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Veröffentlicht am 06.02.2026

Starkes Thema, aber verschenktes Potenzial

Cheer for Love
4

Ella erfüllt sich einen großen Traum: Für ein Jahr darf sie nach Nashville gehen, um an der Whitland University Teil eines renommierten Cheer Squads zu werden. Dort will sie gemeinsam mit anderen außergewöhnlich ...

Ella erfüllt sich einen großen Traum: Für ein Jahr darf sie nach Nashville gehen, um an der Whitland University Teil eines renommierten Cheer Squads zu werden. Dort will sie gemeinsam mit anderen außergewöhnlich talentierten Sportler*innen trainieren, ihre Fähigkeiten verbessern und ihr Können auf ein völlig neues Niveau heben.
Eigentlich sollte diese Reise ein gemeinsamer Neuanfang mit ihrem langjährigen Freund Jamie werden, doch kurz vor der Abreise trennt er sich von ihr. In Nashville angekommen, lässt sich Ella in ihrer ersten Nacht daher auf einen anziehenden Fremden ein, um sich abzulenken. Am nächsten Morgen stellt sich jedoch heraus, dass es sich ausgerechnet um Hudson Fox handelt, den gefeierten Quarterback der Whitland University, der für seine unverbindlichen Beziehungen bekannt ist.
Ablenkung in Form von Hudson kann Ella eigentlich überhaupt nicht gebrauchen, wenn sie ihren Traum nicht gefährden will. Doch zwischen den beiden entwickelt sich eine Anziehung, der sie sich nur schwer entziehen kann.

Ich habe „Cheer for Love“ von Ki Stephans recht zügig beendet und muss sagen, dass ich im Nachhinein etwas zwiespältig auf das Buch zurückblicke. Es gibt einige Aspekte, die mir wirklich gut gefallen haben, aber leider auch einige Punkte, die für mich nicht ganz rund waren.

Zuallererst möchte ich das Cheerleading-Thema hervorheben. Ich selbst habe keine besonders große Ahnung von der Materie, weshalb mir viele Fachbegriffe fremd waren und ich mir manche Abläufe nicht immer konkret vorstellen konnte. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass der Sport sehr detailreich, facettenreich und vermutlich auch realistisch dargestellt wird. Gerade im Vergleich zu vielen anderen Büchern, Filmen oder Serien, in denen Cheerleading oft sehr klischeehaft und eindimensional inszeniert wird – mit Zickenkrieg, Oberflächlichkeiten und stereotypen Rollenbildern –, hebt sich „Cheer for Love“ positiv ab. Der Fokus liegt klar auf dem sportlichen Anspruch, auf Training, Disziplin, Teamgeist und Leistungsdruck, und geht damit weit über gängige Stereotypen hinaus.

Besonders gefallen hat mir auch, wie selbstverständlich männliche Cheerleader Teil des Teams sind. Hudson und die anderen männlichen Nebencharaktere werden ohne Vorurteile oder Rechtfertigungen in den Sport integriert, was sehr modern und realitätsnah wirkt. Genau so stelle ich mir die tatsächliche Vielfalt dieses Sports vor, und das war für mich einer der stärksten Aspekte des Buches.

Der Schreibstil von Ki Stephans ist angenehm flüssig und leicht zu lesen, wodurch ich schnell durch die Seiten gekommen bin. Die Atmosphäre am College und in Nashville wurde lebendig eingefangen, vor allem während der Trainings- und Wettkampfszenen. Man spürt Ehrgeiz, Nervosität und den inneren Druck, den Ella sich selbst macht, um ihren Traum nicht zu gefährden.

Ella als Protagonistin mochte ich insgesamt ganz gern. Ihr Ehrgeiz, ihr Wunsch nach Weiterentwicklung und ihre Unsicherheiten nach der Trennung wirkten für mich authentisch.
Auch Hudson war mir grundsätzlich sympathisch, gerade weil er nicht nur als typischer Sportler dargestellt wird, sondern auch verletzliche und nachdenkliche Seiten zeigt. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass seine persönlichen Hintergründe und Probleme relativ schnell abgehandelt wurden. Die Themen, die ihn innerlich beschäftigen, hätten für mich deutlich mehr Raum verdient, da sie viel emotionales Potenzial gehabt hätten. So blieben sie eher angerissen als wirklich vertieft, was seiner Figur etwas an Tiefe genommen hat.

Die Beziehung zwischen Ella und Hudson empfand ich stellenweise als anstrengend. Das ständige Hin und Her, das Nicht-Aussprechen offensichtlicher Gefühle und das wiederholte Zögern haben mich mehr als einmal die Augen verdrehen lassen. Gerade weil ihre Verbindung grundsätzlich funktioniert, wirkte dieses künstliche Aufbauschen von Konflikten für mich unnötig. Auch bestimmte Reaktionen und Entscheidungen konnte ich nicht immer nachvollziehen, da sie mir stellenweise konstruiert erschienen.

Was mich am Ende jedoch am meisten gestört hat, war das Gefühl, dass einige angedeutete Handlungsstränge nicht wirklich zu Ende geführt wurden. Es gibt verschiedene Figuren, Konflikte und Situationen, bei denen bewusst Spannung aufgebaut wird, ohne dass diese Punkte später ausreichend aufgegriffen oder abgeschlossen werden. Dabei bleibe ich bewusst allgemein, da ich nicht spoilern möchte, aber insgesamt wirkte das Erzählen an manchen Stellen zu hastig, als würde man weiterziehen, obwohl noch Raum für Vertiefung gewesen wäre. Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass das Buch mehr andeutet, als es letztlich auflöst.

Gerade deshalb habe ich zwischendurch angenommen, dass „Cheer for Love“ vielleicht als Auftakt zu einer Reihe gedacht ist. In diesem Kontext würden viele dieser offenen Elemente für mich durchaus Sinn ergeben. Als derzeit angekündigter Einzelband hinterlassen sie jedoch eher ein leicht unfertiges Gefühl, statt eines vollständig runden Abschlusses.

Fazit

Insgesamt hat „Cheer for Love“ von Ki Stephans bei mir einen gemischten Eindruck hinterlassen. Das Buch punktet vor allem mit seinem starken, realistisch dargestellten Cheerleading-Thema, das sich angenehm von vielen klischeehaften College-Romances abhebt. Genau dieser sportliche Fokus ist für mich die größte Stärke der Geschichte.
Gleichzeitig bleibt vieles hinter seinen Möglichkeiten zurück. Charaktere, Konflikte und emotionale Hintergründe werden zwar angerissen, aber selten wirklich vertieft. Auch die Beziehung zwischen Ella und Hudson verliert durch das ständige Hin und Her und das teils konstruiert wirkende Drama an Wirkung. Am Ende bleibt für mich das Gefühl, dass das Buch viel Potenzial hat, dieses aber nicht konsequent ausschöpft.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

tiefe Abgründe und dunkle Geheimnisse

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
0

Cecilia arbeitet als Housesitterin und hält sich mit wechselnden Aufträgen gerade so über Wasser. Als sie die Möglichkeit bekommt, auf die Häuser der wohlhabenden Familie Waldner aufzupassen, scheint sich ...

