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Veröffentlicht am 21.11.2025

Existenzielle Fragen im Rückspiegel (Hörbuch)

Zurück zu ihr
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Kai Wiesinger, der als Schauspieler bekannt wurde, wagt sich mit seinem ersten Roman „Zurück zu ihr“ in die Welt der Literatur. Das Hörbuch, untermalt von Wiesingers eigener Lesung, ist ein ruhiger, nachdenklicher ...

Kai Wiesinger, der als Schauspieler bekannt wurde, wagt sich mit seinem ersten Roman „Zurück zu ihr“ in die Welt der Literatur. Das Hörbuch, untermalt von Wiesingers eigener Lesung, ist ein ruhiger, nachdenklicher Ausflug in die Gedankenwelt eines Mannes, der mit fünfzig Jahren mitten im Leben steht oder besser gesagt: in der Mitte seines Lebens. Jan wird mit einem Klassentreffen konfrontiert, das für ihn eine Reise in die Vergangenheit und zu seiner großen Jugendliebe Anja bedeutet. Doch der Roadtrip nach Hannover wird nicht nur von Erinnerungen geprägt, sondern auch von einer Reihe von Pannen, die Jan zunehmend an seinem bisherigen Lebensweg zweifeln lassen. Die zentrale Frage des Romans: Was zählt im Leben wirklich?

Wiesinger schafft es, die existenziellen Fragen des Lebens glaubhaft und berührend zu vermitteln. Die teils humorvollen, teils tiefgründigen Dialoge fangen die innere Zerrissenheit eines Mannes ein, der sich nach der Mitte seines Lebens fragt, ob er die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Die weise Reflexion über Wünsche, Ziele und verpasste Chancen sind zentrale Themen des Buches, die der Autor auf authentische Weise anspricht. Die Erzählweise des Hörbuchs ist ruhig und nachdenklich, aber gerade dadurch sehr zugänglich. Wiesinger liest mit einem angenehmen, zurückhaltenden Ton, der die Themen des Romans unterstützt.

Allerdings gibt es auch Aspekte, die nicht vollkommen überzeugen. Die Bedeutung des Titels und das Ende des Romans wirken auf mich persönlich nicht ganz klar. Die Frage, ob der Roman eine klare Antwort auf die Lebenskrise von Jan bietet oder ihn eher in einem Nebel aus Fragen und Zweifeln zurücklässt, bleibt meiner Meinung nach offen. Manche Hörer könnten das als Stärke ansehen, da es Raum für eigene Interpretationen lässt, doch andere werden sich von der fehlenden Klarheit vielleicht enttäuscht fühlen.

Insgesamt ist „Zurück zu ihr“ ein gelungenes, tiefgründiges Hörbuch, das mit seinem Ansatz, die großen Lebensfragen zu stellen, in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken anregt. Es ist ein Hörbuch für all jene, die sich mit den Herausforderungen und Möglichkeiten der Lebensmitte auseinander setzen möchten, auch wenn der Abschluss des Werkes nicht für jeden eindeutig ist.

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Veröffentlicht am 08.11.2025

Gefangen im Eltern-Feed

Please unfollow
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Mit "Please unfollow" gelingt Basma Hallak ein kraftvoller, berührender Roman über Selbstfindung im Zeitalter der Dauerbeobachtung. Im Zentrum steht Sherry, siebzehn, aufgewachsen als Social-Media-Star ...

Mit "Please unfollow" gelingt Basma Hallak ein kraftvoller, berührender Roman über Selbstfindung im Zeitalter der Dauerbeobachtung. Im Zentrum steht Sherry, siebzehn, aufgewachsen als Social-Media-Star – gefilmt, geliked, kommentiert. Ihr Leben war Content, ihre Kindheit eine Reality-Show. Doch nach einem drastischen Vorfall muss sie in ein Resozialisierungscamp. Dort, ohne Kamera und WLAN, beginnt zum ersten Mal ihr echtes Leben und sie merkt, dass sie gar nicht weiß, wer sie ohne Publikum ist.

Hallak trifft mit ihrem Thema den Nerv unserer Zeit: die schmale Linie zwischen digitaler Selbstinszenierung und realer Identität. Die Autorin schafft es, Sherrys Konflikt so intensiv zu zeichnen, dass man sich fast mitschämt für die Welt, die ihr zugeschaut hat. Zwischen Campalltag, Therapie und Rückblenden in ihre Kindheit entfaltet sich eine Geschichte voller Wut, Verletzlichkeit und stiller Hoffnung.

