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Veröffentlicht am 07.08.2025

Guilia Ferraris Vergangenheit

Signora Commissaria und die kalte Rache
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In Florenz verfolgt nachts ein Mann Frauen durch die Straßen. Er „begleitet“ sie bis vor die Haustür und am nächsten Morgen hängen in der Nähe Vermisstenplakate mit ihrem Foto darauf Der Täter will ihnen ...

In Florenz verfolgt nachts ein Mann Frauen durch die Straßen. Er „begleitet“ sie bis vor die Haustür und am nächsten Morgen hängen in der Nähe Vermisstenplakate mit ihrem Foto darauf Der Täter will ihnen sagen: „So könntest Du enden, wenn ich mich dazu entschieden hätte.“ Und tatsächlich verschwindet bald darauf eine Frau spurlos. Commissaria Giulia Ferrari nimmt gemeinsam mit Partner und Kollege Enzo sowie dem ehemaligen Commissario Luigi Batista (inzwischen Barbesitzer) den Fall auf. Doch auch in ihrer Vergangenheit gibt es ein großes Rätsel, das gelöst werden will.

„Signora Commissaria und die kalte Rache“ ist bereits der dritte Roman rund um Giulia Ferrari, auch wenn der erste Roman der Serie von Autor Alexander Oetker noch unter dem Pseudonym Pietro Bellini erschien. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, vor allem der von Giulia und Luigi, aber auch der Täter kommt zu Wort. Zwischendurch sind auch wörtliche Gespräche zwischen Luigi und seiner Frau Carla wiedergegeben, nach denen stets eines von Carlas berühmten Rezepten folgt.

Es war eine schöne Abwechslung, mal wieder einen Krimi zu lesen, in dem es nicht um Mord und Totschlag geht und in dem es auch keinen Leichenfund gibt. Stattdessen konzentriert sich die Geschichte auf die Ermittlungen rund um den nächtlichen Stalker – was ich als ein sehr wichtiges Thema empfinde, weil so die Angst vieler Frauen auf dem dunklen Weg nachhause angesprochen wird. Die Auflösung war nach etwa zwei Dritteln zwar vorhersehbar, dennoch hat mich der Fall gut unterhalten.

In Giulias Privatleben schätze ich besonders ihre liebevolle Beziehung zu ihrem blinden Kollegen Enzo, den sie allen Bereichen als ebenbürtigen Partner empfindet. Etwas übertrieben wirken hingegen die Entwicklungen, welche die Handlung in Bezug auf die Familiengeschichte der Commissaria nimmt. Hier ist in den kommenden Bänden ein großer Showdown zu erwarten, den ich persönlich nicht bräuchte. Mir genügt es, von Giulia und Enzo, von Carlas leckeren Rezepten oder Luigis Hund Tulipan zu lesen und die Kulisse von Florenz zu genießen.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Spannende Auflösung, zwischendurch Schwächen

We Were Liars. Solange wir lügen. Lügner-Reihe 1 (Best of BookTok & Roman zur Amazon-Prime-Serie)
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Seit ihrer Geburt verbringt die 17-jährige Cadence Sinclair Eastman jeden Sommer mit ihrer Familie auf Beechwood Island. Die Sinclairs, das sind Oberhaupt Harris und seine Frau Tipper, die drei Töchter ...

Seit ihrer Geburt verbringt die 17-jährige Cadence Sinclair Eastman jeden Sommer mit ihrer Familie auf Beechwood Island. Die Sinclairs, das sind Oberhaupt Harris und seine Frau Tipper, die drei Töchter Penny, Carrie und Bess sowie deren Kinder, also Cadence und ihre Cousinen und Cousins. Eine besonders enge Freundschaft verbindet sie dabei mit ihrem Cousin Johnny, ihrer Cousine Mirren und natürlich mit Gat, der – streng gesehen – nicht zur Familie gehört. Zusammen geben die vier ein starkes Team ab und nennen sich selbst „die Lügner“. Doch in ihrem 15. Sommer auf der Insel hat Cadence einen Unfall und kann sich danach an nichts erinnern. Ganze zwei Jahre nimmt keiner der „Lügner“ Kontakt zu ihr auf, doch nun ist Cadence wieder auf dem Weg nach Beechwood und sie wird herausfinden, was in diesem einen Sommer geschehen ist und was alle vor ihr verbergen wollen.

„We were Liars“ von E. Lockhart erschien bereits im Jahr 2015, die deutsche Übersetzung stammt von Alexandra Rak. Ich wurde erst durch die zugehörige Serie auf das Buch aufmerksam. Die Handlung wird von Cadence selbst in der Ich- und Vergangenheitsform erzählt, so dass wir gemeinsam mit ihr herausfinden, was hinter ihrem Unfall steckt. Die Erzählweise ist dabei manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, da die Autorin Emotionen sehr bildreich beschreibt. Als Cadence Vater die Familie verlässt, beschreibt diese, dass er sich noch einmal zu ihr umdreht und ihr mitten in die Brust schießt – was eigentlich nur ihre Traurigkeit ausdrücken soll. Hier muss man manchmal zwei mal lesen, um die nicht ganz geglückten Beschreibungen einzuordnen.

