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Veröffentlicht am 12.09.2025

Jahreshighlight

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Das Hörbuch"Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104" der Autorin Susanne Abel eingelesen von Vera Teltz erzählt das Leben von Hardy und Margaret Willeiski, die als Kriegskinder eine unbeschreibliche ...

Das Hörbuch"Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104" der Autorin Susanne Abel eingelesen von Vera Teltz erzählt das Leben von Hardy und Margaret Willeiski, die als Kriegskinder eine unbeschreibliche Zeit erleben mussten. Dies alles im Namen der Kirche und deren Abkömmlingen.

Hardy wird als ca. 4-jähriger Junge mit einem nicht lesbaren Zettel um den Hals in einem Flüchtlingstreck aufgefunden. Sein Alter wird geschätzt und er wird fortan Hartmut genannt. Das Heim, in dem er schließlich Margret begegnet, wird mit unerbittlicher Härte von Nonnen geführt. Die Kinder werden nicht einmal beim Namen genannt, sondern mit Nummern aufgerufen. Die kleinen Seelen, die sämtliche Sicherheit in ihrem Leben verloren haben, haben nur sich selber. Margret wird für Hardy, der nur mit ihr spricht, seine Beschützerin. Als Margret von Verwandten aufgenommen wird, bleibt Hardy zurück. Beide erleben in den darauffolgenden Jahren weiteres Leid, bis Margret Hardy mehr durch Zufall wieder findet und sie sich ein gemeinsames Leben aufbauen. Ein Leben, welches besonders für Margret durch Ängste und starke psychische Beeinträchtigungen geprägt ist. Dennoch versuchen sie nach außen hin ein geregeltes Leben zu zeigen und schweigen auch gegenüber ihren Kindern, Enkeln über ihre Vergangenheit. Emely, ihre Urenkelin, die bei ihnen aufwächst, beginnt eines Tages Fragen zu stellen und weckt dadurch die alten Geister.

Mich hat das Hörbuch sehr bewegt, waren doch auch meine Eltern Kriegskinder, aber auch bei uns wurde nicht darüber gesprochen, geschweige denn aufgearbeitet. Die Autorin versteht es gekonnt, die transgenerationale Weitergabe eines Traumas in einen fesselnden Roman zu verpacken. Vera Teltz als Sprecherin hat wunderbare Arbeit geleistet, die einzelnen Personen werden durch exzellente Betonung mehr als lebendig, wenn das überhaupt möglich ist.

Du musst meine Hand fester halten Nr. 104 hat meine Erwartungen weit übertroffen.

Dieses Hörbuch ist für mich ein absolutes Jahreshighlight und ich kann es nur jedem ans Herz legen.

Veröffentlicht am 08.09.2025

genial

Die Sättigung
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Die Sättigung ist der mittlerweile achte Fall für den Kryptologen Arne Stiller und es wird nicht langweilig, ihn bei seinen Ermittlungen zu begleiten.
Diesmal dreht sich im Fall alles um den Karneval bzw. ...

Die Sättigung ist der mittlerweile achte Fall für den Kryptologen Arne Stiller und es wird nicht langweilig, ihn bei seinen Ermittlungen zu begleiten.
Diesmal dreht sich im Fall alles um den Karneval bzw. um eine ganz bestimmte venezianische Karnevalsmaske. Stiller wird während den Vorbereitungen auf Karneval in Dresden zu seinem unbeliebten und nicht gerade arbeitsamsten Kollegen Plattner gesetzt, um diesen bei der Suche nach dem verschwundenen Karnevalsprinzen Dolph Gehrmann zu unterstützen. Arne ist über die Untätigkeit seines Kollegen entsetzt und nimmt sich der Sache mit seinem bekannten Spürsinn an. Gleichzeitig wird er zu einem Mord an einem Imbissbetreiber gerufen und meint, einen Hinweis entdeckt zu haben. Doch wie passt der Imbissbesitzer mit dem verschwundenen Prinzen zusammen? Als weitere Hinweise auftauchen, ist Stiller klar, dass es sich um einen Serientäter handelt, der in immer kürzeren Abständen und auch immer grausamer mordet. Ihm läuft die Zeit davon und sein Kollege ist ihm wie erwartet keine Hilfe.

Seine Religion Armakuni und deren Weisheiten fehlen natürlich auch in diesem Band nicht und lassen mich bei einem Thriller doch manchmal schmunzeln. Inges Gastauftritt, ich danke dafür.

Elias Haller versteht sein Handwerk und darum lässt auch der achte Band keinerlei Wünsche offen. Die Handlung ist kurze, knackige Kapitel verpackt, die sich in der Spannung gekonnt steigern.
Ebenso ist die Auflösung schlüssig und lässt keinerlei Fragen offen. Wie auch mit den anderen Bänden hat mir Elias Haller mit "Die Sättigung" wieder einge spannende Lesestunden beschert.

Veröffentlicht am 08.09.2025

brillant

Seerauchen
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Seerauchen der Autorin Sabine Eschbach spielt in einem kleinen Dorf am Bodensee in den 30-iger Jahren. Dort lebt Martha mit ihrem Sohn Josef. Josef ist anders als andere Kinder, heute würde er wahrscheinlich ...

