Über koreanisches Gebäck und Trauer
Kleine Wunder in der MitternachtskonditoreiNach dem Tod ihrer Großmutter erbt Yeonhwa deren kleine Konditorei am Rande Seouls. Im Testament sind jedoch einige Bedingungen genannt, die sie unbedingt befolgen muss: mindestens einen Monat muss sie ...
Nach dem Tod ihrer Großmutter erbt Yeonhwa deren kleine Konditorei am Rande Seouls. Im Testament sind jedoch einige Bedingungen genannt, die sie unbedingt befolgen muss: mindestens einen Monat muss sie das „Hwawoldang“ weiterführen und sie darf nur zwischen 22 Uhr und Mitternacht öffnen. Noch dazu warten Schulden von 100 Millionen Won auf sie. Wie soll Yeonhwa die jemals abbezahlen? Was hat es mit den nächtlichen Öffnungszeiten auf sich? Und was hat es mit Sawol auf sich, der schon ihre Großmutter unterstützt hat und sich Yeonhwa gegenüber manchmal so seltsam verhält?
„Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei“ stammt aus der Feder einer – laut Verlagsmarketing – preisgekrönten Bestsellerautorin, die Lee Onhwa als ihr neues Pseudonym ausgewählt hat; die deutsche Übersetzung verfasste Alexandra Dickmann. Erzählt wird aus der Perspektive der Protagonistin Yeonhwa in der Ich- und Vergangenheitsform, wobei aber auch die Lebensgeschichten der unterschiedlichsten Kunden und Kundinnen der Konditorei in die Handlung einfließen.
Schon nach kurzer Zeit wird deutlich, dass es bei „Hwawoldang“ nicht um ein normales Ladengeschäft handelt, sondern einen Ort, an dem Verstorbene in ihr nächsten Leben hinübergehen. Demzufolge ist der Roman keine reine Wohlfühlgeschichte, sondern thematisiert auch Tod und Trauer. Gut hat mir dabei gefallen, dass wir ganz unterschiedliche Besucher*innen und ihre Angehörigen kennenlernen. So geht es beispielsweise um eine Mutter und ihre Tochter, um einen Mann und seine große Liebe, um Freundinnen oder Stiefgeschwister.
Diese sehr menschlichen Geschichten über die Schwere des Abschiednehmens haben mir gut gefallen, die Handlung um Yeonhwa selbst, ihre Großmutter und den mysteriösen Sawol, der im Laden aushilft, habe ich als deutlich schwächer empfunden. Die Autorin arbeitet im Prinzip das ganze Buch hindurch auf mehrere Szenen hin, die dann viel zu kurz ausfallen, zu konstruiert oder zu unspektakulär wirken. Somit bleibt die eigentliche Kernhandlung hinter den Schicksalen der Verstorbenen deutlich zurück – schade!