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Nilchen

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Wer ist der Mörder auf einem Schiff ohne Fluchtweg?

Trügerisches La Rochelle
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Der Krimi Trügerisches La Rochelle von Jean-Claude Vinet (Pseudonym eines deutschen Autoren, der Frankreich liebt!) beginnt mit einem Einsatz, der zunächst unspektakulär wirkt – ein tödlicher Arbeitsunfall ...

Der Krimi Trügerisches La Rochelle von Jean-Claude Vinet (Pseudonym eines deutschen Autoren, der Frankreich liebt!) beginnt mit einem Einsatz, der zunächst unspektakulär wirkt – ein tödlicher Arbeitsunfall auf einem Errichterschiff vor der Küste. Doch schon bald kippt die Stimmung: Zwischen Wind, Wellen und einer auffallend verschlossenen Crew wird klar, dass hier niemand einfach gestolpert ist. Und das Entscheidende: Der Täter befindet sich noch an Bord. Ein klassisches Locked-Room-Szenario – nur eben mitten auf dem Meer.
Was diesen Band der Reihe besonders macht, ist der Schauplatz. Ein Installationsschiff für einen Offshore-Windpark ist nicht gerade der typische Krimiort, und genau das funktioniert erstaunlich gut. Die Arbeiten auf See, die Technik, das Aufstellen der gewaltigen Anlagen – all das wird so beschrieben, dass man ein Gefühl für diesen harten Arbeitsalltag bekommt. Gleichzeitig entsteht eine leicht klaustrophobische Atmosphäre: begrenzter Raum, raues Wetter, viele Menschen mit Geheimnissen.
Im Zentrum steht wieder Commissaire Chevalier, der nicht nur ermittelt, sondern auch als Mensch sichtbar bleibt. Kleine Einblicke in sein Privatleben und das seines Teams lockern die Ermittlungen auf und geben der Geschichte Tiefe. Man merkt, dass sich die Reihe über mehrere Bände entwickelt hat – dennoch lässt sich dieser Teil problemlos lesen, auch wenn man die drei vorherigen Fälle nicht kennt. Die wichtigsten Beziehungen und Konflikte erschließen sich ausreichend aus dem Kontext.
Der Fall selbst entwickelt sich spannend über mehrere Wendungen hinweg. Der Tote war offenbar kein einfacher Kollege, sondern jemand, der mit seiner pedantischen Art und seinem Einfluss viele gegen sich aufgebracht hatte. Verdächtige gibt es daher reichlich. Als dann weitere dramatische Ereignisse folgen, müssen die Ermittler ihre Theorien mehrfach überdenken. Besonders interessant fand ich, dass die Spurensuche auch in die Vergangenheit führt – zu früheren Unfällen und möglichen Vertuschungen rund um die Arbeit auf See.
Stilistisch liest sich der Roman überwiegend sehr flüssig. Allerdings stolpert man gelegentlich über Formulierungen, die ein wenig ungewöhnlich oder etwas verquer wirken. Das bremst den Lesefluss kurz, stört insgesamt aber nicht allzu sehr, weil die Geschichte und das Setting stark genug sind, um einen weiterzutragen.
Was mir besonders gefallen hat: Der Krimi verbindet klassische Ermittlungsarbeit mit einem ungewöhnlichen Milieu. Man lernt einen Arbeitsplatz kennen, den man sonst kaum wahrnimmt – und merkt schnell, wie viele Konflikte und Spannungen dort unter der Oberfläche schlummern.
Für mich ist „Trügerisches La Rochelle“ ein maritimer Krimi mit Flair, einem spannenden Ermittlerteam und einem Schauplatz, der wirklich im Gedächtnis bleibt. Wer Krimis mag, die nicht nur den Täter suchen, sondern auch eine Welt zeigen, in der gearbeitet, gestritten und geschwiegen wird, dürfte hier genau richtig sein.
Dies ist der vierte Fall von Commissaire Chevalier, ist durch auch auch ohne Vorkenntnisse der anderen drei Fälle lesbar.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Eisberge, Kabeljau und ein Sommer, der vieles verändert

Sommer auf Perigo Island
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Wie fühlt man sich als 9jähriger, wenn man den Vater verliert, der als Fischer nicht mehr nach Hause kommt? Dramatisch und prägend. Im Roman steht genau dieses Ereignis am Anfang der Geschichte „Sommer ...

