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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.05.2021

Mexikanische Familiensaga

Das Flüstern der Bienen
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Die Morales sind Großgrundbesitzer im Mexiko des 20. Jahrhunderts. Ihr Leben wird über viele Jahrzehnte hinweg beschrieben, beeinflusst durch die Spanische Grippe, Bürgerkrieg und Landenteignungen.

Anfänglich ...

Die Morales sind Großgrundbesitzer im Mexiko des 20. Jahrhunderts. Ihr Leben wird über viele Jahrzehnte hinweg beschrieben, beeinflusst durch die Spanische Grippe, Bürgerkrieg und Landenteignungen.

Anfänglich ist es schwierig die unzähligen Beteiligten einzuordnen, ihre Position in dem Ganzen zu verstehen. Beatriz und Franzisco Morales bilden den Kern der Geschichte, um die sich die Schicksale der anderen Beteiligten entspinnen. Da ist die Nana Reja, die scheinbar alle Kinder des Dorfes gestillt hat. Diese findet dann durch geheimnisvolle Fügungen den Säugling Simonopio, umringt von einem Bienenschwarm und mit einem entstellten Gesicht. Schon dort zeigen sich die magischen Anteile der Geschichte, die sich bis zum Ende durchziehen und sehr an moralischen Motiven ausgerichtet sind. Die Erzählung wirkt am Ende wie ein Gleichnis und wird dadurch zu einem besonderen Leseerlebnis. Die Schilderungen der Schicksale, die historischen Entwicklungen und die detaillierten Charakterbeschreibungen sind sehr berührend. Die Spannung geht nie verloren, auch wenn die Geschichte einige Schnörkel hat. Die Ausdruckskraft des Ganzen ist besonders.

Umfassende historische und familiäre Beschreibungen. Magisch und berührend. Großes Leseerlebnis!

Veröffentlicht am 21.04.2021

Schwermütig

Orangen für Dostojewskij
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Dostojewskij begegnet auf seiner Reise durch Europa Rossini - in Venedig und das ist reine Fiktion. Aber eine spannende Fiktion! Doch Spannung hat das Buch nicht zu bieten.

Dostojewskij und Rossini teilen ...

Dostojewskij begegnet auf seiner Reise durch Europa Rossini - in Venedig und das ist reine Fiktion. Aber eine spannende Fiktion! Doch Spannung hat das Buch nicht zu bieten.

Dostojewskij und Rossini teilen ihre Kreativität und Sinnlichkeit, wobei der zweite das Leben in vollen Zügen genießt, der erste nach einer Gefangenschaft in einem russischen Straflager sich schwermütig durchs Leben schleppt. Aus Dostojewskijs Sicht erzählt, bekommt die Geschichte einen deutlich schwermütigen Charakter. Das und die gemächliche Erzählung sorgen dafür, dass die Geschichte kein Ende nimmt. Und das auf fast 500 Seiten, davon gefühlt mindestens 200 unnötig. Dazu kommen merkwürdige Begegnungen mit speziellen Charakteren. Alles ist etwas entrückt.
Trotzdem hat die Geschichte ihren Reiz. Gerade die ausführlichen Beschreibungen der italienischen Kultur, der Beteiligten und der Stadt selbst machen das Ganze plastisch. Die speziellen Charaktere sind faszinierend und die geschichtlichen Bezüge sind interessant. Es entsteht eine berührende Atmosphäre.

Fazit: endlos und schwermütig, auf fast 500 Seiten. Die italienische Atmosphäre kommt nicht dagegen an.

Veröffentlicht am 31.03.2021

Endlos

Big Sky Country
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August wächst als Sohn eines Farmers in Michigan auf. Seine Eltern trennen sich. Mit seiner Mutter zieht er nach Montana. Dort macht er seine ersten Erfahrungen mit Football, Frauen und dem Autofahren. ...

August wächst als Sohn eines Farmers in Michigan auf. Seine Eltern trennen sich. Mit seiner Mutter zieht er nach Montana. Dort macht er seine ersten Erfahrungen mit Football, Frauen und dem Autofahren. Doch eigentlich ist er einsam.

Das ist auch schon gefühlt die ganze Geschichte. August wächst auf, verloren in der Weite Amerikas. Er wirkt fehl am Platz, macht vieles unreflektiert mit, scheint ganz der typische amerikanische Jugendliche zu sein. Er macht verstörende Erfahrungen, tötet zum Beispiel auf brutale Weise Katzen, nicht zu schweigen von der Gruppenvergewaltigung. Diese Brutalität und Gedankenlosigkeit ist erschreckend. Scheinbar geht aber alles an ihm vorbei.

Beim Lesen bekommt man einen guten Eindruck von der Natur, den Tieren und der Weite. Auf Dauer jedoch nehmen diese Beschreibungen zu viel Raum ein, es wird eintönig. Zudem passiert in der Geschichte ziemlich wenig. Es fehlt an Spannung. Der Roman beschäftigt sich sehr mit August's Innenleben, das jedoch nicht so viel hergibt.

