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Veröffentlicht am 25.10.2025

Schwarze Löcher

Da, wo ich dich sehen kann
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Emma wird im Rahmen häuslicher Gewalt von ihrem Ehemann brutal ermordet. Sie hinterlässt ihre neunjährige Tochter Maja, die sie morgens erdrosselt auffindet, sowie ihre fassungslosen Eltern und ihre beste ...

Emma wird im Rahmen häuslicher Gewalt von ihrem Ehemann brutal ermordet. Sie hinterlässt ihre neunjährige Tochter Maja, die sie morgens erdrosselt auffindet, sowie ihre fassungslosen Eltern und ihre beste Freundin Liv. Emma hinterlässt ein schwarzes Loch. Für Maja, die von heute auf morgen aus ihrem Leben gerissen wird und sich für das Geschehen die Schuld gibt, aber auch für alle Anderen, denn „wenn jemand geht, fehlt nicht nur die Person, sondern auch ein Stück von jedem, der bleibt.“

Jasmin Schreibers neuer Roman „Da, wo ich dich sehen kann“ ist sicherlich keine leichte Kost, behandelt er doch das wichtige Thema der extremen, geschlechtsspezifischen Gewalt gegenüber Frauen, der sogenannten Femizide. Dabei lenkt die Autorin den Blick - durch verschiedene Erzählperspektiven - sowohl auf das Opfer, als auch auf die Fassungslosigkeit, Trauer und den Verlust der Hinterbliebenen und macht ebenso aufkommende Schuldgefühle, sowie strukturelles Versagen zum Thema. Beeindruckend finde ich, wie sie das Ganze dann als Naturwissenschaftlerin auch noch gekonnt mit dem Thema der Astrophysik verbindet und obendrein noch wissenschaftliche Fakten vermittelt, was ihren Roman für mich nicht nur hochinteressant, sondern auch wieder zu etwas ganz Besonderem macht.

Ich mag Jasmin Schreibers wort- und bildgewaltigen, eindringlichen Schreibstil einfach unheimlich gerne. Das was und wie sie schreibt ist authentisch, nachvollziehbar und gleichzeitig wahnsinnig ergreifend. Zwar hatte es nichts mit häuslicher Gewalt zu tun, doch habe auch ich meine beste Freundin vor ein paar Jahren durch Suizid verloren und konnte mich in den Beschreibungen und ganz besonders in diesem Satz zu einhundert Prozent wiederfinden: „Menschen hinterlassen mehr als Erinnerungen, sie hinterlassen Schwarze Löcher.“

Fazit: Dieses Buch ist gleichermaßen unterhaltsam, wie wichtig, informativ und bedeutsam. Es hat mich nachhaltig überaus bewegt, nachdenklich gestimmt und gehört auf jeden Fall zu meinem diesjährigen Lesehighlight!

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Gryffindor, Ravenclaw, Hufflepuff oder doch Slytherin?

Der große magische Haus-Test. Das inoffizielle Harry Potter Testbuch
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Genau das gilt es mit „Der große magische Haus-Test“ von Marisa Hart herauszufinden. Welches Urteil wird der Sprechende Hut mit Hilfe der beinhaltenden Persönlichkeitstests fällen?

Als großer Harry Potter ...

Genau das gilt es mit „Der große magische Haus-Test“ von Marisa Hart herauszufinden. Welches Urteil wird der Sprechende Hut mit Hilfe der beinhaltenden Persönlichkeitstests fällen?

Als großer Harry Potter Fan bin ich vielleicht etwas voreingenommen und schnell zu begeistern - doch hat mir das Buch wirklich sehr viel Freude bereitet. Allerdings nicht nur die Tests, sondern insgesamt auch die liebevolle Aufmachung des gesamten Buches, denn die Seiten mit den wunderschönen Illustrationen im Aquarell-Stil sind wirklich ein Hingucker! Okay, was die Tests angeht sind die vorgegebenen Antworten natürlich schon ein wenig vorhersehbar und richtungsweisend, was ich aber als nicht wirklich schlimm empfand, schließlich geht es bei einem solchen Buch ja sowieso eher um den Spaßfaktor. Ansonsten beinhaltet das Buch, neben besagten Persönlichkeitstests, übrigens noch weitere kleine Tests, mit deren Hilfe man seinen Animagus und Patronus bestimmen, in Erfahrung bringen kann, welcher Zauberstab und auch Besen zu einem passt und vieles mehr. Für Hogwarts ist man anschließend auf jeden Fall gut vorbereitet

Fazit: Für Harry Potter Fans ist das Buch auf jeden Fall eine wunderschön anzuschauende und unterhaltsame Spielerei! Naja und für Sammler… sowieso ein Muss.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Ein Buch wie eine Umarmung

Sonnenaufgang Nr. 5
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Natürlich kenne auch ich Carsten Henns Buchspazierer und Geschichtenbäcker. Ich konnte also bereits erahnen, was mich emotional und sprachlich so in etwa erwarten wird. Trotzdem traf mich Sonnenaufgang ...

Natürlich kenne auch ich Carsten Henns Buchspazierer und Geschichtenbäcker. Ich konnte also bereits erahnen, was mich emotional und sprachlich so in etwa erwarten wird. Trotzdem traf mich Sonnenaufgang Nr. 5 völlig unerwartet und ganz tief in meinem Herzen.