Wie fühlt man sich als 9jähriger, wenn man den Vater verliert, der als Fischer nicht mehr nach Hause kommt? Dramatisch und prägend. Im Roman steht genau dieses Ereignis am Anfang der Geschichte „Sommer auf Perigo Island“.
“Letzten Endes war es egal, was genau passiert war, denn das Meer hatte meine Welt mit sich gerissen.” S 143
Dann springt die Geschichte drei Jahre nach vorne, Pierce ist mittlerweile 12 Jahre alt, es ist Sommer auf der Insel in Neufundland und es hätte ein entspannter vor sich hin plätschernder Sommer werden können. Aber dem war nicht so, denn es wird ein Mädchen vermisst. Pierce und seine beiden Freunde, Bennie & Thomas, sowohl Bennies Cousine, die zu besuch ist, Emily, wollen Anna finden.
Was sich als kindlichen Sommerplot liest, ist eine gut geschriebene Geschichte, die uns sehr weit weg trägt. In eine Landschaft und ein Leben, das ferner nicht sein könnte. Kabeljau-Fischer, Ende der 90er Jahre auf einer Insel in Neufundland, wo Eisberge selbst im Sommer noch an der Küste vorbei treiben. Atemberaubend.
Eine runde und gelungene Geschichte. Von mir gibt es nur Abzug in der B-Note. Denn die literarische Umsetzung hätte aus meiner Sicht an der ein und anderen Stelle noch ein Ticken runder sein können. Sieht man davon ab, ist es ein toller Roman!
Der Autor Perry Chafe ist auf Fogo Island (Petty Harbour) großgeworden und das macht den Roman so lesenswert. Wenn der/die Schreibende erlebte was beschrieben wird, dann kommt eine Echtheits-Komponente ins Spiel, die nicht zu toppen ist. Auch wenn dies hier eine fiktionale Geschichte ist.
Großes Lob an den mare Verlag, dass die Übersetzerin auf dem Cover genannt wurde: Claudia Feldmann. A propos Cover, es ist sehr gelungen, habe es nach dem Lesen noch mal eingehen betrachtet und es passt perfekt!
Wer kann es lesen? Jede:r! Da es hier um universale Werte und auch um einen Einblick in die Vergangenheit sowie die Verzahnung von Jung und Alt, Vergänglichkeit und Leben geht sowie um Natur und Freundschaften, macht es dieses Buch zu einem, dass jeder zur Hand nehmen kann!
Ich wünsche diesem Buch sehr viele Leser:innen in Deutschland, nachdem es bereits in Kanada ein Bestseller wurde.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Nichts für naive Seelen.

Verheiratete Frauen
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Der gesamte Roman dreht sich um Liebe und Begehren. Die Liebe beginnt meist mit einem Begehren, im Strudel des Alltags wird die Liebe gestärkt und das Begehren flacht ab. Hier in „verheiratete Frauen“ ...

