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Veröffentlicht am 18.10.2025

Fiktiver Politroman voller starker (Frauen-)figuren und Biss

Die Frau der Stunde
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Catharina Cornelius ist Mitte 40, liberale Politikerin in Bonn im Jahr 1978. Als sie die Chance bekommt, erste deutsche Außenministerin und Vizekanzlerin zu werden, greift sie zu. Bald schon steht sie ...

Catharina Cornelius ist Mitte 40, liberale Politikerin in Bonn im Jahr 1978. Als sie die Chance bekommt, erste deutsche Außenministerin und Vizekanzlerin zu werden, greift sie zu. Bald schon steht sie mitten im Sturm der politischen Lage und zudem wird sie als ledige Frau misstrauisch beäugt und sogar offen angegriffen. Glücklicherweise hat sie eine patente Mentorin, eine starke Mutter und ihre eingeschworene Freundinnenclique, auf die sie jederzeit zurückgreifen kann.

Die Geschichte ist fiktiv, die meisten Personen ebenfalls (bis auf einige wenige für die Geschichte wichtige Personen wie Ayatollah Khomeini oder der Schah und seine Familie). Da ich erst Ende 1978 geboren wurde, ungefähr zu dem Zeitpunkt, als auch der Roman spielt, habe ich die sicherlich vorhandenen Anspielungen auf politische Personen in Bonn 1978/1979 nicht wahrgenommen, bin aber sicher, die gab es durchaus.

Eine sehr große Stärke des Romans ist auf jeden Fall der Fokus auf starke Frauenfiguren. Alle Protagonistinnen verkörpern auf ihre Art Rollen, die teilweise noch heute sehr relevant sind für Frauen, die egal in welcher Branche eine Karriere anstreben. Auch der Blick auf den Umbruch im Iran, als der Schah vertrieben und stattdessen der spätere Terrorherrscher Ayatolla Khomeini eingesetzt wurde - und was das für die Frauen bedeutete hat! - war ein Strang, den ich absolut fesselnd fand.

Catharina, die Hauptfigur, ist eine wirklich spannende Frau, die mir die ganze Zeit hindurch sehr, sehr sympathisch war. Sie ist eine wirklich greifbare Protagonistin, die stark ist, sich aber auch Momente der Schwäche zugesteht - und sicher und fest eingebunden ist in eine Gruppe loyaler Freundinnen.

Auch viele Nebenfiguren haben mir sehr gut gefallen - ich konnte mich vor allem mit der berufstätigen 3fachen Mutter Suzanne sehr identifizieren und habe ihren Strang besonders gern gelesen.

Der Schreibstil war für mich ein besonderer Genuss - ironisch, sarkastisch, humorvoll und empathisch - ich war von der ersten Seite an begeistert und richtig traurig, als ich das Buch beendet habe.

Und als Bonus gibt es noch viel Atmosphäre und Zeitgefühl aus dem Leben Ende der 1970er Jahre - vom Zigarettenrauchen, egal, wo man sich befand (gut, dass das vorbei ist!) über das Leben ohne Smartphone und Internet.

Gerne vergebe ich 5 Punkte und eine uneingeschränkte Leseempfehlung für einen echten Lesegenuss und ein Highlight meines Lesejahres!

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Kabarett meets Science - leider etwas einseitig

Aus! Die Wissenschaft vom Ende
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Science Busters ist eine österreichische Kabarett Gruppe aus Wissenschaftlern, die Wissenschaft humorvoll erklären. Vor dem Lesen des Buches war mir das nicht bekannt - und ich denke, ich muss mir echt ...

Science Busters ist eine österreichische Kabarett Gruppe aus Wissenschaftlern, die Wissenschaft humorvoll erklären. Vor dem Lesen des Buches war mir das nicht bekannt - und ich denke, ich muss mir echt mal eine Show der Gruppe anschauen. Denn - streckenweise liest sich das Buch auf jeden Fall sehr lustig und lebendig. Der Lesende wird regelmäßig direkt angesprochen mit Floskeln wie "gern geschehen" und ähnlichem.
Das Thema dieses Buches ist das Ende von so ziemlich allem - des Universums, der Menschheit - dazu noch ein Vorspiel im Himmel und ein Nachspiel in der Hölle. Die Gruppe geht wohl ab Oktober 2025 auf Tournee und ich vermute, die Themen des Buches werden (mit) eine Rolle spielen.
Anfangs funktionierte der frech-ironische Ton sehr gut bei mir und ich habe mich beim Lesen amüsiert. Ab etwa dem 2. Drittel wurde es dann anstrengend mit dem Lesen. Was mich am meisten gestört hat, waren die ständigen ziemlich belehrenden Vorwürfe in Richtung Politik. Hier spricht die Autorengruppe nicht nur die österreichischen, sondern auch die deutschen Politiker an und moniert diverse Entscheidungen oder Dinge, die im Wahlkampf gesagt wurden. Auch der US-amerikanische Präsident Trump ist ganz klar für die Gruppe eine Person, über die man sich echauffieren muss. Selbst wenn ich oft mit ihnen überein stimme, war es beim Lesen störend. Ich glaube, ich habe einfach weniger Kabarett und mehr Wissenschaft erwartet und das hat mich dann etwas genervt.
Das Buch wirkt wie ein Sachbuch über wissenschaftliche Themen, die Modernität in der Sprache und Herangehensweise an die Themen habe ich auf jeden Fall erwartet (das Cover ist da eindeutig). Wer aber die Science Busters nicht kennt, wie ich, denkt nicht an Kabarett und den politischen Bezug. Und dieser war mir hier eindeutig zu stark vorhanden - und vor allem zu einseitig. Auch bei Kabarett mag ich es - wie in der Wissenschaft! - wenn Kritik nicht nur in eine Richtung geht.
Zudem waren die Passagen über die Covid 19 Pandemie für mich schwer zu lesen. Die Gruppe schreibt recht arrogant über Menschen, die die "Maßnahmen zum Schutz aller" nicht einhalten wollten, dabei ist längst belegt, dass vieles sehr übertrieben wurde. Meine Kinder haben stundenlang Masken im Unterricht tragen müssen, in BaWü hatten wir monatelang FFP2 Maskenpflicht, sie litten unter Ausschlägen und Atemproblemen. Das hatte nichts mit Schutz zu tun, das war Schikane. Wenn man das heute noch ignoriert und es so darstellt, als wären Maskenverweigerer problematisch, ist das nur ein Beispiel, wie einseitig die Autoren hier vorgegangen sind.
In den beschriebenen Wissenschaftsgebieten bin ich absolut nicht tief drin, aber da ich die Autoren bei Corona als zu einseitig gelesen habe, habe ich leider begonnen, auch anderen ihrer Thesen nicht ganz zu trauen und das macht mir das Buch und seine Message(s) dann leider nicht ganz so sympathisch.
Daher von mir nur eine eingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Ein ruhiger Roman mit Tiefgang

Wilder Honig
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"Das Leben, das sie führte, und meins mögen zwar unsichtbar sein, aber sie haben dennoch eine Bedeutung." Die Geschichte um Hannah, Sadie und Megan ist ein unaufgeregter und ruhiger Roman, der wirklich ...

"Das Leben, das sie führte, und meins mögen zwar unsichtbar sein, aber sie haben dennoch eine Bedeutung." Die Geschichte um Hannah, Sadie und Megan ist ein unaufgeregter und ruhiger Roman, der wirklich sehr atmosphärisch geschrieben ist. Als Hannahs Mann stirbt, nachdem sie ihn bis zum Schluss liebevoll gepflegt hat, bleibt ihre jüngere Schwester Sadie bei Hannah und hilft der kinderlosen Witwe, mit ihrem Verlust klar zu kommen. Als sich herausstellt, dass Hannahs verstorbener Mann John eine uneheliche Tochter hatte, will Hannah sie kennenlernen und die drei Frauen lernen einander - und sich selbst - kennen.
Wilder Honig spielt in Wales und umfasst etwa ein Jahr, was sehr schön durch die vielen Schilderungen der Natur und des Obstgartens, der auf dem Grundstück Hannahs und Johns liegt, und seiner Bienenstöcke dargestellt wird. Die Geschichte entwickelt sich sehr ruhig, immer wieder unterbrochen von Johns Briefen, die er vor seinem Tod an Hannah geschrieben hat.
Alle Figuren sind auf ihre Art und Weise einsam und auf der Suche. Ich habe bei der Ausgangslage zunächst einen Roman erwartet mit mehr Lebensbeichten und Nabelschau, mit Konflikten und Drama. Aber das Gegenteil ist hier der Fall - und das gefiel mir ausnehmend gut.
Niemand dramatisiert und die Entwicklungen sind nie hektisch oder überraschend. Stattdessen habe ich beim Lesen immer eine tiefe Ruhe verspürt, die durch den besonderen Schreibstil, aber auch den Erzählfluss selbst kreiert wurde.
Ein atmosphärisch dichtes und sehr schön geschriebenes Buch, das mich berührt hat und mir sehr gefallen hat. Ich kann es auf jeden Fall weiter empfehlen! (Und als Bonus erfährt man noch sehr viel über Imkerei und Bienen im allgemeinen und darüber, wie ein Apfel-Obstgarten gepflegt und angelegt wird!)

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Ein Buch für und über Buchmenschen - einfach zauberhaft!

Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry
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Ich habe das Buch an einem einzigen Nachmittag gelesen - und bin einfach nur hin und weg.
Die Geschichte handelt von A. J. Fikry, zu Beginn der Geschichte 39 Jahre alt, verwitwet und Inhaber der einzigen ...

Ich habe das Buch an einem einzigen Nachmittag gelesen - und bin einfach nur hin und weg.
Die Geschichte handelt von A. J. Fikry, zu Beginn der Geschichte 39 Jahre alt, verwitwet und Inhaber der einzigen Buchhandlung auf Alice Island (eine fiktive Insel in den USA).
Gefangen in seiner Trauer über den Unfalltod seiner Frau, schleppt er sich durch die Tage - bis sich sein Leben schlagartig vollkommen verändert.
Jedem Kapitel sind kleine persönliche Buchbesprechungen von A. J. vorangestellt, was ich schon mal sehr charmant finde. Die Geschichte selbst ist herzergreifend und streckenweise sehr rührend. Die Autorin hat einen wundervollen Schreibstil und spielt ein bisschen mit dem Lesenden. Zum Beispiel erscheint am Anfang der Geschichte ein Polizeibeamter, der von A.J., der grundsätzlich das Leben immer mit Büchern vergleicht, als Nebenperson seiner Geschichte bezeichnet wird. Da A. J. im Titel des Buches genannt wird, absolut plausibel. Dann aber wird dieser Polizist zu einer wichtigen Person der Geschichte und bleibt es bis zum Schluss. Solche Wendungen wie auch die vielen vielen Details, die Buchmenschen wie ich einfach lieben müssen - es blitzt wirklich aus so vielen Sätzen die Liebe zu Büchern hervor! - haben mich absolut entzückt.
Die Geschichte des Buches ist zwar teilweise sehr traurig, aber auch oft sehr, sehr schön.
Und - ich bin mir sicher, das Buch ist perfekt zum Verfilmen geeignet (im Klappentext habe ich gelesen, dass es wohl wirklich verfilmt wird!).
Eine uneingeschränkte Leseempfehlung von mir!

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Keine leichte Kost

Kairos
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Kairos ist der Name des griechischen Gottes (und auch der griechische Begriff) für eine günstige Gelegenheit und Entscheidung. Katharina erhält 2 große Kartons nach dem Tod ihres ehemaligen Liebhabers ...

Kairos ist der Name des griechischen Gottes (und auch der griechische Begriff) für eine günstige Gelegenheit und Entscheidung. Katharina erhält 2 große Kartons nach dem Tod ihres ehemaligen Liebhabers Hans. Nachdem sie sich bereit dafür fühlt, nimmt sie die Kartons und die eigenen Aufzeichnungen und erinnert sich an ihre Geschichte.

Ende der 1980er Jahre in der DDR lernen sich die 19jährige Katharina und der fast 40 Jahre ältere verheiratete Hans kennen und beginnen eine Affäre, die mehrere Jahre dauern wird.

Der Schreibstil ist ungewöhnlich, man muss sich beim Lesen sehr konzentrieren, um zu wissen, aus wessen Perspektive wir gerade lesen, es gibt keine Satzzeichen für wörtliche Rede, Erinnerungen und Gedanken mischen sich mit Gesprächen und dem Fluss der Geschichte, sowie (später) mit Auszügen aus Hans´ Texten, die er für Katharina auf Tonbandkassetten spricht,

Die Liebesgeschichte der beiden Protagonisten hat mich von Anfang an vor Probleme beim Einfühlen gestellt. Zu keiner Zeit im Roman konnte ich positive Gefühle spüren, die für mich das Wesen der Liebe ausmachen, auch und vor allem in der Literatur. Selbst zu den "guten Zeiten" der beiden habe ich es nicht gefühlt, und noch viel weniger in den langen Strecken, als Hans sich als mehr als problematisch in seinem Verhalten Katharina gegenüber zeigt.

Aber - ich denke, der Roman ist KEINE Liebesgeschichte. Dass die beiden Protagonisten nicht zusammen passen, nicht gut zu- und füreinander sind, das ist schnell und dann die ganze Zeit hindurch klar. Manche Stellen waren mir hier etwas zu lang(atmig) geschildert und einiges widerte mich wirklich an, vor allem, die Tonbandkassetten und im Grunde die gesamte Person des Hans. Katharina ist ebenfalls leider keine Protagonistin nach meinem Geschmack, viel zu duldsam, passiv und fast märtyrerhaft ist sie und bleibt es - und das ist keinesfalls nur der Fall, weil sie noch so jung ist. Es wirkt fast, als suhle sie sich in ihrem Elend und als wolle sie gar nicht die anderen Möglichkeiten annehmen, die sich ihr bieten.

Ich vergebe dem Roman dennoch eine (leicht eingeschränkte) Leseempfehlung, denn der Schluss hat mich vor allem mit dem Rest mehr als versöhnt. Die Einbettung in die Wendejahre, wie es jetzt heißt, ist sehr gut geglückt und bringt dem Lesenden ein Gefühl rüber, das wichtig ist, zu verstehen, auch heute, 35 Jahre später noch und auch, wenn man wie ich im Westen geboren und aufgewachsen ist.

Keine leichte Kost, aber es lohnt sich durchaus!

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