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Veröffentlicht am 27.08.2025

Sehr bewegend

Die Verlorene
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Im Mittelpunkt von Miriam Georgs neuen Roman "Die Verlorene" stehen Laura und ihre Großmutter Änne. Während Laura in der Gegenwart die Bruchstücke der Familiengeschichte zu verstehen versucht, öffnet sich ...

Im Mittelpunkt von Miriam Georgs neuen Roman "Die Verlorene" stehen Laura und ihre Großmutter Änne. Während Laura in der Gegenwart die Bruchstücke der Familiengeschichte zu verstehen versucht, öffnet sich durch Rückblenden die Vergangenheit: Änne sprach immer wieder von den 'goldenen Sommern' ihrer Kindheit auf einem Gutshof in Schlesien, verschwieg jedoch gleichzeitig vieles. Als sie schwer erkrankt, wird Laura bewusst, wie viele Fragen sie nie gestellt hat. Die Reise zu den Wurzeln der Familie führt schließlich zu einer Wahrheit, die lange verschüttet war und nicht nur Änne in einem neuen Licht erscheinen lässt, sondern auch Laura selbst verändert.

Das Buch "Die Verlorene" hat mich von Beginn an gefesselt, weil es eine Familiengeschichte erzählt, die sich über Generationen erstreckt und dabei Vergangenheit und Gegenwart kunstvoll und gefühlvoll miteinander verbindet.

Stilistisch fand ich den Roman ebenfalls stark: Die Sprache ist bildhaft und dicht, ohne jemals ins Kitschige zu rutschen. Miriam Georg versteht es, Emotionen zu transportieren und Stimmungen aufzubauen. Besonders die Passagen in der Vergangenheit waren für mich intensiv und eindringlich – das Elend, die Sehnsüchte, aber auch die stillen Momente voller Hoffnung haben mich sehr bewegt. Die Gegenwartsszenen wirkten dagegen eher ruhiger, fast beobachtend, was gut zu Lauras Rolle passte.

Beim Lesen hatte ich jedoch den Eindruck, dass Laura zwar die Erzählerin ist, aber eher die Rolle einer Nebenfigur einnimmt. Sie wirkt in ihrer Charakterzeichnung etwas oberflächlich – über ihr eigenes Leben und ihre Beziehungen erfährt man erstaunlich wenig. Zwar wird etwa angedeutet, dass ihre Mutter ihren Freund nicht mag, doch dieser Aspekt wird nicht weiter vertieft. Laura ist vielmehr das Bindeglied zwischen den Zeitebenen, eine Art Katalysator, durch den Ännes Vergangenheit sichtbar wird. Dadurch bleibt sie für mich als Figur weniger greifbar, was gleichzeitig aber auch den Blick stärker auf die eigentliche Hauptperson lenkt: ihre Großmutter. Somit war dies für mich nicht weiter schlimm.
Dabei muss ich gestehen, dass mir Änne aufgrund mancher ihrer Handlungen in der Vergangenheit nicht immer sympathisch war. Manche Entscheidungen wirkten hart oder egoistisch, und ich habe beim Lesen oft mit ihr gerungen. Doch gerade diese Ambivalenz hat für mich die Stärke des Romans ausgemacht: Änne wird nicht als makellose Heldin dargestellt, sondern als Mensch mit Fehlern, Zwängen und widersprüchlichen Gefühlen. Das hat gut in die Gesamtgeschichte hineingepasst und die Figur für mich vielschichtiger und realistischer gemacht.

Sehr gefallen haben mir die ständigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sie brachten viel Dynamik und Spannung in den Roman, und ich konnte mich gut in alle Figuren hineinversetzen, auch wenn sie auf ganz unterschiedlichen Ebenen erzählt wurden. Gerade diese Struktur hat die Geschichte lebendig gemacht – man wurde immer wieder in neue Kontexte hineingezogen, musste mitdenken, mitfühlen und konnte die Bruchstücke nach und nach zusammensetzen. Miriam Georg hat das wirklich super ausgearbeitet, sodass die beiden Zeitebenen harmonisch ineinandergriffen.

Besonders beeindruckt haben mich zudem die historischen Details. Die Beschreibungen von Landschaften, Häusern und Alltagsgegenständen waren so plastisch, dass ich die Atmosphäre regelrecht spüren konnte. Gleichzeitig wirkte alles sehr authentisch, ohne dass die Autorin sich in Details verloren hätte. Man merkt, dass hier gründlich recherchiert wurde, und gerade das hat dem Roman Tiefe und Glaubwürdigkeit verliehen.

