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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.08.2018

ABC – der Tote liegt im Schnee…

Der Alphabetmörder (Ein Grall-und-Wyler-Thriller 1)
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Der Alphabetmörder, den Lars Schütz erfunden hat, beschert uns ein neues Duo, zwei unkonventionelle Fallanalytiker, Jan Grall und Rabea Wyler. Beide haben ihre Vergangenheit, die sich immer mal wieder ...

Der Alphabetmörder, den Lars Schütz erfunden hat, beschert uns ein neues Duo, zwei unkonventionelle Fallanalytiker, Jan Grall und Rabea Wyler. Beide haben ihre Vergangenheit, die sich immer mal wieder in den Vordergrund drängt. Das macht die beiden sehr menschlich und nahbar. Keine Analytiker a la CSI, eher Tatort-Style. Auch wenn es abgedroschen ist, den ermittelnden Personen schwierige bis teamunfähige Charaktere anzudichten, beleben tut es diesen Fall ungemein. Ich würde es nicht missen wollen. Denn nicht nur die zwei haben ihre Last zu tragen, auch andere in der SOKO sind „anders“.
Der Fall selbst ist spannend, überzeugend durchdacht und ich konnte den Serienmörder während der Lektüre nicht erraten. Die Geschichte ist glaubhaft und logisch. Für mich zwei Aspekte die bei Krimis und Thriller für mich immanent wichtig sind.
Thriller steht auf dem Cover und das stimmt auch, es ist durchweg spannend. Was sehr angenehm ist, dieser Thriller lebt nicht von ständigem Blutfluss, die grausigen Szenen sind kurz gehalten und in Maßen. Von mir sehr geschätzt.
Super finde ich, dass der Autor Lars Schütz mal eine Region gewählt hat, die (aus meiner Sicht zumindest) nicht so oft als Plotgrundlage dient: Der Westerwald. Ich persönlich war noch nie da, kann also mit Orten und Dörfern weniger anfangen, aber das ist nebensächlich.
Wenn die Jahreszeit noch interessiert: dieser Thriller spielt im tiefsten Winter und es fröstelt einen beim Lesen.

Fazit: Guter Auftakt-Thriller in eine neue Serie. Super unterhaltsam und leicht lesbar!

Veröffentlicht am 26.07.2018

Witziger Roman mit starken Mädchencharakteren

Spinster Girls – Was ist schon normal?
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Ist das wieder einer dieser Jugendromane, die kein Mensch über 18 Jahren braucht?
Falsch! Ich begann zu lesen und wurde wirklich nach einigen Seiten eines besseren belehrt! Und ich bin weit über 18!!!

Der ...

Ist das wieder einer dieser Jugendromane, die kein Mensch über 18 Jahren braucht?
Falsch! Ich begann zu lesen und wurde wirklich nach einigen Seiten eines besseren belehrt! Und ich bin weit über 18!!!

Der Titel führt einen zwar auf die falsche Fährte wie ich finde: Mädchen will normal sein und gibt alles dafür! Aber mit Nichten!

Evie hat einen Angst- und Zwangsstörung, drückt sich zum Beispiel in einem Waschzwang aus und bei allem was mit Hygiene zusammen hängt. Der Roman setzt ein mit der Genesung und Evies Start im College.

Zunächst gibt es eine desaströse Party, die aber ein Gutes hat, Evie lernt die beiden neuen Freundinnen
Amber und Lottie kenne und ihre alte Vertraute ist Vergangenheit.
Hört sich super öde an, ist aber sehr gut geschrieben.

Auch kommen immer wieder Einschübe aus ihrem Genesungstagebuch vor und gehen ihrer psychischen Störungen einen großen Platz, den ich auch angemessen finde. Hier kommt klar die Message an: Auch wenn du sehr anders bist, völlig ok, wenn du es für dich unter Kontrolle bekommst.
An manchen Stellen kann man sich extrem gut in ihren Zwang hineinversetzen wie ich finde.

