Profilbild von Minijane

Minijane

Lesejury Star
offline

Minijane ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Minijane über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.03.2025

Nordic Noir

Der Polarkreis
0

Liza Marklund ist mir schon von ihren Annika Bengtzon Krimis bekannt, die ich vor etlichen Jahren gerne gelesen habe. Jetzt ist etwas Neues von der Autorin herausgekommen, und ich war sehr neugierig, wie ...

Liza Marklund ist mir schon von ihren Annika Bengtzon Krimis bekannt, die ich vor etlichen Jahren gerne gelesen habe. Jetzt ist etwas Neues von der Autorin herausgekommen, und ich war sehr neugierig, wie es mir gefallen würde.

Bei Bauarbeiten an einem Brückenpfeiler wird eine weibliche, kopflose Leiche gefunden. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Sofia Hellsten handelt, ein junges Mädchen, dass an einem Abend im Jahr 1980 spurlos verschwand.

Sofia gehörte dem Buchclub „Polarkreis“ an, bei dem sich 5 Schülerinnen regelmäßig trafen und über ihre Lieblingsbücher diskutierten. Das letzte dieser Treffen endete im Streit, und danach wurde Sofia nie wieder gesehen. Die Autorin wechselt in ihrer Erzählung zwischen Gegenwart und Vergangenheit. 40 Jahre sind inzwischen vergangen und es ist interessant zu sehen, wie sich die früheren Mitschülerinnen weiterentwickelt haben. Interessanterweise ist der heute ermittelnde Polizeichef Wiking früher der Schwarm vieler Mädchen seiner Schule gewesen.

Die Buchclubmädchen sind nicht nur charakterlich sehr unterschiedlich, sie stammen auch aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten. Jedes der Mädchen hat seine Geheimnisse. Die Konflikte die sie miteinander hatten, waren, wie sich herausstellt, dann aber wohl tiefer, als zunächst gedacht.

Das Setting liegt in einer Kleinstadt in Nordschweden. Die Winter sind hart. Das fehlende Licht wirkt sich auf die Psyche der Menschen aus.

Die schwedisch - amerikanische Raketenstation bietet zumindest ein paar zusätzliche Arbeitsplätze. Insgesamt ist es recht trostlos hier und nicht wenige der jungen Leute ziehen weg, sobald sie volljährig sind.

Neben einem spannenden, gut strukturierten Kriminalfall mit Überraschungsmoment am Ende, gibt Liza Marklund auch tiefere Einblicke in die Gesellschaftsstruktur. Sie ist selbst in Nordschweden aufgewachsen und weiß wovon sie schreibt.

Ich hatte zu Beginn ein paar Schwierigkeiten in die Geschichte hineinzufinden, da es wirklich viele Personen sind , die man erst einmal auseinanderhalten und kennenlernen muß. Dann entwickelte dieser Krimi aber einen Sog, der mich immer wieder schnell zum Buch greifen ließ.

Ich habe diesen ruhigen und dennoch spannenden Krimi wirklich gerne gelesen und freue mich auf die Fortsetzung, denn dies war erst der 1.Teil einer Triologie.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2025

Was man so für Liebe hält

Mein Mann
0

Die Protagonistin in dieser Geschichte ist eine Besessene.

Ihr ganzes Leben dreht sich um ihren Mann, dessen Name in dem Roman nicht einmal erwähnt wird. Von morgens bis abends analysiert diese Frau ...

Die Protagonistin in dieser Geschichte ist eine Besessene.

Ihr ganzes Leben dreht sich um ihren Mann, dessen Name in dem Roman nicht einmal erwähnt wird. Von morgens bis abends analysiert diese Frau das Verhalten ihres Mannes, überprüft mit seltsamsten Methoden, ob er sie noch liebt und denkt sich kleine Bestrafungen aus. Alles was ihre Zweisamkeit beeinflusst, ist per se schon mal schlecht, ob es Freunde sind, die sich für einen Spieleabend einfinden möchten, oder schlimmer, die Kinder, die sich eine Gute Nachtgeschichte wünschen. Man möchte diese Frau gerne ab und zu mal schütteln. Sie ist wahrlich keine Sympathieträgerin.

Ihre Besessenheit steigert sich tatsächlich im Laufe des Buches, und es war insgesamt eine interessante psychologische Studie. Es reichte dann aber auch nach über 5 Stunden Hörzeit, dieser gestörten Person zuzuhören. Zum Glück gab es noch einen gänzlich unerwarteten Schluss, der die Geschichte abgerundet hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2025

Aus dem Leben einer Strafverteidigerin

Dunkle Momente
0

Elisa Hoven, Professorin für Strafrecht und Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof befasst sich in ihrem als Roman betitelten Buch „ Dunkle Momente“ mit den moralischen Dilemmata ihrer Protagonistin, ...

Elisa Hoven, Professorin für Strafrecht und Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof befasst sich in ihrem als Roman betitelten Buch „ Dunkle Momente“ mit den moralischen Dilemmata ihrer Protagonistin, der Strafverteidigerin Eva Herbergen, die nach 30 Jahren im Beruf ihre Anwaltszulassung zurückgibt.

Nachfolgend werden besonders eindrückliche Fälle der Strafverteidigerin geschildert, die zunächst glasklar erscheinen, sich dann aber in eine ganz andere Richtung entwickeln und wesentlich komplexer sind, als ursprünglich gedacht.

Beim Lesen hat man zunächst nicht das Gefühl wirklich einen Roman zu lesen. Die verschiedenen Fälle reihen sich aneinander wie Kurzgeschichten, locker ummantelt mit einer kleinen Rahmenhandlung.

