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Veröffentlicht am 17.04.2025

Beeindruckend

Issa
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Was für ein Schatz ist dieses Buch! Es geht um mehrere Generationen starker Frauen, um das Frausein im Patriarchat, polygame Ehen, um Kamerun, Kolonialismus und Schwesternschaft.

Im Zentrum der Geschichte ...

Was für ein Schatz ist dieses Buch! Es geht um mehrere Generationen starker Frauen, um das Frausein im Patriarchat, polygame Ehen, um Kamerun, Kolonialismus und Schwesternschaft.

Im Zentrum der Geschichte steht Issa, eine junge Frau, die mit ihrer Mutter als junges Mädchen nach Deutschland ausgewandert ist. Ihre Mutter hatte einen Deutschen geheiratet, und so kam auch Issa ins kalte Deutschland, wo sie alles andere als eine einfache Jugend erlebte. Sie wurde in der Schule gemobbt und schaffte es dennoch allen Hindernissen zum Trotz eine sehr gute Schülerin zu werden.

Dann wurde Issa ungewollt schwanger, was sie zutiefst verunsicherte. Ihr Freund schien als Vater nichts zu taugen, auch wenn sie sich das selbst noch nicht eingestehen wollte, die Zukunft ungewiss und beängstigend!

Plötzlich bestand ihre Mutter darauf, dass sie nach Kamerun reisen solle, in das Land in dem sie geboren wurde , um sich dort Ritualen zu unterziehen, denen man sich vor der Geburt des ersten Kindes unterziehen musste, damit kein Unglück geschähe und das Kind womöglich sterben würde.

Issa glaubte eigentlich nicht an diesen Hokus Pokus, ließ sich aber auf die Reise ein. Es war ja auch eine gute Gelegenheit etwas Abstand zwischen sich und ihren Freund zu bringen, Zeit zum Nachdenken.

Und Issa kam in Kamerun an und wurde sogleich umringt von ihren Verwandten und ihren beiden Großmüttern. Sie konnte sich tatsächlich fallen lassen in die uralten Bräuche, die sich schräg anhörten, aber dann doch etwas mit der jungen Frau machten. Die Autorin beschreibt das alles so toll und lebendig mit einer Menge Humor, dass es großen Spaß gemacht hat in diese fremde Welt einzutauchen.

Außerdem gibt es Rückblicke in das Leben der vorherigen Generationen, Frauen die verheiratet wurden, die rechtlos in einem Haushalt unter Nebenfrauen lebten, die im Kolonialismus unter den Deutschen, den Franzosen und den Engländern ausgebeutet wurden. Zum Glück hat die Autorin neben den umfangreichen Erläuterungen zu afrikanischen Begriffen auch einen Stammbaum aufgeführt, sonst wäre ich mit den vielen Namen schnell überfordert gewesen. Mit dieser Hilfe am Buchende kann man der Geschichte aber wunderbar folgen.

Die im Buch beschriebenen 5 Frauen haben mich zutiefst beeindruckt mit ihrer Wärme, Tatkraft und Stärke. Ich habe Issa’s Identitätssuche unheimlich gerne begleitet und konnte ihre Ambivalenzen wirklich gut nachempfinden.

Die Geschichte entwickelte einen starken Sog, dem ich mich nicht einziehen konnte. Sowohl die Gegenwarts- als auch die Vergangenheitsperspektive haben mich gleichermaßen gefesselt und begeistert.

Von mir gibt es an dieser Stelle also eine große Empfehlung für dieses tolle Buch.

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Nichts Neues

Bevor es geschah
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„Bevor es geschah“ von Celine Spierer ist sowohl ein Drama als auch eine Milieustudie.

Das jährliche Familien-BBQ bildet den Rahmen dieser Geschichte, die an einem einzigen Sommertag im Anwesen der Matriarchin ...

„Bevor es geschah“ von Celine Spierer ist sowohl ein Drama als auch eine Milieustudie.

Das jährliche Familien-BBQ bildet den Rahmen dieser Geschichte, die an einem einzigen Sommertag im Anwesen der Matriarchin Elisabeth Haynes spielt.

Auch nach dem Tod ihres Mannes versammeln sich ihre 4 Kinder, deren Lebenspartner und die Enkelkinder an einem schönen, sonnigen Tag, um zu essen und zu plaudern. Doch die Gespräche bewegen sich an der Oberfläche. Jeder versucht die Fassade der perfekten Familie aufrecht zu erhalten aber durch Perspektivwechsel und Flashbacks werden Geheimnisse und Lebenslügen nach und nach aufgedeckt. Alle sind so mit sich selbst beschäftigt, dass der jüngste Spross des Familienclans unbemerkt in den Pool klettern kann.

Jeder hat seinen Platz in dieser Familie. Die Autorin versteht es die komplexen Eltern - und Geschwisterbeziehungen, sowie die Wahl der jeweiligen Partner und deren Ehen genau zu analysieren.

Es liest sich ein bisschen wie eine Familienaufstellung und bietet leider nichts Neues, auch wenn die Geschichte gut geschrieben ist.

Die Fülle an Personen führte bei mir anfänglich zu Verwirrung, zumindest bis man sich merken konnte, wer zu wem gehört.

Ich habe dieses für mich eher durchschnittliche Buch trotzdem ganz gerne gelesen. Es fehlte aber das gewisse Etwas, dass ein Buch zu etwas Besonderem macht.

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Leben im Plattenbau und der Traum alles hinter sich zu lassen

Achtzehnter Stock
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Das war auf jeden Fall ein Buch, was nachhallt, auch wenn ich lange überlegt habe, ob ich es überhaupt lesen möchte.

Wanda lebt im 18.Stock eines Hochhauses in Berlin. Sie ist als alleinerziehende Mutter ...

Das war auf jeden Fall ein Buch, was nachhallt, auch wenn ich lange überlegt habe, ob ich es überhaupt lesen möchte.

Wanda lebt im 18.Stock eines Hochhauses in Berlin. Sie ist als alleinerziehende Mutter hier gelandet, wo Trostlosigkeit und Armut bis in den letzten Winkel zu spüren sind. Eigentlich ist sie Schauspielerin, doch das letzte Engagement ist inzwischen auch schon 2 Jahre her, und es ist keine neue Rolle in Sicht. Sie will auf jeden Fall hier weg, und sie verfolgt vehement ihren Traum einer Schauspielkarriere. Das führt natürlich auch dazu, dass sie sich nicht so um ihre kleine Tochter kümmern kann, wie sie das eigentlich möchte. Als man sie endlich mal wieder engagiert, wird sie gefeuert, als sie den Drehort verlassen muss, weil die Kita anruft und sie auffordert Karlie sofort abzuholen. So ist es halt als Mutter- Karriere hin oder her- das Kind geht vor. Es wird sogar richtig dramatisch, als Karlie ernsthaft erkrankt und in die Notaufnahme muss. Gott sei Dank hatte Eileen‘s Mutter von nebenan kein gutes Gefühl bei Karlie‘s Ohrenschmerzen.

Wanda hat im Laufe der Geschichte bei jeder Chance die Hoffnung endlich den Durchbruch zu schaffen und wird dann doch wieder brutal in die Wirklichkeit zurückkatapultiert.

Wanda ist keine sympathische Protagonistin, und ich fand manche ihrer Handlungen auch fragwürdig, ihren Umgang mit Mitmenschen, Nachbarn, Kollegen nicht besonders freundlich und umgänglich. Ich verstehe aber, dass das Leben sie hart gemacht hat und habe ihren Ehrgeiz anerkannt, alles zu versuchen, um ihre Situation zu verbessern.

Die Autorin ist eine wirklich gute Beobachterin, die das Elend auf der Platte sehr präzise und treffend in Worte kleiden kann. Die Schere zwischen arm und reich in unserer Gesellschaft wird einem beim Lesen dieses Textes nochmal besonders deutlich und auch das es fast unmöglich ist, sich von ganz unten wieder ein Stück weit nach oben zu arbeiten. Besonders schwer haben es da Alleinerziehende.

Sicherlich war dies kein Wohlfühlbuch, aber eine Lektüre, die durch die Sprache beeindruckt hat und zum Nachdenken anregt.

