Profilbild von Minijane

Minijane

Lesejury Star
offline

Minijane ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Minijane über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.04.2021

Sprachlich klasse aber kein Highlight für mich

So wie du mich kennst
0

Bewertet mit 3.5 Sternen

Anika Landsteiner hat in ihrem Roman "So wie Du mich kennst" einen Roman geschrieben, bei dem es vorrangig um Trauerbewältigung geht, in dem aber auch Themen behandelt werden ...

Bewertet mit 3.5 Sternen

Anika Landsteiner hat in ihrem Roman "So wie Du mich kennst" einen Roman geschrieben, bei dem es vorrangig um Trauerbewältigung geht, in dem aber auch Themen behandelt werden wie Familie , Liebe, innige Geschwisterbeziehungen und häusliche Gewalt.

Der Roman hat zwei sehr unterschiedliche und gegensätzliche Schauplätze, ein kleines, beschauliches Dorf in Franken und die Metropole New York. Karla und Marie sind mehr als zwei Schwestern, sie sind Seelenverwandte. Während Karla auch als erwachsene Frau ihrem Heimatdorf die Treue hält, wo sie als Lokalreporterin arbeitet, hat es Marie immer fortgezogen, und als sie einen Amerikaner kennenlernt und sich verliebt folgt sie ihm gerne nach Boston und lebt nach der Scheidung als Fotografin in New York.

Karla telefoniert fast täglich mit ihrer Schwester. Umso härter trifft sie der plötzlicher Unfalltod, von Marie, der sie zwingt in die USA zu fliegen, um zunächst ihre Asche nach Hause zu holen und dann ihre Angelegenheiten zu regeln und ihre Wohnung aufzulösen.

Immer abwechselnd schreibt die Autorin mal aus Karla's Sicht,und dann im nächsten Kapitel nimmt sie wieder die Perspektive von Marie ein. So bekommt man gleich zu Beginn einen Eindruck, was für eine innige Beziehung die beiden Schwestern hatten und wie unendlich Karla's Trauer ist. Für Karla ist es schier unmöglich sich ihrer Pflicht der Wohnungsauflösung zu widmen, ohne zu verstehen, was genau passiert ist. Diese Trauer und auch Einsamkeit hat die Autorin sehr treffend und nachfühlbar beschrieben.Karla wird immer klarer, dass sie ganz offensichtlich doch nicht alles über ihre Schwester weiß. Marie's Geheimnisse bleiben für Karla aber unklar, für den Leser jedoch nicht, da er ja immer auch Marie's Sicht mitbekommt.

Nebenhandlungen sind zwar interessant zu lesen, wären aber für den Fortgang der Geschichte nicht unbedingt nötig gewesen. Ich bin ehrlich gesagt etwas zwigespalten was das Buch angeht. Der Schreibstil hat mir außerordentlich gut gefallen. Viele kluge Gedanken habe ich mir markiert. Die Themen fand ich wichtig und gut gewählt. Trotzdem fehlte mir etwas. Meinem Empfinden nach ist die Geschichte nicht konsequent zu Ende erzählt, und das Ende habe ich deshalb als unbefriedigend empfunden.

Trotzdem war das Buch eine lohnenswerte Lektüre, bei der man sicher auch zu einem anderen Schluß kommen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.04.2021

Ein Roman, der unter die Haut geht

Der Verdacht
0

In " Verdacht" von Ashley Audrain schildert Blythe ihre Lebensgeschichte und explizit ihre Sicht auf Geschehnisse, die im Laufe ihrer Mutterschaft geschehen sind.

Noch in der Uni lernt Blythe ihren späteren ...

In " Verdacht" von Ashley Audrain schildert Blythe ihre Lebensgeschichte und explizit ihre Sicht auf Geschehnisse, die im Laufe ihrer Mutterschaft geschehen sind.

Noch in der Uni lernt Blythe ihren späteren Ehemann Fox kennen und lieben. Fox kann es gar nicht erwarten eine Familie zu gründen. Genau hier liegt schon der Knackpunkt ihrer Beziehung, denn Blythe weiß gar nicht so genau, ob sie überhaupt Kinder will und ob sie in der Lage sein würde eine gute Mutter zu sein. Wenn sie auf ihre eigene Familie schaut, ihre Mutter und auch ihre Großmutter, haben diese beim Muttersein total versagt. Gibt es vielleicht eine genetische Disposition, und die Frauen in ihrer Familie sind gar nicht fähig gute Mütter zu sein?

Blythe wird trotz ihrer Bedenken schwanger. Ihr Mann wünscht sich so sehr ein Kind, und sie liebt ihren Mann. Ein gesundes Mädchen wird geboren und schon die Geburt ist furchtbar. Blythe hat das Gefühl dieses Kind lehnt sie ab, und sie kann kaum positive Gefühle oder gar Liebe für dieses kleine Wesen entwickeln. Trotzdem entscheidet sie sich bewusst für ein 2. Kind, denn sie kann und will nicht glauben, dass sie einfach eine schlechte Mutter ist.

