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Veröffentlicht am 06.06.2026

Ich bin absolut überwältigt

Familiensache
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Im Jahr 1982 war es in Großbritannien, wo die Geschichte spielt, aber auch in Deutschland, wie es im Nachwort heißt, noch absolut üblich, Müttern, die ihre Ehe verlassen und eine lesbische Beziehung eingingen, ...

Im Jahr 1982 war es in Großbritannien, wo die Geschichte spielt, aber auch in Deutschland, wie es im Nachwort heißt, noch absolut üblich, Müttern, die ihre Ehe verlassen und eine lesbische Beziehung eingingen, aus Gründen des Kindeswohls nicht das Sorgerecht zu erteilen. Im Gegensatz zur üblichen Regelung, dass junge Kinder unter 6 Jahren fast immer bei der hauptsächlichen Bezugsperson der Mutter im Falle einer Scheidung verblieben und der Vater ein Besuchsrecht erhielt, war es bei Müttern, die in einer lesbischen Beziehung lebten oder leben wollten, völlig anders. Die These der Kindeswohlgefährdung lag vor allem daran, dass den Kindern Mobbing und Ausgrenzung erspart werden sollte, aber darüber hinaus wurden auch die Mütter und ihre Beziehungen zu perversen Menschen erklärt, ihre Würde missachtet und ihnen kein Gehör geschenkt.

Anhand der fiktiven Geschichte von Dawn, Heron und Maggie wird in dem Roman diese furchtbare Sachlage zum Thema gemacht, ohne dass es moralisch erhaben wirkt und auch die "Schuldfrage" wird nicht als Hauptpunkt genommen. Die Geschichte ist eher nüchtern erzählt. Die Protagonisten im Jahr 1982 wirken eher distanziert auf den Lesenden, selbst Dawn erhält nicht viele innere Monologe, die sie mehr fassbar machen. Maggie im Jahr 2022 dagegen ist eine Figur, die mich nicht nur aufgrund unseres gleichen Alters, sehr angesprochen hat. Ihr Leben, ihr Alltag, wirkte auf mich sehr vertraut, ihre kleinen Probleme mit den heranwachsenden Kindern, der Mental Load vor allem in der Weihnachtszeit, die Genervt- und Gereiztheit, die sie manchmal fühlt, aber auch ihre Liebe zu Ehemann und Kindern, der Wunsch, dass die Familie schöne gemeinsame Erinnerungen erhält, der Wunsch, alles "richtig" zu machen und die selbst gewählte Rolle zu erfüllen - das kenne ich nur allzu gut. Ich habe das Buch in einem Tag durchgelesen und während ich die Rezension schreibe, kämpfe ich noch mit den starken Emotionen, die es bei mir hervor gerufen hat. Ein wichtiges Buch, ein Buch, das jede und jeder lesen sollte mit einer Message, fernab der heutigen Empörungsgesellschaft - dass wir uns immer wieder bewusst machen müssen, dass es noch gar nicht lange her ist, dass ein großer Teil der Menschen hier mitten unter uns in unserer "modernen" Gesellschaft schrecklich diskriminiert und verurteilt wurden für ein Leben, das heute zum Glück in der Regel nicht mehr verurteilt wird und niemals verurteilt werden sollte. Eine unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 05.06.2026

Von Recht und Gerechtigkeit

Feine Risse
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Eva Herbergen ist Strafverteidigerin in Berlin, Anfang 60 und verheiratet mit Peter.

Feine Risse ist das zweite Buch, das sich um sie dreht, für mich war es aber das erste - das heißt, man kann die Bücher ...

Eva Herbergen ist Strafverteidigerin in Berlin, Anfang 60 und verheiratet mit Peter.

Feine Risse ist das zweite Buch, das sich um sie dreht, für mich war es aber das erste - das heißt, man kann die Bücher auch unabhängig voneinander lesen. In Feine Risse werden 7 Fälle Evas dargestellt, die sich alle um Recht und Gerechtigkeit drehen und wohl auf echten Fällen beruhen.