Cecilia arbeitet als Housesitterin und hält sich mit wechselnden Aufträgen gerade so über Wasser. Als sie die Möglichkeit bekommt, auf die Häuser der wohlhabenden Familie Waldner aufzupassen, scheint sich ihr Leben zum Besseren zu wenden: protzige Anwesen, luxuriöse Einrichtung, teure Kleidung und vor allem Johannes Waldner, zu dem Cecilia sich schnell hingezogen fühlt und mit dem sie eine intensive Beziehung eingeht.
Als sie schließlich den Auftrag erhält, auf die abgelegene Villa der Familie auf einer kleinen Ostseeinsel aufzupassen, fernab von der Zivilisation, glaubt Cecilia, ihre große Chance gefunden zu haben, ihr Leben wieder in Ordnung zu bringen. Sie lädt ihre Freunde sowie Johannes auf die Insel ein, damit sich die wichtigsten Menschen in ihrem Leben endlich kennenlernen. Doch kaum sind alle angekommen, wird schnell deutlich, dass niemand zufällig hier ist. Jeder verfolgt eigene Pläne, unausgesprochene Konflikte kommen ans Licht – und hinter der scheinbaren Idylle verbergen sich tiefe Geheimnisse und dunkle Abgründe.

Ich bin mit einer gewissen Erwartung an „Die Housesitterin“ von Emily Rudolf herangegangen, da es als Thriller vermarktet wird und das Grundszenario viel Potenzial für psychologische Spannung bietet. Nach dem Lesen muss ich jedoch sagen: Für mich ist das Buch weniger ein klassischer Thriller, sondern vielmehr ein Roman mit deutlichen New-Adult-Elementen und Suspense. Das lag unter anderem an den expliziteren Sexszenen, die für mein Empfinden stark an das New-Adult-Genre erinnerten. Insgesamt waren diese Szenen für mich okay – sie haben den Lesefluss nicht gestört, aber dem Buch auch keinen echten Mehrwert gegeben.

Der Schreibstil ist grundsätzlich flüssig und gut lesbar. Emily Rudolf erzählt die Geschichte aus wechselnden Perspektiven, was zunächst interessant wirkt, da man Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelten mehrerer Figuren erhält. Allerdings hatte ich stellenweise das Gefühl, weniger eine Geschichte mitzuerleben, als vielmehr einer Aneinanderreihung von Berichten zu folgen. Vieles wird erklärt, beschrieben und reflektiert, statt wirklich erzählerisch ausgekostet zu werden. Dadurch blieb ich emotional eher auf Distanz. Ich habe das Geschehen mehr wie eine äußere Beobachterin verfolgt, recht nüchtern und ohne eine starke Bindung zu den Figuren aufzubauen.

Die Atmosphäre ist durchgehend angespannt, aber eher subtil als wirklich bedrohlich. Es gibt eine unterschwellige Unruhe, ein Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Allerdings fehlte mir oft die Zuspitzung.
Die Hintergründe der Charaktere werden nach und nach durch Rückblenden und Perspektivwechsel offengelegt. Diese Einblicke sind grundsätzlich spannend und sinnvoll platziert, wirken jedoch häufig wie nachträgliche Nacherzählungen. Mir wurden an einigen Stellen Informationen zu schnell geliefert; Geheimnisse wurden relativ früh erklärt und eingeordnet, sodass wenig Raum für eigene Spekulationen blieb.

Besonders interessant fand ich, wie unterschiedlich die Figuren denken und handeln. Jeder ist sich seiner Wahrnehmung sicher, jeder zieht eigene Schlüsse und verfolgt seine persönlichen Gedankengänge. Das Mitverfolgen dieser parallelen Erkenntnisprozesse hatte definitiv seinen Reiz. Gleichzeitig führte genau das dazu, dass mir die großen Überraschungen fehlten. Ich habe während des Lesens ständig mitgerätselt und auf den einen krassen Twist oder die unerwartete Wendung gewartet. Doch diese kam für mich nicht wirklich. Am Ende entwickelte sich vieles so, wie ich es bereits vermutet hatte. Die Auflösung war stimmig, aber für mich leider vorhersehbar.

Fazit

Trotz dieser Kritikpunkte muss ich sagen, dass mich das Buch insgesamt gut unterhalten hat. Ich wollte wissen, wie es weitergeht, bin gespannt drangeblieben und habe es zügig gelesen. Es ist kein schlechtes Buch, aber für mich auch kein herausragendes. Wahrscheinlich wird es mir nicht lange im Gedächtnis bleiben und ich werde im Nachhinein nicht viel darüber nachdenken. Es war ein solider, eher spannungsarmer Suspense-Roman mit New-Adult-Anleihen – angenehm zu lesen, aber ohne nachhaltigen Eindruck.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Herzklopfen, Tiefgang und britische Eleganz

Knightsbridge United
1

In "Knightsbridge United – Sidelined" von Marina Neumeier begleiten wir Rosie Chapman, die ihrem Traum ein gutes Stück nähergekommen ist: Sie arbeitet als Journalistin für ein bekanntes Boulevardmagazin. ...

In "Knightsbridge United – Sidelined" von Marina Neumeier begleiten wir Rosie Chapman, die ihrem Traum ein gutes Stück nähergekommen ist: Sie arbeitet als Journalistin für ein bekanntes Boulevardmagazin. Doch statt spannender Recherchen landet sie dort schnell auf dem Abstellgleis, wird belächelt und kaum ernst genommen. Eine unerwartete Begegnung auf einer Charity-Veranstaltung verändert jedoch alles. Lady Richmond, eine geheimnisvolle Gräfin, die seit Jahren über ihre geplatzte Hochzeit mit dem König von England schweigt, lädt Rosie auf ihr Anwesen in North Yorkshire ein. Dort erhält Rosie exklusiven Zugang zu Lady Richmonds Charity-Projekt – und die Aussicht auf ein Interview, das ihre Karriere verändern könnte.
Was Rosie jedoch nicht ahnt, auf dem Anwesen ist auch Trenton, Lady Richmonds Neffe. Fußballstar, Captain, verletzt, frustriert – und mit einer ausgeprägten Abneigung gegen JournalistInnen. Zwischen schlechter Laune, Wortgefechten und unausgesprochenen Verletzungen fliegen schnell nicht nur die Fetzen, sondern auch die Funken.

Ich bin unglaublich schnell wieder in die Geschichte hineingekommen. Das lag nicht nur daran, dass Marina Neumeiers Schreibstil nach Band 1 sofort wieder vertraut war, sondern auch daran, wie mühelos sie mich zurück in die Welt von „Knightsbridge United“ geholt hat. Schon nach wenigen Seiten hatte ich dieses „Nach-Hause-kommen“-Gefühl, das man nur bei Reihen hat, die man wirklich liebt. Band 1 mochte ich sehr, und genau deshalb habe ich mich riesig gefreut, erneut in dieses Universum einzutauchen und wurde absolut nicht enttäuscht.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig, modern und an den richtigen Stellen emotional. Besonders gefallen hat mir, wie fein Marina Neumeier innere Konflikte zeichnet.
Rosies Gedankenwelt wirkt authentisch und nahbar: ihre Unsicherheit im Job, der Wunsch, endlich ernst genommen zu werden, ihr unerschütterlicher Ehrgeiz und zugleich der moralische Zwiespalt, in dem sie sich immer wieder befindet. Ich habe mich ihr sehr verbunden gefühlt, gerade weil sie mit all ihren Zweifeln und Widerständen so glaubwürdig und echt dargestellt wird.

Die Atmosphäre des Romans hat mich komplett abgeholt. Der Kontrast zwischen dem hektischen Londoner Boulevardjournalismus und der ruhigen, fast abgeschiedenen Kulisse des Anwesens in North Yorkshire ist wunderbar gelungen. Ich konnte mir die Landschaft, das Herrenhaus, die Charity-Veranstaltungen und diese ganz eigene, leicht aristokratische Stimmung lebhaft vorstellen. Es schwingt ständig etwas Geheimnisvolles mit – vor allem durch Lady Richmond, die für mich zu den spannendsten und zugleich sympathischsten Nebenfiguren zählt. Ihre herzliche, warme Art hat sie mir sofort nahegebracht, während ihre Vergangenheit neugierig macht und berührt. Ihre Geschichte ist gleichermaßen spannend wie emotional und verleiht dem gesamten Roman eine zusätzliche Tiefe.

Trenton ist ein typischer Love-Interest, aber im besten Sinne. Ja, er ist grumpy, verletzt, verschlossen, aber auch seine innere Zerrissenheit wirkt glaubwürdig. Seine Knieverletzung ist nicht nur ein äußeres Hindernis, sondern trifft ihn im Kern seiner Identität als Profisportler. Besonders mochte ich, dass sein Hass auf JournalistInnen nicht einfach nur ein Klischee bleibt, sondern nachvollziehbar begründet wird.
Die Dynamik zwischen ihm und Rosie lebt von scharfem Schlagabtausch, unterschwelliger Spannung und diesen kleinen Momenten, in denen man merkt, dass hinter der Fassade viel mehr steckt. Die Entwicklung ihrer Beziehung fühlt sich für mich organisch an, nicht überhastet, und genau das hat mich emotional sehr abgeholt.

Auch die Handlung insgesamt empfand ich als ausgewogen. Neben der Liebesgeschichte spielt Rosies beruflicher Weg eine zentrale Rolle und das fand ich richtig stark. Es geht um Selbstbehauptung, um Integrität im Journalismus, um die Frage, wie weit man für Erfolg gehen darf und will. Diese Themen geben dem Roman Gewicht und machen ihn für mich besonders.

Fazit

Für mich ist „Knightsbridge United – Sidelined“ von Marina Neumeier eine gelungene Fortsetzung, die mit Atmosphäre, starken Charakteren und emotionaler Tiefe überzeugt. Ich habe mitgefiebert, mitgelitten, geschmunzelt und mich immer wieder dabei ertappt, „nur noch ein Kapitel“ lesen zu wollen.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

eine wunderschöne Atmosphäre

Winterglück im Café am Meer
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Helena wächst auf Norderney auf, eng verbunden mit ihren besten Freundinnen Fenja und Mara. Ein Schwur mit Muschelketten besiegelt ihre Freundschaft, doch kurz darauf reißt ein Umzug aufs Festland sie ...

Helena wächst auf Norderney auf, eng verbunden mit ihren besten Freundinnen Fenja und Mara. Ein Schwur mit Muschelketten besiegelt ihre Freundschaft, doch kurz darauf reißt ein Umzug aufs Festland sie aus ihrer vertrauten Welt.
Jahre später lebt Helena in Kassel und steht kurz davor, sich ihren Traum vom eigenen Café zu erfüllen. Doch als eine ihrer Freundinnen auf Norderney Hilfe braucht, kehrt sie zurück auf die Insel und begegnet dort nicht nur ihrer Vergangenheit, sondern auch Jannik, Fenjas Bruder, der alte Gefühle wieder aufleben lässt.
Während Helena zwischen Zukunft und Herkunft steht, entfaltet sich parallel ein Erzählstrang in der Vergangenheit über die Frauen ihrer Familie – Gretchen, Lene und Imke –, deren Geschichten eng mit der Insel verwoben sind.

Ich habe "Winterglück im Café am Meer" von Christin-Marie Below als ein ruhiges, warmes Wohlfühlbuch erlebt, das mich vor allem atmosphärisch sehr abgeholt hat. Schon nach wenigen Minuten hatte ich das Gefühl, selbst durch die winterlichen Straßen von Norderney zu laufen. Die Autorin beschreibt die Insel so bildlich, dass ich förmlich den Wind hören und das Salz in der Luft schmecken konnte. Gerade diese Nordsee-Atmosphäre ist für mich das große Herzstück der Geschichte. Der Schreibstil transportiert Stimmungen und Gefühle sehr direkt. Ich konnte Helenas Zerrissenheit zwischen Traum und Heimat gut nachvollziehen.

Besonders mochte ich die Freundschaft zwischen Helena, Fenja und Mara. Diese lebenslange Verbundenheit fühlt sich echt an, nicht kitschig, sondern getragen von gemeinsamen Erinnerungen und kleinen Gesten.
Auch Helenas Wunsch nach einem eigenen Café hat für mich gut funktioniert – ihre Leidenschaft fürs Backen gibt ihr eine greifbare Identität. Als sie nach Norderney zurückkehrt, entsteht eine schöne Mischung aus Nostalgie, Hoffnung und unterschwelliger Melancholie.
Die Begegnungen mit Jannik bringen eine leise romantische Spannung hinein, ohne die Geschichte komplett zu dominieren. Es geht mehr um Zugehörigkeit als um reine Liebesdramatik, und das fand ich angenehm.

Der zweite Zeitebenenstrang rund um Gretchen, Lene und Imke hat mich ebenfalls interessiert. Ich liebe grundsätzlich Familiengeschichten, in denen sich Generationen spiegeln. Allerdings ist das auch der Punkt, an dem ich mir mehr Raum gewünscht hätte.
Das Buch ist insgesamt recht kurz, und ich habe stellenweise deutlich gemerkt, dass der Geschichte etwas mehr Länge gutgetan hätte. Manche Entwicklungen gingen mir zu schnell, einige emotionale Wendungen wirkten etwas abrupt. Besonders die Vergangenheit blieb für mein Empfinden zu offen. Es werden Themen angerissen, die großes Potenzial haben, aber nicht wirklich in der Gegenwart aufgelöst werden.
Das Ende kam für mich daher sehr plötzlich. Ich saß da und dachte: Das war’s schon? Es fühlte sich eher wie ein Zwischenstopp als wie ein Abschluss an.
Gleichzeitig weiß ich, dass noch ein weiterer Band geplant ist, und das relativiert meinen Eindruck etwas. Vermutlich ist vieles bewusst offengehalten, um später weitergeführt zu werden. Trotzdem hätte ich mir zumindest für diesen Teil einen runderen emotionalen Abschluss gewünscht.

Fazit

Alles in allem fand ich das Buch „ganz nett“ im besten Sinne eines gemütlichen Winterromans.
Es ist keine hochdramatische Geschichte, sondern eine sanfte, stimmungsvolle Reise zurück zu Freundschaft, Herkunft und alten Gefühlen. Die traumhafte Norderney-Atmosphäre hat mich komplett eingenommen, und der bildhafte Schreibstil hat diese Stimmung wunderbar getragen.
Mit etwas mehr Tiefe und erzählerischem Raum hätte mich die Geschichte noch stärker packen können. So bleibt sie für mich ein schönes, aber etwas zu kurzes Inselintermezzo, das neugierig auf die Fortsetzung macht.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

wenig fesselnd und spannend

Minnesota
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In "Minnesota" erzählt Jo Nesbø eine Geschichte auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 2022 berichtet ein Schriftsteller in der Ich-Form davon, wie er versucht, Mordfälle aus dem Jahr 2016 zu rekonstruieren. Damals ...

In "Minnesota" erzählt Jo Nesbø eine Geschichte auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 2022 berichtet ein Schriftsteller in der Ich-Form davon, wie er versucht, Mordfälle aus dem Jahr 2016 zu rekonstruieren. Damals ermittelte der Polizist Bob Oz in Minnesota in mehreren brutalen Mordfällen, eingebettet in ein gesellschaftlich und politisch extrem angespanntes Klima.
Die Ereignisse von 2016 werden aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert, während die Erzählebene von 2022 eine rückblickende, kommentierende Funktion einnehmen soll.

