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Nilchen

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Sofie tanzt

Eden
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Als ich den Klappentext in der Vorschau des Galiani Verlags las, war klar: ICH kann dieses Buch nicht lesen. Warum? Es geht im Roman um ein 12jähriges Mädchen, Sofie, die bei einem Attentat auf ein Konzert ...

Als ich den Klappentext in der Vorschau des Galiani Verlags las, war klar: ICH kann dieses Buch nicht lesen. Warum? Es geht im Roman um ein 12jähriges Mädchen, Sofie, die bei einem Attentat auf ein Konzert zu den Todesopfern zählt. Auch ich habe eine musikliebende 12jährige Tochter und das machte es für mich sehr schwer. Aber ich gab dem Roman eine Chance und bin sehr froh, dass ich es tat, denn der Roman ist eine Bereicherung. Es geht nahe, aber wirkt eher verbindend und lebensbejahend. Ein Brücken bauender Roman.
Auch wenn ich das Fazit vorwegnehme: Ja, es ist sicherlich der schmerzhafteste Schicksalsschlag, den einen Treffen kann, der Tod des eigenen Kindes, trotzdem war es für mich eher eine Aufforderung, die Zeit die man miteinander hat jeden Tag zu genießen, denn es gibt immer unvorhergesehenes im Leben.
„Der Tag steht still wie ein Bild, ein Gemälde, das dank eines interessanten Effekts beiläufig die Farben wechselt, allein daran erkennt Tobias, dass dieser Tag doch voranschreitet. Auch dieser Tag ist gekommen, um zu vergehen.“ (S 27)
Was macht den Roman so besonders? Jan Costin Wagner nimmt einen schweren, kaum aushaltbaren Stoff und blickt tief in die Beteiligten hinein. Wie können Menschen das schlimmstmögliche bewältigen? Was hilft ihnen und wie schauen sie auf die Dinge? Dadurch entsteht ein Kaleidoskop an Vielfalt und Denkansätzen. Der Vater, die Hauptfigur, beschäftigt sich mit dem Attentäter und will verstehen, sieht das menschliche im Fehlverhalten. Der Vater eines Freundes von Sofie, ist nicht betroffen, doch macht er sich das Ereignis zu eigen um seine Verschwörungsideen zu untermauern. Und dann sind da noch einige andere Figuren.
“Es ist die beste aller defizitären Lösungen.” (S. 239)
Jan Costin Wagner schreibt großartig einnehmend. Ich begann im Freibad zu lesen, konnte & wollte es nicht aus der Hand legen. Wirklich lesenswert.
Fazit: Schweres Thema, tolles Buch, ein Brückenbauer in der heutigen nicht vorhandenen Debattenkultur. Ein versöhnlicher Roman, der großartig geschrieben ist.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Nur wohnen, geht kaum mit anderen Menschen auf engstem Raum

Wohnverwandtschaften
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„Ich finde Aufstehen nicht schlimm, würde aber vorher gern schlafen“ (S. 151; Murat)
Wer „Der Pfau“ von Isabel Bogdan bisher weder gesehen noch gelesen hat, bitte unbedingt nachholen. Natürlich lieber ...

„Ich finde Aufstehen nicht schlimm, würde aber vorher gern schlafen“ (S. 151; Murat)
Wer „Der Pfau“ von Isabel Bogdan bisher weder gesehen noch gelesen hat, bitte unbedingt nachholen. Natürlich lieber das Buch als den Film, der aber auch nicht schlecht ist.
Nun wieder ein herrlich anrührendes, zugleich humorvolles Buch, dass sich einfach schnell wegliest und trotzdem das Leben schätzt.
Wir landen mit Constanze in einer WG, in der sie, eigentlich nur vorübergehend einzieht, nachdem sie sich von ihrem Freund getrennt hat. Heiraten und schon binden fürs Leben wollte die Zahnärztin noch nicht. Ein Zimmer war zu haben, weil Jörg, der Rentner und Wohnungsbesitzer, auch dieses noch zur Vermietung freigab. Er will demnächst nach Georgien mit seinem Bully und kann die Kohle gut brauchen. Dann gibt es noch Anke, die auch ü50 ist und von Beruf Schauspielerin, wenn man sie lässt. Und die gute Seele der WG mit immerzu guten Vibes durchs Leben gehend: Murat.
In dieser Melange kommt jeder der vier abwechselnd zu Wort. Toll, wie Isabel Bogdan auch wirklich die Tonlage des Charakters in die einzelnen Kapitel legt. Ohnehin super gut geschrieben und auch hier kann ich mir gut vorstellen, dass eine Verfilmung folgt.
Sie trifft das Leben auf den Punkt, wenn wir der Interaktion und der Nähe dieser vier Personen beiwohnen dürfen. Alle treibt anderes um, aber alle sind sie füreinander da und finden halt in dieser selbstgewählten Wohnverwandtschaft.
Auch wenn der Roman witzig und knackig geschrieben ist, hinterlässt er bei mir auch viele Überlegungen was das Leben und die Liebsten im Leben ausmacht bevor es anders wird als gedacht.
Lasst euch mitnehmen in diese WG, ich mochte sie. Einziehen vielleicht nicht, aber hier würde ich gern mal zu einer Party eintauchen. Mir fiel übrigens kaum jemand ein, dem das Buch nicht gefallen würde. Und DAS ist ja wohl ein Prädikatslob! ;0)