Dadurch, dass man als Leser vollständig in die Gefühlswelt der Ich-Erzählerin Blythe einsteigt, ist man ihr sehr nah, fühlt all ihre Zweifel und Ängste ungefiltert mit. Als der kleine Bruder geboren ist, der ein problemloser Sonnenschein ist, legt die große Schwester Violet Verhaltensweisen an den Tag die erschüttern. Das Drama nimmt seinen Lauf und so verstörend sich der Roman auch entwickelt, ist es kaum möglich das Buch zur Seite zu legen, Es ist ein furchtbarer Alptraum, den Blythe ganz alleine überleben muss, denn ihr einst so charmanter Ehemann Fox sieht nur was er sehen möchte.

Der Roman ist kein Thriller wie man vermuten könnte, eher ein Spannungsroman bzw ein Psychogramm, wahnsinnig emotional und intensiv. Er bietet reichlich Diskussionsstoff und hallt sicher noch länger nach. Für mich war das Buch ein Überraschungshighlight, dass ich wärmstens empfehlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2021

Freiheit für Italien

Es war einmal in Italien
0

Der Waisenjunge Pietro kann sein Glück kaum fassen. Ausgerechnet er wird von der Contessa ausgewählt. 16 Jahre ist er alt und kann durch Adoption der Hölle des Waisenhauses entkommen.

Auch Marta hatte ...

Der Waisenjunge Pietro kann sein Glück kaum fassen. Ausgerechnet er wird von der Contessa ausgewählt. 16 Jahre ist er alt und kann durch Adoption der Hölle des Waisenhauses entkommen.

Auch Marta hatte keinen leichten Start ins Leben. Sie war an Ketten gefesselt wie ein Hund als Melo vom Wanderzirkus das mißhandelte Kind einfach mitnimmt in ein besseres Leben.

Seine Protagonisten führt Luca di Fulvio im Kirchenstaat Rom zusammen und dass, kurz bevor hier der Freiheitskampf für ein einiges Italien ausbricht.

Der Autor hat einen bildgewaltigen historischen Roman geschaffen, ein regelrechtes Epos mit über 700 Seiten, was einen allerdings nicht abschrecken sollte, denn es macht wirklich Spaß in das Italien von 1870 zurückkatapuliert zu werden . Insbesondere wenn man das heutige Rom kennt, bereitet es großes Vergnügen die ganzen bekannten Plätze und Gebäude in einer gänzlich anderen Zeit zu erleben.

Ich bin zwischen Buch und Hörbuch, wunderbar vertont von Philipp Schepmann, hin und her gewechselt. Neben dem Freiheitskampf der Italiener bekommen wir als Leser und Zuhörer auch etwas mit über die Anfänge der Fotografie, denn Pietro kommt in Kontakt mit einem Adeligen, der seine Leidenschaft fürs Fotografieren an den Jungen weitergibt. Doch während der Principe die schönen Dinge des Lebens festhält, möchte Pietro die Wahrheit auf den Fotoplatten festhalten, die im ärmlichen Rom 1870 auch einmal darin besteht, Kinder abzulichten, die mit Pferdeäpfeln spielen, sich schimmliges Brot teilen oder eine Ratte, die durch die Straßen läuft.

Auch Marta ist zu einer starken Persönlichkeit herangereift, die sich plötzlich als Patriotin begreift und auch wenn sie eine Frau ist , nicht auf ihr politisches Engagement verzichten möchte. Blut spritzt nicht nur als die Schlacht in Rom beginnt, sondern auch, als Pietro vom rechten Weg abkommt und sich einer Bande von Kriminellen anschließt, die unter ihrem Anführer Albanese rauben und morden.

Neben der brutalen Realität des 19. Jahrhunderts kommt aber auch die Liebe nicht zu kurz. Vielleicht wird es hier sogar ein bisschen kitschig aber das habe ich Luca di Fulvio, der sprachgewaltig einen tollen atmosphärischen Roman geschrieben hat, nicht übel nehmen können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2021

Der Wunsch nach Freiheit

Das Haus des Leuchtturmwärters
0

Nach der Wende erinnert sich die Autorin Franzi an ihre schönsten Jahre in der Kindheit, die sie als Tochter des Leuchtturmwärters im ostdeutschen Lüstrow verbracht hat. Um ihre Schreibblockade zu überwinden, ...

Nach der Wende erinnert sich die Autorin Franzi an ihre schönsten Jahre in der Kindheit, die sie als Tochter des Leuchtturmwärters im ostdeutschen Lüstrow verbracht hat. Um ihre Schreibblockade zu überwinden, möchte sie an diesen Ort zurückkehren und sich neue Inspiration holen. Sie findet das Tagebuch von Else, das 30 Jahre unter Dielenbrettern geschlummert hat und statt an ihren Thriller zu schreiben, taucht sie immer tiefer in das Leben der jungen Frau ein, die unter dem menschenunwürdigen System der DDR so gelitten hat, dass sie ihre Flucht plante.

Der Roman spielt in 2 Zeitebenen. Zum einen geht es ins Jahr 1992, als Franzi sich für längere Zeit in das Gehöft inklusive Leuchtturm, der inzwischen automatisch betrieben wird, einmietet, zum anderen führt die Geschichte zurück ins Jahr 1962 zu Else und ihrem Vater, sowie ihrer Freundin Lulu und deren Freund Otto.

Die Stimmung im fiktiven Lüstrow zu DDR Zeiten ist düster. Den eigentlich idyllischen Leuchtturm und den nahegelegenen Strand verschandelt ein Wachturm. Die Zukunftspläne sind sehr eingeschränkt und man muss Angst haben, jederzeit bespitzelt zu werden. Die Frage, wem kann ich trauen und wem nicht, steht ständig im Raum. Dieses Gefühl der Trostlosigkeit und des Ausgeliefertseins vermittelt Kathleen Freitag dem Leser sehr authentisch,und ich konnte den Wunsch nach Flucht nur allzu gut nachvollziehen.

Else ist eher ruhig und besonnen im Gegensatz zu ihrer quirligen Freundin Lulu, der schon mal vorschnell eine unbedachte Äußerung herausrutscht, die sie im „Arbeiter und Bauernstaat“ in Teufel‘s Küche bringen könnte. Ihr schmächtiger Freund Otto, Musiker aus Leidenschaft, ist total liebenswert und verliebt in Lulu, die er, was ich niedlich fand, seine Sonne nennt. Gerade in einem Staat wie der DDR ist Ehrlichkeit das Fundament ihrer Freundschaft und das Vertrauen kann nur allzu schnell enttäuscht werden, was die Protagonisten auch im Laufe des Romans erfahren werden. Als Leserin habe ich mit Else, Lulu und Otto gebangt und gehofft, ihre Fluchtvorbereitungen staunend verfolgt und sie für ihren Mut und ihre Entschlossenheit bewundert.

Im Gegensatz zu der spannenden Fluchtgeschichte bleibt Franzi, die Autorin ein bisschen blass und im Hintergrund und ist wohl eher der Aufhänger, um Else‘s Geschichte voranzutreiben.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Der Roman konnte mir als Wessi den beklemmenden Alltag und den daraus resultierenden, lebensgefährlichen Wunsch aus diesem Land zu fliehen glaubhaft darstellen. Es war ein leichter, liebenswerter historischer Roman, spannend und unterhaltsam geschrieben, der mir viele schöne Lesestunden geschenkt hat und den ich gerne weiterempfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.04.2021

Nicht mein Buch

Alles richtig gemacht
0

Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich zuletzt ein Buch abgebrochen habe, aber bei diesem Roman war nach 150 Seiten Schluss, und damit habe ich bestimmt alles richtig gemacht.

Die Geschichte spielt ...

Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich zuletzt ein Buch abgebrochen habe, aber bei diesem Roman war nach 150 Seiten Schluss, und damit habe ich bestimmt alles richtig gemacht.

Die Geschichte spielt vor und nach der Wende. Thomas und Daniel haben sich in Rostock in der Schule kennengelernt und sind seither befreundet, so unterschiedlich sie auch sind. Eine Zeit lang verlieren sie sich aus den Augen, doch just zu dem Zeitpunkt als Thomas, inzwischen in Berlin lebend, von seiner Frau und seinen Töchtern verlassen wird, taucht Daniel wieder auf. Thomas ist der Icherzähler, dessen Leben mit der Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten portraitiert wird, wobei der Autor in der Zeit hin und springt. In seiner Jugend ist das Leben der Freunde auf Partys , Rauchen, Trinken und Sex fokussiert. Nach mehreren berufliche Fehlentscheidungen steigt Thomas später auf Jura um, aber man hat nicht den Eindruck, dass ihn diese Berufswahl erfüllt.Geschichtliche Ereignisse dienen lediglich als Kulisse und werden nicht näher ausgeführt. Weder fand ich die Charaktere sonderlich interessant noch deren Lebenswege.Nach mehr als der Hälfte des Buches war mir immer noch nicht klar, was der Autor eigentlich erzählen möchte. Das Buch hat mich ehrlich gesagt gelangweilt und wenig Spaß gemacht. Die Sprache war ganz OK , der Ostjargon amüsant aber insgesamt konnte mich das Buch leider überhaupt nicht abholen und war für mich eine Enttäuschung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere