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Veröffentlicht am 21.08.2023

Der Lerge erzählt – und das wunderbar!

Sylter Welle
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Was kann man ohne zu lügen antworten, wenn man gefragt wird, wen von den ganzen Menschen aus der Familie man wirklich lieben würde, wäre man nicht mit ihnen verwandt? Krasse Frage, aber man sollte echt ...

Was kann man ohne zu lügen antworten, wenn man gefragt wird, wen von den ganzen Menschen aus der Familie man wirklich lieben würde, wäre man nicht mit ihnen verwandt? Krasse Frage, aber man sollte echt mal darüber nachdenken!

Das Lied von der Beerdigung hat mich sehr angesprochen – und seltsamer Weise gleichzeitig traurig gemacht und auch getröstet. Auch die vermeintlich harte Oma mit ihren Sprüchen, die cooler sind, als sie selbst merkt, hat mich schnell für sich gewonnen. Ja, wieso sollte sie denn Mitleid mit dem Enkel haben, wenn er selbst genug davon für sich hat? Zumal sie so fair ist, dass sie dessen Mitleid auch nicht braucht, weil auch sie genug für sich selbst davon hat.

Es geht gar nicht so sehr um außergewöhnliche Ereignisse, sondern eher um all die kleinen alltäglichen und täglichen Begebenheiten. Leßmann erzählt gleichzeitig urkomisch, wie auch mit ganz viel Liebe über Ticks und Eigenarten, die es in jeder Familie so oder ganz ähnlich gibt. Dabei bemerkt man, dass man all die Dinge, die einen doch schon urewig an diversen Personen nerven, genau das sind, was man an ihnen auch liebt.

Ich hatte leider nie eine solche Verbindung zu einer meiner Omas, aber ich bin alt genug, um gesehen und erlebt zu haben, wie sich Menschen im Alter verändern, was Lebenserfahrung bedeutet und auch mit den Menschen macht und Abschied von beiden Eltern genommen haben zu müssen. So überzogen die eine oder andere Episode erscheint, der Kern ist doch wahr. Der lakonische und gern auch mal ironische Unterton zeigt nur, wie viel Liebe der Autor in seinen Texten versteckt hat. Vielleicht sehe, empfinde und lese ich das alles deshalb ein wenig anders. Obwohl es hier eigentlich um den sanften Abschied von den Großeltern geht, ist es ein wunderbares Buch. Auf alle Fälle fühle ich mich durch die Story tatsächlich bereichert. Das muss erst mal einer schaffen!

Man muss sich allerdings komplett frei machen und einfach nur treiben lassen, um ausschließlich den Augenblick wirken zu lassen. Die scheinbar einzelnen und unabhängigen Geschichten ergeben ein Ganzes und kleine Einzelheiten ergeben mit der Zeit Sinn, weil wieder darauf zurückgekommen und ein Kreis geschlossen wird. So zeigt und Leßmann auf unbeschreiblich liebevolle Art und Weise, dass Familie eben doch mehr ist, als nur gleiches Blut. Und ohne die Großeltern gäbe es uns ja auch gar nicht. Fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 21.08.2023

So gut kann ein kurzer Krimi sein!

Der Schwimmer
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Helen, pensionierte Lehrerin und Seele von Mensch, lebt in einem kleinen Häuschen an der irischen Küste. Dass ihre Schwester seit drei Jahren bei ihr wohnt, liegt daran, dass Helen bei deren Besuch meinte, ...

Helen, pensionierte Lehrerin und Seele von Mensch, lebt in einem kleinen Häuschen an der irischen Küste. Dass ihre Schwester seit drei Jahren bei ihr wohnt, liegt daran, dass Helen bei deren Besuch meinte, sie könne so lange bleiben, wie sie wolle. So lange war das allerdings dann doch nicht geplant, nur kann Helen ihre Schwester Margaret nun schlecht rauswerfen. Als sie auf ihrer Terrasse liegend eines Tages einen rotbärtigen und –haarigen Mann im Meer schwimmen sieht, denkt sie sich wenig dabei. Doch als sie nach einem Nickerchen wieder aufwacht, ist der Mann weg, seine Kleidung jedoch liegt noch am Strand. Helen versucht, herauszufinden wer dieser Mann war und was geschehen ist. Dabei hilft ihr Patrick, der charmante Wirt des Pubs.

So sehr dies ein Cozy Crime ist, so sehr geht die Geschichte auch ans Herz. Ich finde Helen einfach zauberhaft und möchte ihr so gern sagen, dass sie Margaret doch endlich rauswerfen soll. Ich wünsche ihr die ganze Zeit einen mutigen Ausbruch aus ihrer Liebenswürdigkeit an falscher Stelle, wünsche ihr alles Glück dieser Erde und einen neuen Start. Die Spannung kommt bei mir auch durch diese Punkte zustande, nicht nur durch den eigentlichen Kriminalfall, die Spurensuche, das Recherchieren. Jeder Charakter in dieser Story ist einzigartig und wunderbar beschrieben, ohne zu viele Worte zu benötigen.

So kurz dieser Kurzkrimi auch ist, er beinhaltet alles, was man für beste Unterhaltung benötigt. Helens Ermittlungen werden teilweise auch durch Zufälle vorangetrieben, doch da stehen ihr die männlichen Ermittler in so manchem Thriller in nichts nach. Die Entwicklungen sind stimmig und das Ende doch ein kleines Highlight mit einer überraschenden, aber passenden und glaubwürdigen Lösung. Die kleine Lady hat mir ganz große Freude bereitet – was doppelt so lange Storys nicht immer schaffen. Deshalb ganz klare fünf Sterne und ein besonderes Lob an die Sprecherin Lina Beckmann, die Stimmung und Situation ausgezeichnet mit ihrer Stimme transportiert.

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Veröffentlicht am 19.08.2023

Loslassen ist gar nicht so einfach

Nachts erzähle ich dir alles
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Das alte Familienanwesen in Frankreich soll Léa Zuflucht bieten. Sie liebt ihr kleines Café, aber eine zerbrochene Beziehung hat sie doch sehr aus dem Tritt gebracht. Am Abend ihrer Ankunft begegnet sie ...

Das alte Familienanwesen in Frankreich soll Léa Zuflucht bieten. Sie liebt ihr kleines Café, aber eine zerbrochene Beziehung hat sie doch sehr aus dem Tritt gebracht. Am Abend ihrer Ankunft begegnet sie Alice und sie verbringen ein paar schöne Stunden miteinander, bis die junge Frau mit den Worten geht, sie hätte noch eine Verabredung. Am nächsten Tag erfährt Léa, dass Alice noch in der Nacht ums Leben kam. Ihr Bruder Émile meldet sich bei Léa, weil er hofft, sie könne ihm seine Fragen beantworten. In vielen Gesprächen legen beide ihre Seelen offen und heilen aneinander. Doch es tauchen Geheimnisse und Erkenntnisse auf, die beide vor noch mehr Fragen stellen.

In sanfter, ruhiger Sprache lässt Anika Landsteiner den Leser an der Geschichte teilhaben. Da ist Léa, die ihre eigenen Entscheidungen in Frage stellt und im Familienanwesen Klarheit finden möchte. Da ist Alice, die ihr an ihrem ersten Abend in Frankreich begegnet und in der Nacht in der Badewanne stirbt. Da ist Émile, der Bruder von Alice, der so viele Fragen hat. Und da sind Marianne, Léas Mutter, und Claire, deren beste Freundin und wohl eigentlich auch große Liebe. Alles ganz besondere Frauen. Kein Wunder, dass durch Émile, einer der wenigen Männer, die in diesem Buch eine Rolle spielen, ganz besonders hervorsticht, zumal er Influencer und Model ist.

Die Themen, die nach und nach in den Vordergrund rücken, sind alles andere als sanft und ruhig, werden aber durch diese besondere Erzählweise sehr einfühlsam und ohne den Drang, zu überzeugen, sehr sachlich und intensiv zugleich dargelegt. Schwangerschaft, die Entscheidung dafür oder dagegen, Liebe in all ihren Varianten und Beziehungen zwischen Müttern und Kindern, Freundinnen untereinander und Beratern zu Beratenden, hier werden all diese Themen vermeintlich locker und nebenbei eingewoben, doch am Ende des Buches merkt man, wie tief die Geschichte doch geht, wie sehr sie nachhallt und in einem arbeitet. Vor allem lehrt es, dass Dinge nie so sind, wie sie scheinen, und man miteinander reden muss, um die Wahrheit zu erkennen und sich nicht ein falsches Bild zu machen. Ich möchte sagen, die Reise von Léa nahm ein paar ungeplante Abstecher und führte sie an ein Ziel, das genau das ist, was sie wollte und dennoch komplett anders.

Mir hat das Buch sehr gefallen und obwohl mir Stil, Sprache und Figuren angenehm waren, reicht es nicht für fünf Sterne. Ich kann es gar nicht so richtig in Worte fassen. Es ist ein Gefühl. Obwohl ich mich an einigen Stellen mit der einen oder anderen Protagonistin identifizieren kann (und mein Mann tatsächlich zehn Jahre jünger ist als ich), fehlt mir noch etwas für den fünften Stern. Also gebe ich vier Sterne.

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Veröffentlicht am 18.08.2023

Rozkoszny!

Polen vegetarisch
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Ein „echter“ Vegetarier bin ich nicht, aber ich merke, wie ich immer weniger Fleisch konsumiere und auf leckere Gerichte ohne Fleisch zurückgreife. Davon gibt es viele und noch schöner wird die Auswahl, ...

Ein „echter“ Vegetarier bin ich nicht, aber ich merke, wie ich immer weniger Fleisch konsumiere und auf leckere Gerichte ohne Fleisch zurückgreife. Davon gibt es viele und noch schöner wird die Auswahl, wenn man sie mit Länderküche vermischt. Das hier vorliegende Kochbuch zur polnischen Küche gefällt mir außerordentlich gut, zumal die Gerichte kein bisschen das Fleisch vermissen lassen – sie sind fleischlos perfekt, selbst für Flexitarier!

Obwohl Michal Korkosz so viel jünger ist als ich, hat er genau das für sich entdeckt, was ich seit ein paar Jahren auch selbst festgestellt habe: Die Nostalgie gehört auch in die Küche und ist das „Gewürz“, das oft für den Genuss verantwortlich ist und uns glücklich macht. „Erinnerung ist für mich der sechste Geschmackssinn“ trifft es wunderbar und „kulinarische DNS“ ist ein Ausdruck, der mir sehr gefällt, weil er die Sache doch auf den Punkt bringt. Schon hier wusste ich, dass dieses Kochbuch ein Glanzstück in meiner Sammlung sein wird, das ich immer wieder zu Rate ziehen werde und mich gar nicht enttäuschen kann. Hier kocht ein junger Mensch ganz so, wie ich es liebe!

Schon optisch haben wir es hier mit einem Highlight zu tun. Das Cover ist fröhlich und bunt, aber auch traditionell. Die Rezepte sind klar und strukturiert. Neben der Zutatenliste finden sich die Zubereitungsschritte und diese sind klar und deutlich, leicht verständlich. Hin und wieder hätte ich vielleicht noch eine kleine Nachfrage gehabt, allerdings nie so schwerwiegend, dass ich nicht ohne Antwort weiter kochen oder backen hätte können. Zu jedem Rezept gibt es mindesten ein Foto, bei einigen auch eine ganze Fotostrecke (z.B. beim Hefezopf für die Flechtanleitung). Dass nicht nur Lebensmittel, die man sowieso schon vorrätig hat, verwendet werden, wird kaum wundern. Doch gibt es Tipps, was man anstelle der original Zutaten verwenden kann, da einige Produkte doch relativ schwer zu bekommen sind. Für mich ist das mehr als okay und kein Kritikpunkt.

Die Einteilung ist themengebunden, was natürlich sehr stimmig ist. Frühstück; Brot & Gebäck; Suppen; Hauptgerichte; Salate & Beilagen; Piroggen, Knödel & Co.; Desserts & Kuchen; Marmelade, Eingemachtes & Co. sind so leicht aufzufinden und nachzukochen oder –backen. Jedes diese Kapitel startet mit einer Seite Text über polnische Traditionen und Gewohnheiten und die Rezepte. Mir gefallen diese Einstimmungen sehr gut. In jedem Kapitel finde ich tolle neue Anregungen, über die ich mich sehr freue. Klar, es gibt auch welche, die meinen Geschmack so gar nicht treffen. Das liegt vor allem daran, dass es Lebensmittel gibt, die ich nicht (gerne) esse. Dafür kann das Buch aber so wenig, wie der Autor!

Besonders überrascht haben mit die Sauerkrautpuffer, der Sauerkrautsalat mit Apfel und Karotte und der Tomatensalat mit Meerrettich. Da ich schon länger und gern und viel koche, habe ich große Freude daran, ein Rezept hauptsächlich als Orientierung zu sehen und rundum ein bisschen selbst kreativ zu werden. Dazu regt Michal Korkosz auch an. So macht das Kochen für mich noch mehr Spaß. Zudem werden hier ausschließlich Lebensmittel verwendet, die man leicht bekommt. Am exotischsten ist vielleicht das kalt gepresste Rapsöl. Das lässt sich aber problemlos durch hochwertiges natives Olivenöl extra ersetzen.

Keine Frage, mein Repertoire an fleischlosen Rezepten ist mit diesem Buch deutlich gewachsen. Mir gefällt es super gut, ob als Buch für vegetarische Gerichte, polnische Küche oder Überraschung für Gäste – es bietet mir so viel und steht deshalb auch im Regal der griffbereiten Kochbücher und muss nicht erst hervorgesucht werden. Fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 12.08.2023

Vom großen Mut einer kleinen Katze

Nova – Aufbruch in die Wildnis
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Seit Nova zu Ma Millie gefunden hat, lebt sie bestens versorgt bei der alten Dame. Doch dann wird Millie krank und Nova weiß, dass nur sie Hilfe holen kann. Die kleine Katze macht sich auf den Weg durch ...

Seit Nova zu Ma Millie gefunden hat, lebt sie bestens versorgt bei der alten Dame. Doch dann wird Millie krank und Nova weiß, dass nur sie Hilfe holen kann. Die kleine Katze macht sich auf den Weg durch den Wald in die Stadt. Ihr Mut schwindet schnell, doch da lernt sie eine schlaue Füchsin kennen, die ihr den Weg zeigen will.

Die Geschichte ist in 38 Kapitel plus den Epilog unterteilt. Jedes Kapitel für sich ist überschaubar, nicht zu lang. Doch da viel in diesen kurzen Kapiteln geschieht, werden mehrere davon hintereinander weg gelesen. Die Schrift ist groß und der Zeilenabstand gut. Jedes Kapitel hat auch ein Bild, passend zu dem, was folgt. Allerdings sind es keine 38 unterschiedlichen Bilder, sondern eine Reihe von Bildern, die sich immer wiederholt. Mir persönlich gefallen diese Bilder nicht ganz so sehr. Ich weiß, alles was mal da war, kommt auch wieder, aber sie erinnern mich wirklich an die Bilder in Kinderbücher in meiner Kindheit – und die ist ein halbes Jahrhundert her!

Die Sprache ist einfach und die Sätze nicht zu lang. Das wäre also für Achtjährige genau richtig. Mir kommen aber viele Szenen für diese Altersgruppe zu verstörend und verängstigend vor. Es dauert meiner Meinung nach immer zu lang, bis sie aufgeklärt werden oder es sichere Punkte gibt. Auch wenn man Kinder nicht ewig vor den harten Seiten des Lebens schützen kann, finden sich hier doch für meinen Geschmack zu viele zu harte Momente.

Mir fällt es schwer, dieses Buch zu bewerten. Die Geschichte verläuft stimmig, aber in meinen Augen eben zu beängstigend für Kinder der Zielgruppe. Andererseits werden Themen angesprochen, über die Eltern mit Kindern früher oder später sprechen sollten und so kann das Buch, in Begleitung gelesen, der Einstieg dazu sein. Es vermittelt auch sehr gute Erkenntnisse: Auch unterschiedliche Tiere können Freunde werden und wenn man zusammenhält, ist man erfolgreicher.

Dennoch stören mich eben ein paar Details und deshalb gebe ich vier Sterne.

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