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Veröffentlicht am 11.09.2022

Ein Witwer auf der Spur der Wahrheit

Mörderische Masche
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Maike ist Inhaberin von „Nähschiff & Nadelflotte“. Das ist nicht nur ein Handarbeitsgeschäft, wie ihr Mann Henri erfahren wird, als Maike auf einer Weide durch einen Stier ums Leben kommt. In seiner Trauer ...

Maike ist Inhaberin von „Nähschiff & Nadelflotte“. Das ist nicht nur ein Handarbeitsgeschäft, wie ihr Mann Henri erfahren wird, als Maike auf einer Weide durch einen Stier ums Leben kommt. In seiner Trauer versinkt er fast, bis Edda, die Angestellte, ihn mit ein paar kleinen Tricks für den Laden, die Ware und die Treffen begeistern kann. Nach und nach entdeckt Henri, dass seine Frau nicht nur den Laden erfolgreich geführt hat. Und er ahnt, dass Maike einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist!

Dies ist fast schon ein Paradebeispiel für Cozy Crime! Einfach wunderbar ruhig, aber dennoch spannend und hoch interessant! Dabei geht die Autorin neue Wege. Sie löst den Krimi nicht klassisch auf, sondern überrascht den Leser mit einer ungewöhnlichen Idee. Das hat mich erst erstaunt, dann aber höchst zufrieden zurück gelassen, denn endlich mal läuft es wie im echten Leben.

Das Buch ist so angelegt, dass es der Start einer unterhaltsamen Reihe sein könnte. Dazu passt auch das ungewöhnliche Ende. Da werden wir uns wohl überraschen lassen müssen! Ich fände das prima, wobei dann auch die Möglichkeit gegeben würde, dass in einem späteren Band das Ende dieses Bandes quasi den Schlusspunkt finden könnte.

Die Figuren sind wunderbar gelungen! Jede einzelne ist besonders, außergewöhnlich, wunderbar, schrullig, überraschend. Da läuft man nicht Gefahr, darin jemanden wiederzuerkennen, denn diese Figuren sind eindeutig fiktional. Mir gefällt das sehr! Zusammen sind sie alle Teile eines Puzzles und ergeben ein tolles Bild. Dass Edda von allen als „das Fräulein“ betitelt wird, empfinde ich als charmante Stichelei und so passend zu den Menschen aus Bökersbrück, die so herrlich aus der Zeit gefallen erscheinen.

Mit einer Leichtigkeit, die ihresgleichen sucht, spricht Karla Letterman eine ganze Reihe von Themen an, die der Leser dann schön selbst verdauen darf. Das mag ich, denn ich bilde mir gern selbst eine Meinung und den einen oder anderen Anstoß, über Dinge nachzudenken, nutze ich sehr gern, um aus der Wohlfühlzone herauszukommen. Insofern geht dieses Buch weit über den üblichen Cozy Crime hinaus. Man muss es nur sehen wollen!

Die Sprache, die die Autorin dem Protagonisten gibt, ist erfrischend altmodisch für dessen Alter. Aber sie passt zu seiner beschaulichen Art, seiner Introvertiertheit und der Trauer, die er in sich trägt, aber nicht zeigen will. Die Dorfbewohner lassen ihn sein, wie er ist – welch Wunder! Hier akzeptiert man doch noch Dinge, die anderswo Anlass zu Tratsch und Klatsch bieten. Dennoch findet sich dezent versteckt auch jede Menge Humor!

Perfekt ist dieser Roman nicht, nein, aber ein super Anfang für eine Serie. Ich hoffe jedenfalls auf weitere Fälle für den Häkelclub und gebe für diesen Band vier Sterne.

Oliver Erwin Schönfeld ist die perfekte Wahl für den Sprecher. Für mich hat er Henri perfekt auf den Punkt gebracht. Ich mag diese Stimme und wie er andere Figuren neben Henri spricht.

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Veröffentlicht am 04.09.2022

Wunderbare Karten, großartiges Bildmaterial

KUNTH Weltatlas Der neue Atlas der Welt
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Schon als Kind liebte ich Atlanten sehr. Geographie war nicht so ganz mein Ding (lag aber vermutlich auch deutlich an der Lehrerin), aber die Welt auf Karten zu entdecken war schon damals großartig!

Dieser ...

