Viel Rant, wenig Lösung
Entromantisiert euch!„Entromantisiert euch!“ ist das zweite Sachbuch der Autorin und Kulturwissenschaftlerin Beatrice Frasl. Im ersten von insgesamt drei Kapiteln beleuchtet sie die romantische Liebe im Allgemeinen, im zweiten ...
„Entromantisiert euch!“ ist das zweite Sachbuch der Autorin und Kulturwissenschaftlerin Beatrice Frasl. Im ersten von insgesamt drei Kapiteln beleuchtet sie die romantische Liebe im Allgemeinen, im zweiten geht es dann um die heterosexuelle Normbeziehung und wie sie Frauen schadet, während der dritte Teil Lösungsvorschläge liefert.
Im Grundsatz stimme ich vielem zu, was die Autorin aufzeigt und kritisiert. Die romantische Beziehung zwischen Menschen steht in der Gesellschaft klar im Fokus und wir gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass jeder um uns herum eine solche Beziehung führen will. Wir empfinden sie als das große Glück und legen auf sie oft einen größeren Wert als auf lebenslange Freundschaften. Auch die Beobachtungen aus Kapitel zwei waren mir nicht neu: In Beziehungen profitieren Männer mehr als Frauen; Männer sind in der Ehe am glücklichsten, Frauen als Singles. Hinzu kommen Themen wie Gewalt in Beziehungen und ungleich verteilte Care-Arbeit – alles ganz klar, hier gibt es für mich keinen Diskussionsbedarf.
Was ich kritisieren möchte, ist die Herangehensweise der Autorin an ihr Thema. Das beginnt schon damit, dass sie im Prinzip im Vorwort schreibt: wer mein Buch kritisiert, ist doof. Sie spricht von Beginn an als Feministin anderen Feministinnen ab, eine gleichberechtigte romantische Partnerschaft führen zu können. Das gehe, so Frasl, nicht. Punkt. Genauso trifft sie viele weitere absolute Aussagen: über Männer, über Frauen, über Disney-Prinzessinnen – und schon beim Lesen weiß ich, ich kann zu vielem Gegenbeispiele nennen. Das macht die Autorin auch, aber ganz versteckt und kurz im dritten Kapitel. Dieses für mich wichtigste Kapitel, das eigentlich Lösungen aufzeigen soll, sagt einfach ganz lapidar: „Lol, habt einfach keine romantischen Beziehungen mehr, zumindest nicht als Frau mit einem Mann.“
Genau das ist für mich auch ein weiteres Manko, denn wenn Frasl über DIE romantische Liebe spricht, meint sie Männer und Frauen. Queere Menschen und ihre Beziehungen werden nur dann eingebracht, wenn sie den Punkt unterstreichen, den die Autorin gerade machen will. Dazu kommen Argumente wie „Schon im Mittelalter wurde die Liebe als Krankheit angesehen“ – ja gut, aber da wurden auch Frauen als Hexen verbrannt, was soll mir das in Bezug auf moderne romantische Beziehungen sagen? Oder auch: „Verliebtheit ist nur der Wunsch nach Reproduktion“ – und wie erklärt das Verliebtheit zwischen gleichgeschlechtlichen Partnerinnen?
Fazit: Wichtige Ansätze, aber eigentlich nur ein langer Rant über das Patriarchat ohne echte Lösungen.