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Veröffentlicht am 28.05.2022

Für Feminismus ist es nie zu spät

Die Wut, die bleibt
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Die Familie sitzt scheinbar friedlich am Esstisch, als Helene plötzlich aufsteht, den Raum verlässt und sich vom Balkon in den Tod stürzt.

Keiner hat es kommen sehen. Die Restfamilie befindet sich im ...

Die Familie sitzt scheinbar friedlich am Esstisch, als Helene plötzlich aufsteht, den Raum verlässt und sich vom Balkon in den Tod stürzt.

Keiner hat es kommen sehen. Die Restfamilie befindet sich im Schockzustand.

Und während Sarah, Helene‘s beste Freundin sich mit Schuldgefühlen quält und dem überforderten Vater ihre Hilfe anbietet, hat die Teenager- Tochter der Familie, Lola, nur ein vorherrschendes Gefühl: Wut.

Wir befinden uns in der Jetztzeit, wo tatsächlich die Mütter die Hauptlast in der Pandemie tragen. Während die Männer im Homeoffice die Tür zumachen, stemmen die Frauen neben dem eigenen Job noch den Großteil der Hausarbeit und können schauen, wie sie die Kinderbetreuung im Lockdown organisiert bekommen.

Mareike Fallwickl erinnert in ihrem Buch daran, dass wir auch in der heutigen Zeit immer noch eine durch und durch patriarchalische Gesellschaft sind.

Den Löwenanteil der kostenlosen Carearbeit tragen die Frauen. Sie verdienen schlechter. Kochen und Putzen ist immer noch Frauensache, genauso wie Kinder hüten oder Großeltern im Alter pflegen. Frauen müssen sich Sorgen machen, wenn sie nachts alleine durch den Park laufen, und wenn ihnen ein Mann Gewalt antut, wird ihnen unterstellt, dass sie die Tat durch ihre offenherzige Kleidung womöglich selbst provoziert haben.

Natürlich traut Sarah Helene’s Mann die Betreuung von zwei Kleinkindern und einer pubertierenden Tochter zunächst nicht zu. So ist ihr erlerntes Rollenbild und das alleine regt Lola schon auf, die immer radikaler mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern fordert. Fallwickl ist eine Meisterin im Beschreiben von Zwischenmenschlichem und schafft es, dass sich Lola‘s Wut auf den Leser überträgt, man ihren Argumenten einfach rechtgeben muss.

Die Veränderung von Lola ist wirklich krass, von dem traurigen, fast magersüchtigen jungen Mädchen, dass sie nach dem Tod der Mutter ist, ist am Ende des Buches nichts mehr übrig. Nicht zuletzt durch einen starken Freundeskreis und Sarah‘s Liebe, hat sie sich in eine selbstbewusste , kämpferische junge Frau verwandelt, die zwar findet dass Sarah noch viel zu wenig feministisch ist, die aber einsieht, dass die Freundin ihrer Mutter einer anderen Generation angehört. Und schließlich ist es für Feminismus nie zu spät.

Mir hat dieses kämpferische Buch von Mareike Fallwickl sehr gefallen und auch wenn ich Gewalt nie für eine gute Lösung von Problemen halte, waren die beschriebenen Racheakte doch erschreckend befriedigend.

Es war ein Buch über nachvollziehbare Wut, über Solidarität unter Frauen. Es wirbt für mehr Verständnis und deshalb darf es auch mal gerne bei den Männern auf dem Nachttisch landen.

Eine bessere Vertonung als diese von Marie-Isabel Walke und Ulrike Kapfer hätte ich mir auch gar nicht vorstellen können. Als Hörbuch ist dieser Roman absolut empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 27.05.2022

Durchhalten lohnt

Up to Date – Drei Dates machen noch keine Liebe – oder doch?
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Drei ganz unterschiedliche Frauen freuen sich am Valentinstag auf ein Date und werden versetzt. Was die Frauen jedoch nicht wissen ist, dass der Mann, auf den jede von ihnen vergeblich gewartet hat, ein ...

