Profilbild von Newspaper

Newspaper

Lesejury Star
offline

Newspaper ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Newspaper über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.04.2026

Nicht ganz mein Sommer (Hörbuch)

Eine Liebe ohne Sommer
1

Leider hat mich dieses Hörbuch etwas zwiegespalten zurückgelassen. Ich hatte mir ehrlich gesagt mehr davon versprochen, gerade weil die Grundidee eigentlich viel Potenzial mitbringt. Aber so richtig gepackt ...

Leider hat mich dieses Hörbuch etwas zwiegespalten zurückgelassen. Ich hatte mir ehrlich gesagt mehr davon versprochen, gerade weil die Grundidee eigentlich viel Potenzial mitbringt. Aber so richtig gepackt hat mich die Geschichte nicht. Mein größtes Problem waren tatsächlich die Protagonisten. Ich bin einfach nicht richtig warm mit ihnen geworden, was es mir ziemlich schwer gemacht hat, emotional dranzubleiben. Manche Entscheidungen und Aussagen wirkten auf mich eher konstruiert als authentisch. Ein Beispiel, das mir direkt am Anfang negativ aufgefallen ist: die Frage an eine ältere Dame, ob sie mit PayPal bezahlen kann. Das sollte vermutlich witzig sein, hat bei mir aber eher für Augenrollen gesorgt. Es wirkte unpassend und unnötig, zumal das Verhalten der Figur ohnehin schon klar gemacht hat, dass sie mit moderner Technik nicht viel am Hut hat. Dadurch war ich leider relativ früh etwas raus aus der Geschichte.

Das heißt aber nicht, dass alles schlecht war: Es gab durchaus einige schöne, ruhigere und auch berührende Momente. Gerade die Suche nach dem „wahren Nikolas“ fand ich ganz interessant umgesetzt, auch wenn mich das insgesamt nicht komplett überzeugen konnte. Ein Pluspunkt ist auf jeden Fall die Sprecherin. Sie hat das Hörbuch wirklich angenehm und lebendig gelesen und konnte einiges an Stimmung transportieren, was die Geschichte selbst für mich nicht immer geschafft hat.

Unterm Strich ist es kein schlechtes Hörbuch, aber leider auch keines, das mir lange im Kopf bleibt. Ich hätte mir mehr Tiefe bei den Figuren und insgesamt mehr Gefühl gewünscht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2026

Ein Mord, viele Perspektiven (Hörbuch)

Beth is dead
1

Vier Schwestern stehen plötzlich im Mittelpunkt eines Mordfalls: Beth wird tot aufgefunden, und schnell wird klar, dass jede ihrer Schwestern ein mögliches Motiv hat. Während die Ermittlungen laufen, geraten ...

Vier Schwestern stehen plötzlich im Mittelpunkt eines Mordfalls: Beth wird tot aufgefunden, und schnell wird klar, dass jede ihrer Schwestern ein mögliches Motiv hat. Während die Ermittlungen laufen, geraten nicht nur familiäre Spannungen ans Licht, sondern auch alte Geheimnisse, die lange verborgen geblieben sind. Durch wechselnde Perspektiven und Zeitsprünge setzt sich Stück für Stück ein komplexes Bild zusammen, in dem Wahrheit und Lüge immer schwerer zu unterscheiden sind.

Das Hörbuch zieht einen von Beginn an direkt in die Geschichte hinein und baut schnell eine dichte, leicht beklemmende Atmosphäre auf. Besonders die wechselnden Perspektiven der Schwestern sorgen dafür, dass man sich als Hörerin oder Hörer ständig ein neues Bild von den Figuren machen muss. Jede wirkt auf ihre Weise glaubwürdig, aber nie vollkommen durchschaubar, was die Spannung durchgehend aufrechterhält.

Die Handlung entwickelt sich dynamisch und lebt stark von den vielen kleinen Enthüllungen, die nach und nach ans Licht kommen. Durch die geschickte Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart bleibt man aufmerksam und beginnt automatisch, eigene Theorien zu entwickeln. Dabei geht es nicht nur um die Frage, was mit Beth passiert ist, sondern auch um die komplexen Beziehungen innerhalb der Familie und die Auswirkungen von lange verdrängten Ereignissen.

