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Veröffentlicht am 08.10.2022

Heftig, schwer verdaulich aber grandios

Liebe ist gewaltig
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Juli lebt mit ihren Eltern und ihren 3 Geschwistern nach außen hin in einer Vorzeigefamilie. Familie Ehre hat Geld und Ansehen. Beide Eltern sind erfolgreiche Anwälte. Auch die Kinder haben einiges vorzuweisen, ...

Juli lebt mit ihren Eltern und ihren 3 Geschwistern nach außen hin in einer Vorzeigefamilie. Familie Ehre hat Geld und Ansehen. Beide Eltern sind erfolgreiche Anwälte. Auch die Kinder haben einiges vorzuweisen, nämlich sportliche Erfolge und gute Noten in der Schule. Ungesehen vor den Augen der Öffentlichkeit spielen sich hinter den heimischen vier Wänden allerdings furchtbare Dinge ab. Der Vater ist ein brutaler Schläger, der neben physischer Gewalt auch keine Gelegenheit auslässt seine Frau und seine Kinder mit seinen grausamen Psychospielchen zu malträtieren. Die Mutter, die einerseits selbst ein Opfer ist, wird andererseits zur Mittäterin, weil sie ihren Kindern keinen Schutz zukommen lässt und was noch schlimmer ist, ihren Mann bei seinen Gewaltausbrüchen gegenüber den Kindern und der anschließenden Vertuschung sogar noch unterstützt.



„ Mama, die Tatortreinigerin“ , so fasst es die Teenagerin Juli treffend und voller Wut zusammen.

Die Blutflecken auf dem Teppich, die von Juli‘s Bruder Bruno stammen, nachdem Papa mal wieder „die Hand ausgerutscht ist“, werden von der Mutter geleugnet. Die Flecken so behauptet sie wären entstanden, als Juli betrunken auf den Teppich gekotzt hätte.



Der Roman ist in 3 Lebensabschnitte von Juli unterteilt. Im 1.Teil der 2007 spielt, ist sie 17 Jahre alt und befindet sich in einer Rehaklinik nachdem sie versucht hat sich das Leben zu nehmen.

Im 2. Teil ist sie 25, von zu Hause ausgezogen und führt ein wildes WG- Leben in Berlin, finanziert sich ihr Mathematikstudium als Profigamerin . Sex und Alkohol betäuben den andauernden Schmerz ihrer Kindheit, bis sie sich in eine Frau verliebt, die sie nimmt wie sie ist.

Im letzten Teil ist die Beziehung zu Sanyu zerbrochen und Juli, die sich jetzt Julia nennt, steht kurz vor der Hochzeit mit Thilo. Sie gleicht immer mehr ihrer Mutter und scheint sich selbst zu verlieren. Da ist nur einer der sie erden und zurück auf den Boden bringen kann, und das ist ihr Lieblingsbruder Bruno, von dem sie ganz sicher weiß, dass er sie liebt.

Claudia Schumacher‘s Debüt „Liebe ist gewaltig“, dass ich als Hörbuch vorliegen hatte, hat mich schwer beeindruckt. Sicher ist es schwere Kost, aber ich finde die Autorin hat die Wunden, die häusliche Gewalt bei einem Menschen ein Leben lang anrichten hervorragend herausgearbeitet. Die Sprache der jugendlichen Juli ist rotzig und unangepasst. Später verändert sich der Ton, wird angepasster. Der 3. Teil ist auch nicht mehr in der Ich Perspektive geschrieben, sondern in der 3. Person. Super interessant fand ich auch die Geschwisterbeziehungen und wie unterschiedlich Juli‘s Schwester und ihre Brüder mit der Gewalterfahrung in der Kindheit umgegangen sind.

Die Vertonung von Inka Löwendorf ist auch ganz große Klasse.

Das Buch lässt einen betroffen und erschüttert aber nicht hoffnungslos zurück und wird sicher noch eine Weile in mir arbeiten.



Große Empfehlung zu einem Thema, bei dem man nicht wegsehen darf.

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Veröffentlicht am 04.10.2022

Warmherzig und klug erzählt

Kleine Freuden
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Zum Inhalt:

Wir befinden uns im Jahr 1957 in London.Die ledige Journalistin Jean Swinney lebt ein recht einsames und eintöniges Leben. Für eine kleine Regionalzeitung schreibt sie kleinere Artikel, in ...

Zum Inhalt:

Wir befinden uns im Jahr 1957 in London.Die ledige Journalistin Jean Swinney lebt ein recht einsames und eintöniges Leben. Für eine kleine Regionalzeitung schreibt sie kleinere Artikel, in denen sie Kochrezepte und Haushaltstipps weitergibt, eine Arbeit die ihr durchaus Freude bereitet. Nach Feierabend wartet zu Hause aber nur noch ihre kränkliche, schwierige Mutter, die sie, die nicht verheiratete Tochter zu betreuen hat. Freundschaften pflegen ist ihr mit dieser Verpflichtung unmöglich, und die Liebe hat Jean mit ihren 40 Lebensjahren nach einer gescheiterten Beziehung aufgegeben.

Jean‘s beschauliches Leben ändert sich schlagartig mit dem Erscheinen eines Leserbriefes, in dem eine Mrs Gretchen Tilbury behauptet, dass ihre 10jährige Tochter Margaret eine „Jungfrauengeburt“ sei. Zur Zeit der Empfängnis hätte sie sich bettlägerig in einer Klinik befunden, immer unter der Aufsicht der Schwestern und ihrer Zimmergenossinnen, die ebenfalls ans Bett gefesselt waren.

Keiner der Zeitungsredakteure will sich diesem Thema widmen, und so ist die Recherche und das Verfassen des Artikels für Jean eine große Chance. Jean geht auch sehr gewissenhaft und mit Hilfe aktueller wissenschaftlicher Methoden daran den Wahrheitsgehalt des Leserbriefes zu prüfen. Nie hätte sie gedacht, dass sie diese eher unglaubwürdige Geschichte in große Gewissenskonflikte stürzen wrüde.

Die Charaktere:

Jean Swinney war mir wirklich sympathisch. Ich fand es schrecklich, wie sie ihr eigenes Leben ständig zurückgestellt hat. Man konnte ihr nicht verdenken, dass sie hin und wieder gegen ihre Schwester, die weit weg in Kenia ein aufregendes Leben führte, Groll empfand.

Jede Stunde Freizeit musste sich Jean erst erkämpfen, denn die Mutter konnte man nicht alleine lassen. So habe ich mich sehr über die zarten freundschaftlichen Bande zur Familie Tilbury für Jean gefreut, auch wenn immer die Gefahr für sie bestand, ihre Objektivität zu verlieren.

Ein weiterer wichtiger Charakter in dem Roman ist Howard Tilbury. Er ist ein bescheidener, freundlicher Mann, der seiner Frau und Margaret, die er wie sein eigenes Kind angenommen hat, treu ergeben ist. Auch er ist ein Sympathieträger, der im Gegensatz zu seiner quirligen Frau und der liebenswerten Margaret eher im Hintergrund bleibt.



Was macht das Buch aus?

Da ist zunächst einmal die Zeit. London in den 50er Jahren zu erleben hat schon mal einen gewissen Reiz. Da wabert der Nebel von der Themse über die Gassen und die Sekretärin konzentriert die Kurbel der Kopiermaschine. Herrlich!

Der Erzählton ist sehr ruhig und warmherzig und irgendwie sehr britisch.Trotzdem gibt es durch die Recherche von Jean und gewissen Entwicklungen auch einen Spannungsbogen, und man möchte als Leser dem Rätsel unbedingt auf die Sprünge kommen.

Außerdem beinhaltet die Geschichte noch eine zarte Liebesgeschichte, die sehr berührend und kein bisschen kitschig ist.

„Kleine Freuden“ ist auf jeden Fall sehr schön zu lesen, auch wenn es für mich jetzt kein absolutes Lesehighlight war.

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Veröffentlicht am 30.09.2022

Beeindruckend und erschütternd

Die Optimisten
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Zum Inhalt:

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen.

Der Einstieg ins Buch beginnt direkt mit einer Trauerfeier. Wir befinden uns im Jahr 1985, dem Beginn der 1. großen Aidswelle in Chicago und Nico, ein ...

Zum Inhalt:

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen.

Der Einstieg ins Buch beginnt direkt mit einer Trauerfeier. Wir befinden uns im Jahr 1985, dem Beginn der 1. großen Aidswelle in Chicago und Nico, ein junger Mann aus der Schwulencommunity ist ein Opfer des Virus geworden. Von den Eltern geächtet, der jüngeren Schwester Fiona jedoch geliebt und umsorgt, muß er viel zu früh, ohne dass es vernünftige Medikamente gegeben hätte auf grausame Weise sterben.

Im Anschluss lernen wir Chicago‘s „Boystown“ näher kennen, insbesondere Nico‘s engen Freund Yale, der ein Kunstexperte ist und gerade dabei ist, die Gemäldesammlung einer alten Dame, die ihren Nachlass regeln möchte, in den Besitz der Galerie zu übertragen. Gleichzeitig geht natürlich die Angst vor dem Virus um. Immer mehr Freunde von Yale stecken sich an, werden krank und versterben.

Eine zweite Erzählebene führt uns ins Jahr 2015 nach Paris, wo die inzwischen 50jährige Fiona nach ihrer verschollenen Tochter sucht. Diese war zunächst in einer Sekte, aus der sie aber wohl ausgestiegen ist und soll sich jetzt mit einem Kind,(Fiona‘s Enkeltochter) in Paris aufhalten. Fiona hat einen Privatdetektiv beauftragt ihre Tochter, zu der sie nie ein besonders inniges Verhältnis hatte, zu finden und sich mit ihr auszusöhnen.

Auf den ersten Blick haben die beiden Erzählstränge wenig miteinander zu tun. Sie nähern sich aber im Laufe der Zeit an und hängen natürlich zusammen.



Was soll ich sagen?! Das Buch war erschütternd, berührend und großartig.

Die Protagonisten dieses Romans habe ich allesamt ins Herz geschlossen. Obwohl das Thema Aids, über das im Übrigen viel zu wenig in der Literatur zu finden ist, ein wirklich bedrückendes ist, ist die Geschichte keineswegs trübsinnig. Dafür sorgen schon die klugen, oft humorvollen Dialoge. Die Krankheit, die in den 80erJahren ein klares Todesurteil war, ist ja nach wie vor eine existierende Erkrankung. Trotzdem ist sie völlig aus dem öffentlichen Fokus gerückt. Das Buch jetzt zur Zeit der Corona Pandemie zu lesen, deckt natürlich auch gewisse Parallelen zu der 1. Covidwelle auf, wo es noch keine Impfstoffe gab und die Todeszahlen täglich in die Höhe schossen. Somit reflektiert man mit dem Buch auch ein bisschen den Umgang mit Seuchen von Seiten der Politik und der Bevölkerung. Außerdem zeigt der Roman auch auf, was diese Krankheit mit Menschen macht, die zurückbleiben, die auf diese schreckliche Weise ihre Lieben oder Angehörigen verloren haben und danach irgendwie weiter leben müssen.

Im Gegensatz zu COVID hatte Aids allerdings immer auch das Stigma eine Sexkrankheit der Homosexuellen zu sein, was massive Vorurteile und Ausgrenzung zur Folge hatte. Auch das ist im Buch deutlich spürbar und einfach nur furchtbar.

„Die Optimisten“ von Rebecca Makkai ist wie ich finde ein wichtiges Buch, dass ich nur wärmstens empfehlen kann. Vielleicht ist es ein wenig zu lang geraten, aber andererseits hatte die Autorin auf diese Weise auch viel Zeit ihre Geschichte und ihre Charaktere abzurunden.

Für mich war es auf jeden Fall ein Jahreshighlight.

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Veröffentlicht am 20.09.2022

Furchtbar

Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach
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Ganz ehrlich, wenn ich das Buch nicht im Urlaub gelesen hätte, hätte ich es wohl frühzeitig abgebrochen. So habe ich mich durchgequält, manchmal allerdings auch quergelesen.

Inhalt:

Robert und seine ...

Ganz ehrlich, wenn ich das Buch nicht im Urlaub gelesen hätte, hätte ich es wohl frühzeitig abgebrochen. So habe ich mich durchgequält, manchmal allerdings auch quergelesen.

