Toller Abschluss
Blankenese - Zwei FamilienDer dritte und letzte Band der Trilogie um die Familie Casparius führt ins Jahr 1968, eine Zeit, in der die Jugend zu rebellieren beginnt. Auch Ulrike Casparius will aus dem engen Korsett ihrer Herkunft ...
Der dritte und letzte Band der Trilogie um die Familie Casparius führt ins Jahr 1968, eine Zeit, in der die Jugend zu rebellieren beginnt. Auch Ulrike Casparius will aus dem engen Korsett ihrer Herkunft ausbrechen und zieht von Blankenese nach Berlin, um an der FU Berlin Publizistik zu studieren und sympathisiert mit der Studentenbewegung. Ihre Schwester Sabine sucht nach Anerkennung und schließt sich der Hausbesetzer-Szene an. Sie beginnt in einem Kinderhort zu arbeiten und findet hier Erfüllung. Ihre Freunde, die im Umkreis der RAF zu Hause sind, erfahren, dass sie mit Kurt Jacobsen, der bei der Bundesanwaltschaft arbeitet, verwandt ist und Sabine macht einen folgenschweren Fehler.
In dem dritten Band wird die Zeit von 1968 bis 1977 behandelt. Der angenehme Erzählstil und das Personenregister am Anfang haben dazu beigetragen, dass ich relativ schnell in die Handlung einsteigen konnte. Schon nach den ersten Seiten hat mich auch dieser Roman begeistert und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Ich fühlte mich mitten im Geschehen, habe die Zeit der Studentenbewegung und der RAF hautnah gespürt und erlebt, was er bei den Menschen anrichtet. Gekonnt hat Michaela Grünig tatsächliche Ereignisse mit der Geschichte verflochten, so dass die unruhigen Zeiten für mich nachvollziehbar waren. Zur Abrundung finde ich das Nachwort zur Wahrheit und Fiktion sehr aufschlussreich. Dieser Erzähl-Mix rund um die Familie Casparius hat mir sehr gut gefallen. Ich erlebte eine emotionale Achterbahnfahrt. Auch mit diesem dritten Band hat Michaela Grünig es wieder geschafft, mich auf eine Reise durch ein Stück Zeitgeschichte mitzunehmen und durch ihren wunderbaren Erzählstil fesselnde Lesestunden bereitet.