählt in 3 Teilen mit jeweils etwa 40 kurzen Kapiteln, die wie schnelle Schnitte im Film die Blickwinkel wechseln lassen.

Wie ein roter Faden ist die ganze Geschichte gespickt mit Anspielungen auf Literatur, Religion, Kunst und Musik und vor allem der von mir bisher unterschätzte Künstler Joseph Beuys ist auf dieser Subebene sehr wichtig.

Die "Ausflüge" in die deutsche, aber auch die spanische jüngere Vergangenheit fand ich ebenso fesselnd und gut geschrieben wie die Gegenwartsstellen. Der Autor schreibt nicht nur packend und so, dass ich das Buch nicht mehr weg legen konnte und von der ersten Seite an gespürt habe, wie sehr ich es liebe. Er hält sich auch zurück und lässt den Lesenden selbst seine Schlüsse ziehen. Durch die verschiedenen Perspektiven und Figuren kann man sehr gut selbst die Figur des Thomas Siebenmorgen erspüren, aber nicht nur ihn, auch die Geister seiner Vergangenheit, die ihn (vielleicht) zu dem furchtbaren Entschluss gebracht haben, seinem Leben ein Ende zu bereiten.

Ich bin hin und weg und empfehle das Buch uneingeschränkt und wärmstens weiter! Schon jetzt klar ein Lesehighlight 2026!

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Genremix Pageturner

This Story Might Save Your Life
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Joy und Benny sind beste Freunde und Hosts eines sehr erfolgreichen Podcasts namens - This story might save your life. Als Joy und ihr Mann Xander verschwinden, wird verzweifelt nach ihnen gesucht. Joy ...

Joy und Benny sind beste Freunde und Hosts eines sehr erfolgreichen Podcasts namens - This story might save your life. Als Joy und ihr Mann Xander verschwinden, wird verzweifelt nach ihnen gesucht. Joy hat allerdings Hinweise für Benny hinterlassen, dass ihr Eheleben nicht so perfekt war wie es schien. Benny allerdings liebt Joy schon ewig und so gerät er bald in den Fokus der Ermittler, während er weiterhin nach Joy sucht.
Der Thriller ist eindeutig ein Genremix. Es gibt definitiv Thriller-/Crime-Elemente, der Memoir von Joy, den Benny findet, ist allerdings eher Richtung Ehedrama zu verorten und die besondere Freundschaft, die Benny und Joy verbindet, hat mich sehr an Morgen, morgen und wieder morgen von Gabrielle Zevin erinnert.
Der Schreibstil ist sehr gut lesbar und abwechselnd aus Bennys und Joys Sicht geschrieben, die beide eine eigene Stimme erhalten haben. Joy leidet an Narkolepsie, was nochmal eine interessante Komponente hereinbringt, ebenso wie der Charakter ihres etwas undurchsichtigen Ehemanns Xander.
Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und es gab einige Überraschungswendungen für mich. Einzig der Schluss hat mich nicht so hundertprozentig überzeugt, daher einen Mini-Punkt Abzug, aber eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Mehr Drama als Thriller

Bis du alles verlierst
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Alison führt das Leben, das sie sich immer gewünscht hat - sie ist liebende Mutter einer 15jährigen Tochter, glücklich mit Jeff und so wohlhabend, dass sie sich keine Sorgen um Geld machen muss. Als eines ...

Alison führt das Leben, das sie sich immer gewünscht hat - sie ist liebende Mutter einer 15jährigen Tochter, glücklich mit Jeff und so wohlhabend, dass sie sich keine Sorgen um Geld machen muss. Als eines Tages ein Fremder vor der Tür steht und ihr mitteilt, dass ihre Töchter im Krankenhaus vertauscht wurden, bricht eine Welt zusammen - und Alisons Vergangenheit holt sie ein...
Die Geschichte ist gut und spannend geschrieben, ich habe sie schnell gelesen. Wie ich es bei Adele Parks liebe, sind vor allem die Charaktere griffig und gut gezeichnet. Allerdings muss ich sagen, dass es sich nicht wirklich um einen Thriller handelt und der Klappentext erstens nicht korrekt ist (Alison und Jeff sind nicht verheiratet, eine Tatsache, die im Verlauf der Geschichte nicht unwichtig ist) und zweitens viel zu viel vorwegnimmt und spoilert. Die thriller-artigen Elemente kommen erst ganz am Schluss und sind solide geschrieben. Das Ende ist dann ein bisschen zu kitschig.
Ich habe mich zwar gut unterhalten beim Lesen, das Buch ist aber kein Must-Read.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Absolut umwerfend - ein Highlight!

Hazel sagt Nein
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Hazel sagt Nein ist ein absolut umwerfendes Buch, bei dem es mir fast schwer fällt, die Rezension zu schreiben - einfach, weil ich so unfassbar begeistert bin!
Hazel ist 18 Jahre alt und im letzten Highschool ...

Hazel sagt Nein ist ein absolut umwerfendes Buch, bei dem es mir fast schwer fällt, die Rezension zu schreiben - einfach, weil ich so unfassbar begeistert bin!
Hazel ist 18 Jahre alt und im letzten Highschool Jahr, als ihre Familie umzieht und sie die Schule wechselt. An ihrem ersten Schultag an ihrer neuen Schule geschieht, worauf sich der Buchtitel bezieht: Ihr Direktor macht ihr ein "Angebot", eine sexuelle Beziehung mit ihm einzugehen und sie sagt nein.
Was dieses Nein bewirkt und was mit der ganzen Familie in der Kleinstadt darauf geschieht - Hazels Familie vor allem, aber auch am Rand mit der Familie des Direktors - ist Thema und Inhalt des Romans.
Die Autorin hat sich des zu Recht viel beachteten #metoo Themas angenommen, aber wie sie das gemacht hat, das ist einfach nur unfassbar gut.
In einem umfassenden und mehr als empathischen Rundumblick nimmt sie sich wirklich alle Figuren und Fragen vor, die von den etwa 20 Minuten betroffen sind, die Hazel im Büro des Direktors war.
Atemlos habe ich das Jahr im Leben von Hazel, ihres kleinen Bruders Wolf, der Eltern Gus, ein College Professor und Claire, eine Mode-Designerin, verfolgt und einfach nur bewundert, wie viel Tiefe die Autorin dem Thema gegeben hat. In einem sehr, sehr lesbaren Schreibstil zieht sie den Lesenden mit. Ich habe mitgefühlt von der ersten Seite und wirklich starke Gefühle beim Lesen erlebt - Ekel, Wut, und Angst, aber auch Aufregung, Mitgefühl, Freude und Entspannung - all das habe ich beim Lesen körperlich fühlen können. Die Geschichte ist modern und klug und streckenweise schwindelig machend, dabei aber gleichzeitig "normal" und bodenständig und im besten aller Sinne "echt".
Mir bleibt nur zu sagen - lest diesen Roman! Ich kann ihn vollkommen uneingeschränkt empfehlen, und er ist eins meiner ersten Jahreshighlights des Lesejahres 2026!

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