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Veröffentlicht am 30.07.2025

Mit den eigenen Waffen geschlagen

Das Geschenk
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Kaum zu glauben, aber plötzlich tauchen wie aus dem Nichts mitten in Berlin Elefanten auf. Einer nach dem anderen, immer mehr! Schnell stellt man fest, dass sie aus keinem Zoo, weder öffentlich noch privat, ...

Kaum zu glauben, aber plötzlich tauchen wie aus dem Nichts mitten in Berlin Elefanten auf. Einer nach dem anderen, immer mehr! Schnell stellt man fest, dass sie aus keinem Zoo, weder öffentlich noch privat, ausgebrochen sind. Da meldet sich der Präsident von Botswana bei Hans Christian Winkler, dem Bundeskanzler. Fröhlich und überaus freundlich erklärt er sein Geschenk. Das stellt die Bundesregierung vor eine nie geahnte Herausforderung!

Das Elefanten-Geschenk ist magisch, mystisch und sehr klug, denn es ist die Antwort auf ein Gesetz, das Deutschland erlassen hat, dessen Auswirkungen aber in Botswana zu spüren sind. Natürlich ist es wichtig, den Elfenbeinhandel zu regulieren, doch die Folgen, wie in dieser Story beschrieben, sind für Botswana lebensbedrohend. Tierschutz hin oder her, das eigene Leben muss auch und zu allererst beachtet werden, findet der Präsident. Dass da eine Lektion erteilt wird, kann ich schon nachvollziehen!

Die Ereignisse überschlagen sich und wie Gaea Schoeter die Folgen und Folgen der Folgen beschreibt, ist gleichermaßen utopisch, wie auch komplett realistisch und nachvollziehbar. Das mag widersprüchlich klingen, ist es aber nicht. Mir hat die Story sehr zu denken gegeben, vor allem, weil alles logisch aufgebaut war und mir enorm viele Bereiche eingefallen sind, in denen wir, als Einzelperson sowie als Land, uns in Dinge einmischen. Und dabei gar nicht wirklich wissen, warum andere ihren eigenen Weg gehen, der uns falsch erscheint, von dem wir aber keine echte Ahnung haben. Das ist krass. Das ist beängstigend. Und das öffnet die Augen.

Das Buch zeigt auch, wie viele Themen da zusammenkommen. Dafür fand ich die Story dann zu kurz, zu komprimiert, zu gestrafft, sodass nicht alles, das meiner Meinung nach wichtig ist, wirklich zufriedenstellend behandelt wurde, sondern nur angerissen. Das ist sehr schade, denn das führte nicht zu mehr Spannung, sondern eher zu Langeweile. Wieder ein Paradoxon! Doch so, wie es ist, hat es nicht die Tiefe erreicht, die das Thema verdient hätte und wozu es Potenzial hätte. Der knappe, etwas distanzierte Erzählstil passt bestens zur Story, die schon fast eine Parabel ist. Es gibt jede Menge Humor, Situationskomik und Wortwitz im Buch, aber immer wieder bleibt einem auch das Lachen im Halse stecken. Von mir von daher insgesamt vier Sterne.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Jeder ist besonders!

Ein Einhorn namens Oktober
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Das kleine Einhorn Oktober hat bald seinen ersten Geburtstag. Und um diesen Tag herum bekommen die Einhörner ihre magische Kraft! Oktober kann es kaum erwarten und als der Tag kommt und vorüber geht, geschieht ...

Das kleine Einhorn Oktober hat bald seinen ersten Geburtstag. Und um diesen Tag herum bekommen die Einhörner ihre magische Kraft! Oktober kann es kaum erwarten und als der Tag kommt und vorüber geht, geschieht nichts! Sein bester Freund, das Einhörnchen, geht mit Oktober auf die Suche nach der magischen Kraft, denn vielleicht muss er sie ja selbst finden!

Diese Geschichte ist so liebevoll und zauberhaft und zeigt schon den ganz kleinen Kindern, wie besonders jeder einzelne ist. Die Zeichnungen von Juliana Kralik sind kindgerecht und verspielt, aber dennoch enorm aussagekräftig, sodass die Kids der vorgelesenen Geschichte mit den Bildern perfekt folgen können.

