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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.01.2025

Ein ganz besonderes Kochbuch für engagierte Hobbyköche

Meersalz
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Viele sagen, dass Salz eben Salz ist und es keine Unterschiede gibt. Das mag chemisch per Formel zutreffen, doch spielen so viele weitere Faktoren mit, die zum Geschmack beitragen, dass ich in meiner Küche ...

Viele sagen, dass Salz eben Salz ist und es keine Unterschiede gibt. Das mag chemisch per Formel zutreffen, doch spielen so viele weitere Faktoren mit, die zum Geschmack beitragen, dass ich in meiner Küche tatsächlich eine ganze Reihe unterschiedlicher Salzsorten habe und nutze. Klar, dass mich dieses Buch geradezu magisch angezogen hat.

Die Texte zum und über Salz sind informativ und sogar unterhaltsam. Dagegen habe ich mit den eigentlichen Rezepten dann ein kleines bis mittleres Problem. Sie sind schlicht zu ausgefallen, es werden zu exotische Produkte verwendet und selbst die vermeintlich einfachen Gerichte bzw. Rezepte kommen nicht ohne eine Zutat aus, die eher ausgefallen ist und die man nicht unbedingt in der Vorratskammer hat. Und natürlich wird mit dem Salz der Familie Lea-Wilson gewürzt.

Die Rezepte sind aus allen Ecken der Welt zusammengestellt. Vegan ist hier nichts, vegetarisch nur weniges. Wie auch die Kapitel sind die Rezepte neben den deutschsprachigen Titeln auch auf Walisisch angegeben. Das hat natürlich einen besonderen Charme, auch wenn oft nur grob übersetzt wurde.

Unterteilt ist das Buch in die Kapitel Rohkost + co.; Aus Topf und Ofen; Mit Salzlake verfeinern; Einmachen + Fermentieren; Trockenbeizen; Der Geschmack des Meeres; Süßes + Getränke. Es finden sich Angaben zu Portionsanzahl und Zeitbedarf, ein kleiner Einführungstext, die Zutatenlisten und gut verständliche und ausführliche Arbeitsanweisungen bei jedem Rezept. Auf Nährwertangaben wurde verzichtet, was mich nicht stört. Auch ist bei jedem Rezept mindestens ein tolles Foto dabei.

Das Buch ist ein echter Augenschmaus und die Speisen sprechen sehr an. Für Anfänger halte ich das Buch aus mehreren Gründen für ungeeignet, vorweg eben aufgrund des Bedarfs an weniger geläufigen Zutaten, aber auch wegen der für Anfänger in meinen Augen anspruchsvollen Vorgänge. Für engagierte Hobbyköche und Fans ausgefallenen Salzes ist dieses Buch aber ein tolles Geschenk. Auch wenn man eher darin liest, als die Rezepte oft nachzukochen, ist es ein Highlight im Kochbuch-Regal. Als Kochbuch für alle Tage ist es nichts, aber für die besonderen Highlights. Daher gebe ich trotz Kritik die vollen fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Herrlich!

In einem Zug
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Eduard Brünhofer ist Schriftsteller, hat schon länger nichts mehr veröffentlicht und hat eine längere Zugfahrt vor sich, nämlich von Wien nach München. In seinem Abteil sitzt eine Frau, die ihn zögerlich ...

Eduard Brünhofer ist Schriftsteller, hat schon länger nichts mehr veröffentlicht und hat eine längere Zugfahrt vor sich, nämlich von Wien nach München. In seinem Abteil sitzt eine Frau, die ihn zögerlich anspricht. Brünhofer ist ein wenig enttäuscht, dass sie dachte, er sei ihr alter Englischlehrer. Seine Gedanken und wie er den Verlauf ihrer nun folgenden Dialoge schildert, machen Brünhofer mal sympathisch, mal unsympathisch. Menschlich eben.

Die Beobachtungen, die Glattauer seinen Protagonisten machen lässt, sind einfach köstlich. Auch wie sich das Verhältnis der beiden Passagiere entwickelt ist spannend und interessant. Catrin Meyr bringt Eduard Brünhofer dazu, mehr zu reden, als dieser es auf der Zugfahrt wollte. Die Entwicklung ist amüsant und man hört quasi gerne zu, so unentdeckt als Leser oder Hörer. Etwa bei der Hälfte der Story hatte ich einen Verdacht, worauf es hinauslaufen wird.

Da Brünhofer Liebesromane schreibt, ist nicht verwunderlich, dass die beiden viel über die Liebe reden. Dabei entstehen fast schon philosophische Gedanken. Glattauer spielt wunderbar mit Worten und seinen Protagonisten. Auch Bahnhöfe, Züge, örtliche Besonderheiten, menschliche Besonderheiten und das Weltgeschehen allgemein werden hier und da eingeflochten und auf die eine oder andere Weise abgewatscht. Bissig, aber mit ganz viel Herz, hält Glattauer allen, seinen Figuren und auch uns, den Spiegel vor. Es ist einfach nur großartig!

