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Veröffentlicht am 09.01.2017

Kleine Vorgeschichte

Die Tage in Paris
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Sophie und Liv verbringen ihre Flitterwochen in Paris – die eine 1912, die andere 1998. Dennoch verlaufen diese Tage bei beiden erstaunlich identisch – und zwar schief. Beide sind unglücklich und glauben, ...

Sophie und Liv verbringen ihre Flitterwochen in Paris – die eine 1912, die andere 1998. Dennoch verlaufen diese Tage bei beiden erstaunlich identisch – und zwar schief. Beide sind unglücklich und glauben, dass die Hochzeit ein Fehler war. Und beiden zeigt ein Gemälde, wie falsch sie liegen …

Diese kleine Geschichte ist schön zu lesen. Sie ist die Vorgeschichte zu „Ein Bild von Dir“. Ob man diese Geschichte gelesen haben muss und ob sie ein relativ teures kleines Hardcover sein muss oder nicht auch als Prolog im eigentlichen Buch stehen sollte, sei einmal dahingestellt. Mir gefällt die Idee des Büchleins und ich finde die eingefügten Grafiken zauberhaft.

Eigentlich wollte ich „Ein Bild von Dir“ nicht lesen, obwohl ich den Stil von Jojo Moyes gerne mag und hin und wieder schon gern mal einen Roman mit viel Herz lese. Doch nach diesem Büchlein bleibt mir fast nichts anderes übrig, auch wenn ich jetzt schon weiß, dass ich besser eine Großpackung Taschentücher bereitlege …!

Fazit: ein etwas teurer Spaß, aber für Sammler der Moyes-Bücher auf alle Fälle ein besonders schönes Stück. Schnell gelesen und mit guten Ideen gespickt. Von mir vier Sterne.

Veröffentlicht am 08.01.2017

Multi-Kulti-Love-Story

Macho Man
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Daniel ist knapp über 30 und gerade von seiner Freundin sitzengelassen worden. Das wäre ja kein Drama, wenn Daniel nicht ein echter Schattenparker wäre, der von seinen 68er Eltern zu einem Frauen achtenden ...

Daniel ist knapp über 30 und gerade von seiner Freundin sitzengelassen worden. Das wäre ja kein Drama, wenn Daniel nicht ein echter Schattenparker wäre, der von seinen 68er Eltern zu einem Frauen achtenden Mann erzogen worden ist, der die Eltern beim Vornamen nennt, nicht „Mama“ und „Papa“ sagt und von allen nur als Kumpel, nicht aber als attraktiver, anziehender Mann angesehen wird. Also fliegt Daniel in die Türkei. Mark, sein bester Freund, mit dem er sich immer auf ganz besondere Weise unterhält, ist dort Animateur. Und plötzlich ist da Aylin – und die hat, Daniel kann es nicht fassen, nur Augen für ihn, obwohl einfach alle männlichen Urlauber in sie verliebt sind. Daniel erlebt den Himmel auf Erden, als Aylin für ihn ihren Job abbricht und nach Deutschland zurückkehrt, wo er ohne Vorwarnung auf ihre Großfamilie trifft …

Hach, ist das herrlich! So viele Klischees werden hier bedient, dass das Ganze schon wieder normal wird. Es ist nicht zu fassen! Ich habe so oft laut auflachen müssen und/oder hemmungslos gekichert, dass ich froh bin, das Hörbuch diesmal nicht beim Schwimmen gehört zu haben, sondern daheim beim Werkeln. Es ist unmöglich, diese Story in der Öffentlichkeit zu hören – man blamiert sich bis auf die Knochen! Und genau das ist perfekt!

Diese türkische Familie ist der Hit schlechthin. Da wünscht man sich an Daniels Stelle. Immer wieder denkt man, Mensch, Daniel, das hättest Du doch wissen müssen! Nur um gleich darauf festzustellen, dass man selbst auch in zig Fettnäpfchen getreten wäre. Es prallen Welten (Daniels Eltern auf Aylins Eltern) aufeinander, Daniel entwickelt sich zum Aufreißer und genau der Person, die er immer sein wollte und dann … ja, dann! Das muss man selbst gehört haben, das darf man nicht erzählt bekommen!

Trotz allen Humors steckt auch eine ganze Menge Wahrheit in diesem (Hör-)Buch. Auf humorvolle, manchmal alberne (aber einfach wunderbare) Art und Weise führt Moritz Netenjakob dem Leser/Hörer vor Augen, wie eingefahren wir oft sind und wie schön das Leben sein kann, wenn wir nur ein wenig offener auf andere zugehen würden und nicht nur immer unsere eigene Vorstellung als allgemeingültig ansehen würden.

Diese Geschichte ist nicht nur urkomisch, sie steckt auch voller kleiner, wichtiger Weisheiten. Sie sind nur gut in Lacher verpackt und eben humorvoll serviert. Die Suche vom Topf, der sein Deckelchen sucht, wird hier erweitert: mit ganz vielen unterschiedlichen Töpfen und Pfannen mit und ohne Decke, mit einem oder zwei Griffen, mit Stil oder Schnaupe kocht es sich noch mal so gut. Und wenn dann noch das Service ansprechend ist und das Gericht ansprechen serviert wird, dann schmeckt es gleich doppelt so gut!

Besonders gut gefällt mir übrigens, dass der Autor selbst das Hörbuch eingelesen hat.

Es tut mir leid, aber wer hier nicht lachen kann, der sollte wirklich dringend überlegen, was bei ihm grundsätzlich schiefgelaufen ist. Wer Jaud witzig findet, muss Moritz Netenjakob geradezu für den Gott der Comic halten! Von mir unter Lachtränen (und einer Träne der Rührung) die vollen fünf Sterne!

Veröffentlicht am 07.01.2017

Der Geschmack des Winters

Wintergrillen
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Grillen ist einfach toll und viele feiern das Angrillen und das Abgrillen im Frühjahr und im Herbst. Aber der echte, wahre Grillfreund grillt das ganze Jahr über, auch und gerade im Winter! Die frische, ...

Grillen ist einfach toll und viele feiern das Angrillen und das Abgrillen im Frühjahr und im Herbst. Aber der echte, wahre Grillfreund grillt das ganze Jahr über, auch und gerade im Winter! Die frische, saubere, kalte Luft lädt doch geradezu dazu ein, leckere Fleischstücke auf offener Flamme zu garen und echte Männer lieben es, um den Grill herum zu stehen und zu fachsimpeln. Gegessen werden darf dann gern in der warmen Wohnung – aber der Geschmack von Gegrilltem ist auch im Winter einfach etwas Besonderes.

Tom Heinzle hat tolle Rezepte zusammengestellt, um dem besonderen Ereignis des Wintergrillens auch noch den extra Winter-Geschmack zu verleihen. Dazu viele Tipps und Tricks rund um das Grillgut, Marinaden, Gewürze, Kräuter und vielem mehr.

Wild, Fisch, Schwein, Rind, Geflügel – alles bringt Tom Heinzle auf den Grill. Auch Gemüse und Käse finden sich in seinen Rezepten. Alles passend zur Jahreszeit und natürlich mit entsprechenden Produkten. Viele der Rezepte – wie der Wintercamembert – sind im Sommer fast schon zu mächtig, zu winterlich. Sie passen aber perfekt auf den Grill und man verpasst echt etwas, wenn man das Wintergrillen nicht ausprobiert.

Zu jedem Rezept gibt es ein Foto, das sehr appetitanregend wirkt. Die Zutatenlisten sind klar und übersichtlich, meist sind die Zutaten auch recht „normal“, selten außergewöhnlich oder schwer zu beschaffen. Die Anweisungen zur Zubereitung sind verständlich geschrieben und leicht nachzuvollziehen. Es gibt neue Gerichte und auch sommerliche Grillspezialitäten mit winterlicher Note. Mit den passenden Kräutern holt man ein Stückchen Sommer ins Wintergrillen, aber der Schwerpunkt liegt auf Lebensmitteln, die es im Winter gibt.

Die süßen Rezepte für den Nachtisch runden auch ein Wintergrill-Menü toll ab und versetzen die Gäste in Staunen. Das Buch bietet so viele Rezepte, dass für alle etwas dabei ist und jeder Geschmack bedient werden kann. Mir gefällt das Wintergrillen und ich liebe dieses Buch. Von mir bekommt es die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 07.01.2017

Erinnerungen an einen großen Künstler

David Bowie
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Dieser Bildband zeigt beeindruckend das faszinierende Leben eines außergewöhnlichen Künstlers. David Bowie und seine Kunstfiguren Major Tom und Ziggy Stardust, die Diamond Dogs, seine Filme und Duette, ...