Schon als Kind liebte ich Atlanten sehr. Geographie war nicht so ganz mein Ding (lag aber vermutlich auch deutlich an der Lehrerin), aber die Welt auf Karten zu entdecken war schon damals großartig!

Dieser Atlas hier ist ein wahrer Traum. Neben den Karten, wie man sie kennt, finden sich im Kapitel „Rekorde der Welt“ auch Bildband-Fotos, die atemberaubend sind. Aber Vorsicht – hier läuft man Gefahr, sich die eine oder andere weiterführende Lektüre zulegen zu wollen!

Es folgt das Länderlexikon, das auch ein Verzeichnis der internationalen Staatennamen enthält. Danach findet sich dann das Register, in dem alle auf den Karten aufgeführten Namen zu finden sind. Und das sind enorm viele – das Register ist satte 78 Seiten stark!

Das große – für Atlanten typische – Format erleichtert die Orientierung. Die Welt entdecken, Länder bereisen in der Fantasie, Reisen planen, Reiseziele aufstöbern – alles kein Problem. Die Texte sind kurz und prägnant, aber dennoch informativ.

Die Maßstäbe sind nicht immer identisch, doch da, wo man „genauer hinsehen“ möchte, ist der Maßstab sehr angenehm. Vorangestellt ist eine Übersicht über die Gebiete und die entsprechenden Karten und Unterkarten, gekennzeichnet in den Farben für die Maßstäbe. Diese sind Grün 1:2,25 Mio, Rot: 1:4,5 Mio und Schwarz: 1:13,5 Mio. Die Meeresbodenkarte und die Detailkarte für Europa sind faszinierend und ein echtes Highlight.

Der Atlas ist absolut hochwertig gestaltet. Das Papier hat eine gute Stärke und übersteht auch häufiges Blättern. Der Druck ist klar und ohne Verschiebungen. Die Farben sind kontrastreich, sodass der Atlas gut zu lesen ist. Ich bin total begeistert von diesem Atlas, von dem ich hoffe, dass die aktuelle Situation nicht so schnell zu einer Neuauflage führen muss.

Ich bin großer Karten-Fan. Möglicherweise bin ich auch deshalb so von diesem Buch begeistert. Ich gebe aus vollem Herzen die vollen fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 02.09.2022

Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag

Lincoln Highway
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Nachdem der 18jährige Emmett Watson aus Salina entlassen wird, will er nur noch nach Hause, die Farm seines verstorbenen Vaters der Bank überschreiben, sein Auto und seinen kleinen Bruder abholen und ein ...

Nachdem der 18jährige Emmett Watson aus Salina entlassen wird, will er nur noch nach Hause, die Farm seines verstorbenen Vaters der Bank überschreiben, sein Auto und seinen kleinen Bruder abholen und ein neues Leben ganz woanders beginnen. Doch Billy will sich auf die Suche nach ihrer Mutter machen, die acht Jahre zuvor verschwunden ist und ihnen neun Tage lang jeweils eine Postkarte geschickt hat. Billy ist sich sicher, sie in Kalifornien zu finden. Doch dann tauchen zwei Freunde aus Salina auf und wollen mit den Jungs nach New York. Und Duchess weiß, wie er seinen Willen durchsetzt – so starten die vier in ein unglaubliches Abenteuer, das jeden einzelnen von ihnen unabhängig voneinander in große Gefahr bringt, aber auch voller wunderbarer Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen ist.

Um es gleich vorweg zu nehmen – dieses Geschichte ist wohl die beste, die ich in den letzten zwanzig Jahren genossen habe! Kein Wunder, dass der Autor daran viele Jahre gearbeitet hat. Diese Liebe und Sorgfalt merkt man dem Ergebnis an. Dennoch ist sie voller Leichtigkeit, auch in schweren Situationen und Momenten. Sie ist voller Liebe, voller Güte, voller Weisheit. Kaum ein Satz ist einfach nur ein Satz oder irgendwie banal. Hier reiht sich ein bemerkenswerter, wunderbarer Satz an den nächsten und dennoch ist das nicht erschlagend oder übertrieben.

