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Veröffentlicht am 23.11.2025

so anders

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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"Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten" der Autorin Anna Maschik, war für mich eine absolute Überraschung im positiven Sinn.

Die Autorin hat hier auf 232 Seiten das Leben einer ...

"Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten" der Autorin Anna Maschik, war für mich eine absolute Überraschung im positiven Sinn.

Die Autorin hat hier auf 232 Seiten das Leben einer Familie fragmentiert aufgearbeitet und dies mit einer solchen Intensität geschafft, dass das Buch mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Alma, die Großenkelin von Henrike erzählt in kurzen, teilweise fast leeren Kapitel die Geschichte ihrer Familie. Eine Familie, in der es so einiges an Skurrilitäten an Mitgliedern gibt. Da gibt es einen Jungen, der quasi seine gesamte Kindheit verschläft.
Alma schweift dabei manchmal aus und an manchen Stellen fühlte ich mich ein Märchen versetzt, und dennoch passte für mich alles perfekt zusammen.

Gerade der ungewöhnliche Schreibstil, der so anders war, als erwartet, hat mich in einen Bann gezogen. In der Kürze wurde ganz klar die Weitergabe von generationenübergreifenden Konflikten herausgearbeitet, alles in einem angenehmen Setting und aus der Sicht von Alma.

Ich kann jedem empfehlen, sich auf das Buch einzulassen und es in seiner besonderen Art wirken zu lassen.

Veröffentlicht am 23.11.2025

beeindruckendes Buch

Was nicht gesagt werden kann
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David Szalay hat mit seinem Buch "Was nicht gesagt kann" zu Recht den Booker Preis 2025 gewonnen.

Der Autor beschreibt in klaren Worten das Leben vom Ungarn István ab seinem 15. Lebensjahr. Die Plattenbausiedlung, ...

David Szalay hat mit seinem Buch "Was nicht gesagt kann" zu Recht den Booker Preis 2025 gewonnen.

Der Autor beschreibt in klaren Worten das Leben vom Ungarn István ab seinem 15. Lebensjahr. Die Plattenbausiedlung, in der István mit seiner Mutter lebt, wird direkt zu Beginn äußerst stark beschrieben. Die Trostlosigkeit seines Lebens fließt förmlich durch die Seiten. Dies ändert sich, als er mit einer wesentlich älteren Nachbarin in Kontakt kommt und daraus eine Affäre entsteht. Da hatte ich kurz Bedenken, ob der Autor sich nun nur noch auf die sexuellen Praktiken dieses ungleichen Paares fokussiert, doch diese Angst war unbegründet. Sie gehörte einfach irgendwie zu István`s Entwicklung dazu.
Durch einen wirklich dummen Zufall kommt es zu einer Auseinandersetzung mit dem Ehemann der Nachbarin, bei dem dieser verstirbt. István`s weiterer Lebenslauf scheint mit seiner Verurteilung und dem Leben im Jugendgefängnis besiegelt. Im folgenden Kapitel gibt es in der Geschichte einen Zeitsprung, wie noch einige Male in deren Verlauf.

Mich hat der Schreibstil des Autors wieder beeindruckt, die Distanz und gleichzeitige Nähe, die er damit schaffen kann, sucht seinesgleichen in der Literatur. Seine Art zu erzählen hat mich ganz nah an das Leben von István mit all seinen Höhen und Tiefen, Glücksmomenten, Schuldfragen und Einstellungen teilhaben lassen.

Veröffentlicht am 23.11.2025

Schade

Der Nachbar
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"Der Nachbar" von Sebastian Fitzek stand ganz oben auf meiner Wunschliste und ich habe begeistert angefangen, die Story zu hören. Eingelesen wurde das Hörbuch von Simon Jäger, wie auch die vorherigen ...

"Der Nachbar" von Sebastian Fitzek stand ganz oben auf meiner Wunschliste und ich habe begeistert angefangen, die Story zu hören. Eingelesen wurde das Hörbuch von Simon Jäger, wie auch die vorherigen Hörbücher von Sebastian Fitzek. Die ersten Kapitel waren spannend und ließen mich auf einen weiteren guten Psychothriller hoffen.

Sandra Wolff möchte mit ihrer Tochter am Standrand von Berlin einen ruhigen und beschaulichen Neuanfang wagen und fühlt sich leider von Anfang an in ihrem neuen Domizil nicht wirklich glücklich und wohl. Sie wird das Gefühl nicht los, dass sie beobachtet wird. Anscheinend gibt es einen unsichtbaren Nachbarn, der sich ungewollt und ungewünscht in ihr Leben einmischt, sei es, dass ihre Mülltonne an den Straßenrand gestellt wird und andere unbegreifliche Dinge. Die Polizei, die sie einschaltet, nimmt sie wie zu erwarten nicht ernst und gibt ihr den Ratschlag doch einfach dankbar für die Hilfe zu sein.
Es kommt wie es kommen muss, im Verlauf der Handlung eskaliert die Situation und wurde für mich als Hörer bedauerlicherweise auch immer wirrer.

Lange Zeit war ich ein großer Fan von Sebastian Fitzek, doch die beiden letzten Bücher konnten mich nicht mehr fesseln oder überzeugen. Die gesamte Story und auch das Ende wirkten auf mich absolut konstruiert und ich habe die nach dieser Erfahrung die Hoffnung aufgegeben.
Ebenso konnte ich mit keinem der Protagonisten eine Verbindung aufbauen.

Simon Jäger war dennoch ein toller Sprecher, der versucht hat in diesem wirren Konstrukt eine rote Linie zu erzeugen.

Veröffentlicht am 13.11.2025

gute Umsetzung des Themas

Junge Frau mit Katze
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Nachdem mich das Buch: Die „Lügen über meine Mutter“ der Autorin Daniela Dröscher sehr beeindruckt hat, war ich auf die Fortsetzung der Geschichte um Ela sehr gespannt.

Ela, die mittlerweile ...

Nachdem mich das Buch: Die „Lügen über meine Mutter“ der Autorin Daniela Dröscher sehr beeindruckt hat, war ich auf die Fortsetzung der Geschichte um Ela sehr gespannt.

Ela, die mittlerweile kurz vor dem Abschluss ihrer Promotion steht, erlebt einen körperlichen Zusammenbruch und ihre gesamte Welt gerät ins Wanken. Es sind eigentlich ganz unspezifische Symptome, mal ein Herzrasen, dann wieder Halsschmerzen und immer wieder was Neues. Sie läuft von Arzt zu Artz, bekommt Diagnosen und gleichzeitig auch nicht. Sie möchte Hilfe bekommen, fühlt sich gleichzeitig nicht ernst genommen und lehnt Hilfe in Form von Medikamenten aus Angst wiederum ab. Zu groß ist ihre Angst vor den möglichen Nebenwirkungen. Ein Kreislauf, aus dem auszubrechen fast unmöglich scheint.

Die Autorin verknüpft in Elas Geschichte viel Aktuelles, wie zum Beispiel das Fehlen von Gendersensibler Medizin. Frauen werden häufig belächelt und mit ihren Symptomen nicht ernst genommen. Gleichzeitig stellt sie klar heraus, dass das Päckchen der familiären Belastung bei jedem Menschen irgendwann auf die unterschiedlichsten Arten herausbrechen können.

Mir hat "Junge Frau mit Katze gut gefallen, vor allem weil mir der klare Schreibstil der Autorin so zusagt.


Veröffentlicht am 13.11.2025

Authentisch und berührend

Wir alten Hasen
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"Wir alten Hasen-Mut in bewegten Zeiten" besticht schon mit seiner sehr ansprechenden Aufmachung. Die sogenannten "alten Hasen" sind Persönlichkeiten, die mich teils schon mein ganzes Leben begleiten.

Initiator ...

"Wir alten Hasen-Mut in bewegten Zeiten" besticht schon mit seiner sehr ansprechenden Aufmachung. Die sogenannten "alten Hasen" sind Persönlichkeiten, die mich teils schon mein ganzes Leben begleiten.

Initiator war Konstantin Wecker, den ich dieses Jahr noch auf einem wunderbaren Konzertabend gesehen und vor allem gehört habe.

Mit dabei, mit tollen Gedanken und inspirierenden Ideen, die Mut machen können sind: Michaela May, Willy Astor, Nomi Baumgartl, Heribert Prantl, Gerald Hüther, Anne Devillard, Tilman Sprengler, Isolde Ohlbaum und Rainer M. Schießler. Wie schon an den Namen und deren Persönlichkeiten zu sehen, kommen alle aus unterschiedlichen Genres und Lebenswirklichkeiten.

Gerade dies macht das Buch mit seinen Geschichten so nahbar und authentisch. Trotz ihrer Kürze bleiben die einzelnen Geschichten lange im Gedächtnis, da sie einiges anstoßen und auch berühren.

Den Titel: "Wir alten Hasen" finde ich exzellent ausgewählt, wobei sich das Buch für mich besonders auch für jüngere Menschen wunderbar als Geschenk eignet und von mir ganz bestimmt zu Weihnachten an einige Menschen in meinem Umfeld verschenkt wird.