Die Geschichte lebt definitiv vom Zusammenhalt der vier „Lügner“ untereinander. Gemeinsam lehnen sie sich gegen den Großvater auf, der ein strenges Regiment führt und seine drei Töchter pausenlos gegeneinander ausspielt. Besonders Gat mit seinen indischen Wurzeln hat es bei ihm schwer. Hier gelingt es, meiner Meinung nach, der TV-Serie noch etwas besser, die komplexen, festgefahrenen Familienverhältnisse darzustellen. Die Auflösung am Ende, was mit Cadence passiert ist, ist eine der besten, die ich bisher gelesen habe und gleicht aus, wo der Roman zwischenmenschlich und sprachlich seine Schwächen hat.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Holly Jacksons bisher schwächstes Buch

Not Quite Dead Yet
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Es ist der Abend von Halloween, als Margaret – genannt Jet – nach einem Jahrmarkt in ihrem eigenen Haus überfallen und schwer verletzt wird. Sie wacht zwar zwei Tage später im Krankenhaus wieder auf, doch ...

Es ist der Abend von Halloween, als Margaret – genannt Jet – nach einem Jahrmarkt in ihrem eigenen Haus überfallen und schwer verletzt wird. Sie wacht zwar zwei Tage später im Krankenhaus wieder auf, doch die Ärzte haben schlechte Nachrichten für: in ihrem Kopf steckt ein Knochensplitter, der in wenigen Tagen ein tödliches Aneurysma verursachen wird. Einzige Alternative ist eine OP, die weniger als zehn Prozent Erfolgschance hat. Jet entschließt sich gegen die OP und dafür, das Krankenhaus zu verlassen. Doch eines will sie in den verbliebenen Tagen unbedingt schaffen: ihren Mörder zu finden.

„Not Quite Dead Yet“ ist der sechste Roman der erfolgreichen Autorin Holly Jackson, die durch „A Good Girl’s Guide to Murder“ bekannt wurde, und ihr erster, der sich gezielt an Erwachsene wendet. Dennoch ist die 27-jährige Jet mit all ihren Fehlern und Schwächen sicherlich auch für Jugendliche eine Identifikationsfigur. Sie selbst ist es auch, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, so dass wir immer nur so viel wissen, wie Jet bis zu diesem Zeitpunkt herausgefunden hat, was zum Miträtseln einlädt.

Jets Familiensituation ist kompliziert. Ihre ältere Schwester Emily starb als Teenager und das Verhältnis zu ihrem Bruder Luke und dessen Frau Sophia (ehemals Jets beste Freundin) ist schwierig. Jets Mutter ist stets schroff und bestimmend, während der Vater darunter leidet, Jet seine Nierenkrankheit vererbt zu haben. Das alles führt auch dazu, dass Jet sich in ihren letzten Tagen von der Familie abwendet und Billy, ihren Freund aus Kindheitstagen, um Hilfe bei ihren Ermittlungen bittet.

Dass eine junge Frau mit einer solchen Kopfverletzung draußen herumspaziert und Detektivin spielt, ist zwar unrealistisch, das konnte ich als Prämisse der Handlung aber noch nachvollziehen, da ansonsten das Szenario, im Fall des eigenen Mordes zu ermitteln, nicht möglich gewesen wäre. Leider wirkt die letztendliche Auflösung dann sehr konstruiert und lässt viele Fragen völlig unbeantwortet. Auch fiel es mir schwer, zu Jet mit ihrem schwarzen Humor eine Beziehung aufzubauen. Für mich Holly Jacksons bisher schwächstes Buch.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Moderner Reiseführer für Zugfans

Japan – Die schönsten Zugreisen
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In ihrem kürzlich erschienenen Reiseführer „Japan. Die schönsten Zugreisen“ stellt uns die freie Journalistin Aimie Eliot, die seit 2020 selbst in Tokyo lebt, ausführlich Routen und Sehenswürdigkeiten ...

In ihrem kürzlich erschienenen Reiseführer „Japan. Die schönsten Zugreisen“ stellt uns die freie Journalistin Aimie Eliot, die seit 2020 selbst in Tokyo lebt, ausführlich Routen und Sehenswürdigkeiten für das Reisen auf der Schiene vor. Dabei zeigt sie, wie effizient und dicht Japans Eisenbahnnetz ist und dass man mit dem Zug auch in die entlegensten Winkel der vier Hauptinseln gelangt. Das ist vor allem attraktiv, wenn man bedenkt, dass der Zug noch immer das umweltfreundlichste Verkehrsmittel ist.