Seerauchen der Autorin Sabine Eschbach spielt in einem kleinen Dorf am Bodensee in den 30-iger Jahren. Dort lebt Martha mit ihrem Sohn Josef. Josef ist anders als andere Kinder, heute würde er wahrscheinlich mit Autismus diagnostiziert werden. Seine ersten Worte spricht der Junge mit sieben Jahren, aber es sind nicht die Worte, die man als erstes von einem Kind erwartet. Idiot ist da noch das harmloseste. Er gibt die Worte wieder, mit denen ihn die Umgebung seit er lebt betitelt. Durch seine Einschränkungen leben er und seine Mutter sehr isoliert von den anderen Dorfbewohnern. In der Schule dann der erste Lichtblick, als ein Lehrer seine Fähigkeiten entdeckt und diese fördert. Doch auch dieses Glück bleibt für Josef nicht von langer Dauer, da dieser in Laufe der Geschichte und des Krieges ersetzt wird.

Die Autorin versteht es in ihrem Debüt, die grausame Zeit des Nationalsozialismus mit dem Leben einfacher und wenig gebildeter Menschen zu verknüpfen, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Das Hauptaugenmerk liegt dabei immer bei Martha und Josef und lässt den Leser an den innersten Gedanken und Gefühlen der beiden Protagonisten teilhaben.
Besonders berührt hat mich, dass Josef in Farben denkt, heute bekannt unter Synästhesie einem neurologischen Phänomen. Die Stärke der Mutter, die trotz ihrer immer größer werdender Überforderung zu ihrem Josef hält, beeindruckt mich tief.

Ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte, mit ausgefeilten Charakteren, brillant umgesetzt.

Veröffentlicht am 28.08.2025

zu flach

Welcome Home – Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?
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"Welcome Home" hat mich aufgrund des Klappentextes neugierig gemacht und es ist nicht das erste Buch von Arno Strobel, welches ich gelesen habe.

Die Eheleute Ines und Marco Winkler verwirklichen mit Tochter ...

"Welcome Home" hat mich aufgrund des Klappentextes neugierig gemacht und es ist nicht das erste Buch von Arno Strobel, welches ich gelesen habe.

Die Eheleute Ines und Marco Winkler verwirklichen mit Tochter Emilia und Labradoodle James ihren Traum und ziehen in das Dorf Auf Mons im Spessart wo eine Neubausiedlung auf dem Boden eines alten Dorfes gebaut wurde.
Sie fühlen sich dort willkommen, sind doch alle Einwohner per Du und unterstützen sich in jeglicher Form. Doch der erste Schein scheint zu trügen, schon in der ersten Nacht hat Ines das Gefühl in ihrem eigenen Schlafzimmer beobachtet zu werden, versuchen sich dies aber mit der ungewohnten und neuen Umgebung zu erklären. Am nächsten Tag wird eine Leiche im unbewohnten Nachbarhaus von Ines und Marco gefunden und bei Ines und Marco häufen sich die nächtlichen Begebenheiten, sogar die Hauptsicherung wird herausgedreht. Als weitere Morde geschehen, gerät die Gemeinschaft der Bewohner Auf Mons ins Wanken und die Suche nach dem Täter nimmt alle in Anspruch.

Der Einstieg in die Geschichte ist mir leicht gefallen und der Lageplan der Siedlung im Buch ließ das Dorf plastisch vor meinen Augen erscheinen, was die Wege des Täters angeht.
Zu Beginn empfand ich einen guten Spannungsaufbau, der leider im Verlauf des Buches doch nachließ, da die Protagonisten doch leider insgesamt für mich zu oberflächlich und flach blieben. Hinzu kamen für mich einige Logik- und Realitätsfehler, die mich in Summe doch sehr gestört haben.

Dies ist für mich nicht das stärkste Buch von Arno Strobel und ich hoffe darauf, dass der Autor wieder zu alter Stärke zurückfindet.

Veröffentlicht am 26.08.2025

verschenktes Potential

Heimat
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Aufgrund des vielversprechenden Klappentextes habe ich mich für das Buch Heimat der Autorin Hannah Lühmann entschieden.

Jana und Noah haben sich mit ihren beiden Kindern den Traum erfüllt, auf dem Land ...

Aufgrund des vielversprechenden Klappentextes habe ich mich für das Buch Heimat der Autorin Hannah Lühmann entschieden.

Jana und Noah haben sich mit ihren beiden Kindern den Traum erfüllt, auf dem Land zu leben. Durch den Hauskauf geben sie allerdings auch ihr Stadtleben mit all seinen Annehmlichkeiten auf. Zum Glück trifft Jana schnell auf Karolin, die quasi Vorzeigefrau der Dorfgemeinschaft und es entwickelt sich schnell eine Freundschaft, obwohl ihre Lebenseinstellung grundverschieden sind, zwischen den beiden ungleichen Frauen. Karolin lebt das Leben einer Tradwife und Jana bewundert sie maßlos. Als Janas Leben aus den gewohnten Bahnen fällt, wird Karolin zu ihrer Stütze.

Die Themen, die Hannah Lühmann in ihrem Roman anspricht, sind topaktuell, aber leider auch zu vielfältig, um sie in einem Roman von 170 Seiten adäquat und mit Tiefe zu behandeln. Jana erscheint planlos, nicht in sich gefestigt und dabei nicht sonderlich sympathisch.
Die vielen unterschiedlichen Themen, die die Gesellschaft momentan umtreiben(AfD, Social Media, Flüchtlinge, Gewalt ebenso wie das Mutter/-Frauenbild) werden, allesamt nur angerissen und wirken lose aneinandergereiht.

Eine starke Idee, die mich in ihrer Umsetzung leider nicht erreichen konnten