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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.11.2016

So schön ist der Schwarzwald

DuMont Bildatlas 045 Schwarzwald Süden
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Dieser Bildatlas ist eine Wucht – Bildband, Informationen, Hintergrundinformationen und Karten, alles in einem. Die Fotos sind besonders gelungen. Manche großformatig, andere etwas kleiner, aber nie winzig. ...

Dieser Bildatlas ist eine Wucht – Bildband, Informationen, Hintergrundinformationen und Karten, alles in einem. Die Fotos sind besonders gelungen. Manche großformatig, andere etwas kleiner, aber nie winzig. Man bekommt beim Lesen und Ansehen sofort Reisefieber und möchte auf der Stelle in den Schwarzwald.

Auch für Daheimbleiber ist dieser Bildatlas eine tolle Lektüre. Kann man doch über viele schwarzwaldtypische Dinge mehr erfahren, seien es die Trachten oder das bei Biertrinkern beliebte Tannenzäpfle, Hahn und Henne, die Kuckucksuhr oder die Schwarzwälder Kirschtorte – über dies und viel mehr kann man hier Interessantes lesen. Auch über Aktivitäten informiert dieser Bildatlas ausführlich.

Unterteilt ist er in Kinzigtal, Freiburg, Markgräflerland/Kaiserstuhl, Hochschwarzwald, Hotzenwald, Baar. Die Karten zeigen immer einen Überblick über die jeweilige Gegend. Es finden sich kleine Info-Boxen, aber auch ganze Artikel über besondere Themen. So kann man sich richtig beim Schmökern verlieren, immer wieder vor- und zurückblättern und dabei ständig Neues entdecken.

Mir hat das Schmökern darin sehr viel Freude bereitet und immer mal wieder hole ich den Band aus dem Bücherschrank. Erinnerungen auffrischen, Anreize holen, Wissenswertes nachschlagen – all das geht damit perfekt.

Ich bin begeistert von diesem großformatigen Buch und kann es jedem nur empfehlen. Natürlich bekommt es auch die vollen fünf Sterne von mir, denn Martin Kirchner und Cornelia Tomaschko haben spürbar viel Herzblut in die Gestaltung gesteckt und sehr sorgfältig recherchiert.

Veröffentlicht am 03.11.2016

Das Geheimnis eines Gemäldes

Der gestohlene Sommer
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Bei der New Yorkerin Julia Conley läuft es gerade nicht so gut, als sie erfährt, dass sie ein Haus in der Nähe Londons geerbt hat. So begibt sie sich also auf die Reise über den Ozean und in eine Vergangenheit, ...

Bei der New Yorkerin Julia Conley läuft es gerade nicht so gut, als sie erfährt, dass sie ein Haus in der Nähe Londons geerbt hat. So begibt sie sich also auf die Reise über den Ozean und in eine Vergangenheit, die mehr für sie bereit hält, als sie je geahnt hätte. Der Fund eines versteckten Gemäldes führt sie auf die Spur eines lange gehüteten Geheimnisses …

Zunächst plänkelt die Story so ein wenig dahin und weckt nur mäßiges Interesse. Doch so nach und nach wird man – wie die Protagonistin Julia – doch immer tiefer in die Geschichte hineingezogen. Man möchte die Rätsel der Vergangenheit gern mit Julia lösen und verstehen, wie alles zusammenhängt.

Dabei gerät man automatisch in den Sog der Geschichte und wird dennoch am Ende eiskalt erwischt. Ich jedenfalls hatte Gänsehaut und ein Schauer nach dem anderen kroch über meinen Rücken.

Lauren Wilig hat die Zeit um 1850 wunderbar lebendig werden lassen und Ulrike Hübschmann gelang es wieder einmal, die Geschichte lebendig werden zu lassen. Mit genau dem richtigen Maß gibt sie jeder Figur eine passende Stimme und Aussprache, ohne je zu übertreiben. Das hört man gerne und genießt es.

Die Autorin verleiht ihren Protagonisten sehr individuelle Charaktere, die niemals überspannt sind, auch wenn sie oft sehr besonders sind. Gerade die Überheblichkeit der Männer dieser Zeit Frauen gegenüber wird sehr schön herausgestellt, ohne kitschig zu werden oder plump.