Inhalt:

Robert und seine Schwester Elsa betreiben einen Landgasthof im Elsass. Während der schrullige und menschenscheue Robert für Küche und Gemüseanbau sowie die Hof eigenen Tiere verantwortlich ist, kümmert sich seine Schwester um die handfesteren Aufgaben wie Organisation, Buchhaltung und Gästebetreuung.

Der eigenbrötlerische Griesgram Robert scheut jeglichen Kontakt zu den Gästen, verlässt den Hof nie und unterhält sich am liebsten mit seinem Gemüse. Echt jetzt?



Nur ein Beispiel:

„ Niemand außer ihm versteht sich darauf, die Haarpracht der Möhren zu liebkosen. Er ist derjenige, der sie morgens zärtlich frisiert, der sorgsam mit einer Federspitze den Staub von ihren hübschen Häuptern entfernt. Sie sind die Damen im Gemüsegarten und wollen mit Höflichkeit und Feingefühl behandelt werden.“



Dererlei schwülstige Sätze gibt es zuhauf.

Der Versuch Robert aus seinem Schneckenhaus herauszuholen gelingt schließlich der patenten Maggie, die voller Lebensfreude, immer mit einem Liedchen auf den Lippen eine wundersame Wandlung an Koch und Gemüsefreund Robert vollzieht.



Autsch! Schlimm fand ich auch, dass sich Robert in seinem gesetzten Alter aufführt wie ein Kleinkind. Daneben wirken die Zwillinge, seine kleine Nichte und sein kleiner Neffe regelrecht altklug.

Dieser Roman , bei dem man sich als Leser nicht für vollgenommen fühlt, geht gar nicht, finde ich.

Fazit:

Plot: welcher Plot?

Sprache: schwülstig und schwer zu ertragen

Charaktere : einfältig und lebensfremd

Botschaft: Sei achtsam - Vermittelt per Holzhammermethode

Ich vergebe einen Stern für das Cover und die Rezepte im Anhang.

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Veröffentlicht am 18.09.2022

Hat mich nach und nach verloren

Der Plan – Zwei Frauen. Ein Ziel. Ein gefährliches Spiel.
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„Es ist viel leichter einem Feind ein Messer in den Rücken zu stecken, wenn man ihn umarmt.“


Julie Clark kann fesselnd schreiben, das hat sie schon in „Der Tausch“ bewiesen . Auch in diesem Spannungsroman, ...

„Es ist viel leichter einem Feind ein Messer in den Rücken zu stecken, wenn man ihn umarmt.“


Julie Clark kann fesselnd schreiben, das hat sie schon in „Der Tausch“ bewiesen . Auch in diesem Spannungsroman, auf dem fälschlicherweise Thriller draufsteht, folgt man den Protagonistinnen Meg und Kat gerne. Meg ist eine Trickbetrügerin, die sich in das Vertrauen ihrer Opfer (alles Männer) schleicht und sie dann nach Strich und Faden ausnimmt. Sie war lange von der Bildfläche verschwunden. Doch als sie jetzt in Los Angeles wieder auftaucht, hat sie einen großen letzten Coup vor, und Kat eine Investigativjournalistin, will sie entlarven.

Kat hat ein persönliches Motiv, warum sie Meg unbedingt das Handwerk legen will. Doch nachdem sie ihrem Zielobjekt näher kommt und eine persönliche Beziehung zur ihr aufbaut, wird ihr Meg auch sympathischer und Kat ertappt sich, dass sie eigentlich ihr Scheitern gar nicht mehr will. Doch Meg ist natürlich auch eine Meisterin der Verstellung . Dass sie Menschen um den Finger wickeln kann, hat sie immer wieder bewiesen. Sie recherchiert akribisch, studiert ihre Opfer und ihr Umfeld genau und wird so ganz schnell zu einer Vertrauensperson.

Aber auch Kat legt ihre wahren Gefühle nie ganz offen. Ich mochte dieses Katz und Mausspiel. Die Einzelheiten von Meg‘s großem Coup gegenüber einem korrupten Politiker, waren allerdings nur schwer verständlich, wenn man sich mit dem amerikanischen Immobilienmarkt und insbesondere den Feinheiten der Abwicklung von Immobiliengeschäften in den USA nicht auskennt.

Hier hat mich der Roman dann auch verloren. Auch das Ende war nicht besonders spektakulär wie ich fand. Schade, es hat so gut angefangen!

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