Oft wird dieser Roman mit Feminismus in Verbindung gebracht. Ja, ich stimme dem im Großen und Ganzen zu, aber ich würde es thematisch nicht überbewerten. Sollte aus Sicht heutiger junge Mädchen hoffentlich weniger ein auffallendes Thema sein wie selbstsicher die Protagonistinnen sind!

Sprachlich kurzweilig, sehr schlagfertig und sprachwitzig erfrischend kommt dieser Roman daher. Mir hat das super gefallen.

Fazit: Guter, schlagfertiger Jungendroman für junge Frauen. Witzig und kurzweilig. Ich bin gespannt auf Teil 2 („Was ist schon typisch Mädchen?“), wobei mich wundert, dass bei uns der originale Teil 3 als Teil 2 erscheint....da wird sich dtv schon was bei gedacht haben!

Veröffentlicht am 23.07.2018

Einer der besten Romane des Jahres 2018!

Die Orient-Mission des Leutnant Stern
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Es gibt Geschichten die sind so absurd, dass kann sich keiner ausdenken! „Die Orient-Mission des Leutnant Stern“ ist so ein Roman. Zu unser aller Leidwesen hatte diese besondere Mission eine weitreichende ...

Es gibt Geschichten die sind so absurd, dass kann sich keiner ausdenken! „Die Orient-Mission des Leutnant Stern“ ist so ein Roman. Zu unser aller Leidwesen hatte diese besondere Mission eine weitreichende Wirkung bis in unsere Gegenwart.
Hier wurden wahren Fakten zu einem fiktionalen Roman umgestrickt. Jakob Hein erzählt, wie die Deutschen im 1. Weltkrieg den Dschihad massiv mitentwickelten und ideenreich auf einflussreiche Stellen eingewirkt haben. Alles nur damit Franzosen und Engländer mehr um ihre Kolonien bangen und keine Energie mehr haben für einen Krieg in Mitteleuropa. Unglaublich? Ja, ohne Frage , aber wahr!

Jakob Hein schreibt diesen Roman gekonnt aus mehreren Perspektiven. Wunderbare Prosa. Er hat das große Talent die skurrilsten Vorkommnisse geschickt in Szene zu setzen! Einer DER besten Autoren, die wir in Deutschland momentan zu bieten haben aus meiner Sicht!

Dieser Roman schafft es definitiv in meine persönlichen Top 10 des Jahres 2018!

Fazit: Der Roman ist kurzweilig, also auch für Lesemuffel geeignet, die ein grundsätzliches Interesse an historischen Kuriositäten haben! (sprich super Geschenk für Männer aller Altersklassen!)

Veröffentlicht am 16.07.2018

Auf Englisch ja, auf Deutsch nein!

Die Jahre der Leichtigkeit
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Diese Roman-Eposreihe von Elizabeth Jane Howard über die fiktionale Familie Cazalet geschrieben in den 90er Jahren ist jedem Engländer ein Begriff!
Da Miss Howard für ihr Lebenswerk von der britischen ...

Diese Roman-Eposreihe von Elizabeth Jane Howard über die fiktionale Familie Cazalet geschrieben in den 90er Jahren ist jedem Engländer ein Begriff!
Da Miss Howard für ihr Lebenswerk von der britischen Königin einen Orden verliehen bekommen hat (2000), hat mich das Buch “Die Jahre der Leichtigkeit” schon sehr gereizt.

Der ganze Roman ist durch und durch very british und genau deshalb auf Deutsch zu lesen etwas flair beraubend aus meiner Sicht.
Von Shakespear Zitaten, über bissige Dialoge der upper class (subtext entscheiden) bis hin zu genannten Büchern, Malern und Modernes in England der Jahre 1937/38 in denen das Buch spielt. Auch die Sprachunterschiede zwischen upper class und Angestellten kommt hier auf Deutsch nicht zur Geltung.