Auch wenn die Lesung gekürzt ist, hat man nicht das Gefühl, es fehle etwas. Die Geschichte ist rund und stimmig und alles passt. Die 482 Minuten gehen sehr flott vorbei und dabei ist der Stil sehr dicht. Dennoch kann ich „nur“ vier Sterne geben, da die Autorin meiner Meinung nach einfach nicht an Kate Morton heranreicht, deren Bücher in gleicher Weise aufgebaut sind und in der Vergangenheit und der Gegenwart gleichermaßen spielen. Wie bei ihr so zeigt auch Lauren Willig, wie sehr die Vergangenheit in der Gegenwart ihre Auswirkungen hat, doch berührt mich Kate Morton mehr und weiß auch besser zu fesseln.

Dennoch habe ich dieses Hörbuch sehr genossen und werde es mit Sicherheit ein weiteres Mal anhören.

Veröffentlicht am 24.10.2016

Lennart und das "zauberhafte" Erbe

Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen
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Lennart Malmkvist erbt genau zum richtigen Zeitpunkt einen Laden für Zauber- und Scherzartikel. Zwar kann er damit wenig anfangen, aber da gerade alles andere in seinem Leben ins Wanken geraten ist, nimmt ...

Lennart Malmkvist erbt genau zum richtigen Zeitpunkt einen Laden für Zauber- und Scherzartikel. Zwar kann er damit wenig anfangen, aber da gerade alles andere in seinem Leben ins Wanken geraten ist, nimmt er es als Chance. Dass Buri Bolmen ihm auch den Mops Bölthorn vererbt hat, macht die Sache kompliziert. Lennart ist nicht so der Beziehungstyp, ob nun Tier oder Mensch. Deshalb ist er auch noch immer Single, denn droht eine Beziehung fest zu werden, bekommt Lennart eine Allergie. Aber ohne Mops kein Laden, ohne Laden kein Millionenerbe, ohne Erbe steht Lennart ohne Job und Geld da. Also muss er da durch. Die Ereignisse werden immer seltsamer, denn Bölthorn kann tatsächlich sprechen – doch leider immer nur bei Gewitter! So erfährt Lennart, dass Buri tatsächlich keines natürlichen Todes gestorben ist. Zusammen mit dem Mops macht sich Lennart auf die Suche nach magischen Gegenständen und Emma, die verschwunden ist …

Lars Simon gehört zu meinen Lieblingsschriftstellern. Sein trockener Humor, sein Wortwitz, seine running Gags, sein feiner Zynismus, seine ironischen Zwischenspiele – er hat das einfach so schön drauf. Aber bei diesem Buch ist all das einfach im Sande versickert. Ist der Anfang noch interessant, verläuft sich die Geschichte bald in Banalitäten, die auch durch die witzigen Passagen nicht überspielt werden können. Die Story kommt einfach nicht voran, obwohl Seite um Seite gefüllt wird.

Nach sage und schreibe 200 Seiten fängt der Mops das Sprechen an. Was habe ich mich gefreut! Doch noch immer kein Fortschritt, wenig Spannendes. Und dann? Dann war das Buch zu Ende und ich nicht schlauer als am Anfang. Schreck lass nach – wie viele Teile sollen denn da noch folgen? Nach den Pergamenten zu schließen, müssen noch drei Bände kommen. Aber ob ich die durchhalte, weiß ich wirklich nicht. Das Jahr ist auch noch lange nicht um, das Lennart überstehen muss. Zudem sind viele Fragen offen, die noch dringend beantwortet werden müssen. Also folgen noch viele Teile. Ich hätte es nett gefunden, wenn ich das schon eingangs gewusst hätte.

Lars Simon hat sich hier leider ein wenig verlaufen. Seine irre witzigen Sprüche verlieren sich zwischen viel zu vielen langweiligen Sätzen. Hier hätte man locker die Hälfte wegkürzen können, ohne dass der Geschichte etwas fehlen würde.

Die Protagonisten sind schon echt urig. Allen voran Maria, die den ganzen Tag am Kochen ist und alle, die nicht rechtzeitig flüchten können, damit versorgt. Buri lernt man kaum kennen, er stirbt sehr schnell. Emma kommt immer mal wieder kurz vor und ist mir sehr sympathisch. Lennart ist teils einfältig, teils ein bisschen von sich selbst zu sehr überzeugt, aber ein Zeitgenosse, den man im Freundeskreis ganz witzig fände. Die Ermittler haben ihre eigenen Macken und der Anwalt scheint direkt aus einem Märchen entsprungen zu sein.