Das Hörbuch wurde sehr einfühlsam vertont von Nina Reithmeyer, hat mir gut gefallen und ist empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

5 Geschichten mit Lebensweisheiten

Frau Komachi empfiehlt ein Buch
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Die namensgebende Titelperson Frau Komachi ist eine Bibliothekarin in einer Gemeindebibliothek, die neben ganz normalen Buchempfehlungen auch immer noch ein besonderes Buch empfiehlt, dass der oder dem ...

Die namensgebende Titelperson Frau Komachi ist eine Bibliothekarin in einer Gemeindebibliothek, die neben ganz normalen Buchempfehlungen auch immer noch ein besonderes Buch empfiehlt, dass der oder dem Suchenden eine neue Perspektive im Leben eröffnet.

Da ist z.b die Verkäuferin, die ihren Job nicht mag aber keine Alternative dazu sieht, oder der Rentner, der mit seiner vielen Freizeit nichts anzufangen weiß, weil er nie Zeit hatte sich ein Hobby zu suchen.

Die Geschichten sind locker verbunden mit der Bibliothekarin, die für alle diese Menschen ein Rat hat. Zusätzlich zu den Buchtips verschenkt sie immer noch eine selbstgefilzte Zugabe mit einer gewissen Symbolkraft . Sie selbst wird als eine für japanische Verhältnisse sehr große, unförmige und auf den ersten Eindruck sehr mürrische Person beschrieben, die erst im Gespräch ihre Herzlichkeit offenbart. Bemerkenswerter Weise tippt sie ihre Buchvorschläge in einer Affengeschwindigkeit in den Computer, was bei jedem Besucher Erstaunen hervorruft, und sie hat eine Leidenschaft süße Kekse einer bestimmten Marke.



Das Buch war ganz nett, und ich mochte, dass man der japanischen Kultur ein wenig näher kam. Trotzdem hat es mich nicht aus den Socken gerissen.

Ich bin bei Lebenshilfebüchern und als solches fühlte sich das Buch für mich an, immer etwas skeptisch, fand den Schreibstil sehr simpel und habe mich stellenweise gelangweilt. Gestört hat mich die abwertende Beschreibung der Körperfülle von Frau Komachi. Bodyshaming brauche ich nicht in Büchern.



Fazit: Man kann es lesen, verpasst aber nichts, wenn man es nicht liest.

2,5 Sterne

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Thriller mir Surf-Vibes

The Surf House
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Bea fühlt sich mit ihrem Leben als Model nicht mehr wohl und schmeißt bei einem Job in Marokko kurzerhand alles hin. Sie weiß noch nicht so recht, wie es weitergehen soll, als sie in der Medina von Marrakesch ...

Bea fühlt sich mit ihrem Leben als Model nicht mehr wohl und schmeißt bei einem Job in Marokko kurzerhand alles hin. Sie weiß noch nicht so recht, wie es weitergehen soll, als sie in der Medina von Marrakesch brutal überfallen und ausgeraubt wird. Ihr Gepäck inklusive Geld und Reisepass sind weg.

Eine junge Frau (Marnie), unterstützt sie, indem sie ihr Kost und Logis gegen Arbeit in ihrem Ferienressort „Surfhouse“ anbietet.

Dankbar nimmt Bea das Angebot an. Die Freunde von Marnie und auch die Gäste sind nett und sie fühlt sich direkt wohl. Doch dann taucht Seth auf, der seine vermisste Schwester sucht, und die Idylle bekommt Risse.

Wie immer bei Lucy Clarke ist der Schreibstil locker, flockig. Sie schafft erst einmal eine Wohlfühlatmosphäre mit Strand, Meer und coolen Surfern. Nach und nach werden dann dunkle Geheimnisse aufgedeckt und Zweifel gesät, bis man als Leser quasi jede Person für verdächtig hält.

Durch unerwartete Plottwists bleibt die Geschichte spannend und interessant.

Ich habe gerne mitgerätselt und lag am Ende dennoch falsch.

Ich hatte wieder große Freude an diesem Lucy Clarke Thriller. Die Autorin ist immer wieder ein Spannungsgarant und schreibt einfach toll und unterhaltsam.

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