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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2026

Zart, clever und überraschend ehrlich

24 Sekunden ab jetzt
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"24 Sekunden ab jetzt" hat mich vor allem mit seinem raffinierten Aufbau überzeugt. Die Geschichte wird rückwärts erzählt. Von 24 Sekunden vor dem entscheidenden Moment über 24 Minuten, Tage und Wochen ...

"24 Sekunden ab jetzt" hat mich vor allem mit seinem raffinierten Aufbau überzeugt. Die Geschichte wird rückwärts erzählt. Von 24 Sekunden vor dem entscheidenden Moment über 24 Minuten, Tage und Wochen davor, bis hin zum allerersten Treffen. Anfangs ungewohnt, aber genau das macht den Reiz aus. Statt sich langsam vorzuarbeiten, zieht einen das Buch Stück für Stück tiefer in die Vergangenheit und damit näher an die Gefühle der Figuren.

Besonders schön fand ich, wie sich Bedeutung und Emotionen im Nachhinein entfalten. Kleine Gesten, scheinbar beiläufige Begegnungen und unscheinbare Momente bekommen rückwirkend Gewicht. Man liest nicht darauf hin, was passiert, sondern warum es so viel bedeutet. Das fühlt sich ehrlich und nahbar an.

Die Liebesgeschichte ist süß, ohne kitschig zu werden. Keine übertriebenen Dramen, keine aufgesetzten Herzschmerz-Klischees, stattdessen leise Töne, echte Unsicherheiten und dieses angenehme Kribbeln, das sich ganz natürlich entwickelt. Genau das macht das Buch so glaubwürdig.

Das Jugendbuch ist modern, kreativ und emotional, ohne laut zu sein. Eine Geschichte, die zeigt, dass manchmal ein einziger Augenblick nur deshalb so besonders ist, weil so viel Zeit davor passiert ist. Ein Buch, das man nicht einfach nur liest, sondern rückwärts fühlt.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Paul macht einfach sein Ding

Paul bekommt kein Kätzchen
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Also ganz ehrlich: Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Bilderbuch so zum Schmunzeln bringt. Aber Paul hat es geschafft.

In „Paul bekommt kein Kätzchen“ läuft nämlich nichts so, wie man es erwartet. ...

Also ganz ehrlich: Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Bilderbuch so zum Schmunzeln bringt. Aber Paul hat es geschafft.

In „Paul bekommt kein Kätzchen“ läuft nämlich nichts so, wie man es erwartet. Und genau das macht den Reiz aus. Paul ist kein braves „Ich-nehm-das-jetzt-hin“-Kind, sondern einer, der seine ganz eigenen Ideen hat und die auch durchzieht. Dadurch entsteht eine Geschichte, die herrlich chaotisch, überraschend und einfach richtig witzig ist. Die Dialoge sind locker, die Situationen manchmal total absurd aber genau so, dass Kinder es lieben. Und Erwachsene übrigens auch.

Was ich besonders mag: Zwischen all dem Humor steckt auch eine schöne Botschaft. Es geht darum, dass nicht immer alles nach Plan läuft und dass genau daraus etwas richtig Gutes entstehen kann. Ohne erhobenen Zeigefinger, einfach ganz nebenbei.

Für mich ist das ein Vorlesebuch, das man nicht nur einmal liest. Es lädt zum Mitdenken, Mitlachen und Mitreden ein. Und Paul? Der bleibt definitiv im Kopf.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Vatersuche mit Herzklopfen

Pepper
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Manchmal beginnt eine Geschichte nicht mit einem großen Knall, sondern mit einer leisen Frage: Wer bin ich eigentlich und was fehlt mir?
Genau an diesem Punkt steht Pepper. Kurz vor dem Abi, mitten im ...

Manchmal beginnt eine Geschichte nicht mit einem großen Knall, sondern mit einer leisen Frage: Wer bin ich eigentlich und was fehlt mir?
Genau an diesem Punkt steht Pepper. Kurz vor dem Abi, mitten im ganz normalen Großstadtleben, stolpert sie über eine Wahrheit, die sich nicht länger wegschieben lässt: Sie kennt ihren Vater nicht. Und dieses Nicht-Wissen fühlt sich plötzlich größer an als alles andere.

Nils Mohl erzählt Peppers Geschichte mit einer Mischung aus Leichtigkeit und Tiefgang, die sich überraschend echt anfühlt. Pepper ist keine überzeichnete Heldin, sondern eine junge Frau mit Ecken, Unsicherheiten und diesem Drang, endlich Klarheit zu bekommen. Statt dramatisch Türen einzutreten, wählt sie einen ebenso mutigen wie schrägen Weg: Sie zieht undercover in die WG ihres Vaters ein, ohne dass er weiß, wer sie ist. Allein diese Ausgangssituation sorgt für Spannung, charmante Absurditäten und viele Momente zwischen Fremdscham und Mitgefühl.

Die WG wird dabei mehr als nur Kulisse. Zwischen Küchengesprächen, schrägen Mitbewohnern und alltäglichem Chaos entsteht ein Raum, in dem Pepper sich selbst neu beobachtet. Die Dynamik ist lebendig, humorvoll und manchmal wunderbar unangenehm. Und während sie ihrem Vater näherkommt, stellt sie fest, dass Identität kein festes Puzzlebild ist, sondern etwas, das sich entwickelt.

Besonders stark ist die Art, wie große Themen wie Herkunft, Zugehörigkeit und Selbstfindung in einer modernen, klaren Sprache erzählt werden. Nichts wirkt überdramatisiert, nichts künstlich auf cool getrimmt. Stattdessen entsteht eine Geschichte, die emotional berührt, ohne kitschig zu werden, und die zeigt, dass Erwachsenwerden oft bedeutet, unbequeme Fragen auszuhalten.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Ein Verschwinden, das alles verändert

This Story Might Save Your Life
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Manche Bücher landen im Leben wie ein Podcast, den man eigentlich nur kurz anmachen wollte und dann stundenlang nicht mehr abschaltet. "This Story Might Save Your Life" gehört genau in diese Kategorie. ...

Manche Bücher landen im Leben wie ein Podcast, den man eigentlich nur kurz anmachen wollte und dann stundenlang nicht mehr abschaltet. "This Story Might Save Your Life" gehört genau in diese Kategorie. Tiffany Crum erzählt eine warmherzige, klug aufgebaute Geschichte, die leichtfüßig beginnt und sich Schritt für Schritt zu einem emotionalen, spannenden Rätsel entwickelt. Was zunächst wie eine charmante Story über zwei erfolgreiche Podcast-Hosts wirkt, entfaltet schnell eine tiefere Ebene über Nähe, Vertrauen und die Geschichten, die wir einander und uns selbst erzählen.

Joy und Benny sind nicht nur Co-Hosts eines gefeierten Podcasts, sondern auch ein perfekt eingespieltes Duo. Als Joy plötzlich verschwindet, gerät Bennys Welt aus den Fugen. Die Suche nach ihr wird zur emotionalen wie auch psychologischen Herausforderung. Besonders gelungen ist die Erzählstruktur: Perspektivwechsel und fragmentarische Einblicke sorgen dafür, dass man als Leser:in ständig neue Puzzleteile erhält und doch nie das Gefühl hat, den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Die große Stärke des Thrillers liegt in seiner Balance. Spannung und Gefühl stehen gleichberechtigt nebeneinander, die Figuren wirken lebendig und nahbar, die Dialoge natürlich. Die Autorin schafft es, ernste Themen mit Leichtigkeit zu erzählen, ohne sie zu verharmlosen. Das Ergebnis ist ein Thriller, der unterhält, berührt und lange nachklingt.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Berührend gedacht, nicht ganz tief genug umgesetzt

Himmelsfeuer
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"Himmelsfeuer" ist ein berührender Coming‑of‑Age‑Roman über Familie, Heimat, Gefühle und den Weg zu sich selbst. Die Geschichte spielt im Norden Schwedens und behandelt Themen wie Identität, Selbstfindung ...

"Himmelsfeuer" ist ein berührender Coming‑of‑Age‑Roman über Familie, Heimat, Gefühle und den Weg zu sich selbst. Die Geschichte spielt im Norden Schwedens und behandelt Themen wie Identität, Selbstfindung und die Balance zwischen eigenen Wünschen und den Erwartungen der Gemeinschaft. Die Idee ist stark und die Themen sind zeitgemäß und wichtig.

Leider konnte mich der Schreibstil persönlich nicht ganz überzeugen. Die Sätze wirken häufig zu kurz und abgehackt, was im Hörbuchformat noch stärker auffällt. Dadurch entsteht ein etwas unrunder Erzählfluss, und ich konnte nicht so tief in die Geschichte eintauchen, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hätte mir mehr innere Tiefe und Nuancen gewünscht, um die Charaktere und ihre Konflikte noch intensiver zu erleben.

Für jüngere Leser:innen kann der Stil hingegen gut funktionieren. Die junge Clique, ihre Dynamik und die direkten Emotionen könnten genau die richtigen Zielgruppen ansprechen und fesselnd sein. Vielleicht liegt es also an meiner eigenen Leseerwartung – für mich war es stilistisch einfach nicht ganz passend.

Insgesamt hat "Himmelsfeuer" spannende Ansätze und behandelt wichtige Themen, hinterlässt aber bei mir einen leicht distanzierten Eindruck. Ein Buch, das sich für junge Leser*innen gut eignet, für mich persönlich aber eher solide, statt herausragend ist.

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