Die Handlung war für mich durchweg spannend und greifbar.
Die schockierenden Geschehnisse liegen nicht in einem einzelnen Moment, sondern ergeben sich wie Mosaiksteine aus vielen Enthüllungen: verbotene Lieben, Lügen innerhalb der Familie, erzwungene Trennungen und die Erfahrung, wie sehr gesellschaftliche Normen das Leben junger Frauen bestimmten.

Das Ende hat mich überrascht. Zwar hatte ich stellenweise ein Gefühl, dass es in eine bestimmte Richtung gehen könnte, aber wie genau sich alles fügt, konnte ich mir bis zuletzt nicht vorstellen. Gerade das hat die Spannung für mich hochgehalten: Ich habe mitgerätselt, mir mögliche Erklärungen zusammengereimt und war dennoch überrascht, als die Wahrheit schließlich offengelegt wurde. Diese Mischung aus Vorahnung und Unerwartetem war sehr gelungen und hat den Roman für mich stimmig abgerundet.

Fazit:

Insgesamt ist "Die Verlorene" für mich ein Roman, der gleichzeitig berührend, spannend und atmosphärisch dicht ist. Die Geschichte hat mich als Ganzes sehr bewegt. Besonders die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, die Authentizität der historischen Darstellung und die feinfühlige Sprache haben dafür gesorgt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Für mich war es eine Lektüre, die nicht nur unterhalten, sondern auch nachhallen ließ – und genau das schätze ich an einem guten (historischen) Familienroman.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Verwirrend und wenig mitreißend

Ein ganz besonderer Ort
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Im Mittelpunkt des Buches "Ein ganz besonderer Ort" von Jojo Moyes steht Suzanna Peacock, die nach einigen Umwegen in ihre Heimat zurückkehrt und dort das Peacock Emporium, ein kleines Café mit angeschlossenem ...

Im Mittelpunkt des Buches "Ein ganz besonderer Ort" von Jojo Moyes steht Suzanna Peacock, die nach einigen Umwegen in ihre Heimat zurückkehrt und dort das Peacock Emporium, ein kleines Café mit angeschlossenem Laden, eröffnet. Dieser Ort soll ihr Neuanfang werden – ein Platz für Begegnungen, Freundschaften und vielleicht auch für Liebe. Doch Suzanna ist innerlich zerrissen: Ihr Ehemann Neil träumt von Kindern und Sicherheit, während sie selbst nicht weiß, ob sie ihn wirklich liebt. Als der geheimnisvolle Alejandro auftaucht, stellt er vieles infrage.
Parallel dazu werden Familienkonflikte, alte Geheimnisse und Suzannas Suche nach Identität erzählt.

Obwohl die Grundidee vielversprechend klang, konnte mich die Geschichte leider nicht richtig fesseln und letztlich auch nicht überzeugen.
Ein zentrales Problem war für mich die Erzählweise: Ständige Wechsel zwischen verschiedenen Personen und Zeitebenen machten es schwer, den Überblick zu behalten. Oft war ich unsicher, wer gerade erzählt und in welcher Zeit ich mich befinde. Dadurch fiel es mir schwer, in die Handlung hineinzufinden und eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen.

Hinzu kam, dass der Klappentext Erwartungen weckte, die sich erst sehr spät erfüllten. Erst nach gut der Hälfte des Buches begann die Handlung sich in diese Richtung zu entwickeln – und auch dann nur sehr langsam. Die anfänglichen Szenen - vor allem die erste mit Alejandro - blieben für mich bis zum Schluss unklar in ihrer Relevanz, sodass ich lange nicht wusste, worauf die Geschichte hinauswill und ich lange das Gefühl hatte, das 'falsche' Buch zu lesen.

Die Charaktere blieben mir über weite Strecken fremd. Ich konnte mich nicht richtig in sie hineinversetzen, möglicherweise auch durch die vielen Perspektivwechsel, die ein tieferes Kennenlernen für mich erschwerten.
Zwar bot die Handlung zum Ende hin einige unerwartete Wendungen, doch insgesamt wirkte sie auf mich eher zäh und wenig mitreißend.

Positiv war für mich allenfalls der Schreibstil von Jojo Moyes, der wie gewohnt flüssig, bildhaft und detailreich war. Einzelne Szenen sind atmosphärisch dicht, und sie versteht es, Orte lebendig wirken zu lassen. Gleichzeitig empfand ich die Sprache aber stellenweise als zu ausschweifend, was die Längen im Erzählfluss noch verstärkte.
Das Tempo war insgesamt zu gemächlich, um mich dauerhaft zu fesseln.

Fazit

Unterm Strich war "Ein ganz besonderer Ort" von Jojo Moyes für mich leider kein Highlight. Die Idee hatte Potenzial, doch die verschachtelte Erzählweise, die späte Entfaltung der eigentlichen Handlung und die fehlende Nähe zu den Figuren machten es mir schwer, wirklich in die Geschichte einzutauchen. Ich habe mich eher durchgekämpft und war am Ende fast erleichtert, das Buch beendet zu haben.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

ernüchternd

Der Sommer am Ende der Welt
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In Eva Völlers neuem Roman "Der Sommer am Ende der Welt" begibt sich die Journalistin Hanna nach Borkum, um die Geschehnisse rund um das ehemalige Kindererholungsheim aufzuarbeiten – jenen Ort, an dem ...

In Eva Völlers neuem Roman "Der Sommer am Ende der Welt" begibt sich die Journalistin Hanna nach Borkum, um die Geschehnisse rund um das ehemalige Kindererholungsheim aufzuarbeiten – jenen Ort, an dem auch ihre Mutter einst schreckliche Erfahrungen machen musste. Vor Ort stößt Hanna jedoch nicht nur auf dunkle Abgründe, die weit tiefer reichen, als sie es je geahnt hätte. Zugleich begegnet sie Menschen, die ihr nahekommen und sie vor weitreichende Entscheidungen stellen.

Ich habe bereits vier Bücher von Eva Völler gelesen, die mich allesamt überzeugen konnten. Besonders schätze ich ihren einfühlsamen Schreibstil, ihr Gespür für Details sowie die Art, wie sie historische Bezüge in ihre Geschichten einwebt. Entsprechend groß war meine Vorfreude auf "Der Sommer am Ende der Welt". Der Klappentext ließ eine tiefgründige Handlung erwarten – reich an Geschichte, Emotionen und atmosphärischer Dichte.

Bekommen habe ich jedoch einen Roman, der mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen hat: zwischen stimmiger Atmosphäre, bewegenden Rückblenden und eindrucksvollen Schilderungen auf der einen Seite – und einer Handlung, die mir stellenweise zu viel wollte, an anderer Stelle jedoch zu oberflächlich blieb, gerade in Bezug auf das zentrale Thema des ehemaligen Kindererholungsheims.

Nach wie vor überzeugend empfand ich die Atmosphäre. Die norddeutsche Küste mit Wind, Watt und Einsamkeit ist eindrucksvoll eingefangen. Diese Kulisse trägt entscheidend zur Stimmung bei und harmoniert gut mit den bedrückenden Ereignissen im Kindererholungsheim.

Auch Völlers Schreibstil überzeugt einmal mehr: klar, flüssig und angenehm lesbar. Ihre besondere Stärke liegt für mich darin, Gefühle einzufangen und erlebbar zu machen.
Besonders die Rückblenden haben mir dabei gefallen, da sie Dynamik in die Erzählung bringen und die Geschehnisse noch greifbarer machen.

Das Hauptproblem liegt für mich jedoch in der Handlung. Allzu oft verliert der Roman das eigentliche Thema – die Geschehnisse im Heim – aus den Augen und schweift in banale oder unpassend wirkende Nebenstränge ab. Vor allem die um Hanna konstruierte Nebenhandlung wirkte auf mich zu dramatisch und wenig organisch in das Gesamtkonzept eingebunden. Statt die bedrückende Hauptthematik konsequent zu vertiefen, werden thrillerartige Elemente eingeflochten, die mit dem ansonsten stillen Tonfall des Romans kaum harmonieren.

Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen konnten mich nicht vollständig überzeugen. Häufig fehlte es mir an Authentizität, und insbesondere die Figur von Hannas Tochter wirkte eher wie ein dramaturgisches Hilfsmittel denn wie ein lebendiger Charakter.

Zwar entsteht durchaus Spannung – vor allem durch die Rückblicke und die Enthüllungen rund um das Kindererholungsheim –, doch die überdramatisierte Nebenhandlung unterbrach diese Spannung immer wieder und nahm der eigentlichen Geschichte die stille Wucht, die sie hätte entfalten können.

Fazit:
Der Sommer am Ende der Welt ist atmosphärisch stark und stilistisch sicher geschrieben, doch es mangelt für mich an Fokus und innerer Stimmigkeit. Die dramatische Nebenhandlung nimmt mMn. der berührenden Kernhandlung die Tiefe, die sie verdient hätte. So blieb für mich am Ende leider ein eher ernüchternder Gesamteindruck zurück.

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Ganz unterhaltsam, aber wenig überraschend

Sieben letzte Tage
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Alice Logan, erfolgreiche Strafverteidigerin, hat sich von ihrem Vater lange distanziert – nicht zuletzt wegen seiner Affären und Abwesenheit. Als er jedoch wegen eines alten Mordes zum Tode verurteilt ...

Alice Logan, erfolgreiche Strafverteidigerin, hat sich von ihrem Vater lange distanziert – nicht zuletzt wegen seiner Affären und Abwesenheit. Als er jedoch wegen eines alten Mordes zum Tode verurteilt wird und die Vollstreckung in sieben Tagen ansteht, lässt sie sich – angestoßen von ihrer Schwester – auf eine letzte, verzweifelte Suche ein.

Rutherfords Schreibstil ist klar – fast schon nüchtern – und auf das Wesentliche konzentriert. Die Handlung orientiert sich am titelgebenden Countdown, was für ein konstantes Spannungsniveau sorgt. Der Autor setzt auf kurze Kapitel und schnelle Szenenwechsel, was den Lesefluss begünstigt und die Dynamik der Geschichte unterstreicht. Allerdings wirkt der Stil stellenweise etwas nüchtern, fast schon funktional – atmosphärische Tiefe bleibt manchmal auf der Strecke, da Rutherford mehr Wert auf Plotentwicklung als auf poetische Ausschmückungen legt.

Die Atmosphäre lebt vom konstanten Zeitdruck und der düsteren Kulisse rundum das nahe Todesurteil. Dies erzeugt Spannung, die Stimmung bleibt insgesamt aber eher kühl und distanziert, was zwar zur Thematik passt, aber nicht immer für ein intensives Leseerlebnis sorgt.

Alice Logan als Protagonistin ist glaubwürdig gezeichnet: Ihre ambivalente Beziehung zum Vater, der die Familie verlassen und immer wieder enttäuscht hat, verleiht ihr emotionale Tiefe. Der innere Konflikt, ob sie dem Vater glauben oder ihn endgültig abschreiben soll, zieht sich authentisch durch den Roman.
Allerdings bleiben viele Nebenfiguren für mich eher blass. Die Dialoge wirken mitunter hölzern und konstruiert und es fehlt an Dynamik und authentischer Emotionalität. Die Figur des Vaters fungiert er eher als Auslöser, denn als wirklich greifbare Persönlichkeit.

Die Handlung ist stringent aufgebaut und folgt dem klassischen Muster eines Justizthrillers: Zweifel an der Schuld, neue Hinweise, Verschwörungstheorien und ein Wettlauf gegen die Zeit. Rutherford gelingt es, immer wieder neue Wendungen einzubauen, sodass das Tempo hoch bleibt. Allerdings wirkt der Strom an neuen Erkenntnissen manchmal überladen – als wolle der Autor unbedingt jede lose Faser zu einem perfekten Ganzen verknüpfen. Darüber hinaus war mir persönlich die Handlung an den meisten Stellen zu vorhersehbar und keinesfalls überraschend, da manche Hinweise zu auffällig platziert sind.
Das Finale ist durchdacht, aber im Ton „zu perfekt“. Einige Fragen bleiben offen oder werden etwas zu ad hoc beantwortet – was die Spannung dämpft. Und auch hier konnte ich mir bereits vorher die Entwicklung der Ereignisse denken. Es war, als wäre ich Alice Logan stets einen Schritt voraus.

Fazit

Insgesamt habe ich mich ganz gut unterhalten gefühlt. Die Atmosphäre und der Spannungsbogen funktionieren, auch wenn Charaktertiefe und Dialoge gelegentlich zu kurz kommen. Dennoch fehlt dem Roman für mich ›das gewisse Etwas‹: etwas mehr Tiefgang in der Figurenzeichnung, mutigere Dialoge, mehr Überraschung im Aufbau. Wer Justizthriller mit Zeitdruck und familiären Abgründen mag, wird hier sicher gut unterhalten – sollte aber keine allzu große literarische Tiefe oder Überraschungen erwarten.

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Veröffentlicht am 15.05.2025

Emotional sehr tief

When the Rain Burns – Based on Sina's True Story
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Es gibt Bücher, die man liest, und solche, die man erlebt.
„When the Rain Burns“ von Justine Pust gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.
Das Buch erzählt die Geschichte von Lina, die nach dem ...

Es gibt Bücher, die man liest, und solche, die man erlebt.
„When the Rain Burns“ von Justine Pust gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.
Das Buch erzählt die Geschichte von Lina, die nach dem traumatischen Verlust ihrer besten Freundin bei einem Schul-Amoklauf verzweifelt versucht, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Ein Neuanfang mit einem Tanzkurs und die Begegnung mit Tom geben ihr zunächst Hoffnung und Geborgenheit. Doch die Beziehung entwickelt sich bald zu einem Albtraum, geprägt von Kontrolle und psychischer Gewalt. Unterstützung findet Lina in Liam, einem ehemaligen Klassenkameraden, der ihr Halt geben möchte.

Justine Pust gelang es, mich mit ihren fesselnden, eindringlichen Schreibstil direkt in die Gefühlswelt der Charaktere zu ziehen. Die Sprache ist klar, emotional und manchmal schmerzhaft direkt, was die Intensität der behandelten Themen noch verstärkt. Die Autorin schafft es zudem, die Unsicherheiten, Ängste und die innere Zerrissenheit ebenso wie die positiven Gefühle und die Verbundenheit der Hauptfiguren authentisch und berührend zu transportieren.

Die Atmosphäre des Romans ist dicht, oft bedrückend und von einer anhaltenden Spannung geprägt. Aufgrund der emotionalen Wucht musste ich manchmal sogar eine Pause während des Lesens einlegen.
Die wechselnden Zeitebenen – Gegenwart und Vergangenheit, ein Aspekt, den ich sehr liebe – sowie die Perspektivwechsel zwischen Lina und Liam sorgen für Dynamik und Tiefe.

Lina als Hauptfigur mit ihrer Verletzlichkeit und ihrem inneren Kampf, wieder Vertrauen zu fassen, ist äußerst glaubhaft und vielschichtig dargestellt. Sie ist keine Heldin im klassischen Sinn, sondern eine junge Frau, die trotz schwerer Rückschläge immer wieder aufsteht und weitermacht. Besonders eindrucksvoll finde ich, wie sie sich selbst und ihre Wahrnehmung in Frage stellt – ein zentrales Element bei psychischer und physischer Gewalt in Beziehungen.
Die Manipulation, die Kontrolle und das Gaslighting werden zudem äußerst subtil und realistisch beschrieben, sodass ich als Leserin gut nachvollziehen konnte, wie Lina in die Spirale der Gewalt geriet.
Liam ist hingegen eher das Gegenbild: empathisch, unterstützend und geduldig. Er gibt Lina Halt und steht für Hoffnung und Solidarität – wenngleich er auch mit eigenen inneren Dämonen zu kämpfen hat. Ich habe ihn direkt zu Beginn ins Herz geschlossen.
Auch die Nebenfiguren, wie Linas Freundinnen oder Liams Familie, sind liebevoll und glaubwürdig gezeichnet und sind äußerst bereichernd sowohl für Lina als auch das Buch an sich.

Die Themen im Buch wie häusliche Gewalt, Gaslighting, Trauma, Schuldgefühle und den schwierigen Weg zurück ins Leben sind hochaktuell und gesellschaftlich relevant. Das Buch basiert auf einer wahren Geschichte und legt den Finger in die Wunde einer Gesellschaft, in der Gewalt gegen Frauen oft verharmlost oder verschwiegen wird. Es zeigt meiner Meinung nach sehr eindrucksvoll, wie schnell und unbemerkt man in eine toxische Beziehung geraten kann und wie wichtig Unterstützung und Solidarität sind. Die Autorin setzt sich kritisch mit gesellschaftlichen Vorurteilen und victim blaming auseinander und gibt Betroffenen Mut, sich Hilfe zu holen.

Fazit

"When the rain burns" ist ein intensiver, berührender und wichtiger Roman, der lange nachhallt. Justine Pust gelingt es, ein Tabuthema mit großer Empathie und Authentizität zu erzählen. Die Charaktere sind glaubwürdig, die Atmosphäre dicht und die Handlung erschütternd realistisch. Das Buch ist keine leichte Lektüre, aber eine, die aufrüttelt und zum Nachdenken anregt – und damit absolut lesenswert.

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