Ja, da sind schon einige echt gute Ansätze, aber insgesamt fiel mir von Kapitel zu Kapitel das Lesen schwerer, weil irgendwann einfach nichts mehr Auftrieb gab. Von daher stehe ich jetzt recht ratlos da. Schlecht ist das Buch nicht, aber mitgerissen hat es mich auch nicht. Echtes Mittelmaß eben. Und deshalb leider auch nur drei Sterne.

Veröffentlicht am 05.10.2016

Für mich ein All-Age-Pageturner!

Der Blackthorn-Code - Das Vermächtnis des Alchemisten
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Christopher Rowe wächst als Waisenjunge auf, bis er mit elf Jahren als Apothekerlehrling zu Meister Benedict kommt. Auch wenn im 17. Jahrhundert das Leben besonders für Lehrlinge und Waisen hart war, hat ...

Christopher Rowe wächst als Waisenjunge auf, bis er mit elf Jahren als Apothekerlehrling zu Meister Benedict kommt. Auch wenn im 17. Jahrhundert das Leben besonders für Lehrlinge und Waisen hart war, hat er es gut getroffen. Sein Meister ist anders und behandelt ihn gut. Christopher liebt seinen Meister, sein Zuhause und seine Arbeit. Doch 1665 ändert sich plötzlich alles: eine Reihe von Morden erschüttert London. Alles weist darauf hin, dass auch Meister Benedict in Gefahr ist. Als sein Meister ihn dann auch noch zum ersten Mal schlägt und das noch völlig grundlos, versteht Christopher die Welt nicht mehr. Nach einem Botengang findet er seinen Meister tot in der Apotheke liegen. Für Christopher beginnt ein Wettlauf mit der Zeit …

Dieses Jugendbuch ist fesselnd und spannend geschrieben, sodass auch Erwachsene schnell in seinen Bann gezogen werden können. Mich jedenfalls hat das Buch komplett abgeholt und ich konnte es kaum aus den Händen legen.

Einige Stellen sind ein wenig heftig, doch denke ich, dass die Kids ab elf damit gut klarkommen. Im Vorabendprogramm laufen schon gern mal schlimmere Szenen. Die Welt dieses Zeitalters ist anschaulich erklärt, ohne zu viel zu beschreiben. Der Phantasie sind alle Wege freigehalten worden, es gibt aber genug Baumaterial für schönstes Kopfkino.

Die Charaktere – die guten, wie die bösen – sind gut angelegt. Man mag Tom, Christophers Freund, auf Anhieb und schließt beide ins Herz. Antihelden gibt es auch genug und auch ein tierischer Protagonist, die Taube Bridget, findet sich ein.

Besonders schön sind die kleinen Rätsel, die im Buch auftauchen. Christopher muss sie lösen, um sein Leben zu retten. Der Leser erhält immer wieder kleine Tipps und Hinweise, um selbst ebenfalls so nach und nach die Lösung finden zu können.

Der Spannungsbogen entsteht ganz sanft aus dem Anfang, der den Leser durch seine lockere, lustige Art in Bann zieht, und zieht danach massiv an, um bis zum Ende kaum noch nachzulassen. Es knallt und zischt und rumst durch das ganze Buch. Langeweile kommt auf keiner Seite auf.

Sehr schön auch, dass immer wieder witzige Situationen entstehen. So gleicht sich eventuelle Angst wieder ein wenig aus. Für mich ist dies ein meisterhaft konzipiertes, mitreißendes, faszinierendes, atemberaubendes, bemerkenswertes und außerordentliches Buch, das eigentlich ein All-Age-Buch ist, denn man versinkt sehr schnell darin, auch wenn man weit von der Zielgruppe „Jugend“ entfernt ist. Zudem macht es auch jenen Spaß, die keine großen Fans historischer Romane sind.

Kevin Sands hat mich restlos überzeugt und ich bin auf den zweiten Band, der folgen soll, sehr gespannt. Von mir bekommt dieser Debütroman die vollen fünf Sterne!