Obwohl sich der Text gut lesen lässt, bin ich aus der gefühlt endlosen und trostlosen Erzählung immer wieder ausgestiegen.

Fazit
Eine trostlose und teils brutale Erzählung mit einigen Längen über das Aufwachsen in der Weite Amerikas.

Veröffentlicht am 31.03.2021

Erwachsene auf die Schippe genommen

Das Faultier bewegt sich wie Opa
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"Das Faultier bewegt sich wie Opa" ist nur eine der gesammelten Aussagen von Kindern, welche in diesem Buch zusammengestellt wurden. Die Autorinnen haben eine gute Auswahl witziger Kindersprüche getroffen. ...

"Das Faultier bewegt sich wie Opa" ist nur eine der gesammelten Aussagen von Kindern, welche in diesem Buch zusammengestellt wurden. Die Autorinnen haben eine gute Auswahl witziger Kindersprüche getroffen. Viele Zitate sind leicht verständlich, einige Aussagen sind besser im Zusammenhang zu verstehen. Sinnigerweise haben Dignös und Schnitzler zwischen den Zitaten passende und humorvolle Einleitungen stehen. Manchmal sind es auch Erklärungen für die Zitate. Den Autorinnen gelingt es die Einleitungen und Kommentare zu schreiben, die zeigen, dass sich Erwachsene nicht so ernst nehmen müssen. Vorallem geht es nicht darum, sich ausschließlich über die Kindersicht zu belustigen. Es stellt sich die Frage, was das Erwachsensein gegenüber dem Kindsein vermissen lässt. Das kann beim Lesen sehr anregend sein.
Eingeteilt in Kapitel sind die Zitate inhaltlich sinnvoll strukturiert. Witzige Zeichnungen und Exkurse zum Beispiel zur Kindererziehung ergänzen die Zitatensammlung sehr gut.
Das Lesen ist vergnüglich. Viele Kindersprüche haben aus sich heraus einen großen Charme, dazu kommt der Humor der Autorinnen.

Fazit
Vergnügliche Aufbereitung von Kinderzitaten, gut zum mal rein blättern.

Veröffentlicht am 16.03.2021

Oberflächlich aber mitreißend

Hush (Band 1) - Verbotene Worte
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Shae lebt mit ihrer Mutter, wie eine Aussätzige, in einem Dorf in Montane. Die Barden des Hohen Hauses herrschen brutal über das Land. Nur sie können durch Beschwörungen die Armut lindern. Die tödliche ...

Shae lebt mit ihrer Mutter, wie eine Aussätzige, in einem Dorf in Montane. Die Barden des Hohen Hauses herrschen brutal über das Land. Nur sie können durch Beschwörungen die Armut lindern. Die tödliche Fleckenkrankheit, die Shaes Familie zerstörte, lässt sich von niemandem aufhalten. Shaes Situation wird zunehmend ausweglos, da bleibt nur die Flucht nach vorn.

Die Ankündigung zum Buch, als aufsehenerregender Jugendroman mit Themen wie fakenews und metoo, hält nicht was sie verspricht. Die Erwartungen werden geschürt und enttäuscht. Denn metoo spielt im Roman keine Rolle. Die Ungleichheit zwischen Mann und Frau ist kaum dargestellt und Shae ist nicht der Inbegriff einer feministischen Protagonistin. Trotzdem zeigt sie Stärke und macht sich durch ihre Impulsivität sowie ihre Neugier auch sympathisch.
Leider wirken die Beziehungen zu den anderen Charakteren und deren Eigenschaften eher stereotyp. So fühlt sie sich ausgerechnet von dem undurchsichtigen und womöglich gefährlichen Barden angezogen.
Unabhängig davon ist der Autorin ein hochspannender und dramatischer Jugendroman gelungen, in dem sich eine fantastische Welt eröffnet. Es gibt böse Mächte, die die Bevölkerung gezielt manipulieren. Da ist eine geheimnisvolle Erkrankung, parallele Realitäten und Beschwörungen durch Worte.
In diesem ersten Teil der Dilogie eröffnet sich eine spannende Welt, die zu oberflächlich beschrieben wird. Was hat es zum Beispiel mit den Flecken auf sich? Vieles bleibt unklar, die Zusammenhänge undurchsichtig und ähnlich wie die Charaktere platt.
Die Autorin Dylan Farrow holt durch ihren Schreibstil und das Erzähltempo einiges wieder raus. Die Geschichte entwickelt einen ungeheuren Sog. Sie ist so mitreißend, dass man am Ende atemlos zurückbleibt. Die 400 Seiten lassen sich leicht in einem Stück lesen. Die Spannung wächst zunehmend und die Entwicklungen sind tragisch und brutal.

Fazit: Ein hochspannender und fantasievoller Jugendroman mit einer starken Hauptfigur. Die versprochenen Bezüge zu metoo gibt es nicht.