Zu Beginn des Reiseführers finden wir zunächst eine Karte, auf der alle beschriebenen Strecken eingezeichnet und mit unterschiedlichen Farben markiert sind. Diese Farben werden weiter hinten bei der ausführlichen Etappenbeschreibung wieder aufgenommen, so dass die Zuordnung stets klar und verständlich ist. Ein einführendes Kapitel erzählt anschließend von der Geschichte der japanischen Bahn, die über 30.000 Kilometer Schienennetz verfügt und im Schnitt nur eine Minute pro Zug verspätet ist. Der 1964 eingeführte Shinkansen kommt sogar nur auf 20 Sekunden Verspätung im Mittel. Kein Wunder also, dass die Bahn in Japan beliebt ist und neben einem Fernsehsender und verschiedenen Zeitschriften sogar eine Vielzahl an Fanartikeln besitzt.

Die vorgestellten Strecken sind in unterschiedliche Etappen eingeteilt. Viele davon haben die Großstädte Tokyo, Kyoto oder Osaka als Ausgangspunkt, andere hingegen führen quer über die vier Hauptinseln Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu. Dabei ist jede Etappe mit Bildern versehen und liefert wichtige Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Fahrzeiten, Ticketpreisen, Restaurants, Übernachtungsmöglichkeiten oder sogar Ideen für Mitbringsel aus der Region. Zwischendurch gibt es auch allgemeine Informationen, zum Beispiel zu bestimmten Blütezeiten, japanischen Toiletten, Verhaltensregeln oder dem Railpass. Ein Glossar und ein Register von A bis Z runden den Reiseführer ab.

Fazit: Ein umfassender, modern gestalteter Reiseführer für alle, die Japan gerne per Zug erkunden möchten

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Emotionaler Roman über Demenz und eine Familie zwischen zwei Kulturen

Onigiri
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Als Aki vom Tod ihrer Großmutter erfährt, ist ihr klar, dass sie ihre demenzkranke Mutter Keiko noch einmal in ihre Heimat Japan bringen will, bevor das vielleicht nicht mehr möglich ist. Während der Vorbereitungen, ...

Als Aki vom Tod ihrer Großmutter erfährt, ist ihr klar, dass sie ihre demenzkranke Mutter Keiko noch einmal in ihre Heimat Japan bringen will, bevor das vielleicht nicht mehr möglich ist. Während der Vorbereitungen, auf der gesamten Hinreise und im Hotel wirkt Keiko verloren und scheint nicht recht zu begreifen, was vor sich geht. Ein Besuch in ihrem Elternhaus, bei ihrem Bruder und der Schwägerin bringt jedoch endlich ein wenig Ruhe und fördert Erinnerungen zutage. Zum ersten Mal seit langer Zeit scheint Keiko wieder in der Lage, für sich selbst zu sprechen und zu entscheiden.

„Onigiri“ ist der Debütroman der studierten Kulturwissenschaftlerin Yuko Kuhn. Zuletzt war sie an der Hochschule für Film und Fernsehen München tätig und arbeitet seit diesem Jahr als freiberufliche Autorin. Die Handlung wird aus der Sicht von Aki in der Ich-Perspektive und der Gegenwartsform erzählt, so als würden wir Tochter und Mutter auf ihrer Reise begleiten. Dabei lenkt die Autorin nicht nur den Fokus auf Demenz als Erkrankung, sondern zeichnet auch das Bild einer komplizierten Familie zwischen zwei Kulturen.

Es scheint, als sei Keiko nach ihrer Heirat mit einem deutschen Mann nie ganz angekommen. Dessen Eltern, Akis Großeltern, schlossen die „fremde“ Frau stets aus, so dass nie ein richtiges Verhältnis zwischen ihn entstand – nach der Trennung von Keiko und Karl und dessen Versuch, sich das Leben zu nehmen, wurde dieser Graben nur noch größer. Erst in hohem Alter schafft Keiko es zum ersten Mal, den Schwiegereltern die Stirn zu bieten und schlägt eine Einladung einfach aus.

Besonders emotional sind die Szenen zwischen Aki und ihrer dementen Mutter. Keiko vergisst immer wieder Lebensereignisse, wie zum Beispiel den Tod ihrer Mutter, und Aki muss ihr stets dieselben Dinge erklären. In einigen Momenten vergisst sie sogar, dass sie überhaupt Kinder hat. Yuko Kuhn beschreibt sehr eindringlich, wie Aki dabei an ihre Grenzen gerät und oft auch die Geduld verliert, während ihr Bruder Kenta oder ihr Mann Felix immer ruhig und besonnen bleiben.

Fazit: Ein emotionaler Roman über einen Abschied auf Raten und eine Familie zwischen Japan und Deutschland

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