Der gesamte Roman dreht sich um Liebe und Begehren. Die Liebe beginnt meist mit einem Begehren, im Strudel des Alltags wird die Liebe gestärkt und das Begehren flacht ab. Hier in „verheiratete Frauen“ werfen wir ein Blick auf drei sehr unterschiedliche Frauen. Drei verschiedenen Ansatzpunkte, drei verschiedene Bedürfnismuster und auch jede mit einer so eigenen Geschichte.
“Lust, Sex, Orgasmus, das ist alles egal. Oder nicht egal, aber zweitrangig. Sie will nur die Hände eines anderen Mannes in ihrem Haar spüren, in ihrem Nacken, auf ihrem Rücken ... Nur die warme Umarmung eines Mannes, der sie begehrt und der nicht ihr Ehemann ist. Ein einziges Mal.” (S 312)
Wunderbar schreibt Cristina Campos über die tiefsten Bedürfnisse und Zerwürfnisse, die Frauen in ihren Ehen und Ehebrüchen umtreibt. Und immer sind sie der Halt in der Brandung: Die Freundinnen. Männer gehen und kommen und wer bleibt: die treuen Gefährtinnen an unserer Seite. Auch eine Art der Liebe und eine Hommage an die Freundschaft.
“Die subtile weibliche Untreue liegt im Detail.” (S. 185)
Loved it from cover to cover – es trifft genau einen Nerv in meinem Alter, auch ich bin seit 20 Jahren mit meinem Partner liiert. Der Roman hinterfragt naive Vorstellungen und Schwarz-Weiß-Muster, die Liebe und Begehren immer als harmonisch und im Einklang darstellten. Der Text hat mir große Freude bereitet.
“Sie bewunderte ihren Mann, sie liebte ihn, aber sie begehrte ihn nicht. Nicht mehr. Und sie wusste nicht, warum.” S 295
Die spanische Autorin Cristian Campos schreibt sinnlich, gut, gelungen. Wie eine sehr ehrliche und intime Einsicht in die Gedanken der Frauen und ihr Liebensleben. Oder sollte ich eher sagen: Liebes- und Begehrtenleben? Das eine kann sich getrennt vom anderen abspielen.
Fun-Fakt: Alle Paare beginnen mit dem gleichen Buchstaben wie Gabriela und German, Silvia und Silva, Pablo und Pia usw…Das macht das Zuordnen so viel einfacher und hilft dem Lesefluss.
Lesen, weil Frauen sehr komplexe Wesen sind und die Liebe keine lineare Funktion.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Zwischen Sorge und Hoffnung: „Emily Forever“ von Maria Navarro Skaranger

Emily Forever
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Manchmal reicht ein einziges „Nein“ – oder in Emilys Fall ein einzelnes „Ja, ich bin schwanger“ –, um eine ganze Welt ins Wanken zu bringen. Emily ist neunzehn, schwanger und auf sich allein gestellt. ...

Manchmal reicht ein einziges „Nein“ – oder in Emilys Fall ein einzelnes „Ja, ich bin schwanger“ –, um eine ganze Welt ins Wanken zu bringen. Emily ist neunzehn, schwanger und auf sich allein gestellt. Ihr Freund Pablo ist mehr ein Geist als ein Partner, nur sporadisch über das Handy zu erreichen, und die Unsicherheit darüber, wie er überhaupt zu seinem Kind stehen wird, lastet schwer auf ihr. In dieser prekären Lage zieht Emilys Mutter in ihre winzige Wohnung, will helfen, doch ihre ständigen Zweifel und Erwartungen wirken manchmal schwerer als jede Last, die Emily ohnehin schon trägt.
Und dann ist da noch die leise Präsenz der Menschen um sie herum: der Nachbar, der sich fragt, ob man sich in jemanden verlieben darf, den man kaum kennt, oder der Chef im Supermarkt, der unsicher zwischen Sorge und eigener Zuneigung schwankt. Skaranger zeichnet diese Figuren mit zartem Humor, aber auch mit spürbarer Empathie – jeder Versuch, Emily zu helfen, ist so menschlich wie unvollkommen.
Der Roman arbeitet mit einem ungewöhnlichen Erzählton: Alles wird aus einer gewissen Distanz beschrieben, fast wie ein Beobachter, der das Innenleben Emilys spürt, ohne vollständig darin aufzugehen. Anfangs befremdlich, später faszinierend – man merkt, dass genau diese Mischung aus Nähe und Abstand den Kern der Geschichte ausmacht. Emily wirkt stark, mutig und trotz aller Widrigkeiten kämpferisch, doch die Unsicherheiten ihres jungen Alters machen sie verletzlich und nahbar.
„Emily Forever“ ist keine Geschichte mit klaren Antworten. Armut, Klassenscham, gesellschaftliche Erwartungen und die Suche nach Solidarität verweben sich zu einem bewegenden Ganzen. Skaranger verzichtet auf kitschige Lösungen, und gerade das macht die Lektüre so eindringlich. Man lacht, man seufzt, man fiebert – und manchmal bleibt das Herz einfach stehen vor Sorge um diese junge Frau, die ihr eigenes Leben und das ihres Kindes noch nicht greifen kann.
Ein Roman, der lange nachklingt, der das Herz berührt und die Frage aufwirft: Wie viel Unterstützung ist genug, und wie sehr darf man selbst über das Leben eines anderen urteilen?
Fazit: Eine einfühlsame, manchmal bittere, oft humorvolle Geschichte über Mut, Verletzlichkeit und die unerwartete Solidarität, die wir im Alltag finden können. „Emily Forever“ ist ein Buch, das man nicht so schnell vergisst.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Ein Nein, das nachhallt – und eine ganze Stadt in Bewegung setzt