Ich muss sagen: "Minnesota" von Jo Nesbø konnte mich leider gar nicht abholen.
Schon der Einstieg war für mich eine echte Zumutung. Über viele Seiten hinweg war ich völlig orientierungslos: Wer erzählt gerade? In welchem Jahr befinde ich mich?
Statt Neugier oder Spannung zu erzeugen, hat mich der Roman von Anfang an eher verwirrt.

Die doppelte Erzählebene hätte interessant sein können, empfand ich letztlich jedoch eher als unnötig kompliziert und schlecht austariert. Besonders der Strang von 2022 hat sich für mich nie wirklich erschlossen. Auch nach dem Ende des Buches habe ich nicht verstanden, welchen echten Beitrag diese Erzählebene leisten sollte. Dass dieser Erzählstrang gegen Ende fast vollständig verschwindet, bestätigt für mich eher, wie überflüssig er letztlich ist.

Noch problematischer fand ich jedoch das Erzähltempo. Die Geschichte zieht sich für mich quälend langsam dahin. Bis weit ins letzte Drittel hinein hatte ich das Gefühl, dass kaum etwas passiert, das wirklich relevant oder spannend wäre. Viele Passagen wirken aufgebläht, redundant und ermüdend. Statt Spannung aufzubauen, verliert sich der Roman immer wieder in Perspektivwechseln und Nebenfiguren, die kaum im Gedächtnis bleiben. Ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem ich mich so sehr zum Weiterlesen zwingen musste.
Die wenigen spannenden Momente am Ende kommen viel zu spät und können den zuvor entstandenen Eindruck von Langatmigkeit für mich nicht mehr retten.

Ein großes Problem war für mich zudem die Hauptfigur Bob Oz.
Ja, er ist ein Antiheld: alkoholkrank, aggressiv, respektlos, traumatisiert und vollkommen regelresistent. An sich ist das nichts Neues – problematisch wird es dort, wo diese Eigenschaften nicht mehr kritisch reflektiert, sondern fast schon routiniert abgespult werden. Bob Oz war mir von Anfang an unsympathisch, und das änderte sich im Laufe des Romans kein bisschen. Sein Verhalten gegenüber anderen und insbesondere gegenüber Frauen empfand ich als unangenehm und teilweise auch altmodisch. Dass seine Vergangenheit als Erklärung herangezogen wird, reicht mir nicht aus.
Für mich bleibt er eine Figur, zu der ich keinerlei Beziehung aufbauen konnte und ohne diese emotionale Bindung fehlt mir schlicht die Motivation, ihm über mehrere hundert Seiten zu folgen.

Stilistisch war das Buch an sich zwar solide, aber auch hier hatte ich das Gefühl, dass noch mehr möglich gewesen wäre.
Die Sprache ist kühl, teilweise beinahe monoton, und trägt stark zur zähen Wirkung des Romans bei. Atmosphäre ist zwar vorhanden – Minnesota wirkt kalt, düster und gesellschaftlich zerrissen –, doch diese Stimmung allein reicht für mich nicht aus, um über die erzählerischen Schwächen hinwegzutrösten.

Positiv hervorheben kann ich lediglich, dass der Roman aktuelle gesellschaftliche und politische Themen aufgreift. Rassismus, Polizeigewalt, die Präsidentschaftswahl und die Debatte um Waffengesetze sind klar präsent und verleihen der Geschichte eine gewisse zeitgeschichtliche Relevanz. Allerdings hatte ich auch hier oft das Gefühl, dass diese Themen eher angerissen als wirklich tiefgehend verarbeitet werden.

Fazit

Am Ende bleibt für mich ein insgesamt enttäuschender Eindruck. "Minnesota" von Jo Nesbø ist für meinen Geschmack überkonstruiert, erzählerisch schleppend und mit einer Hauptfigur ausgestattet, die mir das Weiterlesen eher verleidet als schmackhaft macht.
Die überraschende Auflösung am Schluss ist zwar gut gemacht, kommt aber viel zu spät, um das vorherige Leseerlebnis für mich noch zu retten.

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