nicht zeitgemäß
Not My Type„Not my Type“ von Lucy Score begleitet, Francesca - von allen nur Frankie genannt -, die ihre Rolle als erste Brautjungfer extrem ernst nimmt. Für ihre beste Freundin würde sie alles tun, und genau das ...
„Not my Type“ von Lucy Score begleitet, Francesca - von allen nur Frankie genannt -, die ihre Rolle als erste Brautjungfer extrem ernst nimmt. Für ihre beste Freundin würde sie alles tun, und genau das muss sie auch, als ausgerechnet kurz vor der luxuriösen Traumhochzeit alles schiefläuft, was nur schieflaufen kann. Der Bräutigam wird entführt, die Hochzeitsgesellschaft entpuppt sich als Ansammlung arroganter, reicher und völlig realitätsferner Menschen, und Chaos scheint vorprogrammiert.
An Frankies Seite steht dabei ausgerechnet Aidan Kilbourn, der Trauzeuge des Bräutigams: wohlhabend, kontrollierend, selbstgefällig – und für Frankie der Inbegriff all dessen, was sie eigentlich meidet. Während sie versucht, die Situation zu retten und einen kühlen Kopf zu bewahren, funkt Aidan ihr nicht nur organisatorisch dazwischen, sondern auch emotional.
Dieses Buch war für mich eine absolute Ausnahme – und leider keine gute. „Not My Type“ von Lucy Score ist das erste Buch meines Lebens, das ich nicht zu Ende gelesen habe, weil ich es einfach so unfassbar schlecht fand. Und das ist mir wirklich noch nie passiert.
Schon die Protagonist*innen waren für mich ein großes Problem. Sie wirkten auf mich extrem flach, klischeehaft und vor allem: unsympathisch. Ich konnte ihre Handlungen kaum nachvollziehen, ihre inneren Konflikte fühlten sich konstruiert an, und eine emotionale Verbindung kam bei mir zu keinem Zeitpunkt zustande.
Leider galt das nicht nur für die Hauptfiguren, sondern auch für die Nebencharaktere. Besonders die reichen Brautjungfern waren für mich kaum erträglich: verzogen, überheblich, eindimensional und einfach nur nervig. Keine Nuance, keine Brechung, nichts, was sie irgendwie menschlich oder interessant gemacht hätte.
Die Handlung selbst hat mein Leseerlebnis zusätzlich massiv verschlechtert. Der Einstieg mit der Entführung war derart überdramatisch und gleichzeitig so realitätsfern, dass ich schon hier stark ins Zweifeln kam. Was mich aber wirklich fassungslos zurückgelassen hat: Diese zentrale Konfliktsituation war nach nicht einmal der Hälfte des Buches im Grunde abgeschlossen. Ich saß da und habe mich ernsthaft gefragt, was jetzt eigentlich noch kommen soll. Die Antwort schien zu sein: Sex, Leerlauf und Bedeutungslosigkeit. Viel expliziter Sex, wenig Handlung, kaum Entwicklung. Für mich fühlte sich das nach erzählerischer Ideenlosigkeit an und es war schlicht langweilig.
Auch mit dem Schreibstil bin ich überhaupt nicht warm geworden. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, allerdings nicht in Form eines Ich-Erzählers oder klar abgegrenzter personaler Sichtweisen, sondern durch einen allwissenden Erzähler, der permanent in die Köpfe aller Figuren springt und Gedanken, Gefühle und Motivationen erklärt. Für mich war das extrem anstrengend zu lesen, teilweise sogar verwirrend.
Das Schlimmste an diesem Buch waren für mich jedoch die Ansichten, die darin völlig unkritisch reproduziert werden. „Not My Type“ strotzt meiner Meinung nach nur so vor Sexismus, Vorurteilen, Bodyshaming und problematischen Rollenbildern, und nichts davon wird reflektiert oder hinterfragt. Im Gegenteil: All das wird als normal, sexy oder witzig dargestellt. Dazu kommen extrem vulgäre Ausdrücke, eine sehr derbe Sprache und Beschreibungen, die ich nicht nur unangenehm, sondern schlicht nicht mehr zeitgemäß finde. Das Ganze wirkte auf mich altmodisch, respektlos und in vielen Momenten einfach daneben.
Fazit
Unterm Strich bleibt für mich eine riesige Enttäuschung. Ich hatte mir etwas völlig anderes erhofft und stattdessen ein Buch bekommen, das ich als oberflächlich, langweilig und inhaltlich problematisch empfunden habe. Dass ich es abbrechen musste, sagt für mich alles. „Not My Type“ von Lucy Score war für mich nicht nur „nicht mein Typ“, sondern leider ein echtes Negativhighlight.