Daher ist es für alle die dem Englischen nicht mächtig sind, gut es auf Deutsch zu lesen. Allen anderen rate ich dringend es auf Englisch zu lesen. Auch als Übungslektüre gut nutzbar!

Passend zur Übersetzung gibt es am Ende des Romans ein Glossar, das allerlei Begriffe erläutert und Britisches erklärt, wie zum Beispiel “Crippen”, bekannten Personen, Gedichtzitate usw.

Aber nun auch ein paar Worte zum Inhalt: Es beginnt im Jahr 1937 und wir lernen in diesem ersten Band ausführlich die Familie Cazalet (vorne im Buch ist zum Glück auch ein Stammbaum zum ständigen Nachschauen) und ihre Bediensteten und Geliebten!
Die Geschichte ist das Leben und Leider dieser Familie bis ins Jahr 1938. Natürlich wirkt die Moderne ihre Schatten über Traditionen und politische Verwirrungen!

Fazit: Sehr British und für Downton Abbey-Fans toll. Ich werde den 2. Teil auch lesen, aber im Original!

Veröffentlicht am 12.07.2018

Eine Feministin der ersten Stunde!

Ida
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Kennt ihr den „hysterischen Fall Dora“ der bei Dr. Siegmund Freud in seinen Notizen auftaucht? Eine Dame, die in jungen Jahren die „Kur“ bei ihm abbrach?
Nein – mir ging es auch so. Wer googelt wird schlauer, ...

Kennt ihr den „hysterischen Fall Dora“ der bei Dr. Siegmund Freud in seinen Notizen auftaucht? Eine Dame, die in jungen Jahren die „Kur“ bei ihm abbrach?
Nein – mir ging es auch so. Wer googelt wird schlauer, es gibt alle Fakten schnell und übersichtlich, aber ein Lesevergnügen ist es nicht.
Da empfehle ich eher zu dem Roman der Enkelin, der Autorin Katharina Adler, zu greifen und sich die Geschichte erzählen zu lassen aus Idas Sicht!
Katharina Adler hat in 5jähriger (!) Aufarbeitung das turbulente und berühmte Leben der Großmutter, Ida Adler, geborene Bauer, zu Papier gebracht.
Hier lernen wir eine Frau kennen, geboren 1882, die sich im Zeitalter der Industrialisierung von Traditionen lossagt und erste Schritte der Emanzipation macht. Eine Feministin der ersten Stunde!

Besonders charmant ist die Art wie die Geschichte erzählt wird. Zeitlich nicht chronologisch bekommen wir, aus Idas Ich-Perspektive, ihr Leben präsentiert.
Zum Ende ihres Lebens in den USA merkt man dem Text die schwere des Lebens an, das Erlebte, das Gebrochene der alten Dame durch Krieg und erlebtes Leid. Ida, im Alter eine resolute Frau, die sich nicht so recht mit der Schwiegertochter arrangieren kann.
Als Teenager im Meran, ist die Sprache viel leichter und naiver. Ihre Beobachtungen werden uns wiedergegeben ohne Bewertungen. Da zeigt sie Symptome und weiß nicht so recht warum. Angenehm, wenn man bei der Lektüre auch selbst denken darf.
So verändert sich der Tonfall altersangepasst. Und sprachlich auch nicht außer Acht zu lassen, für mich als Hochdeutsch-Sprechende, der Roman ist im Österreichischen Klang geschrieben, soll meinen ich hatte beim Lesen durch vielerlei Wörter und Beschreibungen, die im hochdeutschen ungebräuchlich sind, einen österreichischen Akzent im Ohr ohne das es anstrengend wurde. Herrlich!

Mein Fazit: Das Buch und die Geschichte der Großmutter faszinierte mich, doch bleibt ein Restgefühl das mich der Roman nicht 100% überzeugt hat.
Ich würde die Lektüre nicht missen wollen, aber in meine Top 10 des Jahres 2018 wird es wohl nicht auftauchen.