Drei ganz unterschiedliche Frauen freuen sich am Valentinstag auf ein Date und werden versetzt. Was die Frauen jedoch nicht wissen ist, dass der Mann, auf den jede von ihnen vergeblich gewartet hat, ein und derselbe ist: Joseph Carter.

Die Geschichte wird im Präsens ( was ich gewöhnungsbedürftig fand) , aber im gewohnt locker und lustig, leichten Stil der Autorin abwechselnd aus der Perspektive von Geschäftsfrau und Lifecoach, Siobhan, der Baumpflegerin, Miranda und der Verkäuferin in einem Second Handshop, Jane, erzählt. Alle 3 Frauen sind überzeugt den nahezu perfekten Mann gefunden zu haben. Nur die Leser*innen haben einen Wissensvorsprung. Das ist natürlich eine spannende Ausgangslage bei der ich unbedingt hinter Joseph‘s Geheimnis kommen wollte, und natürlich habe ich mir so meine Theorien zurechtgelegt und wurde dann von Beth O‘Leary mit einer Wendung überrascht, auf die ich nie gekommen wäre.

Zugegeben die Geschichte hat echt lang gebraucht, um in Fahrt zu kommen, manch einer wäre vielleicht sogar versucht abzubrechen, und auch ich war anfänglich sehr verwirrt und ein bisschen gefrustet, weil ich die Vorgängerromane doch so mochte. Wenn man aber dran bleibt, macht die Auflösung der Geschichte umso mehr Spaß und ich bin froh dass ich nicht zu früh das Handtuch geworfen habe.

Die Protagonistinnen sind alle sehr sympathisch und haben interessante Hintergrundgeschichten und auch die Nebenfiguren waren liebevoll gezeichnet.

Insgesamt hat Beth O‘Leary erneut einen überzeugenden Liebesroman geschrieben, der meiner Meinung nach aber nicht ganz an ihre ersten beiden Bücher „Love to share“ und „Time to Love“ heranreicht. Für die Fans der Autorin, die ihre keinesfalls seichten Liebesromane, die immer auch Tiefgang besitzen, schätzen und für Neuentdecker empfehle ich „Up to date“ mit kleinen Einschränkungen dennoch gerne weiter.

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Veröffentlicht am 19.05.2022

Ungezähmt

Tiger
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Schon das Cover finde ich super gelungen und richtig schön.

Es ist dem Tigerfell nachempfunden und leuchtet mit seinen metallischen Streifen auf schwarzem Grund.

Man erwartet also eine Geschichte über ...

Schon das Cover finde ich super gelungen und richtig schön.

Es ist dem Tigerfell nachempfunden und leuchtet mit seinen metallischen Streifen auf schwarzem Grund.

Man erwartet also eine Geschichte über Tiger in freier Wildbahn und befindet sich überraschenderweise aber zunächst in einem Zoo in England. Hier lernen wir die junge Forscherin Frieda kennen, deren Spezialgebiet Bonoboaffen sind und die mit Tigern eigentlich gar nichts zu tun hat. Dennoch wird von ihr in ihrer Eigenschaft als Tierpflegerin, die sie nach dem Rauswurf aus ihrem Forschungsauftrag jetzt ist, verlangt, dass sie sich um eine neu aufgenommene Tigerin aus der sibirischen Taiga kümmert, die in einem sehr schlechten Zustand ist. Frieda ist zunächst nicht begeistert, findet aber immer mehr Zugang zu der faszinierenden Raubkatze.

Der 2.Teil des Buches springt mit dem Leser in die russische Taiga zu Tomas und seinem Vater Iwan. Die beiden haben ein Tigerreservat geschaffen und versuchen für die immer selteneren Tiger einen Schutzraum zu schaffen, in dem diese nicht bejagt werden können.