Die Message ist wunderbar und mutmachend und zeigt, dass Magie nicht zwingend etwas Großes sein muss, sondern gerade in den kleinen Dingen die größte Kraft entwickelt. Der Glaube an sich selbst und anderen zu helfen wird mit diesem Buch sehr schön vermittelt. Große Klasse, fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Der Charme der vermeintlichen Makel

Menschenhausen
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Bisher hatte niemand in Menschenhausen ein Problem mit den eigenen kleinen Eigenheiten oder denen der anderen im Ort. Niemand störte sich an den vermeintlichen Makeln. Jeder hatte welche und so war das ...

Bisher hatte niemand in Menschenhausen ein Problem mit den eigenen kleinen Eigenheiten oder denen der anderen im Ort. Niemand störte sich an den vermeintlichen Makeln. Jeder hatte welche und so war das normal. Doch dann kommt die Nichte von Mrs. Margret mit den kurzen Beinen und Mr. Perkins mit den schiefen Zähnen, Lady Betty, nach Menschenhausen. Sie ist perfekt, hat keinen Makel und alle Bewohner fangen an, sich selbst als fehlerhaft anzusehen und ihre Makel zu verstecken. Das führt zu Unbequemlichkeiten und schlechter Laune, die in einer unschönen Aktion endet.

Die Geschichte und die unterstützenden Zeichnungen und Illustrationen sind liebevoll und kindgerecht gemacht. Sie lernen mit der Geschichte, dass man weder bei anderen noch sich selbst zu sehr auf Äußerlichkeiten achten sollte, die den Charakter des Menschen doch gar nicht ausmachen. Ob es ein viel zu langer Hals ist oder viel zu kurze Beine, ganz egal. Man muss sich dafür weder schämen, noch andere dafür auslachen.

Die Bewohner von Menschenhausen zeigen sich irgendwann von ihrer schlechtesten Seite. Das ist jedoch so erzählt, dass die Kinder schnell merken, wie unfein das ist und wie verletzend. Das kleine, feine Happy End zeigt den Kids, wie ein friedliches, harmonisches und glückliches Miteinander ganz einfach möglich ist.

Die Altersempfehlung liegt bei 6-10 Jahren. Ich würde es eher bei 5-8 Jahren einordnen. Ich finde das Buch gelungen, störe mich jedoch an einem Logikfehler im Buch. Vermutlich werden es die Kids gar nicht merken, für mich ist der Fehler jedoch auffallend. Insgesamt daher vier Sterne.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Ein etwas zäher Start der Trilogie

Der Trailer
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Frieda Stahnke ist Kommissarin in Hamburg und aktuell suspendiert. Sie nimmt an einem True-Crime-Podcast teil, weil dieser sich um das Verschwinden von Lisa Martin vor 14 Jahren dreht. Frieda kannte sie ...

Frieda Stahnke ist Kommissarin in Hamburg und aktuell suspendiert. Sie nimmt an einem True-Crime-Podcast teil, weil dieser sich um das Verschwinden von Lisa Martin vor 14 Jahren dreht. Frieda kannte sie und möchte helfen, den Fall doch noch zu lösen. Auch Wout Meertens hört diesen Podcast. Er hatte Lisa damals auf dem Campingplatz gesehen und hat eine gewisse Vorstellung, was passiert sein muss. Doch er hat seine Gründe, nicht mit der Polizei zu reden. Sein Freund und Türsteher Tayfun und seine Mieterin Kathinka sind an seiner Seite, um mit ihm hinter das Geheimnis von Lisas Verschwinden zu kommen. Doch dann werden Menschen ermordet, die etwas wissen könnten und die drei geraten in die Schusslinie.

Der Plot ist einfach nur klasse. Eigentlich. Denn leider verläuft sich Linus Geschke immer mal wieder in der Konstruktion vermeintlich besonders gelungener Phrasen und verliert dabei den Spannungsfaden. Das ist besonders deshalb schade, weil er es besser kann. Da dies jedoch der Auftakt des Dreiteilers ist, hoffe ich einfach mal, dass der Rest alles wieder wettmacht.