Besonders stark sind die leisen Momente: Wenn Sherry die Stille nicht erträgt. Wenn sie merkt, dass niemand sie mehr sieht und das zugleich erschreckend und befreiend ist. Die Sprache ist direkt, emotional und trotzdem klar; kein Zeigefinger, kein Pathos, sondern ehrliches Erzählen.

Das Buch ist modern geschrieben, ohne anbiedernd jugendlich zu wirken. Man spürt die Recherche und das Gespür für Social-Media-Mechanismen, aber auch die Empathie für eine Generation, die mit Likes groß geworden ist.

"Please unfollow" ist kein reiner „Influencer-Roman“, sondern eine Geschichte über Kontrolle, Freiheit und das Ringen um Selbstbestimmung. Sie regt zum Nachdenken an, ohne belehrend zu sein und bleibt lange im Kopf. Ein ehrlicher, intensiver Coming-of-Age-Roman über das Aufwachsen im digitalen Scheinwerferlicht. Emotional, klug und erschreckend aktuell.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Erwachsenwerden als Herausforderung

Und morgen dann erwachsen
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Dieser Roman ist eine facettenreiche Betrachtung des Übergangs ins Erwachsenenalter, die sowohl die emotionale als auch die psychologische Seite dieses Prozesses einfängt. Der Autor führt die Leser in ...

Dieser Roman ist eine facettenreiche Betrachtung des Übergangs ins Erwachsenenalter, die sowohl die emotionale als auch die psychologische Seite dieses Prozesses einfängt. Der Autor führt die Leser in eine Welt, die von Selbstfindung, Unsicherheit und der Suche nach Identität geprägt ist – Themen, die besonders junge Erwachsene ansprechen dürften.

Die Geschichte folgt einem Protagonisten, der sich mit der Komplexität des Erwachsenwerdens auseinandersetzt, ohne dabei den typisch idealisierten Blick auf die Jugend zu bieten. Der Autor zeichnet ein realistisches Bild von den Herausforderungen, die mit der Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen, und dem Abschied von einer sorglosen Kindheit einhergehen.

Stilistisch überzeugt das Buch durch klare und prägnante Sprache, die nicht auf große Wortakrobatik setzt, sondern sich durch eine ehrliche Direktheit auszeichnet. Besonders bemerkenswert ist die Authentizität der Charaktere – sie wirken lebendig und nachvollziehbar. Lenssen nimmt sich Zeit, die innere Zerrissenheit des Protagonisten zu zeigen, ohne jedoch in Klischees zu verfallen.

Trotz der ernsten Themen schafft es der Autor, den Leser immer wieder mit kleinen humorvollen und hoffnungsvollen Momenten zu überraschen. Das Zusammenspiel von Ernst und Leichtigkeit sorgt dafür, dass das Buch niemals zu schwer wird, aber dennoch die Tiefe des Themas nicht verliert.

Das Buch vermittelt auf authentische Weise, dass der Weg ins Erwachsenenalter nicht immer gerade oder einfach ist, aber dass es in den unvorhergesehenen Wendungen auch eine gewisse Freiheit und Schönheit gibt. Besonders für Leser, die sich selbst in einem ähnlichen Lebensabschnitt befinden, könnte es ein sehr persönliches Leseerlebnis werden.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Ein bewegender Jugendroman über den Weg zurück ins Leben

Und mir bleibt der hässliche Hund
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Franziska Hörners „Und mir bleibt der hässliche Hund“ ist eine zarte und gleichzeitig kraftvolle Geschichte, die sich mit den tiefen Gefühlen von Verlust, Trauer und dem mutigen Schritt zurück ins Leben ...

Franziska Hörners „Und mir bleibt der hässliche Hund“ ist eine zarte und gleichzeitig kraftvolle Geschichte, die sich mit den tiefen Gefühlen von Verlust, Trauer und dem mutigen Schritt zurück ins Leben auseinandersetzt. Im Zentrum steht der 16-jährige Felix, dessen Welt nach dem Tod seiner Eltern und seiner kleinen Schwester völlig zerbricht. Die einzige Konstante in seinem Leben ist Bolt, der „hässliche Hund“, der nicht nur ein tierischer Begleiter ist, sondern auch ein Symbol für Felix' eigene Trauer.

Was dieser Coming-of-Age-Roman so besonders macht, ist seine Fähigkeit, schwere Themen mit einer Leichtigkeit zu erzählen, die geradezu ansteckend wirkt. Hörner lässt die Leserin oder den Leser nie allein mit der Schwere der Trauer, sondern flicht immer wieder Momente des Humors und der Hoffnung ein. Felix’ Begegnung mit Mo, einem Jungen mit einer geheimen Vergangenheit und einem sehr eigenen Humor, ist der erste Schritt auf dem Weg der Heilung. Mo und die lebensfrohe Marie bringen Farbe und Leben in Felix’ graue Welt und zeigen ihm, dass es immer noch Gründe gibt, sich dem Leben zu stellen, auch wenn es anfangs sehr schwer fällt.

In einer Dreierkonstellation, die mit den Höhen und Tiefen des Lebens kämpft, stellen sich die Jugendlichen ihren Ängsten und brechen aus den starren Strukturen ihrer Trauer aus. Gemeinsam bewältigen sie waghalsige Herausforderungen, die nicht nur ihre körperlichen Grenzen auf die Probe stellen, sondern auch ihre emotionalen. Es sind vor allem die kleinen, oft unscheinbaren Momente, die den Roman so berührend machen. Die oft unbemerkte Kraft, die Freundschaft und erste Liebe ausstrahlen, wird auf so sanfte Weise eingefangen, dass die Leser sich beinahe wie ein stiller Begleiter auf dem Weg von Felix fühlen.

„Und mir bleibt der hässliche Hund“ ist ein Buch über das Erwachsenwerden, über das Sich-Wieder-Finden in der Welt, wenn alles verloren scheint. Es ist eine leise, aber eindrucksvolle Hommage an die Bedeutung von Freundschaft und die heilende Kraft des Miteinanders. Die junge Autorin hat es geschafft, ein sensibles Thema mit einer Leichtigkeit und einem Humor zu erzählen, die den Leser durch die düsteren Momente trägt und immer wieder ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern.

Der Roman spricht nicht nur junge Leser:innen ab 13 Jahren an, sondern auch alle, die selbst schon einmal mit Verlust oder schwierigen Zeiten zu kämpfen hatten.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Wenn dein Helfer zur Bedrohung wird

Der Nachbar
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Mit "Der Nachbar" liefert Sebastian Fitzek wieder das, was er am besten kann: ein psychologisches Verwirrspiel, das einem erst langsam das Vertrauen entzieht und dann plötzlich den Boden unter den Füßen ...

Mit "Der Nachbar" liefert Sebastian Fitzek wieder das, was er am besten kann: ein psychologisches Verwirrspiel, das einem erst langsam das Vertrauen entzieht und dann plötzlich den Boden unter den Füßen wegzieht.

Der Einstieg fiel mir diesmal allerdings etwas schwer. Ich musste mich erst in die Handlung reinfinden, weil vieles zunächst diffus wirkte und ich die Zusammenhänge nicht sofort greifen konnte. Aber typisch Fitzek: was am Anfang wie lose Fäden wirkt, ergibt gegen Ende ein ziemlich cleveres Gesamtbild. Die offenen Fragen, die bleiben, empfand ich als stimmig. Sie passen zur psychologischen Atmosphäre des Buches.

Inhaltlich geht es um Sarah Wolff, die nach einem traumatischen Erlebnis mit ihrer Tochter in eine neue Wohnung zieht; auf der Suche nach Sicherheit und Ruhe. Doch schon bald wird klar, dass der vermeintlich hilfsbereite Nachbar mehr weiß, als ihm guttut. Fitzek spielt meisterhaft mit diesem Gefühl des „Ich weiß nicht, wem ich trauen kann“, und schafft es, selbst banale Alltagssituationen bedrohlich wirken zu lassen.

Das Hörbuch selbst ist solide produziert, die Lesung professionell, aber für mich persönlich einfach nicht ganz der richtige Ton. Ich hatte schon bei "Der erste letzte Tag" das Gefühl, dass mir die Stimme nicht richtig liegt ... Geschmacksache, klar, aber hier hat es meinen Zugang zur Geschichte ein kleines bisschen gebremst. Trotzdem: Der Spannungsbogen funktioniert, die Atmosphäre packt.

Unterm Strich vergebe ich vier Sterne: ein starker, wendungsreicher Psychothriller mit kleinen Startschwierigkeiten und einer Stimme, an die ich mich einfach nicht gewöhne. Aber wer Fitzek mag, wird auch hier wieder mit jeder Menge Kopfkino belohnt.

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