Das Gefühl ändert sich aber zum Ende des Buches, denn das letzte Kapitel liest sich wie ein Finale oder ein Showdown in einem Thriller. Die Juristin hat in ihrer Berufszeit, in dem Glauben das Richtige zu tun, ein paar gravierende Fehler begangen. Diesen letzten Fall im Buch bewertet Eva Herbergen aber tatsächlich als ihren dunkelsten Moment.

Die insgesamt 9 Fälle sind spannend und wendungsreich erzählt und bieten reichlich Stoff zum Nachdenken.

Es werden in dem Roman wirklich die Grenzen der Rechtssprechung ausgelotet. Auf den eigenen moralischen und ethischen Kompass ist wohl leider nicht immer Verlass.

Es geht unter anderem um Notwehr, Vergewaltigung, Kannibalismus, Kindersoldaten, das perfekte Verbrechen und Korruption.

Der Sprachstil war recht nüchtern und sachlich. Jeder neue Fall konnte mich fesseln und überraschen. Die Mischung der Geschichten fand ich sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus für Menschen, die mal einen authentischen Einblick in den Alltag von Strafverteidigern bekommen möchten.



Viele der erzählten Geschichten sind ausdrücklich von wahren Fällen inspiriert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.02.2025

Heimatsuche

Auf Basidis Dach
0

„ Irgendwann wirst du merken, dass es ein Geschenk ist, in zwei Ländern dieser Welt zu Hause zu sein.“ ( S15



Die sympathische Moderatorin Mona Ameziane schreibt in diesem sehr persönlichen Buch über ...

„ Irgendwann wirst du merken, dass es ein Geschenk ist, in zwei Ländern dieser Welt zu Hause zu sein.“ ( S15



Die sympathische Moderatorin Mona Ameziane schreibt in diesem sehr persönlichen Buch über die Suche nach der eigenen Identität.

Als Kind einer deutschen Mutter und eines marokkanischen Vaters möchte sie mehr über ihre marokkanischen Wurzeln lernen. Da sie in Deutschland aufgewachsen ist und Marokko als Kind nur in den Ferien besucht hat, fühlt sich das Geburtsland ihres Vaters nicht richtig nach Heimat an.

Mit 16 Jahren bekommt Mona die Chance ein Jahr in Marokko bei einer Gastfamilie zu leben und dort zur Schule zu gehen. Sie stellt schnell fest, dass die Gastfamilie sehr privilegiert ist, was einerseits zwar angenehm ist, sie andererseits ihrem Ziel das wahre Marokko kennenzulernen nicht wirklich näherbringt.

Da ist der Roadtrip mit dem eigenen Vater zu einem späteren Zeitpunkt sicherlich eine viel bessere Gelegenheit ganz tief in Kultur und Mentalität der Menschen in Marokko einzutauchen.

Es macht Spaß die Autorin bei ihrer Reise begleiten zu dürfen. Sie schreibt informativ, unterhaltsam und sehr offen.

Lediglich das Abschlußkapitel hat mir nicht so gut gefallen. Das ist aber gar nicht schlimm.

Ich empfehle „Auf Basidis Dach“ trotzdem sehr gerne weiter.

Kleine Anmerkung: Basidi ist der Großvater von Mona. Sie musste allerdings lernen, dass alle Großväter in Marokko Basidi heißen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.02.2025

Melancholisch

Im Schnee
0

„ Wenn man schweigt, kommt man sehr gut miteinander aus. Worüber man nicht spricht, das gibt es nicht.“



Wenn das Totenglöckchen klingelt, gibt es wieder einen weniger in Max‘s Heimatdorf, in dem es ...

„ Wenn man schweigt, kommt man sehr gut miteinander aus. Worüber man nicht spricht, das gibt es nicht.“



Wenn das Totenglöckchen klingelt, gibt es wieder einen weniger in Max‘s Heimatdorf, in dem es scheint, als wäre die Zeit stehengeblieben.

Diesmal ist es der Schorsch, Max bester Freund. Er ist einfach eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht, ein schöner Tod.

Auf der Totenwacht treffen sich zunächst die Männer, schwelgen in Erinnerungen und stoßen auf den Toten an. Max bleibt auch noch als die Frauen zur Ablösung kommen. Bei ihnen geht es weit weniger lustig zu. Sie sind gläubiger, andächtiger und tauschen dann aber doch Geschichten und Rezepte aus.

Der über 80jährige Max fragt sich wer der Nächste ist, denkt über die Veränderungen im Dorf nach. Inzwischen gibt es hier kein Geschäft mehr und alle die ein Handwerk beherrschten sterben allmählich weg. Die Neubürger sind auch nach Jahrzehnten noch Fremde.

Es ist ruhig und still im Dorf. Der Schnee deckt alles zu, auch die schlimmen Geschichten von häuslicher Gewalt oder Ausländerfeindlichkeit. Darüber spricht man nicht. Dann ist es fast so, als wären sie nicht geschehen.

Tommie Görtz erzählt ruhig und intensiv vom einfachen Leben auf dem Land, melancholisch und ohne es zu romantisieren. Der Tod gehört zu Leben, zum ewigen Kreislauf der Natur. Das hat man hier akzeptiert und feiert es mit den Ritualen, die sich gehören. Auch sprachlich hat mir das Buch gut gefallen. Es ist komplett aus der Sicht von Max erzählt, an dessen Gedankenwelt wir als Leser teilhaben dürfen .

Es ist ein Buch, dass zum Nachdenken anregt und zum Innehalten aufruft und passt perfekt in den Winter.

Das Hörbuch wurde wunderbar vertont von Thomas Loibl.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere