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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.01.2024

Für den erweiterten Blick in die Welt

Das Minarett in den Bergen – Porträt eines unvermuteten Europas
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Gerade in diesen Tagen, wo die politische Lage so angespannt ist und sich viele zurückziehen und sich nicht mehr öffentlich an Diskursen und echter Auseinandersetzung teilnehmen, finde ich es gerade wichtig ...

Gerade in diesen Tagen, wo die politische Lage so angespannt ist und sich viele zurückziehen und sich nicht mehr öffentlich an Diskursen und echter Auseinandersetzung teilnehmen, finde ich es gerade wichtig den Blick zu weiten und auch mal Bücher zur Hand zu nehmen, die eventuell sonst nicht so von Interesse wären. So verhält es sich mit dem recht speziellen Titel „Das Minarette in den Bergen“ von Tharik Hussain. Ein Buch, dass im englischsprachigen Raum eine gute und große Resonanz bekommen hat.
Tharik Hussain verbindet Reisen mit dem themenspezifischen Erkunden des Islams in der Gegend des westlichen Balkans – Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Albanien, Serbien, Nordmazedonien und Montenegro. Er selbst lebt mit seiner Familie in Großbritannien und hat einen Sommerurlaub genutzt um das muslimische Europa zu erkunden wo einst auch das osmanische Reich seine Grenzen fand. Spannend wie alte Gebäude und heutige Begegnungen beschrieben werden. Klar, ist dies ein sehr subjektiver Reisebericht. Er bleibt nie lange an den Orten und die Abgrenzung ob nun religiös begründet oder einfach lokale Verhaltensweisen, ist nicht immer so eindeutig. Aber nimmt man das in Betracht, ist es eine schöne Erweiterung des Blickwinkels.
Ein wenig Toleranz in alle Richtungen tut heutzutage besonders gut.

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Veröffentlicht am 02.01.2024

Ein humanistischer Aufruf aus der literarischen Perspektive

Lese gefährlich
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„Leserinnen und Leser der Welt, vereinigt euch!“ (S. 284)
Azar Nafisi ist iranische Literaturprofessorin, die 1981 ein Unterrichtsverbot an der Universität Teheran bekam, weil sie sich weigerten einen ...

„Leserinnen und Leser der Welt, vereinigt euch!“ (S. 284)
Azar Nafisi ist iranische Literaturprofessorin, die 1981 ein Unterrichtsverbot an der Universität Teheran bekam, weil sie sich weigerten einen Schleier zu tragen. Seit 1997 lebt sie in den USA und ist weiterhin eine wichtige und laute Stimme des Widerstandes.
Sie wurde mit ihrem Buch „Lolita lesen in Teheran“ bekannt, in dem sie über ihren Lesekreis in Teheran schrieb in dem verbotenen westlichen Klassiker gelesen wurden. Dieses Buch kenne ich noch nicht. Aber diese Frau machte mich neugierig. Daher griff ich zu „Lese gefährlich“ in dem sie ihrem Baba, ihrem verstorbenen Vater Briefe schreibt über Romane, die er nicht mehr lesen konnte und stellt diese in den Kontext der aktuellen politischen Situation Ein kluger Kniff, macht sie damit schon auf das aufmerksam was Literatur besonders gut kann: Gedanklich eine grüne Wiese zu haben ohne in vorgegebenen Schubladen zu stecken und der Fantasie freien lauf lassen. In der Literatur ist selbst der Tod eine veränderbare Variable. Und das ist die subversive Kraft auf die im Untertitel angespielt wird. Das lösen von einfachen Denkmustern, das aufbrechen von gesetzten Glaubensätzen, die eine Welt in Gute und Böse teilt.
Nichts mehr fürchten totalitäre System als Menschen die Fantasie haben und Fragen stellen um den Status Quo zu überwinden. Wer weiterdenkt hat eben die Möglichkeit nicht nur eine Wahrheit anzuerkennen und das ist für Macht bedrohlich in eng gestrickten Systemen.
Das Buch ist leicht lesbar und bringt tolle Perspektiven auf verschiedenste Autor:innen die Azar Nafisi hier unter die Lupe nimmt. Es kommen viele Große der Weltliteratur vor: Salman Rushdie, David Grossman, Toni Morrison und viele andere.
Fazit: Seine Sie offen und lesen sie. Erweitern Sie ihren Horizont und nutzen Sie das gemeinsame Wissen um eine bessere Welt aktiv in der Gestaltung!

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Veröffentlicht am 02.01.2024

Komplex bis kompliziert – den Toten eine Stimme geben

Die sieben Monde des Maali Almeida
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Sri Lanka. Bisher waren meine Assoziationen dazu eher wenige. Daher habe ich mich sehr auf die Lektüre des Booker Prize Winners 2022 Shehan Karunatilaka gefreut mit dem kolossalen Werk ‚Die sieben Monde ...

Sri Lanka. Bisher waren meine Assoziationen dazu eher wenige. Daher habe ich mich sehr auf die Lektüre des Booker Prize Winners 2022 Shehan Karunatilaka gefreut mit dem kolossalen Werk ‚Die sieben Monde des Maali Almeida‘. Kolossal, weil das gute Stück mehr als 500 Seiten hat und für mich war es nicht immer einfach der Geschichte zu folgen. Dramaturgisch eine Herausforderung. Sicherlich lag es auch daran, dass ich mir viel vom Buch erhofft habe. Mich hat die Geschichte eingenommen, aber die Erzählform etwas aus der Bahn geworfen. Denn es geht um das Ende der 80er Jahre in Sri Lanka, eine Zeit des Bürgerkrieges und der Unruhen. Hier bin ich geschichtlich nicht sattelfest und die sich bekriegenden Seiten – zum einen die tamilische Minderheit und zum anderen die singalesische Mehrheit – sind so manches Mal für mich nicht zu identifizieren.
Maali Ameida ist tot und findet sich in der Wartehalle des Totenreichs wieder. Mit vielen anderen, auch sie alle tot. Allen ist etwas gemein, sie können noch nicht loslassen und haben 7 Tage Zeit. Danach verschwinden ihre Seelen. In all dem Chaos versucht nun der ermordete Maali Almeida herauszubekommen warum er sterben musste. Als Geist versteht sich. Er war ein schwuler Kriegsfotograf, spielsüchtig und oft zwischen den Fronten zu Hause.
Dieser Roman ist anstrengend zu lesen, kann abschrecken wegen der Schilderungen der Toten. Und doch ist es stimmig.Der Autor vermittelt genau das: Leben ist Chaos, weder stringent noch immer völlig logisch durchdrungen. Das Leben pulsiert und so tut es auch dieser Roman.
Fazit: Hier gibt es nur zwei Optionen: entweder der Text wird gehasst oder er saugt einen ein.

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Veröffentlicht am 02.01.2024

Eine weibliche Sicht auf die Liebe und das Leben

Wilde Minze
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Oft werden in Romanen und Geschichten die Standards angenommen, wie Mann findet Frau oder Frau verliebt sich in Mann. Hier ist es endlich mal ein anderes Setting und wirklich nett gemacht. Denn die beiden ...

Oft werden in Romanen und Geschichten die Standards angenommen, wie Mann findet Frau oder Frau verliebt sich in Mann. Hier ist es endlich mal ein anderes Setting und wirklich nett gemacht. Denn die beiden Protagonistinnen Der Roman der Amerikanerin Nina Lacour ist ihr Erwachsenen-Romandebüt, da sie bisher für Jugendliche schrieb. Daher kein erstes Buch, aber der erste Roman für Erwachsene.
In diesem Roman geht es um zwei sehr unterschiedliche Frauen, die kennen und lieben lernen. Sie wachen an der Situation und aus ihrer Vergangenheit heraus. Sara,
Emilie ist Floristin und kommt aus bürgerlichen Verhältnissen. Von ihren Eltern mit wenig Aufmerksamkeit bedacht, da ihre Schwester immer mehr Hilfe als Drogensüchtige brauchte. Sara, die mit 17 Jahre in Elternhaus verlassen hat um sich aus dem armen Kleinstadtmilieu zu entfernen.
Der Roman ist zwar eine Liebesgeschichte, aber aus meiner Sicht stehen die Verletzungen und die Vergangenheitsbewältigung im Vordergrund. Wird doch auch immer wieder in die Vergangenheit gesprungen.
Insgesamt ein gutes Buch, aber mich hat es nicht zu 100% überzeugt.

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Veröffentlicht am 29.12.2023

Rechtsruck in Europa durch die Flüchtlingswelle

Im Sturm der Macht
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Europa dieser Tage erlebt einen drastischen Rechtsruck, denn ich mit Sorge betrachte. Selbst in den nordischen Ländern ist das mittlerweile der Fall. Riikka Purra ist die stellvertretende Ministerpräsidentin ...

Europa dieser Tage erlebt einen drastischen Rechtsruck, denn ich mit Sorge betrachte. Selbst in den nordischen Ländern ist das mittlerweile der Fall. Riikka Purra ist die stellvertretende Ministerpräsidentin Finnlands und fällt mit rassistischen Äußerungen auf. In diese hochaktuelle Lage hat der Wirtschaftsjournalist Tuomas Niskakangas unter dem Pseudonym Tuomas Oskari seinen zweiten hochaktuellen Thriller veröffentlicht: Im Sturm der Macht.
Dies ist die Fortführung von ‚Tage voller Zorn“, dass 2027 spielt. Nun sind wir im Jahr 2028 und erleben eben diesen drastischen Rechtsruck in Europa und eine gespaltene Haltung gegenüber den Flüchtlingen und die divergierende Politik mit diesen umzugehen. Wollen die einen den humanitären Fokus nicht verlieren schotten die anderen sich ab.
In dem Thriller ist genau diese nun aktuelle Wirklichkeit präsentiert. Ein Rechtsruck auch in Finnland, nur das hier in der Fiktion die Ministerpräsidentin erschossen wird und Leo Koski einen Putsch wittert, den es zu verhindern gilt.
Wieder spannend und gut geschrieben ist dieser Polit-Thriller lesenswert, unterhaltsam, aber eben auch so aktuell, dass es einen erschaudern lässt. Wer den ersten Band kennt, erkennt Parallelen im Aufbau der Geschichte, auch wenn eine neue Figur hinzukommt, die Geschichtsstudentin Sara Hegering, die zu faschistischen Strömungen um den zweiten Weltkrieg erforscht um daraus Rückschlüsse für heute zieht.

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