Die Figuren sind jede einzelne klar gezeichnet, ohne viele Worte zu verbrauchen. Man weiß sofort, um wen es sich gerade handelt, weil sie alle so klar zu erkennen sind, als stünden sie vor einem. Gerade Duchess macht es einem nicht leicht, seine Eskapaden zu ertragen, aber er schafft es, alles sehr logisch zu erklären und man muss neidlos anerkennen: seine Logik hat was! Sie ist in sich stimmig, obwohl der „Normalo“ nur den Kopf schütteln kann und verzweifelt versucht, Duchess klarzumachen, dass es so einfach nicht geht. Woolly geht einem schnell ans Herz und Billy möchte man direkt adoptieren. Auch Emmett hat seine Fehler, aber sehr viel mehr gute Seiten. Die vier zusammen sind schon der Hit, doch tauchen noch mehr Figuren auf und jede einzelne ist ein Unikat! Auch wenn viele Klischees bemüht werden, ist tatsächlich keine Stelle überzogen. Die Welt und das Geschehen mit Billys Augen zu betrachten macht so reich – und kann trösten und Kraft geben. Der Autor lehrt einen, nie Vorurteile zu fällen und ganz genau hinzusehen.

Die gesamte Sprache ist einzigartig, fast märchenhaft, aber zweifellos beschreibt sie die damalige Zeit und Situation sehr exakt. Trotzdem ist alles auch sehr aktuell, also zeitlos. Amor Towles hat einen interessanten Stil gewählt. Man erfährt aus mehreren Perspektiven die Geschehnisse. So überschneiden sich manchmal die Sichtweisen, wodurch tatsächlich ein klare, fast schon dreidimensionales Bild entsteht. Teils ist die Ichform gewählt, teils wird aus Sicht des jeweiligen Protagonisten erzählt. Noch dazu werden die Kapitel in einem Countdown gezählt, also rückwärts. Alles zusammen ergibt ein Meisterwerk, wie es nur ganz selten auf den Markt kommt. Ein Kleinod, das unter die Haut geht und in der Seele ganz lange nachhallt. Ich habe jedes Wort inhaliert und bin komplett begeistert.

Die Wahl der Sprecher – und dass es drei sind – ist sehr gelungen. Das rundet alles noch mehr ab und holt die Geschichte ins eigene Zuhause.

Ohne Frage: Fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 22.08.2022

Der Untertitel ist schon ein bisschen überheblich!

Hensslers schnelle Nummer 2
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Da mir das erste Buch mit den schnellen Nummern so gut gefallen hat, habe ich mich sehr auf „die Fortsetzung“ gefreut, also einen weiteren Band. Leider wurde die wunderbar gelungene Aufmachung des ersten ...

Da mir das erste Buch mit den schnellen Nummern so gut gefallen hat, habe ich mich sehr auf „die Fortsetzung“ gefreut, also einen weiteren Band. Leider wurde die wunderbar gelungene Aufmachung des ersten Buches nicht übernommen. Dafür gibt es jetzt zu einfach allem einen QR-Code. Sogar das Vorwort entfällt mit der Bemerkung: „Liest eh keiner! Lieber Video gucken!“. Finde ich nun echt nicht so klasse. Immerhin habe ich ein BUCH gewählt, eben weil ich einfach keinen Bock auf Smartphone oder Tablet in der Küche habe. Will ich Videos gucken, kauf ich kein Buch!

Ja, man merkt, besonders happy startet das diesmal nicht. Aber es endet auch nicht so happy. Mag an mir liegen, aber die am Ende des Buches angeblich zu findenden „Lesezeichen für Eure Top-10-Rezepte“ existieren schlicht nicht. Was soll das denn jetzt? Die Werbung für Henssler-Produkte bzw. seinen Shop verzeihe ich – ist ja verständlich, dass man Küchenutensilien und Gewürze von ihm kaufen soll.

Mir fehlen die drei Icons, die die Anzahl der Zutaten (plus Vorrat), die Zubereitungszeit und ob vegetarisch, wirklich. Im neuen Band sind die (maximal) fünf Zutaten regelrecht reißerisch aufgeführt, seitlich dann recht klein (jedenfalls im Vergleich dazu) die Zutaten aus der Vorratskammer. Mittig darunter dann die Zubereitungsschritte, wobei einige Stellen dann hin und wieder wie per Hand unterstrichen sind und es Notizen dazu gibt, z.B. eben „Anleitung im Video“, am QR-Code immer „Henssler macht’s vor!“ und direkt unter den Hauptzutaten ebenfalls „in Handschrift“ die Zubereitungszeit. Das alles soll sicher jung, frisch, dynamisch und modern sein, allerdings kommt es bei mir eher nervig, unruhig, unübersichtlich und negativ an. Positiv ist, dass seitlich eine Art „Fähnchen“ aufgedruckt sind, an denen man gleich die Kategorie erkennt, aus der es stammt: Brot / Salate & Suppen / Fisch & Meeresfrüchte / Gemüse / Fleisch / Pasta / vegan / Desserts. Während am Ende des Buches eine Übersicht der Rezepte nach Zutaten ist, findet man zu Anfang eine Übersicht nach diesen Kategorien – und alle vegetarischen Rezepte sind hier gleich mit einem X gekennzeichnet. Dieses X findet sich dann auch direkt beim Rezept bei/unter dem Namen des Gerichts. In sich also alles schon stimmig, doch mir gefiel die Aufmachung von Band eins einfach besser.

Die Rezepte selbst sind eben schon typisch Henssler. Aber auch hier tauchen „Scherze“ auf, die mir nicht mal ein müdes Grinsen entlocken. Beispiel gefällig? Gut: „Spaghetti aus dem Parmesankorb ohne Parmesankorb“. Na ja. Auch fragt man sich beim einen oder anderen Rezept, was das denn soll – das „Rezept“ für einen Toast Hawaii, mit aufgeschnittenen Erdbeeren verändert erscheint mir schon fast als „Füllstoff“, um die 100 voll zu bekommen. Das vegane Burger-Brötchen hat mich erst mal kurz entsetzt, aber da muss man einfach weiterblättern: hier geht es auf der nächsten Seite weiter. War wohl auch einer der „lustigen“ Gags. Beim Grilled Cheese Sandwich bin ich ein bisschen erstaunt – das mache ich ebenfalls sehr gerne, aber doch deutlich leckerer. Ob man dafür ein Rezept braucht? Ich denke, in Deutschland grillen nicht viele Leute ihren Toast in der Pfanne. Ganz so verkehrt ist da ein Rezept wohl nicht. Nur – es darf leckerer sein. Die meisten Rezepte sind aber wirklich ein Nachkochen wert – sie gehen ja schnell und wirklich ausgefallene Zutaten benötigt man auch nicht. Gut, nicht jeder kauft alle Tage Meeresfrüchte und Lammkoteletts, aber man kann auch nicht behaupten, das wären exotische Zutaten. Deshalb sage ich jetzt mal einfach, dass alles leicht zu bekommen ist. Meine persönlichen Favoriten finden sich erstaunlicher Weise nicht beim Fleisch, sondern bei der Pasta!

Der Arbeitsaufwand hält sich definitiv in Grenzen und selbst, wenn man langsamer als der Hektiker Henssler ist, schafft man alles in sehr kurzer Zeit. Nährwert- und Kalorienangaben findet man nicht. Ausgelegt sind die Rezepte immer für zwei Portionen. Also bei guten Essern für eine Person! Bei jedem Rezept ist auch ein ganzseitiges Foto. Mag ich an sich, hier hätte man alles auch eine Nummer kleiner und damit umweltfreundlicher gestalten können. Die Schrift ist so groß, dass eine Verkleinerung insgesamt nicht wirklich geschadet hätte.

Haptisch wurde auch gearbeitet: der hellbraune Teil des Covers hat die Haptik von einer Korktapete. Muss ich nicht haben, wollte es aber erwähnt haben. Dafür sind die Fotos von Henssler auch diesmal wieder nicht übermäßig viel eingestreut, sondern immer nur beim Start eines neuen Kapitels. Das finde ich prima, denn auch wenn Henssler nicht mein Lieblings-TV-Koch ist und ich ihn oft als nervig und stressig empfinde, ist er doch weniger Selbstdarsteller, als einige seiner Kollegen. Und: Seine Rezepte sind vielleicht nicht alle der Hit, aber doch alltagstauglicher, als viele der Rezepte seiner Kollegen.

Lange Rede, viel Gemecker, da wird es vielleicht ein wenig überraschen, dass dennoch vier Sterne dabei herauskommen. Nun, abzüglich aller Kritikpunkte bleiben die Rezepte ja doch richtig gut. Nein, ich werde im Leben nicht alles nachkochen (vegan geht für mich einfach gar nicht und Tofu verursacht mir Übelkeit), aber das schaffe ich bei gar keinem Kochbuch. Anregungen finde ich dennoch super viele und nicht wenige Rezepte machen mir enorm Appetit. Bisher hat auch jedes Rezept „funktioniert“. Das ist doch eindeutig vier Sterne wert!

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Veröffentlicht am 22.08.2022

Auch der dritte Band ist gelungen – mehr davon!

Bülent Rambichler und der verliebte Bulle
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Mitten im Faschingsausklang hat der Büli Liebeskummer. Grund und Auslöser ist seine Assistentin Astrid. Dass ihm dann auch noch die Funsenederin um den Hals fällt und noch dazu mausetot, das hat ihm grade ...

Mitten im Faschingsausklang hat der Büli Liebeskummer. Grund und Auslöser ist seine Assistentin Astrid. Dass ihm dann auch noch die Funsenederin um den Hals fällt und noch dazu mausetot, das hat ihm grade noch gefehlt. Aber was hilft’s? Der Fall muss aufgeklärt werden und außer ihm ist ja keiner da. Okay, doch, der Franz hilft ihm ja immer und auch der Geiger und die Waldnerzwillinge tun ihr Bestes, um dem Rambichler junior zur Hand zu gehen. Auf die Hilfe seiner Eltern Maria und Erkan würde Bülent allerdings gern verzichten.

Anja Bogner hat einen wunderbaren Humor, den sie ihre Protagonisten vorführen lässt, führt ihre Protagonisten aber niemals vor. Dabei ist alles so unfassbar vorstellbar, so realitätsnah, dass man davon überzeugt ist, das kann gar nicht ausgedacht sein, das muss irgendwo auf der Welt (oder eben in Franken) ganz genau so passiert sein! Diese Autorin hat ihre Mitmenschen ganz genau beobachtet und ihnen in diesem unterhaltsamem Provinzkrimi eine exzellente Bühne bereitet.

Für Neueinsteiger wie für jene, die alle beiden Vorgängerbände bereits gelesen haben, ist das „Who is Who“ auf der vorderen Klappseite ein feines Schmankerl. Auch die letzte Seite ist zum Ausklappen. Hier findet sich ein sehr einfacher, aber cooler Ortsplan von Strunzheim. Gelungen finde ich – neben dem Krimi selbst – auch den Glossar am Ende und davor die „SUNSHINECHEN-TIPPS FÜR GOOD VIBRATIONS“, die natürlich zum Krimi super passen.

Der Krimi selbst ist schlau gemacht mit jeder Menge Verdächtiger und heißer Spuren und natürlich einer ganz cleveren Wendung. Man liest sich fest, man hat Spaß beim Lesen, dennoch bleibt die Spannung nicht auf der Strecke. Nein, man knabbert nicht nervös an den Fingernägeln (gut so!), aber man möchte doch wissen, wie das alles nun zusammenhängt und wie ein Schuh draus wird.

Die Kapitel sind nicht zu lang und lesen sich gut weg. Selbst Nicht-Franken kommen meiner Meinung nach gut mit den eingestreuten Dialekt-Ausdrücken zurecht. Sie geben dem Buch eine besondere Würze und machen charmant deutlich, wo man sich gerade befindet. Die Charaktere sind einfach zauberhaft und wer alle Bücher gelesen hat, sieht auch die Entwicklung jedes einzelnen. Mal stärker, mal weniger stark, aber niemand tritt auf der Stelle. Auch neue Figuren tauchen auf, aber niemals wird man mit zu vielen Personen verwirrt. Die Übersicht bleibt bewahrt, man verliert nie den Faden. Sie bringen gern mal auf den Punkt, was man selbst sich nie so zu sagen trauen würde. Es ist herrlich!

Da alle Fälle in sich abgeschlossen sind, kann man auch „mittendrin“ starten – sie sind aber so unterhaltsam, dass man am besten mit Band eins („Bülent Rambichler und der störrische Karpfen“) beginnt, sich direkt im Anschluss Band zwei („Bülent Rambichler und die fliegende Sau“) gönnt und dann erst Band drei (eben diesen hier, „Bülent Rambichler und der verliebte Bulle“) liest. Es lohnt sich definitiv!

Kurz: Ein toller Provinzkrimi mit Humor, der nicht unter die Gürtellinie geht und niveauvoll bleibt. Ich gebe gern die vollen fünf Sterne!

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