Veröffentlicht am 02.10.2016

Das Plötz-Prinzip

Brot backen in Perfektion mit Hefe
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Kochen und backen sind zwei Leidenschaften von mir. Auch an Brot habe ich mich schon sehr oft versucht und habe zu dem Thema eine ganze Reihe Bücher gewälzt. Dennoch – Brot ist eine echte Kunst! Da kam ...

Kochen und backen sind zwei Leidenschaften von mir. Auch an Brot habe ich mich schon sehr oft versucht und habe zu dem Thema eine ganze Reihe Bücher gewälzt. Dennoch – Brot ist eine echte Kunst! Da kam mir Lutz Geissler mit dem Plötz-Prinzip echt gelegen.

So ganz kinderleicht ist es auch damit nicht, denn die Brotteige sind doch recht klebrig und das ist eine heikle Sache. Aber das Ergebnis ist toll. Das Geheimnis besteht in der Zeit, die man dem Teig gibt. Er darf bis zu 30 Stunden ganz gemütlich gehen. Möchte man eins der Rezepte mit Vorteig nacharbeiten, kommt noch ein Tag extra dazu. Das heißt dann also auch, dass man ein wenig vorplanen muss und nicht mal eben spontan ein Brot backen kann!

Die Brote werden in Töpfen gebacken. Das Prinzip kannte ich schon und finde die Idee nicht übel, bevorzuge aber den Brotbackstein. Und da liegt auch mein Kritikpunkt an diesem Buch: der Brotbackstein wird erwähnt, ja, aber nur kurz. Es gibt keinerlei Tipps und Ratschläge dafür, das Brot eben so statt im Topf zu backen. Das finde ich mehr als schade.

Also habe ich mutig einfach meine Brote nach Anleitung, aber statt im Topf auf dem Stein gebacken. Das klappt prima, finde ich. Die Rezepte sind durchweg lecker (ich habe noch nicht alle ausprobiert, aber doch eine ganze Reihe davon). Das richtige Mehl bekommt man auch im gut sortierten Supermarkt. Erstaunlich, dass ein Hefewürfel für gute 80 Brote ausreichen würde (so lange hält sich die Hefe aber dann doch nicht frisch)! Man braucht nur 0,1 - 0,5 Gramm pro Brot!

Auch Brötchen und süße Rezepte finden sich im Buch, das mehr als ansprechend aufgebaut worden ist. Viel Info zum theoretischen Teil (aber nicht langweilig und nervig, sondern wirklich interessant und informativ) über Mehle und Zubehör, gute Grundanleitungen für die Teigherstellung und das Formen und klar aufgebaute Rezepte mit Zutaten und Zubereitung. Dazu immer wieder tolle und hilfreiche Tipps in kleinen grau hinterlegten Kästen. Und was ich besonders liebe: zu jedem Rezept ein Foto, wie das Ergebnis aussehen soll!

Das frische Brot schmeckt super gut. Aber noch besser und bekömmlicher ist es tatsächlich am zweiten Tag. Falls am dritten Tag noch etwas da sein sollte: es schmeckt noch immer! Wenn man es einpackt, wird die Kruste weicher – manchen (auch meinem Mann) ist das lieber.

Es ist erstaunlich, wie sich der Geschmack verändert, wenn man nur wenig am Rezept ändert. Beispielsweise der Unterschied vom Weizenbrot zum Weizenbrot mit Dinkel. Nur 90 Gramm werden durch Dinkelmehl ersetzt und der Geschmack ist völlig anders! Insgesamt gibt es 69 Rezepte, die Abwechslung ist also enorm!

Das Buch macht auch Mut, die Rezepte mit der Zeit nach eigenem Geschmack zu variieren. Ob nun mit Brotgewürzen oder verschiedenen Körnern – man kann sich hier super gut ausleben! Und am Ende gibt es noch eine Zutatenliste für alle vorgestellten Rezepte mit veränderten Mengenangaben. Wer also ein größeres oder kleineres Brot backen möchte, muss noch nicht mal selbst umrechnen!

Fazit: perfekt ist das Brotbackbuch nicht, aber es ist eines der besten überhaupt. Deshalb ziehe ich auch trotz meiner Meckerei keinen Stern ab und kröne es mit den vollen fünf Sternen – und setze jetzt gleich wieder einen frischen Teig an!