So wurde ein Buch über die Liebe daraus, das völlig ohne Gefühlsduselei auskommt, ohne Geschnulze. Und dennoch macht es glücklich und regt dazu an, über die eigene Beziehung nachzudenken und festzustellen, wie schön es ist, wenn man so viele Jahre gemeinsam verbracht und das genossen hat.

Ich freue mich sehr, dass ich dieses Juwel entdeckt habe und lege es allen mit den wärmsten Worten ans Herz! Ganz klare fünf Sterne.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.01.2025

War es ein Fehlurteil?

Allein gegen die Lüge
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Danny Pine wurde vor sieben Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er angeblich seine Highschool-Freundin ermordet hat. Er beteuert, er ist unschuldig. Seine Familie sammelt Beweise, um Danny freizubekommen. ...

Danny Pine wurde vor sieben Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er angeblich seine Highschool-Freundin ermordet hat. Er beteuert, er ist unschuldig. Seine Familie sammelt Beweise, um Danny freizubekommen. Jetzt sind seine Eltern, sein kleiner Bruder und seine jüngere Schwester ums Leben gekommen. Ausgerechnet in Mexiko und bei einem Unfall. Weder Danny noch Matt, Dannys jüngerer Bruder, können das glauben. Eine True Crime Doku bringt den vermeintlichen Unfall mit Dannys Fall in Verbindung. Damit wird eine Reihe Ereignisse ausgelöst, die mit Matts Reise nach Mexiko, um seine Familie überführen lassen zu können, den Anfang findet.

Bei diesem Thriller ist mal wieder der deutsche Titel völlig neben dem Original. Every last fear, also jede letzte Angst, ist sehr viel zutreffender. Das tut der Sache aber keinen Abbruch, dass der Thriller facettenreich aufgebaut ist und im Grunde jeden menschlichen Abgrund nutzt. Es treffen so viele Unsäglichkeiten zusammen, dass man nur so staunt. Spannend ist das alles auf alle Fälle, aber auch etwas überladen und daher auch ein wenig anstrengend. Wenn man weiß, dass Alex Finlay das Synonym eines prominenten Anwalts in Washington DC ist, der mehr als 40 Klienten vor dem Obersten Gerichtshof der USA vertreten hat, wundert das nicht mehr.

Die einzelnen Figuren sind authentisch gezeichnet und lassen sich sehr gut unterscheiden. Sie haben gut ausgeprägte Charaktereigenschaften und Eigenheiten. Das mag ich sehr. Die Zusammenhänge sind anfangs nicht mal zu erahnen, doch mit der Zeit spürt man mehr, als dass man es logisch folgert, wohin der Hase läuft. Viele extreme, ausgefallene Situationen ergeben ein dramatisches Puzzle. Die unterschiedlichen Perspektiven und damit verbundenen Erzählstränge sind jedoch zum Teil auch ein wenig ermüdend und auch verwirrend. Insgesamt finde ich zu wenig Tiefe in der Darstellung. Es bleibt alles recht oberflächlich und selbst bei Aufregern regt sich niemand auf. Das befremdet mich dann schon etwas. Erst am Ende, am großen Showdown, kommt endlich Leben in die Figuren, Wut wird herausgelassen und die Figuren handeln so, wie ich es nachvollziehen kann.

Der Stil ist insgesamt gesehen angenehm, nicht zu simpel, mit den True-Crime-Einlagen auch hochmodern. Fast haben wir hier ein Familiendrama, keinen Thriller. Mir ist die Story vier Sterne wert.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Hammer!

Dorn. Hotel der Angst
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Simon Dorn hat privat eine ganze Reihe heftiger Schicksalsschläge verkraften müssen. Für ihn steht fest, dass er seinen Dienst endgültig quittieren muss. Heimlich verwandelt er die Zimmer des alten Hotels ...

Simon Dorn hat privat eine ganze Reihe heftiger Schicksalsschläge verkraften müssen. Für ihn steht fest, dass er seinen Dienst endgültig quittieren muss. Heimlich verwandelt er die Zimmer des alten Hotels Dornwald in Schaukästen ungelöster Fälle. Er gilt bei den Kindern als Geist, der die Gäste frisst. Und der Bürgermeister Erich Seiler hat seine ganz eigenen Gründe, Dorn loswerden zu wollen.

Es ist ja inzwischen Standard, dass Ermittler eine Macke oder einen Tick haben müssen. Kriminalpsychologe Simon Dorn stellt da alle in den Schatten. Er ist regelrecht besessen von bestimmten Fällen und nutzt das leerstehende Hotel seiner Familie als Unterschlupf und eine Art Einsatzzentrale. Ein Einkommen hat er nicht, das Hotel verlassen ist ihm unmöglich. Also ist er auf Hilfe angewiesen. Seine ehemalige Kollegin Carla Hofbauer ist quasi seine einzige Verbindung zur Außenwelt. Ihr gewaltsamer Tod stürzt Dorn noch tiefer in seine Psychosen, sodass Lea Wagner, die nicht nur den Mord an Carla aufklären will, kaum Zugang zu ihm findet.

Dorns Psychose ist ein extrem spannender, interessanter Aspekt in der Story. Seine Kombinationsfähigkeiten sind zwar nicht immer so genial, wie immer behauptet wird, denn nicht nur einmal führt ihn der Zufall oder die Erkenntnis anderer einen Schritt weiter. Super gern mochte ich natürlich Buddy, den Hund. Der macht viel vom Charme des Buches aus! Ebenso der Schreibstil, der völlig ohne Schnörkel oder Schachtelsätze auskommt. Weniger freundlich gesagt ist es eine schlichte, einfache Sprache. Zur Story und den Ereignissen passt es aber sehr gut. Zudem macht es richtig Laune, auch mal ohne hochgestochene Phrasen ganz entspannt lesen zu können. Der Show-Down ist fulminant und die Wendungen ziehen einem den Boden unter den Füßen weg. Ein paar Fragen bleiben. Perfekt gemacht, um weiteren Bänden eine gute Möglichkeit zum Anknüpfen zu geben.

So möchte ich von einem Thriller ausgetrickst werden. Das schreit nach vielen weiteren Bänden! Gleichzeitig fragt man sich, wie Beck diesen Knaller übertreffen oder auch nur gleichwertig erreichen will. Für diesmal jedenfalls fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 09.01.2025

Großartig!

Wackelkontakt
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Während der Puzzle-Fan Franz Escher auf den Elektriker wartet, vertreibt er sich die Zeit mit Lesen. Das Buch handelt von Elio Russo, der als Kronzeuge im Gefängnis auf seine Entlassung und den Start eines ...

Während der Puzzle-Fan Franz Escher auf den Elektriker wartet, vertreibt er sich die Zeit mit Lesen. Das Buch handelt von Elio Russo, der als Kronzeuge im Gefängnis auf seine Entlassung und den Start eines neuen Lebens im Zeugenschutzprogramm wartet. Diese Wartezeit nutzt er, um mit einem Buch die Deutsche Sprache zu lernen. In diesem Buch geht es um Franz Escher, dessen Küchensteckdose einen Wackelkontakt hat, weshalb er auf den Elektriker wartet und in dieser Zeit ein Buch liest.

Wow! Anfangs hatte ich ein wenig ein kleines Problem damit, loszulassen. Für mich war nicht ganz logisch, dass die beiden, also Franz und Elio, nicht stutzig wurden. Blendet man aber einfach die Lesezeiten aus und nimmt nur die Ereignisse, sind die beiden Geschichten einfach nur genial ineinander verwoben und zugleich mystisch, als auch logisch. Etwas Ähnliches habe ich noch nie gelesen und ich bezweifle, dass das noch mal so gut funktionieren kann. Haas ist hier ein echter Geniestreich gelungen.

Da sich die Geschichte insgesamt über einen längeren Zeitraum dreht, der dann aber in einer Dauer von etwa einer Woche gipfelt, fragt man sich hin und wieder, wie lang man denn an einem einzigen Buch lesen kann. Trotzdem ist alles passend und stimmig. Wolf Haas packt zudem einige Themen mit in die Story, die nicht einfach nur an der Oberfläche schwimmen, sondern sehr tief gehen, wobei sie mir hin und wieder auch mal das Lachen im Halse stecken ließen. Das mag seltsam klingen, aber genau das hat mich beeindruckt und bedeutet für mich, dass der Autor sein Handwerk extrem gut beherrscht.

Sprachlich ist das Ganze einfach nur ein facettenreiches Kunstwerk. Selbst wenn es mal flapsig wird, hat das seine Berechtigung und passt sauber ins Gesamtbild. Logisch und sauber aufgebaut laufen die beiden Geschichten auf einen gemeinsamen Höhepunkt zu, der mich lachen und weinen gleichzeitig macht. Das Cover fordert die Augen heraus, hätte aber nicht besser gewählt werden können!

Für mich ist dies die Entdeckung der letzten Monate schlechthin. Ein Buch, das mich immer wieder neu überraschen konnte, mich fesselte, mich an keiner einzigen Stelle langweilte und die ganze Palette meiner Gefühle bediente. Ein echter Volltreffer eben. Fünf Sterne.

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