Auch die Umsetzung als Hörbuch funktioniert gut. Die Sprecherleistung transportiert die unterschiedlichen Stimmungen überzeugend und verleiht den Figuren eine passende emotionale Tiefe. Gerade in intensiveren Momenten wirkt das Geschehen authentisch und nahbar. Teilweise hätte der Geschichte jedoch etwas mehr Raum gutgetan, da die vielen Wendungen recht dicht aufeinander folgen. Nicht jede Entwicklung kommt völlig überraschend, und einige Auflösungen wirken leicht konstruiert. Dennoch bleibt das Hörbuch bis zum Schluss spannend und bietet eine insgesamt fesselnde Mischung aus Thriller und Familiendrama.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2026

Ein Funke im Dunkeln

Solange ein Streichholz brennt
1

Es gibt Bücher, die laut um Aufmerksamkeit kämpfen und solche, die einfach da sind und einen trotzdem nicht mehr loslassen. Dieses hier gehört definitiv zur zweiten Sorte. Ohne großes Drama, ohne übertriebene ...

Es gibt Bücher, die laut um Aufmerksamkeit kämpfen und solche, die einfach da sind und einen trotzdem nicht mehr loslassen. Dieses hier gehört definitiv zur zweiten Sorte. Ohne großes Drama, ohne übertriebene Inszenierung erzählt es eine Geschichte, die sich erstaunlich echt anfühlt.

Bohm ist eine dieser Figuren, die man nicht sofort durchschaut. Er lebt am Rand der Gesellschaft, aber die Geschichte macht ihn nicht zum Klischee. Statt Mitleid zu erzwingen, zeigt sie ihn mit Ecken, Kanten und einer gewissen Distanz, die man erst nach und nach versteht. Sein Alltag wirkt rau, manchmal fast trostlos, aber nie künstlich überzeichnet. Und irgendwo zwischen all dem ist da Fox. Nicht nur ein Hund, sondern so etwas wie sein letzter Halt.
Alina bringt eine ganz andere Energie mit. Sie steht nicht am Existenzminimum, aber auch sie hängt fest; beruflich, vielleicht auch persönlich. Ihr Auftrag wirkt anfangs wie ein klassischer Karriererettungsversuch, doch je mehr sie sich auf Bohm einlässt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Distanz und Nähe. Das fühlt sich angenehm glaubwürdig an, weil nichts daran überstürzt wirkt.

Was das Buch besonders macht, ist seine Zurückhaltung. Es erklärt nicht alles, es bewertet nicht ständig und es versucht auch nicht, große Wahrheiten aufzudrängen. Stattdessen lässt es Situationen wirken, lässt Figuren atmen und vertraut darauf, dass man als Leser selbst mitdenkt. Gerade beim Thema Obdachlosigkeit ist das erfrischend ... keine Klischees, kein erhobener Zeigefinger, sondern ein Blick, der hängen bleibt.

Die Beziehung zwischen Bohm und Alina entwickelt sich leise, fast vorsichtig. Am Ende ist es kein Buch, das mit einem großen Knall endet. Eher eines, das sich langsam verabschiedet und noch eine Weile nachwirkt. Unaufgeregt, ein bisschen melancholisch und genau deshalb so überzeugend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2026

Wut darf sein – und gehen

Wenn liebe Waschbären wütend sind
1

Ein kleiner Waschbär ist richtig wütend, weil ihm sein Apfel weggenommen wurde und auf seinem Weg durch den Wald begegnet er verschiedenen Tieren, die alle ganz unterschiedlich mit ihrer Wut umgehen. Ob ...

Ein kleiner Waschbär ist richtig wütend, weil ihm sein Apfel weggenommen wurde und auf seinem Weg durch den Wald begegnet er verschiedenen Tieren, die alle ganz unterschiedlich mit ihrer Wut umgehen. Ob stampfen, schreien, weinen oder tief durchatmen; jede Begegnung zeigt ihm eine neue Möglichkeit, mit starken Gefühlen umzugehen, bis er schließlich seinen eigenen Weg findet.

Ich fand die Umsetzung unglaublich süß und gleichzeitig richtig alltagsnah. Die Geschichte wirkt zu keiner Zeit belehrend, sondern eher wie ein sanfter Begleiter durch ein Gefühl, das Kinder (und ehrlich gesagt auch Erwachsene) nur zu gut kennen. Die Sprache ist angenehm einfach gehalten, ohne dabei langweilig zu sein. Perfekt zum Vorlesen, aber auch so geschrieben, dass Kinder aktiv mitdenken und sich wiedererkennen können. Was das Buch aber wirklich besonders macht, sind die Illustrationen: warm, weich und total einladend. Sie transportieren die Stimmung richtig gut. Von wütend und aufgebracht bis hin zu ruhig und versöhnt. Man merkt, dass hier viel Herz drinsteckt.

Für mich ist das Buch nicht nur eine schöne Geschichte, sondern auch ein kleiner Türöffner für Gespräche über Gefühle. Gerade im Alltag, wenn die Emotionen mal hochkochen, kann man wunderbar darauf zurückkommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2026

Familiengeheimnisse unter mediterraner Hitze

Die Touristin
1

Eine Frau reist auf eine kleine Mittelmeerinsel, nicht aus Fernweh, sondern aus einem inneren Druck heraus. Sie will endlich verstehen, wo sie herkommt, konkret: wer ihr Vater ist und warum dieses Kapitel ...

Eine Frau reist auf eine kleine Mittelmeerinsel, nicht aus Fernweh, sondern aus einem inneren Druck heraus. Sie will endlich verstehen, wo sie herkommt, konkret: wer ihr Vater ist und warum dieses Kapitel in ihrem Leben immer ein blinder Fleck geblieben ist. Während sie sich vor Ort vorsichtig an Menschen und Erinnerungen herantastet, entfaltet sich parallel die Geschichte ihrer Mutter in der Vergangenheit. Zwei Perspektiven, die sich zunächst unabhängig anfühlen, aber nach und nach immer enger ineinandergreifen ... bis klar wird, dass hier mehr verborgen liegt, als man anfangs vermutet.

Die Geschichte wirkt nicht wie ein klassischer Thriller, der einen sofort packt und durchzieht, sondern eher wie ein langsames Hineingleiten in etwas Unangenehmes. Es beginnt fast ruhig, beinahe unspektakulär und genau das macht es so effektiv. Diese unterschwellige Spannung baut sich leise auf, fast unmerklich, bis man irgendwann merkt, dass man längst mittendrin steckt. Juno ist dabei alles andere als glatt oder sympathisch im klassischen Sinne. Sie schwankt, zweifelt, passt sich an, zieht sich zurück und genau das kann auch mal nerven. Aber gleichzeitig macht es sie greifbar. Man versteht irgendwann, warum sie so ist, auch wenn man nicht jede ihrer Entscheidungen gutheißt. Ihre Entwicklung passiert nicht plötzlich, sondern eher in kleinen, glaubwürdigen Schritten.

Die Rückblicke haben für mich eine ganz eigene Wirkung. Sie fühlen sich intensiver an, emotional aufgeladener, teilweise auch widersprüchlich. Man merkt schnell, dass Erinnerungen nicht immer verlässlich sind und dass Menschen sich ihre eigene Version von Wahrheit zurechtlegen. Gerade diese Unschärfe fand ich spannend, weil sie einen als Leser ständig zweifeln lässt.
Was die Atmosphäre angeht, lebt das Buch stark vom Kontrast: diese helle, fast schon kitschige Inselkulisse und darunter ein Gefühl von Enge, von unausgesprochenen Dingen. Es ist nicht laut oder dramatisch, sondern eher dieses stille Unbehagen, das sich festsetzt. So ein Gefühl, dass hinter freundlichen Fassaden etwas kippen kann. Auch die Figuren rund um die Protagonistin bleiben bewusst schwer einzuordnen. Man weiß nie so genau, wem man trauen kann, und genau das sorgt dafür, dass man gedanklich immer dranbleibt. Es gibt keine klaren Schwarz-Weiß-Zeichnungen, sondern viele Grautöne.

Für mich ist das Buch kein typischer Pageturner im klassischen Sinn, sondern eher eines, das sich langsam entfaltet und dabei immer mehr Spannung aufbaut. Es lebt von Stimmung, von zwischenmenschlichen Dynamiken und von der Frage, wie gut man die Menschen kennt, die einem am nächsten stehen. Und genau das bleibt auch nach dem Lesen noch hängen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere