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Veröffentlicht am 19.02.2020

Radio-Rezepte

Was koch' ich heute? Vol. 2
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Die Lieblingsrezepte der Bayern3-Community sind hier in einem liebevollen Kochbuch zusammengetragen. Die Idee gefällt mir – Kochideen von morgens bis abends, Snacks, Vorspeisen, Hauptgerichte, Zwischenmahlzeiten, ...

Die Lieblingsrezepte der Bayern3-Community sind hier in einem liebevollen Kochbuch zusammengetragen. Die Idee gefällt mir – Kochideen von morgens bis abends, Snacks, Vorspeisen, Hauptgerichte, Zwischenmahlzeiten, alles ist hier zu finden. Noch dazu von Normalsterblichen, nicht von Küchengöttern. Das muss ja toll werden!

Leider ist es zwar richtig gut, aber nicht so genial, wie ich dachte. Das liegt zum Teil daran, dass die Gerichte nicht alle wirklich alltagstauglich sind in meinen Augen und für meinen Gaumen. Da haben doch ein paar der Hörer auf Sternekoch gemacht. Schade! Ein ganzes Buch „gemütliches Kochen“ hätte mir sehr gefallen und hatte ich, ehrlich gesagt, hinter dem Titel auch vermutet. Nun denn, der Fehler kann auch bei mir liegen! Dafür finden sich aber auch so zauberhafte Rezepte wie „Schwimmerle-Hochzeitssuppe“. Ganz genau das sind die Perlen, die ich in solchen Sammlungen erwarte und über die ich mich sehr freue.

So richtig schade aber finde ich, dass nicht zu jedem Gericht ein Foto existiert. Ich erwarte gar keine ganzseitigen Präsentationen eines Salates oder sonstigem „kleinen“ Essen. Aber man kann, wie auch ein paar wenige Male im Buch zu finden, mehrere Gerichte auf einem Foto gemeinsam ablichten. Mir ist es einfach wichtig, mir optisch Lust zu holen, ein Gericht nachzukochen. Ich neige dazu, Rezepte ohne Foto einfach zu ignorieren – und das haben sie dann auch nicht verdient.

Lobenswert ist, dass die Rezepte fast völlig ohne „komplizierte“ Zutaten auskommen. Man hat vielleicht nicht alles immer daheim, aber man bekommt alles im normalen Supermarkt. Keine große Suche, kein extremer Schnickschnack.

Ansonsten sind die Rezepte schön gegliedert und übersichtlich gestaltet. Die Erklärungen und Anweisungen sind leicht verständlich und nicht zu ausführlich, aber auch nicht zu knapp. Ich mag die kleinen Tipps in den Kästchen sehr. Dass nicht jedem jedes Rezept zusagt, ist klar, aber bei satten 111 Rezepten findet garantiert jeder ein paar Rezepte, die man ausprobieren möchte und davon werden dann auch wieder ein paar ins feste Repertoire übergehen.

Allein schon der Gemeinschaftsgedanke macht aus diesem Kochbuch etwas Besonderes. Von mir bekommt es vier Sterne.

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Veröffentlicht am 13.02.2020

Leider völlig anders als vom Klappentext erwartet

Waldesgrab
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Leon Bosch ist Koch im idyllisch gelegenen Gasthaus „Quellbach“ im Wald im Harz. Seine Frau ist bei einem tragischen Unfall gestorben. Er und seine Tochter Thea machen das Beste aus ihrem Leben. Dann stolpert ...

Leon Bosch ist Koch im idyllisch gelegenen Gasthaus „Quellbach“ im Wald im Harz. Seine Frau ist bei einem tragischen Unfall gestorben. Er und seine Tochter Thea machen das Beste aus ihrem Leben. Dann stolpert er quasi über eine Frauenleiche. Als wäre das nicht schlimm genug, stellt sich heraus, dass diese Frau kein Herz mehr in der Brust hat, sondern einen Quarzstein. Leon sucht nach dem Mörder, denn weitere solche Leichen tauchen auf und Leon hat allen Grund, vor der Polizei die Wahrheit herauszufinden …

Für meinen Geschmack werden gewisse Szenen einfach zu deutlich und damit blutig beschrieben. Das mag ich nicht sehr. Mir ist das Subtile viel lieber. Andeutungen genügen mir, ich muss nicht jedes Detail vorgekaut bekommen.

Gleichzeitig gibt es im krassen Gegensatz dazu immer mal wieder und zu viele Längen. Das sind dann die Momente, in denen mich die Story verliert und ich eine Wiederholung brauche. Das nervt mich sehr. Das entsteht durch zu lange Ungewissheiten, zu viel nicht Gesagtem, das dann am Ende nicht wirklich so ist, dass ich meine, es hat sich gelohnt, durchzuhalten. Aber auch durch überdetaillierte Beschreibungen von Nebensächlichkeiten. Davon gab es leider echt viele …! Das ist echt schade.

Das Ende – nun, ich bin nicht so begeistert, dass es mir die Story aufwertet und mich nachträglich versöhnt. Ja, es ist ein Paukenschlag, es ist heftig. Mir gefällt es dennoch leider nur marginal. Ein wenig verstört mich auch, dass der Epilog eine erstaunliche Länge aufweist. Immer, wenn ich dachte, jetzt hat Lena Schwarz den Bogen raus, jetzt geht es ab!, fiel der Stil wieder in ein Loch.

Leider kann an all dem auch der geniale Leser/Sprecher der Hörbuchausgabe Frank Stieren nichts mehr ändern. So bleibe ich ratlos zurück und weiß nur, dass mich die Autorin nicht für sich gewinnen konnte. Für die düstere Stimmung und die Ansätze wirklich guter Ideen gebe ich drei Sterne.

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Veröffentlicht am 07.02.2020

Umwerfend anders und einzigartig!

Die Ewigkeit in einem Glas
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Bridie Devine ist eine Witwe, die im London des 19. Jahrhunderts lebt. Sie ist alles andere als Durchschnitt und fällt auf. Aber Bridie geht ihren Weg. Auch dass sie Tote sehen kann, erstaunt sie selbst ...

Bridie Devine ist eine Witwe, die im London des 19. Jahrhunderts lebt. Sie ist alles andere als Durchschnitt und fällt auf. Aber Bridie geht ihren Weg. Auch dass sie Tote sehen kann, erstaunt sie selbst nicht. Dass sie mit leeren Zugsitzen spricht, mutet ihre Mitmenschen zwar seltsam an, aber was schert das Bridie? Als Kind wurde sie verkauft, sie lernte den Umgang mit Leichen und das Sezieren – und ist eine Art weiblicher Sherlock Holmes. So wird sie gern engagiert, wenn es Verbrechen zu lösen gibt. So auch ihr neuer Auftrag – ein Kind wurde gestohlen (ja, gestohlen, nicht entführt). Doch warum will der Vater keinesfalls die Polizei informieren? Und warum wurde das Kind bisher versteckt? Bridie findet Seltsames heraus und erkennt, dass Christabel in sehr großer Gefahr schwebt, denn Bridies größter Widersacher ist ebenfalls hinter dem Mädchen her …

Es ist erstaunlich, wie sich Jess Kidd treu bleibt, aber dennoch immer wieder neu erfindet! Sie lässt in ihren Büchern den Toten Raum, gibt ihnen eine Stimme und eine wichtige Rolle, ohne dass es insgesamt total mystisch wird. Die Zeit, in denen ihr neuestes Werk spielt, macht das vielleicht ein bisschen einfacher, aber all die außergewöhnlichen Figuren, die Außenseiter, die Schurken, die unwirklichen Wesen – sie ergeben ein wunderbares Bild, eine zauberhafte Szene, die man so erst mal hinbekommen muss.

Im Grunde finden sich keine Fantasiewesen im Buch. Aber wieso ich das behaupte, muss jeder selbst herausfinden. Ich bin noch immer total fasziniert von den "lebenden“ Tätowierungen auf Rubys Haut. Ich weiß, das kenne ich von irgendwoher, aber mir fällt nicht mehr ein, woher. Dennoch ist es kein Abklatsch, einfach nur ein schönes Element von vielen, die dieses Buch so außergewöhnlich machen. Die beiden Zeitstränge ergeben am Ende ein in sich rundes, stimmiges Gesamtbild, das logisch aufgebaut wurde.

Leicht weglesen kann man Die Bücher von Jess Kidd nicht wirklich. Sie baut Satzkonstruktionen, die Kunstwerke für sich sind. Dadurch entstehen quasi Wortgemälde – und man möchte sie länger ansehen, nicht flüchtig daran vorbeigehen. Wie viele Sätze in diesem Buch habe ich mehrfach gelesen, weil sie so herrlich bildhaft waren und urkomisch und doch so wahr! Mir war es ab und an fast schon egal, was nun mit Christabel ist, Hauptsache ich darf noch mehr solche Sätze lesen! Aber das heißt nicht, dass Bridies Ermittlungsarbeit und die Einschübe mit ihrer eigenen Vergangenheit nicht interessant und auch spannend wären! Im Gegenteil – dies und das noch in Verbindung mit der Zeit, in der das Buch spielt, ist fesselnd und spannend. Aber diese Autorin bewirkt eben insgesamt so viel mehr, als nur eine spannende Story zu weben!

Für mich ist dies die endgültige Bestätigung, dass ich auch das nächste Buch verschlingen werde. Mag sein, dass ich mich immer mehr an den Stil gewöhne, aber ich behaupte auch, dass Jess Kidd mit jedem Buch noch besser wird. Sie macht Lesen wieder zu einem ganz besonderen Erlebnis, kommt mit neuen Ideen um die Ecke und wirft alles, das man kennt, über den Haufen.

Wer sich fallen lassen kann, wer Freude an originellen Ideen hat, wer es mag, wenn Tote als Geister mitmischen und wer das eine oder andere Element aus der Fantasiewelt als kleine Würze akzeptieren kann, wird dieses Buch lieben. Ich bin ganz und gar kein Fantasy-Leser, aber „Die Ewigkeit in einem Glas“ ist zwar skurril, aber nicht ganz aus dieser Welt, sodass ich es genial finde und mit fünf Sternen „kröne“!

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Veröffentlicht am 02.02.2020

Kuchentratsch

Von Oma mit Liebe
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Da guckt man schon kaum TV und bleibt dann ausgerechnet bei „Die Höhle der Löwen“ hängen. So ganz verstehe ich das Konzept der Sendung ja nicht, aber die Idee, Senioren mit dem Backen von Kuchen und Torten ...

Da guckt man schon kaum TV und bleibt dann ausgerechnet bei „Die Höhle der Löwen“ hängen. So ganz verstehe ich das Konzept der Sendung ja nicht, aber die Idee, Senioren mit dem Backen von Kuchen und Torten quasi zu beschäftigen und aktiv am Leben teilhaben zu lassen, sie aus den eigenen vier Wänden herauszuholen, finde ich einfach genial. Und was liegt denn überhaupt näher, als Kaffee und Kuchen – aber nicht nur einfach essen, sondern MACHEN! Das war doch schon längst überfällig, oder?

Auch in meiner persönlichen Lieblingsrezepte-Sammlung finden sich ganz viele von meiner Oma. Klar, dass mich die besten Rezepte der anderen Omas (und wunderbarer Weise auch Opas) sehr ansprechen. Und siehe da – es finden sich auch glatt zwei, drei Rezepte, die ich so ähnlich tatsächlich selbst backe. Bei mir sind die Rezepte auch aus der vorletzten Generation (nicht nur aus meiner Familie). Es ist eine unumstößliche Tatsache – die Omas backen super lecker!

Mir gefällt sehr gut, dass es von allen Beteiligten eine kleine Zeichnung im Vorsatz gibt und das Buch auch ein fröhliches Gruppenfoto enthält. Das bringt dem Leser die Personen besonders nahe und macht für mich die Rezepte noch persönlicher.

Nach dem Vorwort und den Funfacts über KUCHENTRATSCH folgen die Unterteilungen „Kleine Leckerbissen“, „Lieblingskuchen für jeden Tag“, „Torten für jeden Anlass“, „Trendig und aus aller Welt“. Natürlich findet man auch ein Register und ein Impressum.

Die Rezepte sind alle wunderbar übersichtlich gestaltet und sehr gut erklärt. Man hat beim Lesen das Gefühl, da hat wirklich die eigene Oma mit viel Geduld das Rezept notiert, damit wir es genau so hinbekommen, wie es bei ihr wird. Wunderbar! Ganz links ist immer die Zutatenliste, daneben die genaue Anweisung und sehr häufig findet sich unten noch ein besonderer Tipp der Oma, deren Rezept das ist. Ganz wichtig ist mir, dass ich immer sehe, von welcher Oma das Rezept ist, welche Menge es ergibt und wie lange es dauert. Ich mag es gern, wenn ich ein Gesicht zum Rezept habe. Ein kleiner Tick und sicher nicht jedem wichtig, für mich schon. Aus dem selben Grund liebe ich es, wenn es ein aussagekräftiges, schönes (aber ungeschöntes, bitte) Bild vom Endergebnis gibt. Mir persönlich fällt es dann einfach leichter, wenn ich sehe, was ich am Ende haben sollte. Das Nacharbeiten ist eine Freude, denn es klappt alles so, als stünde die Oma daneben und würde helfen. Die Mischung aus einfachen und anspruchsvollen Rezepten gefällt mir sehr.

