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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.05.2024

Was Jede*r tun kann...

Mit Nachsicht
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Sina Haghiri kommt mir mit seinem Sachbuch gerade recht. Er findet darin viele psychologische Erklärungen für die, wie ich finde, "verrückte Welt". Seine Ideen, die auf verschiedenen psychologischen Forschungen ...

Sina Haghiri kommt mir mit seinem Sachbuch gerade recht. Er findet darin viele psychologische Erklärungen für die, wie ich finde, "verrückte Welt". Seine Ideen, die auf verschiedenen psychologischen Forschungen basieren, sprechen alle Lesenden an und geben jedem Menschen die Möglichkeit aktiv etwas für unser Zusammenleben zu tun.

Haghiri beschreibt unaufgeregt und ohne Bewertung oder Vorwurf, die Gründe für menschliche Reaktion. Es ist sehr interessant, gleichzeitig aber auch sehr intensiv und braucht Zeit um verstanden zu werden.
Nach der Geschichte am Anfang des Buches hatte ich angenommen, dass er sich weiter stark an Fällen aus seiner psychologischen Praxis orientieren würde. Für mich unerwartet, nehmen Erklärungen von Forschungsergebnissen diesen Raum ein. Er springt von einer Forschung zur nächsten und nicht immer konnte ich den Zusammenhang zu den vorherigen Ausführungen sehen. Es ist, als würde er viele lose Enden in einem riesigen Forschungsfeld verbinden. Das hat dazu geführt, dass das Lesen sehr lange und immer wieder Motivation gebraucht hat.

Trotzdem sind seine Erkenntnisse und Erklärungen, lässt man sich darauf ein, sehr interessant. Einige Fragen wurden mir beantwortet, z.B. wie es möglich ist, trotz Gewalt und Kriegen, ein positives Menschenbild zu pflegen und was man selber beitragen kann, um das menschliche Zusammenleben zu fördern.

... dass Jede*r einen großen Beitrag hat! Empfehlenswert, auch wenn das Lesen und Verstehen Zeit braucht.

Veröffentlicht am 22.05.2024

Unterhaltsamer feel-good-Krimi

Der falsche Vogel
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Freya Lockwood fährt ungern in ihre alte Heimat zurück. Zumal ihr Exmann gerade dabei ist, sie aus dem Haus zu schmeißen. Doch ihre Tante ist überzeugt davon, dass nur sie den merkwürdigen Tod ihres Freundes ...

Freya Lockwood fährt ungern in ihre alte Heimat zurück. Zumal ihr Exmann gerade dabei ist, sie aus dem Haus zu schmeißen. Doch ihre Tante ist überzeugt davon, dass nur sie den merkwürdigen Tod ihres Freundes Arthur Crockleford, Antiquitätenhändler aufklären kann.

Die Geschichte hat mich direkt in den Bann gezogen. Sie war nicht nur, was den Todesfall und die Entwicklung des Geschehens angeht spannend, sondern auch emotional berührend. Freya hat mir als Hauptcharakter in ihrer Verletzlichkeit und Stärke sehr gut gefallen. Auch ihre Tante und Arthur werden realitisch und umfassend dargestellt. Bei den anderen Charakteren fiel mir die Unterscheidung lange schwer. Vielleicht weil zu viele Figuren auf einmal eingeführt wurden und diese auch lange wenig durchschaubar waren. Die zwischenmenschlichen Zusammenhänge sind auch lange nicht einzuorden. Freund oder Feind - das klärt sich erst am Ende. Das macht es spannend. Das Thema des Antiquitätenhandels ist interessant eingebunden und auch Freyas sympathische Art sowie ihre Befreiung aus Altem machen diese Geschichte sehr lesenswert. Die englische Atmosphäre sorgt für den Rest.

Lesenswerter spannender Krimi mit viel Wohlfühl-Faktor, wegen der sympathischen weiblichen Hauptfigur, in englischer Atmosphäre.

Veröffentlicht am 04.04.2024

Schwacher Hauptcharakter

Die Vermesserin der Worte
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Ida hat ihre Worte verloren. Als Schriftstellerin sind diese ihr kostbarstes Gut. Sie droht zu vereinsamen und zu verarmen. Als sie auf ein Jobangebot für eine Stelle als Haushaltshilfe stößt, ist dies ...

