Überfrachtet, konstruiert und sehr schwer lesbar
Das Ende vom LiedEigentlich klang "Das Ende vom Lied" nach einem spannenden Coming of Age Roman im Jahr 1969 in Westberlin. Aber die Geschichte des bis zum Schluss für den Lesenden namenlos bleibenden Ich-Erzählers ist ...
Eigentlich klang "Das Ende vom Lied" nach einem spannenden Coming of Age Roman im Jahr 1969 in Westberlin. Aber die Geschichte des bis zum Schluss für den Lesenden namenlos bleibenden Ich-Erzählers ist leider sehr verworren erzählt. Es wird über seine Familiensituation geschrieben mit dem kriegsversehrten Vater, der schwangeren und vielleicht depressiven Mutter, dem Bruder, der ein Internat besucht. Sein Schulwechsel auf das Gymnasium und das Leben in den Straßen wird thematisiert, ebenso wie seine erste Verliebtheit in Alina, die mit dem gewalttätigen "Körschi" zusammen ist.
Mir fehlte bei der Geschichte, in die ich bis zum Schluss immer nur schwer rein fand, ein roter Faden und der Bezug zu allem und allen. Weder konnte ich die Personen wirklich fühlen, noch die Orte und Gedanken. Zeiten und Orte springen hin und her, Sichtweisen wechseln, Stränge werden angerissen, aber nicht zu Ende geführt und vieles bewusst im Dunkeln gelassen. Der Stil, der bereits von Beginn an nur schwer lesbar ist, wird gegen Ende nochmal schlimmer, weil der Autor aus mir unbegreiflichen Gründen streckenweise in Gedichtform wechselt.
Auch gibt es für meinen Geschmack zu viele unnötige Gewaltszenen und Stellen, die ich ehrlicherweise einfach nicht verstehen konnte.
Das einzige, was mir wirklich gut gefallen hat, war der Schlussteil mit dem Vater-Sohn-Gespräch und die kursiv gesetzten Stellen jeweils an den Anfängen der 3 Buchteile, in denen die Zeit und das, was damals politisch und gesellschaftlich Brisanz hatte, gut zusammengefasst wurde. Daher gebe ich auch drei statt 2 Sterne.
Ich bleibe dennoch etwas ratlos zurück und kann das Buch leider wirklich nur sehr, sehr eingeschränkt weiterempfehlen.