Zwischendurch finden sich ein paar detailliertere und bebilderte Anleitungen, z.B. für Mürbeteig. Ganz besonders schön finde ich die vier Portraits, ja, quasi schon Interviews mit zwei Omas und zwei Opas aus dem KUCHENTRATSCH. Da hätte ich gern noch viel mehr gelesen! Wunderbar!

Dieses Backbuch nimmt in meiner umfangreichen Sammlung einen ganz besonderen Platz ein und ich hoffe, es folgen noch mehr Bände! Eine der herrlichen Backmützen von Oma Edith würde ich glatt auch gern kaufen! Ganz klar – fünf Sterne für die Idee, die Umsetzung und das gelungene Buch!

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Veröffentlicht am 01.02.2020

Der Kampf der Austernzüchter ums Überleben

Winteraustern
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In Frankreich gehören die Austern zu Weihnachten, wie bei uns die Weihnachtsgans. Deshalb ist im Winter Hochsaison für die Austernzüchter. Doch auch für die Austerndiebe. Luc Verlain möchte mit seinem ...

In Frankreich gehören die Austern zu Weihnachten, wie bei uns die Weihnachtsgans. Deshalb ist im Winter Hochsaison für die Austernzüchter. Doch auch für die Austerndiebe. Luc Verlain möchte mit seinem totkranken Vater eine vermutlich letzte schöne Bootsfahrt unternehmen und sich mit ihm an alte Zeiten erinnern. Da erreicht sie ein Notruf eines Austernzüchters und sie eilen zu ihm – er ist sowohl kurz vor dem Ertrinken, als auch dem Erfrieren. Wie kommt er nur auf diese Sandbank? Noch schlimmer und seltsamer wird es, als Luc auch noch zwei an Pfähle gefundene Leichen findet. Lucs Vater Alain kann sie alle identifizieren. Doch das macht den Fall noch mysteriöser. Waren die beiden etwa Austerndiebe?

Luc Verlain ist der ruhige, in sich gekehrte und in meinen Augen sehr gefühlvolle Kommissar wie auch in den vorherigen Fällen. Diesmal erfährt der Leser etwas mehr über sein Privatleben und genau das wird so hochinteressant, dass der Cliffhanger am Ende schon eine kleine Frechheit ist! Die immer neuen Erkenntnisse führen zu Wendungen, die überraschen können, aber auch schlüssig sind. Bis ganz zum Schluss gibt es eine große Anzahl Verdächtiger, aber der wahre Täter ist dann – zumindest für mich – eine Überraschung.

Diesmal erfährt man eine ganze Menge über Austern und auch, dass man sie nicht einfach nur mit Zitrone beträufelt schlürfen kann, sondern ganz raffinierte Zubereitungen möglich sind. Vielleicht möchte ich es doch noch mal mit diesen Meeresfrüchten probieren – aber wenn, dann nur aus dieser Region! Gekonnt bringt Oetker hier die Verschmutzung der Meere, der Klimawandel und die damit einhergehende Erwärmung der Erde und der Gewässer und die Globalisierung in die Story ein. Da wird einem bewusst, dass wirklich alles davon betroffen ist und es noch lange Folgen haben wird.

Ebenso sind Krankheiten und Tod ein Thema und auch, dass in vielen Gegenden ein angepasstes Leben wichtig ist und Anderssein ein Problem. Das alles hat der Autor zu einem wunderbaren Wohlfühlkrimi mit viel Lokalkolorit zusammengestellt. Frank Arnold verleiht Luc Verlain Seele und Stimme und das so gekonnt, dass man sehr gerne zuhört. Mir hat nicht zuletzt dank ihm auch dieser Band der Reihe wieder sehr gut gefallen und ich gebe die vollen fünf Sterne. Band vier kann ich kaum erwarten, denn die neuesten Entwicklungen am Ende des Buches versprechen sehr viel!

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