Dieser Bildband zeigt beeindruckend das faszinierende Leben eines außergewöhnlichen Künstlers. David Bowie und seine Kunstfiguren Major Tom und Ziggy Stardust, die Diamond Dogs, seine Filme und Duette, die Wandlungen – alles in ausdrucksstarken Fotos dokumentiert und mit intensiven Texten gekrönt.

Bowie war Songschreiber, Performer, Künstler und auch ein Kunstwerk. Das alles zeigt Chris Welch in seinem Buch „David Bowie – Ein Leben in Bildern“ beeindruckend schön. Während vielen nur der „gemäßigte“ Bowie bekannt ist, finden sich in diesem Buch alle seine Facetten. Sicher würden einige seiner Einfälle heute nicht mehr so gut funktionieren, doch gerade das zeigt, wie genial Bowie war. Er nahm sich die Freiheit und gab der Welt seine perfekten Versionen seiner Figuren. Einiges davon mag völlig crazy erscheinen, doch machten diese Figuren und Performances Bowie zu dem, an den wir uns alle uns ewig erinnern werden.

Nicht nur der Inhalt ist hochwertig, auch das Buch selbst. Wie immer hat der Heel-Verlag auf einen wertigen Einband und gutes Foto-Papier geachtet. So ist nicht nur das Lesen und Anschauen ein Genuss, sondern auch die Haptik.

Ein wunderbares Buch, das die vollen fünf Sterne verdient!

Veröffentlicht am 05.01.2017

Very british!

Die souveräne Leserin
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Die Queen entdeckt durch einen Zufall im Hof einen Bücherbus und fände es unhöflich, sich nicht für den Lärm ihrer Corgies zu entschuldigen, also betritt sie den Bus – und taucht in eine ihr völlig neue ...

Die Queen entdeckt durch einen Zufall im Hof einen Bücherbus und fände es unhöflich, sich nicht für den Lärm ihrer Corgies zu entschuldigen, also betritt sie den Bus – und taucht in eine ihr völlig neue Welt, die sie sofort gefangen nimmt. Das Schicksal nimmt seinen Lauf …

Das Büchlein macht schon mit dem Cover Laune. Das Bild er Queen, die um die Ecke lugt, ist super sympathisch und so völlig anders, als man sie sonst so kennt. Der etwas steife Sprachstil passt zur englischen Art und besonders zur höfischen Etikette. Dennoch kommt in jeder Zeile der Schalk hervor; mal mehr, mal weniger deutlich.

Mir gefällt die Idee, sich ausgerechnet die Queen als Protagonistin herauszusuchen, um zu erzählen, wie sehr Bücher alles verändern können: den Menschen selbst, den Umgang miteinander, die Sicht auf andere, die Sicht von anderen auf einen selbst usw. Der Weg von einem Autor zum anderen, die Neugier auf die Personen hinter den Büchern, die Erkenntnis, dass man ein Buch auch dann mögen oder nicht mögen kann, wenn man den Autor nicht kennt, die Vorlieben oder Abneigungen gewisser Genre oder Autoren gegenüber und ob und mit wem man über Bücher sprechen mag, das Beginnen von Notizen, der Gedanke, selbst zu schreiben – eben die Entwicklung, die Vielleser früher oder später mehr oder weniger genau so durchleben. Herrlich!

Es tauchen Autoren und Bücher auf, die mir bekannt sind, aber auch einige, die mir gar nichts sagen. Doch das ist gar nicht wichtig – es ist einfach schön, wie auch die Queen von Buch zu Buch neue Welten entdeckt, sich weiterentwickelt und erlebt, dass alle zwar lesen können, es aber nicht gleichermaßen gern und oft tun. Und sogar die Königin, die doch von eigenen Bibliotheken umgeben ist, muss sehen, wie sie an „mehr Stoff“ für ihre neue Leidenschaft kommt. Köstlich!

Ja, es ist eine Liebeserklärung an die Bücher allgemein, an das Lesen, an die Queen. Es fehlt nur ein Kapitelchen über eBooks, dann wäre alles abgedeckt. Das Büchlein ist in einem etwas seltsamen Format (sehr schmal, sehr lang) und recht dünn. Man kann es an einem Stück weglesen und möchte auch gar nicht vor dem Ende aufhören. Ganz reicht es nicht für die fünf Sterne, aber vier glänzend polierte Sterne bekommt es auf alle Fälle!