Die Figuren sind klug angelegt, ähneln aber denen aus Geschkes Anfangszeiten. Alle haben ihre Besonderheiten und Geister. Das ist in Summe ein wenig zu viel des Guten. Der Cliffhanger am Ende ist für Geschke schon dramatisch konstruiert. Auch das kann er besser! Seine ersten Bücher waren einfach nur genial. Inzwischen schwankt die Qualität leider stark. Das erinnert mich an Sebastian Fitzek. Bei dem ist es auch immer ein Glücksspiel, ob das Buch eine Enttäuschung oder eine Offenbarung ist. Dass Geschke anfangs Reisereportagen geschrieben hatte, merkt man diesmal besonders stark. Er beschreibt die Landschaften sehr klar und eindringlich, für meinen Geschmack sogar etwas zu ausführlich.

Da ich aber neugierig bin, werde ich mindestens noch den zweiten Band lesen. Es muss ja einen Grund geben, warum der Leser so viel über die Figuren erfährt, sowohl beruflich, als auch privat, und doch interessante Punkte schön umschifft wurden. Das große Ganze muss also einem Plan folgen. Und den würde ich gerne kennen!

Die Spurensuche und Wendungen sind gar nicht so übel, dennoch war schnell klar, wohin die Reise gehen wird. Unbemerkt ist Frieda Stahnke zur Hauptfigur geworden und zerrt den Leser geradezu über das Ende des Buches hinaus mit sich mit. Also warten wir es ab. Bis dahin bin ich nur halb zufrieden. Also drei Sterne.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Toni und Antonia

Im Leben nebenan 
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Toni wacht eines Tages nicht in ihrer vertrauten Umgebung und ihrem Leben auf, sondern in einem alternativen Leben in ihrem alten Heimatdorf, verheiratet mit ihrem Jugendfreund, Mutter einer kleinen Tochter. ...

Toni wacht eines Tages nicht in ihrer vertrauten Umgebung und ihrem Leben auf, sondern in einem alternativen Leben in ihrem alten Heimatdorf, verheiratet mit ihrem Jugendfreund, Mutter einer kleinen Tochter. Dieses Leben ist das Gegenteil von dem, das sie gerade noch hatte.

Im einen Leben ist sie die kinderlose Toni, die mit Jacob zusammen ist, der gerne Vater werden würde. Toni macht das volle Programm mit der Kinderwunschbehandlung mit, inklusive aller Rückschläge und auch einer Fehlgeburt. Im anderen Leben hat sie mit Adam ein Baby und ein völlig anderes Leben. Die Perspektive wechselt immer wieder von Antonia zu Toni und da auch gern in die Vergangenheit und die Gegenwart. Das ist ein wenig anstrengend, ergibt am Ende dann aber ein großes Bild. Und dennoch bleibe ich zum Schluss mit vielen Fragen zurück.

Die beiden Leben sind in meinen Augen beides nicht das, was Antonia/Toni wirklich glücklich macht. Nach und nach erfährt man, wie sie fühlt, woran sie hadert, dass sie selbst komplett unsicher ist. Doch sind die beiden Leben nicht wirklich getrennt. Als Antonia weiß sie von ihrem Leben als Toni. Sie kann mit niemandem darüber reden und auch keine Spuren zu ihrem Toni-Leben finden. Das strengt an. Nicht zuletzt, weil man ebenso hilflos ist wie Toni/Antonia.

Ja, und dann bin ich am Ende angelangt und weiß, ich hab trotz allem gern zugehört, weil Chantal Busse das super gelesen hat. Aber ich weiß überhaupt nicht, was ich nun tun, denken, fühlen soll. Ich weiß auch nicht, welches Leben Toni/Antonia führen möchte und was Verlust und was Gewinn für sie ist. Das macht mich traurig und ich bin nicht gern traurig. Daher werden es hier nicht mehr als drei Sterne.

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