Der 19 jährige Jonas macht sich auf, an die See, um dort nicht nur „Filmdiva“ Stella Dor zu ihrer Biografie zu verhelfen, sondern auch um sich seinen Erinnerungen zu stellen, sich selbst zu finden und letztendlich seine eigene Geschichte zu schreiben. Dabei trifft er auf mehr oder weniger skurrile - aber auf ihre Art äußerst liebenswerte - Persönlichkeiten, die, wie sich nach und nach herausstellt, alle eins gemeinsam haben - eine Vergangenheit, die sie letztlich so hat werden lassen, wie sie nun sind. Dabei geht es um Neuanfänge, um schonungslose Wahrheit, um Freundschaft, ebenso wie um Abschied und ums Loslassen, um die Macht von Erinnerungen, doch vor allen Dingen aber geht es darum, nach einem Schicksalsschlag wieder aufzustehen und seine eigene Identität zu finden.

In Sonnenaufgang Nr. 5 beweist Carsten Henn, mit seinen bildhaften Beschreibungen und poetischen, klugen Worten sein absolutes Gespür für ein gelungenes Zusammenspiel von fast schon humorvoller Leichtigkeit, gepaart mit tiefgründigen Themen, brutaler Ehrlichkeit, Authentizität und hoher Emotionalität. Kein Wunder also, das bei mir die ein oder andere Träne geflossen ist. Doch obwohl mich das Buch so tief berührt hat, hat es mir ebenso Trost und Hoffnung gespendet und mich inspiriert - wie eine warme und zärtliche Umarmung!

Fazit: Ein Buch über Menschen und über das Leben. Ein Buch voller Einfühlungsvermögen und Wärme. Ein Buch das zum Nachdenken anregt und sich als eins der schönsten und ergreifendsten Bücher entpuppt hat, die ich seit Langem gelesen habe!

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Die Winternächte können kommen!

Keltische Winternächte
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Gibt es eigentlich etwas Schöneres als es sich jetzt, zur eingesetzten, meist verregneten Winterdämmerung, am Abend mit einem Kakao und einem Märchen gemütlich zu machen? Nein! Vermutlich hat der Wunderhaus ...

Gibt es eigentlich etwas Schöneres als es sich jetzt, zur eingesetzten, meist verregneten Winterdämmerung, am Abend mit einem Kakao und einem Märchen gemütlich zu machen? Nein! Vermutlich hat der Wunderhaus Verlag genau aus diesem Grund nun mit „Keltische Winternächte“ von Loireag na Mara eine ganze Sammlung mystischer, nordischer Märchen aus Schottland, Irland, Wales und Cornwall herausgebracht.

Ich liebe Sagen, Märchen und Mythologie im Allgemeinen, doch haben mich hier in erster Linie die wunderschönen und gleichzeitig düsteren Illustrationen begeistert - ich könnte sie mir stundenlang anschauen, um darin meine eigenen Banshees, Feen und auch Geister zu entdecken. Eigentlich aber unterstreichen sie die insgesamt zehn Märchen des Buches auf ganz wundervolle Weise und erwecken die geheimnisvollen Wesen und Geschichten erst so richtig zum Leben. Passend dazu - oder auch umgekehrt - werden die Märchen einladend atmosphärisch und so richtig schön mystisch erzählt. Obendrein noch im imposanten Großformat und hochwertig verarbeitet.

Fazit: Ich bin begeistert - ein Buch, das man gern immer wieder zur Hand nimmt und sicherlich auch nochmal meine Rauhnächte bereichern werden.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Zuhören statt diagnostizieren

Botanik des Wahnsinns
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Botanik des Wahnsinns - treffender konnte Leon Engler die Geschichte des jungen Mannes der auszog, „nicht verrückt zu werden“, wohl kaum betiteln. Psychische Erkrankungen ziehen sich seit Generationen ...

Botanik des Wahnsinns - treffender konnte Leon Engler die Geschichte des jungen Mannes der auszog, „nicht verrückt zu werden“, wohl kaum betiteln. Psychische Erkrankungen ziehen sich seit Generationen wie Gedärm durch die Familiengeschichte, von seiner Mutter sind nach deren Zwangsräumung lediglich 7 Kartons Müll übrig, was ist da naheliegender, als sich der eigenen Familiengeschichte und der Frage, wie es so weit kommen konnte, zu stellen.

Zunächst einmal finde ich es als - selbst Betroffene - absolut bemerkenswert mit welch einer Leichtigkeit sich Leon Engler sämtlichen schwierigen, oftmals sogar immernoch tabuisierten Themen nähert, ohne den Leser damit zu überlasten. Mit Ironie und sogar Wortwitz berichtet er scharfsinnig und präzise von psychologischen Diagnosen und Ansätzen, von Jung und Freud, während sich sein Ich-Erzähler nicht nur mit der Biografie und den psychischen Krankheiten seiner Ahnen auseinandersetzt, sondern er selbst auch als Psychologe in einer Klinik zu arbeiten beginnt. Auf unterhaltsame, wie eindringliche Weise wird hier nicht nur Wissen vermittelt, kritisiert und Vorurteilen entgegengetreten, sondern auch die Frage geklärt, was denn nun eigentlich Botanik mit Wahnsinn zu tun hat

Fazit: Das Buch ist informativ, sprachlich brillant und zugleich ebenso skurril und grandios wie das Cover. Ich kann es absolut empfehlen, allerdings sollte schon ein gewisses Interesse an dem Thema bestehen!

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