Die Rahmenhandlung des Lebens Evas ist kunstvoll um die Fälle herum gewoben und sorgt am Ende für einen für mich sehr überraschenden Plot Twist.

Ich habe das Buch wirklich verschlungen - es ist sehr gut geschrieben und die Fälle haben mich alle sehr fasziniert. Stets wird am Anfang des jeweiligen Falls und damit Kapitels der Fall selbst beschrieben, entweder aus Täter- oder aus Opfersicht. Dann wendet sich der Erzählfluss wieder Eva zu, die in irgendeiner Weise mit dem jeweiligen Fall in Berührung kommt, oft in ihrer Rolle und ihrem Beruf als Strafverteidigerin.

Mir hat sehr gut gefallen, wie die Fälle jeweils erzählt und aufgeklärt werden und für mich blieb auch keine Frage offen, im Gegensatz zu meinem Mund, der doch sehr oft überrascht aufgeklappt ist beim Lesen der jeweiligen "Wahrheit" am Ende. Zu den Fällen und ihren vielfältigen Themen kommen noch tiefgründige und sehr nachvollziehbare Gedanken beim Lesen auf, die über die Hauptfiguren Eva und Peter transportiert werden: Älterwerden, Gerechtigkeit, Wahrheit, Tod, Gewalt und ethische Fragen, die Eva als Strafverteidigerin in ihrem Beruf anders beantwortet als wenn sie diese als Privatperson beantworten würde.

Eine uneingeschränkte Leseempfehlung von mir und eine Neuentdeckung, ich werde jetzt auf jeden Fall noch den ersten Band der Autorin über Eva Herbergen lesen müssen!

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Veröffentlicht am 04.06.2026

Nicht ganz meins, leider

Tanzende Frau, blauer Hahn
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Tanzende Frau, blauer Hahn ist ein Roman, der mich leider etwas ratlos zurück lässt. Die Sprache und der Stil haben mir auf jeden Fall gefallen und auch die Stimmung, die vermittelt wird. Wir lesen aus ...

Tanzende Frau, blauer Hahn ist ein Roman, der mich leider etwas ratlos zurück lässt. Die Sprache und der Stil haben mir auf jeden Fall gefallen und auch die Stimmung, die vermittelt wird. Wir lesen aus der Perspektive einer Autorin, die sich auf Lesereise gemeinsam mit einem Pianisten befindet und die einzelnen Kapitel ihres Buches vorträgt. Diese sind alle Erinnerungen aus ihren Sommern, die sie stets bei ihrer Großmutter und -tante im kleinen Ort Busteni im Rumänien der 1990er Jahre verbrachte. 

Die einzelnen Kapitel sind gut geschrieben und die Figuren und Stellen teilweise humorvoll oder auch rührend beschrieben. Vor allem die Sommeratmosphäre wird sehr gut eingefangen. Ab und zu blitzt auch hervor, wie es den Menschen zu dieser Zeit ging, welche Art von Schatten der gerade überstandene Kommunismus noch wirft - aber alles eher aus der Perspektive eines Kindes dieser Zeit. 

Auch die Liebe ist ein wichtiges Thema und wird auf verschiedene Art und Weise beschrieben und zum Thema gemacht.
Mir fehlte allerdings leider der rote Faden und auch das Verständnis, wie nun alles zusammenhängt und wer warum was macht. Vor allem die Rahmenhandlung blieb mir am Ende nicht ganz klar. Ich vergebe nur eine eingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 04.06.2026

Wunderschöner Sommerroman

Au revoir und tschüss
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Caro ist 45 Jahre alt, Mutter von 2 praktisch erwachsenen Söhnen und verheiratet mit Holger. Als sie feststellt, dass ihr Alltag zu eingefahren ist, die Söhne sie kaum noch brauchen und ihre Ehe mehr Zweckgemeinschaft ...

Caro ist 45 Jahre alt, Mutter von 2 praktisch erwachsenen Söhnen und verheiratet mit Holger. Als sie feststellt, dass ihr Alltag zu eingefahren ist, die Söhne sie kaum noch brauchen und ihre Ehe mehr Zweckgemeinschaft als Liebesbeziehung ist, fasst sie einen für sie ungewöhnlichen Plan: Sie meldet sich zu einem 4wöchigen Sprachkurs in Südfrankreich an und fährt alleine mit dem Zug und einem Zwischenstopp in Paris nach Uzès, wo sie den Sprachkurs besuchen wird.

Fernab des Alltags stellt sie sich neuen Herausforderungen und findet immer mehr zu sich selbst und dem, was sie eigentlich noch für Wünsche und Träume hat.

Der Roman ist hochwertig gestaltet mit einem wunderschönen Inlay des Marktplatzes, Lesebändchen und hellblauem Farbschnitt. Beim Lesen des Romans kamen bei mir wirklich die ganze Zeit Sommergefühle hoch - ich konnte die Gerüche des Marktes riechen, die Stimmen abends in Restaurants und Bars, die sonnigen und warmen Tage fühlen und einfach das Lebensgefühl, das nicht nur Caro an Südfrankreich so liebt, spüren.

Caro ist etwa in meinem Alter, daher konnte ich viele ihrer Stimmungen und Gedanken sehr nachfühlen, wenn ich auch - zum Glück - eine deutlich "glücklichere" und erfüllendere Ehe als sie führe. Das ist auch mein einziger kleiner Kritikpunkt an dem Buch - gerade die Art, wie sie mit Holger umgeht und viel zu wenig kommuniziert, konnte ich absolut nicht verstehen. Aber die anderen Stränge und Figuren haben mir sehr gefallen und auch das Ende war für mich ein wirklich gutes und passendes Ende. Besonders nett neben der tollen Aufmachung des Buches, ist, dass am Ende noch 2 Rezepte abgedruckt sind, die ich definitiv beide ausprobieren werde!

Eine eindeutige Leseempfehlung für ein wunderschönes Sommerbuch!

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Veröffentlicht am 04.06.2026

Wie immer sehr spannend!

Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?
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Eine Gruppe von 5 Freunden trifft sich zum Krimidinner. Zum ersten Mal seit 5 Jahren kommen sie in dieser Runde zusammen, seit damals bei einem Festival Maria, die 6. im Bunde, verschwunden ist und bis ...

Eine Gruppe von 5 Freunden trifft sich zum Krimidinner. Zum ersten Mal seit 5 Jahren kommen sie in dieser Runde zusammen, seit damals bei einem Festival Maria, die 6. im Bunde, verschwunden ist und bis heute kein Lebenszeichen von ihr gekommen ist.

Der Thriller ist Emily-Rudolf-typisch sehr spannend geschrieben und ein echter Pageturner. Der Aufbau, der zwischen dem Krimidinner und dem Abend hin und her wechselt, an dem Maria verschwunden ist, sowie die Perspektiven wechselt, macht das Lesen sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Ich kam wirklich schnell durch den Thriller und fieberte dem erwarteten Twist am Ende entgegen.

Emily Rudolf hat wieder abgeliefert und die Lektüre hat mich definitiv unterhalten. Kleiner Punktabzug nur dafür, dass doch sehr viel über Drogen und Alkohol geschrieben wird und es damit in meinen Augen zu harmlos dargestellt wird - vor allem, wie häufig die Protagonisten Kokain nehmen, hat mich beim Lesen wirklich gestört. Und auch, wenn bei einem Festival vermutlich wirklich sehr viel getrunken wird, hat es mich doch etwas irritiert, wie oft und wie stark betrunken die Personen waren (nicht nur beim Festival).
Die Protagonisten, ihre Geschichten und Geheimnisse und die Auflösung haben mich aber auf jeden Fall sehr gefesselt und daher vergebe ich sehr gerne eine Leseempfehlung.

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