Hazel sagt Nein
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Was passiert, wenn man im falschen Moment das einzig Richtige tut? Hazel sagt Nein von Jessica Berger Gross ist genau dieser Roman: einer, der leise beginnt, dann unaufhaltsam Kreise zieht – durch eine ...

Was passiert, wenn man im falschen Moment das einzig Richtige tut? Hazel sagt Nein von Jessica Berger Gross ist genau dieser Roman: einer, der leise beginnt, dann unaufhaltsam Kreise zieht – durch eine Familie, eine Kleinstadt, durch moralische Gewissheiten, die plötzlich brüchig werden.
Die Blums lassen Brooklyn hinter sich und hoffen in Riverburg auf einen Neuanfang. Mehr Platz, weniger Lärm, eine sichere Professur für den Vater, neue Möglichkeiten für die Mutter, ein überschaubares Leben. Doch gleich an Hazels erstem Schultag kippt diese Hoffnung. Der Schulleiter bittet sie ins Büro – und offenbart ein Machtspiel, das so ungeheuerlich wie erschreckend routiniert ist. Hazel sagt Nein. Kein großes Pathos, kein heroischer Monolog. Einfach ein Nein. Und genau darin liegt die Wucht dieses Romans.
Jessica Berger Gross erzählt nicht die Geschichte eines einzelnen Übergriffs, sondern die Geschichte seiner Folgen. Der Fokus verschiebt sich: weg vom Täter, hin zu den Erschütterungen, die sein Handeln auslöst. Hazel wird nicht zur Projektionsfläche eines Skandals gemacht, sondern bleibt eine junge Frau mit Plänen, Ängsten, Zweifeln. Gleichzeitig bekommen auch Mutter, Vater und Bruder ihre eigene Stimme. Diese Perspektivwechsel sind klug gesetzt: Sie zeigen, wie unterschiedlich Menschen mit Ohnmacht, Wut, Schuldgefühlen und öffentlichem Druck umgehen – und wie wenig kontrollierbar die Dynamiken einer vermeintlich „netten“ Kleinstadt sind.
Der Ton des Romans ist bemerkenswert: ernst, aber nicht erdrückend. Es gibt feinen Humor, absurde Momente, Alltag, der weiterläuft, obwohl nichts mehr ist wie zuvor. Gerade das macht die Geschichte so glaubwürdig. Nicht alles explodiert, nicht alles wird gelöst. Manche Dinge verlaufen im Sande, andere hinterlassen Spuren. Und genau so fühlt sich Realität an.
Hazel sagt Nein ist Bookclub-Fiction im besten Sinne: ein Roman, der Diskussionen provoziert, der Fragen stellt nach Macht, Glauben, Wegsehen – und nach dem Mut, sich selbst treu zu bleiben, auch wenn die Konsequenzen unüberschaubar sind. Kein reißerisches MeToo-Drama, sondern ein vielschichtiges Familienporträt mit gesellschaftlichem Nachhall.
Ein Debüt, das lange im Kopf bleibt. Und ein Nein, das man nicht mehr überhört.

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