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Veröffentlicht am 22.12.2020

Wie ein Monster erschaffen wird

Der rote Apfel
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Bewertet mit 4.5 Sternen

Einen koreanischen Thriller hatte ich bisher noch nie gelesen und das schwarze Cover mit der roten Schrift, der Apfelblüte, Blättern und den Blutspritzern macht es wahrlich zu ...

Bewertet mit 4.5 Sternen

Einen koreanischen Thriller hatte ich bisher noch nie gelesen und das schwarze Cover mit der roten Schrift, der Apfelblüte, Blättern und den Blutspritzern macht es wahrlich zu einem Eyecatcher. In ihrer Heimat Korea ist Mi Ae Seo eine bekannte Bestsellerautorin, und ich war sehr gespannt ob "Der rote Apfel" nach meinem Geschmack sein würde.

Der in der Todeszelle sitzende Serienmörder Lee Byongdo hüllt sich in Schweigen was seine Taten angeht. Die Polizei ist im Unklaren über seine Motivation und will auch nicht ausschließen, dass es viel mehr Opfer gibt, als bisher bekannt wurde. Um so überraschender ist sein Vorschlag doch mit einer einzigen Person zu reden, der jungen Kriminalpsychologin Sonkyong. Dieser ist der Fall zwar bekannt, sie ist sich aber sicher Lee Byongdo nie begegnet zu sein.Die Neugierde der jungen Frau überwiegt ihr Unbehagen und sie willigt ein den Mörder im Gefängnis zu befragen.

Zeitgleich nehmen Sonkyong und ihr Ehemann Chaesong dessen 10jährige Tochter aus 1. Ehe bei sich auf. Seine Ehefrau ist inzwischen verstorben und das Mädchen hatte bei seinen Großeltern gelebt, bis das Haus bis auf die Grundmauern abgebrannt ist. Während die Großeltern dem Feuer zum Opfer gefallen sind, hat die kleine Hayong den Brand überlebt. Das Zusammenleben gestaltet sich schwierig und es wird immer deutlicher, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt.

Anders als bei anderen Thrillern wird der Leser nicht in ein Geschehen hineingeworfen, sondern wächst langsam in die Geschichte hinein. Die Autorin erzählt aus wechselnden Perspektiven, und der Verlauf der Geschichte ist bis auf das Ende folgerichtig und wenig überraschend. Auch werden weniger die Bluttaten von Lee Byongdo ausführlich gschildert, als eher die Psyche beleuchtet. Die Kernfrage dieses Buches ist, was alles passieren muss, dass ein Kindheitstrauma sich so verfestigt, dass dieser Mensch nur noch die Gewalt für sich als Ausweg sieht. Dass ein Täter irgendwo auch immer selbst ein Opfer ist, wird bei diesem Thriller mehr als deutlich. Beim Lesen bekommt man an manchen Stellen wirklich eine Gänsehaut. Sonkyong war für mich die zentrale Figur der Geschichte, eine sehr einfühlsame Protagonistin, die aber trotz ihrer psychologischer Schulung manchmal nicht so ganz gecheckt hat, was gespielt wurde.

Mir hat dieser Thriller wirklich gut gefallen, und ich empfehle ihn gerne weiter.

(Triggerwarnung -Gewalt gegen Kinder)

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Veröffentlicht am 20.12.2020

Verstörend

Der Mädchenwald
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Elissa hat eine Leidenschaft fürs Schachspielen und ist mit ihren 13 Jahren inzwischen richtig gut. Mit ihrer Mutter fährt sie zu einem Kinderschachtunier und wird dort entführt. Man verfrachtet sie in ...

Elissa hat eine Leidenschaft fürs Schachspielen und ist mit ihren 13 Jahren inzwischen richtig gut. Mit ihrer Mutter fährt sie zu einem Kinderschachtunier und wird dort entführt. Man verfrachtet sie in ein Verlies in einem Waldgebiet und Elissa ahnt, dass sie nicht das erste Mädchen ist, dass hier gelandet ist. Neben ihrem Entführer, der mit ihr nur in einer gruseligen Flüsterstimme spricht, wird sie zu ihrem Erstaunen von einem Jungen namens Elijah besucht. Elissa schöpft Hoffnung, dass die heimlichen Besuche des Jungen ihre Rettung sein könnten. Der Junge scheint mit seinen Eltern in einer abgeschiedenen Hütte im Wald zu leben, kennt weder Handys noch Internet und wirkt irgendwie gestört.