Ida hat ihre Worte verloren. Als Schriftstellerin sind diese ihr kostbarstes Gut. Sie droht zu vereinsamen und zu verarmen. Als sie auf ein Jobangebot für eine Stelle als Haushaltshilfe stößt, ist dies eine willkommene Möglichkeit sich auf die Suche nach sich selbst zu begeben. Das Zusammenleben mit der alten Ottilie verlangt Ida Einiges ab, ist sie doch genauso einsam, wie Ida.
Die Geschichte hat einen hohen Wohlfühl-Charakter. Ida ist auf der Suche und als sie Ottilie begegnet, kann es nur gut werden. Das lässt sich schon zu Beginn erahnen. Die Geschichte ist also vorhersehbar.
Unerwarteterweise ist Ottilies Charakter umfassender ausgeformt, als Idas. Ida wirkt wie ein Mittel zum Zweck, um Ottilies Geschichte zu erzählen. Dafür muss sie erstmal das Geheimnis um Ottilies Vergangenheit aufdecken. Es ist spannend und berührend, aber auch etwas kitschig.
Zwischenzeitlich ist die Erzählung etwas langatmig, es scheint nicht richtig voran zu gehen. Idas Putzleidenschaft nimmt einen großen Raum ein.
Insgesamt ist die Geschichte nett. Sie ist berührend, besonders das Ende, aber auch etwas zu "schön" und eben an manchen Stellen zu lang.

Veröffentlicht am 24.03.2024

Verwirrend

Trabant
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Georg Himmel scheint nicht so recht zu wissen, wieviel noch von ihm übrig bleibt, sollte sein Vater tatsächlich eine Affäre haben. Also verlässt er die Hochzeit seines besten Freundes, der nun anscheinend ...

Georg Himmel scheint nicht so recht zu wissen, wieviel noch von ihm übrig bleibt, sollte sein Vater tatsächlich eine Affäre haben. Also verlässt er die Hochzeit seines besten Freundes, der nun anscheinend ohne seinen Trauzeugen heiraten muss. Die Fahrt von Kroatien nach München mit dem Auto ist wie ein wilder Ritt durch die Nacht. Alles verschwimmt miteinander, Realität und Erinnerungen, Himmel und Erde.
Doch so sehr Georg nach Antworten in seinen Erinnerungen sucht, warum die Eltern nicht die sein sollten für die er sie hält, so sehr verirrt er sich auch. Merkwürdige Begegnungen und entflohene Agenten in der Realität gleichen seinen umnachteten Erinnerungen. Die Geschichte ist mehr als merkwürdig.
Was ist das für ein junger Mann, der da aus der Bahn geworfen durch die Nacht irrt, auf der Suche nach seinem Vater und dem Riesenstern Beteigeuze? Das und was es mit seinen Eltern auf sich hat bleibt auch nach Ende des Buches unklar.
Es ist enttäuschend, kommt nach dieser irren Geschichte, in der nichts greifbar wird, aber nicht unerwartet. Hat man sich also bis zum Ende dieses kurzen Büchleins durchgerungen, so wird es auch beim Beenden des Buches nicht belohnt.

Veröffentlicht am 12.02.2024

Eine Heldinnen-Geschichte

Mayfair House
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Mrs. King wird nach dem Tod des Hausherren Mr. de Vries auf die Straße geworfen. Als Wirtschafterin in der prunkvollsten Villa in Mayfair hatte sie die Geschicke des Hauses geleitet. Nun sinnt sie nach ...

Mrs. King wird nach dem Tod des Hausherren Mr. de Vries auf die Straße geworfen. Als Wirtschafterin in der prunkvollsten Villa in Mayfair hatte sie die Geschicke des Hauses geleitet. Nun sinnt sie nach Rache und plant einen Coup, bei dem sie nicht nur die ganze Villa leer räumen, sondern auch Recht herstellen will.

Anders als es der Untertitel des Romans vermuten lässt, ist die Geschichte alles andere als locker-leicht. Mrs. King und die anderen Frauen sind lange eher unsympathisch und vereinzelt. Es wird deutlich, dass sie das schwere Leben Anfang des 20. Jahrhunderts gezeichnet hat. Die Atmosphäre ist sehr trist, hoffnungslos und bedrohlich. So bleibt es auch durchgehend. Vielleicht ist es dadurch besonders authentisch?
Als Lesende habe ich trotzdem mit den Frauen sympathisiert und mitgefiebert. Der lange Auftakt hat jedoch dafür gesorgt, dass das Lesen eher zäh war. Erst ab der zweiten Hälfte, mit veränderter Dynamik und der zunehmenden Nähe zu den Frauen und ihren Gefühlen steigt die Spannung wieder. Es ist auch interessant, wie sich die Charaktere im Laufe der Geschichte verändern bzw. ihre wahren Beweggründe zunehmend offenliegen.
Neben den zu erwartenden Entwicklungen gibt es Entwicklungen, die die Geschichte etwas überfrachten. Ein bisschen zu viel des Guten. Andererseits unterstützen diese Geschehnisse die Botschaft des Autors, nämlich das Ausgeliefertsein von Frauen in patriarchialen Strukturen, aber vorallem auch die weibliche Kraft.
Am Ende steht die genau die Stärke der Frauen im Vordergrund, ihre Leistungen und ihre Visionen. Alles fügt sich. Es ist zwar nicht alles gut, aber nahe dran.

Dies ist eine Heldinnen-Geschichte, über Frauen ohne Rechte Anfang des 20. Jahrhunderts. Etwas langatmig, aber mit Aussagekraft.