Diese Bemühungen sind auch dem Prösidenten zu Ohren gekommen, und mit großer Aufregung werden Vorkehrungen getroffen, um den General, der seinen Besuch angekündigt hat, gebührend zu beeindrucken.

Im 3.Teil des Buches lernen wir dann schließlich Edit kennen, Sie entstammt einem indigenen Volk Sibiriens, den Udehe und lebt mit ihrer kleinen Tochter im Wald. Sie versucht ebenso wie die Tiere in ihrer Umgebung in dem schneereichsten Winter seit langem zu überleben.

Sogar in den Kopf eines Tigers bekommen wir einen kurzen Einblick und der sibirische Tiger ist dann letztendlich auch das verbindende Element zwischen allen Teilen dieses Buches. Am Ende werden sie zusammengeführt, aber man braucht zwischendurch ein bisschen Geduld.

Ich fand das Buch hat sich immer mehr gesteigert und mich am Ende sehr zufrieden zurückgelassen, auch wenn Frieda jetzt nicht mein liebster Charakter war. Sie hat mich in ihrem Handeln gerade zu Beginn des Buches etwas irritiert.

Begeistert hat mich auf jeden Fall die Sprache und die tollen Naturbeschreibungen.Man konnte sich einen Tiger in freier Wildbahn sehr gut vorstellen. Wie traurig dagegen die endlos hin und her wandernden Könige des Waldes hinter den Gitterstäben eines Zoos. Der Roman ist ein sehr lesenswertes Plädoyer für den Artenschutz, dass ich unbedingt weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 13.05.2022

Eine unmögliche Liebe

Stay away from Gretchen (Die Gretchen-Reihe 1)
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Jeden Abend hält die inzwischen 84jährige rüstige Rentnerin Greta Monderath Zwisprache mit ihrem vielbeschäftigten Sohn, der als Nachrichtensprecher beim Fernsehen arbeitet. Dann sitzt sie vor der Mattscheibe ...

Jeden Abend hält die inzwischen 84jährige rüstige Rentnerin Greta Monderath Zwisprache mit ihrem vielbeschäftigten Sohn, der als Nachrichtensprecher beim Fernsehen arbeitet. Dann sitzt sie vor der Mattscheibe und schaut, ob die Krawatte sitzt und ihr Tom gut gekämmt ist.

Der wiederum macht sich keine Sorgen um seine Mutter, die bisher immer gut zurecht gekommen ist, bis er eines Abends einen Anruf erhält, weil seine Mutter einen Autounfall hatte und mehrere hundert KM von ihrem Wohnort entfernt in einer Klinik gelandet ist. Tom sieht sich mit der Tatsache konfrontiert, dass seine Mutter an Demenz erkrankt ist und ist schlichtweg überfordert. In einer zweiten Zeitebene erfährt der Leser von Greta‘s Jugend. Nach der Flucht von Ostpreußen nach Heidelberg nach Ende des 2.Weltkrieges lernt Greta einen afroamerikanischen GI kennen und verliebt sich in ihn. Natürlich war diese Liebe zwischen Greta und Bobby (Robert Cooper) eine unmögliche Liebe ohne große Zukunftsaussichten, aber die beiden waren fest entschlossen allen Hindernissen zum Trotz zusammenzubleiben. Ein sogenanntes Fraternisierungsverbot stellte die Verbrüderung der Besatzungsmacht mit dem Feind unter Strafe und natürlich auch Beziehungen zwischen US Soldaten und deutschen Frauen. Von deutscher Seite wurden Frauen schnell als Amiliebchen beschimpft, wenn sie einen amerikanischen Soldaten zum Freund hatten und wurden offen bis in die eigene Familie diskriminiert.

Im Laufe der Jahrzehnte hat Greta Vieles verdrängt, was ihr in dieser Zeit widerfahren ist. Tom hat in seiner Kindheit eine Mutter erlebt, die ständig mit ihren Depressionen gekämpft hat, kannte aber die Ursachen nicht, weil im Elternhaus nie darüber gesprochen wurde.