Elissa versucht ihre Situation durch ihre Fähigkeiten, die sie sich durch das Schachspielen erworben hat zu verbessern. Das fand ich interessant. So bekommt sie z.B ein besseres Raumgefühl, als sie sich ihre Zelle in Schachfelder einteilt. Auch versucht das sehr analytisch denkende Mädchen immer wieder versteckte Nachrichten an die Außenwelt zu schicken. Sie ist unglaublich schlau und mutig und man kann kaum glauben, dass sie erst 13 Jahre alt sein soll,

Dieser spannende Thriller hat mich als Hörbuch wirklich überzeugt. Er wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, und für jeden Protagonisten gibt es einen eigenen Sprecher. Eine Erzählstimme ist natürlich die von Elissa. Hinzu kommen die Perspektiven von Elijah und der Polizistin Mairéad. Alle 3 Sprecher machen einen großartigen Job und man mag das Hörbuch kaum unterbrechen. Tanja Geke, Monika Oschek und Gerrit Schmidt-Foß haben dieses Hörbuch gemeinsam eingesprochen, und man merkt das sie Profis auf ihrem Gebiet sind.

Die Geschichte wird zum Ende hin immer spannender, und die Auflösung hält so manche Überraschung bereit. Lediglich die Frage, warum gerade Elissa als Entführungsopfer ausgewählt wurde, ist mir nicht klar geworden. Trotzdem ein spannender Hörgenuss, den ich empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 20.12.2020

Große Gefühle

Wohin der Himmel uns führt
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Bewertet mit 4 Sternen

"Wohin der Himmel uns führt" ist für mich der 1. Roman von Dani Atkins, die bekannt ist für ihre Familiendramen, die den Leser mitnehmen sollen auf eine Achterbahn der Gefühle. ...

Bewertet mit 4 Sternen

"Wohin der Himmel uns führt" ist für mich der 1. Roman von Dani Atkins, die bekannt ist für ihre Familiendramen, die den Leser mitnehmen sollen auf eine Achterbahn der Gefühle. Ich habe mir also Taschentücher bereitgelegt und bin eingetaucht in die Geschichte 2er Frauen, deren Lebenswege sich durch einen unglücklichen Zufall miteinander verquicken, 2 Frauen, die unter anderen Umständen vielleicht sogar Freundinnen hätten werden können.

Die Autorin lässt beide Frauen in der Ich-Perspektive erzählen, was sie dem Leser sehr nahe bringt. Wir lernen zunächst Beth kennen, die das Glück hat, ihre große Liebe mit Tim gefunden zu haben und das Pech ihn nach wenigen Jahren glücklicher Ehe an den Krebs viel zu früh wieder zu verlieren. Schon vor seiner Behandlung hat sich das Paar entschlossen Embryonen einfrieren zu lassen, um sich zu einem späteren Zeitpunkt noch den Kinderwunsch erfüllen zu können. Nach 2 Fehlversuchen ist jetzt nach dem Tod von Tim noch ein Embryo übrig und Beth ist fest entschlossen eine Mutterschaft auch alleine zu schaffen.
Izzy, die 2. Protagonistin könnte sich glücklich schätzen, hat sie doch eine kleine Familie. Ihr Sohn Noah ist ihr Ein und Alles, doch die Ehe mit ihrem Mann Pete bröckelt. Izzy ist schon etwas überfürsorglich, macht sich ständig Sorgen um den Gesundheitszustand ihres 8Jährigen. Das hat das gemeinsame Zusammenleben mit Pete so erschwert, dass dieser zunächst einmal ausgezogen ist, auch wenn er sich weiter sehr um Noah kümmert.

Als ein Anruf aus der Kinderwunschklinik kommt, verbindet dieser auf schicksalhafte Weise die Leben von Beth und Izzy und stürzt die eine wie die andere in Gewissenskonflikte.
In beide Figuren kann man sich nur allzugut hineinversetzen. Deshalb kann man auch keine der Frauen für ihre Ansichten oder ihr Handeln verurteilen.
Ich will an dieser Stelle gar nicht so viel verraten. Es geht in diesem Buch natürlich um Liebe und Verlust und Trauer, aber auch um Mutterschaft und Kindeswohl.

Das schafft die Autorin ohne ins Kitschige abzurutschen, was mir wirklich gut gefällt. Auch die Figurenzeichnung ist authentisch. Allerdings ist das Thema wohl nicht so ganz meins gewesen. Ich musste beim Lesen an die Bücher von Jodi Picoult denken, die sich in ihren Romanen ebenfalls gerne mit kritischen Themen und Tabus auseinandersetzt. Auf jeden Fall werde ich noch mehr von Dani Atkins lesen. Mir gefällt ihre berührende Art zu schreiben und wie sie den Fokus auf die Dinge legt, die im Leben wirklich zählen.

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Veröffentlicht am 10.12.2020

Durchhalten lohnt sich

Marta schläft
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Bewertet mit 3.5 Sternen

Nach ihrem sensationellen Thrillererfolg "Liebes Kind" ist in diesem Jahr ein weiteres Buch dieses Genres von Romy Hausmann erschienen. Auch "Marta schläft" ist wieder ein Psychothriller.

Es ...

Bewertet mit 3.5 Sternen

Nach ihrem sensationellen Thrillererfolg "Liebes Kind" ist in diesem Jahr ein weiteres Buch dieses Genres von Romy Hausmann erschienen. Auch "Marta schläft" ist wieder ein Psychothriller.

Es geht um Nadja, eine junge Frau aus schwierigen Verhältnissen, die sich nach einem lange zurückliegenden Gefängnisaufenthalt ein Stück weit ins normale Leben zurückgekämpft hat. Zumindest hat sie eine kleine Wohnung und einen Job in einer Anwaltskanzlei. Trotzdem ist sie ziemlich isoliert und wird psychologisch betreut, da sie unter Panikattacken leidet und Menschenansammlungen nicht ertragen kann. Als eine ehemalige Kollegin, die ihr immer freundschaftlich zugetan war, ihre Hilfe erbittet, weil sie ihren Geliebten ermordet hat, zögert sie nicht und hilft ihr die Spuren zu beseitigen und die Leiche verschwinden zu lassen.

Hier beginnt jetzt die eigentliche Geschichte, die sich so ganz anders entwickelt, als man dies zunächst vermuten würde. Denn es folgen fiese Psychospielchen und jede Menge unerwartete Wendungen, die die Spannung hoch halten. Allerdings muss man ungefähr bis zur Hälfte des Buches wirklich durchhalten, denn der Einstieg ins Buch ist wirr und undurchsichtig. Romy Hausmann wechselt die Perspektiven, streut Rückblicke ein, wechselt von der Protagonistin zu Nebenfiguren oder zu einer geheimisvollen Briefeschreiberin. Wie bei einem Puzzle erschließt sich das große Ganze erst wenn man genügend Teile zusammengefügt hat. So wird das Buch zum Ende hin auch immer spannender und entwickelt eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Einzig die Protagonistin Nadja erzählt aus der Ich-Perspektive, so dass der Leser gut eine gewisse Nähe zu ihr aufbauen kann und das Ungeheuerliche, was ihr widerfährt mitfühlt.

Mir hat der neue Thriller von Romy Hausmann gut gefallen, weil er ungewöhnlich ist, psychologisch raffiniert und den Leser unterschwellig über das Thema Schuld nachdenken lässt. Das Verwirrspiel zu Beginn des Buches, die ganzen losen Fäden, damit hat es die Autorin meiner Meinung nach ein bisschen zu sehr auf die Spitze getrieben. Hier ist vielleicht manch ein Leser schon frühzeitig genervt ausgestiegen. Deshalb ziehe ich ein Bewertungssternchen ab.

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Veröffentlicht am 05.12.2020

Ein sehr persönlicher Fall

Die Hornisse (Tom-Babylon-Serie 3)
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Endlich ist sie da, die Fortsetzung der beliebten Thrillerreihe von Bestsellerautor Marc Raabe rund um sein Ermittlerteam Tom Babylon und der Psychologin Sita Johanns. Um auch diesen neuen Fall genießen ...

Endlich ist sie da, die Fortsetzung der beliebten Thrillerreihe von Bestsellerautor Marc Raabe rund um sein Ermittlerteam Tom Babylon und der Psychologin Sita Johanns. Um auch diesen neuen Fall genießen zu können sollte man allerdings die Vorgängerbände kennen, ansonsten verliert man sich leicht in der Geschichte.

Der Rockstar Brad Galloway, eben noch aufgetreten vor 22000 Fans auf der Berliner Waldbühne, wird verstümmelt und verblutet aufgefunden. Schnell wird klar, dass Tom Babylon persönlich involviert ist. Sein familieres Umfeld hat irgendwie mit diesem grausamen Mord zu tun und die Spur führt weit zurück in die Vergangenheit. Den Erzählstrang der rückblickend weitere Erkenntnisse über Tom's Kindheit in der DDR bringt, fand ich besonders spannend. Mit einer heimtückischen Kindesentführung scheint die Geschichte ihren Anfang zu nehmen. Die Stimmung im Land, das Gefühl ständig bespitzelt zu werden, konnte man gut nachfühlen. Schon im letzten Band war das Verschwinden seiner Schwester Vi in Tom's Kindheit ein Thema, dass ihn immer wieder belastete und ihn quasi Gespräche mit einem Geist führen ließ. Jetzt wird die Figur Tom Babylon fortgeschrieben und man erfährt als Leser die näheren Umstände dieses Traumas. Sehr berührend!

Marc Raabe schreibt gewohnt fesselnd und atmosphärisch. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist ihm gut gelungen. Ein paar Längen haben sich allerdings eingeschlichen. Tom wird schnell vom Jäger zum Gejagten und nur Sita und sein Unterweltsfreund Bene Czech scheinen ihm noch zu glauben, dass ihm Beweismittel untergeschoben wurden. Das Ende entwickelt sich zu einem Showdown und der Leser erfährt auch endlich wer" die Hornisse" ist.

Ein überraschender Cliffhanger im Epilog deutet darauf hin, dass die Leser sich auf eine Forsetzung freuen dürfen. Mich konnte dieser temporeiche Thriller auf jeden Fall wieder begeistern.

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