Durch die Demenz hat sich Greta verändert und spricht plötzlich über Dinge aus der Vergangenheit, über die sie für immer schweigen wollte. Doch das hat sie plötzlich vergessen. Hier verbindet die Autorin Susanne Abel jetzt beide Zeitebenen, indem Tom die Puzzleteilchen, die ihm seine Mutter hinwirft zur Recherche über Greta‘s Vergangenheit nutzt und so erfährt er erschütternde Neuigkeiten.

Trotz etwas Kitsch und ein paar Klischees habe ich das Buch geliebt, dass als Hörbuch auch sehr zu empfehlen ist. Hier macht es besonders Spaß die sprachlichen Feinheiten durch Kölner Dialekt und kurpfälzischem Singsang zu lauschen und sich den sympathischen Bobby vorzustellen, wie er mit starkem amerikanischen Akzent zu deutschen Zungenbrechern von seinem „Gretchen“ genötigt wird.

Die Geschichte ist herzzerreißend, macht glücklich und auch sehr traurig.

Die Charaktere sind ausgesprochen liebevoll gezeichnet, und die Autorin orientiert sich an historischen Fakten, die mir so noch nicht bewusst waren.

Für mich ist dieser Roman auf jeden Fall ein Jahreshighlight, dass ich nur wärmstens empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 12.05.2022

Rasant und absurd

Bullet Train
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Bullet train ist ein ziemlich abgefahrener Thriller, der, wenn man sich drauf einlassen möchte ziemlich unterhaltsam ist.

An Bord des Hochgeschwindigkeitszugs Shinkansen, der von Tokio nach Morioka unterwegs ...

Bullet train ist ein ziemlich abgefahrener Thriller, der, wenn man sich drauf einlassen möchte ziemlich unterhaltsam ist.

An Bord des Hochgeschwindigkeitszugs Shinkansen, der von Tokio nach Morioka unterwegs ist befinden sich gleich mehrere Killer und sorgen für Aufregung.

Da ist das Killerduo Lemon und Tangerine. Die beiden „Zitrusfrüchte“ haben den entführten Sohn des Unterweltbosses Minegeshi gerade befreit und sollen „Papa’s Liebling“ samt Lösegeld wieder nach Hause befördern.

Das Lösegeld steckt in einem Koffer, den wiederum Verbrecher NR. 2, Nanao, genannt „Der Marienkäfer“ entwenden soll und mit dem er dann umgehend an der nächsten Station aussteigen soll. Der Marienkäfer ist allerdings ein Pechvogel und das schon sein Leben lang, was es unwahrscheinlich macht, dass er diesen einfachen Job hinbekommt.

Außerdem gibt es noch einen Exkiller , der sich rächen will, weil man seinen Sohn vom Dach gestoßen hat, der seitdem im Koma liegt und einen psychopathischen Jungen, der richtig böse ist, den aber jeder für einen braven Schüler hält.

Die Figuren , die Kotaro Isaka erfunden hat sind allesamt skurril und reichlich überzeichnet. Ich musste häufiger an „Kill Bill“ denken, und tatsächlich gibt es auch zu der Buchvorlage dieses Thrillers schon eine actionreiche Verfilmung, die demnächst in die Kinos kommt. Ja, brutal geht es auch zu und die Killer sind nicht zimperlich was das Ausschalten ihrer Gegner angeht. Statt Bullet train hätte das Buch auch Leichenexpress heißen können. Beim Lesen merkt man dann plötzlich, dass einem der ein oder andere Killer tatsächlich sympathisch ist und staunt. Die Geschichte war so abgefahren und mit viel Witz erzählt, originell und mal ganz anders als andere Thriller, dass dieses Buch für mich einfach ein großer Lesespaß war. Und den Film schaue ich mir auch noch an!

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