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Noch nie Lotto gespielt – aber mit diesem Buch den Hauptgewinn gezogen!

6 aus 49
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Ich habe noch nie Lotto gespielt. Nicht einmal aus Versehen. Aber mein Vater? Der füllt seit über 40 Jahren jede Woche brav seinen Schein aus – mit einer Ernsthaftigkeit, als hinge das Weltklima vom richtigen ...

Ich habe noch nie Lotto gespielt. Nicht einmal aus Versehen. Aber mein Vater? Der füllt seit über 40 Jahren jede Woche brav seinen Schein aus – mit einer Ernsthaftigkeit, als hinge das Weltklima vom richtigen Kreuzchen auf der 27 ab. Gewonnen hat er, aber nur kleinste Beträge. Jackpot – nie! Aber geträumt? Jede Woche. Und genau diese Mischung aus Hoffnung, Routine und stillem Trotz erinnert mich sehr an Lina, die Heldin von Jaqueline Kornmüllers wunderbar schräg-schönem Roman 6 aus 49.
Denn Lina, die Großmutter der Autorin, spielt nicht nur Lotto, sie spielt sich durchs Leben – und das mit einer Mischung aus Mut, Witz und unfassbarer Widerstandsfähigkeit. Als Kupfergeschirrwäscherin gestartet, landet sie – durch Schicksal, Zufall und eine ordentliche Portion Biss – irgendwann auf der Veranda ihres eigenen Hotels in Garmisch, den Lottoschein in der Hand, das Glück im Blick.
Kornmüller erzählt diese Geschichte mit genau der richtigen Dosis Herz, Humor und Schärfe. Kein Geschichtsroman mit Stock im Rücken, sondern eine flirrende Zeitreise durch Bayern, Winter-Olympiade, Nazizeit, Hotellobby und Frauensolidarität. Lina und ihre Freundin Maria stemmen das Leben, das Hotel, die Kindererziehung und wahrscheinlich auch noch ein paar Tortenbleche – und das ganz ohne Männer.
Die Sprache ist grandios in diesem Roman! Kornmüller schreibt nicht gefällig, sondern genau. Zwischen poetischen Wortschleifen und trockenen Alltagskommentaren liegt oft nur ein Satz. Man liest, lacht, schluckt – und liest nochmal. Nicht weil man muss, sondern weil man will.
Und dann dieses Cover!K< at Menschik illustriert mit so viel Liebe, dass ich das Buch am liebsten auf den Wohnzimmertisch liegen lassen möchte – wie ein Kunstobjekt. Lottozahlen, Hotel, Freundinnenpower – alles drauf, alles dran. Das wäre mal ein colles Poster!
Fazit: 6 aus 49 ist ein Glücksgriff. Auch ohne Lottoschein. Es zeigt: Das wahre Glück liegt nicht im Kreuzchenfeld, sondern im Leben selbst – mit all seinen Umwegen, Zufällen und Kupferkesseln. Ein Buch für starke Frauen, ewige Träumer und Menschen mit Herz für Geschichten, die bleiben.
Und wer weiß – vielleicht fange ich jetzt doch mal mit dem Lotto an.

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Rettung - nur für wen?

Die Rettung
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Nach 50 Seiten war ich wenig begeistert, nach 100 Seiten, schon sehr viel mehr und dann hat es mich gepackt. Den Rest des Romans habe ich verschlungen.

Dieser Roman beginnt zunächst im Tenor eines Klimiwandel-Weckruf ...

Nach 50 Seiten war ich wenig begeistert, nach 100 Seiten, schon sehr viel mehr und dann hat es mich gepackt. Den Rest des Romans habe ich verschlungen.

Dieser Roman beginnt zunächst im Tenor eines Klimiwandel-Weckruf und bleibt es auch, aber es steckt so viel mehr drin.

Die Autorin, Charlotte McConaghy, die von Hause aus auch Biologin ist, versteht es gekonnt ihr Wissen um Flora & Fauna einzubinden und so auch die bereits eingesetzte Bedrohung durch uns Menschen deutlich zu machen.

“Hohe grüne Berge, die Gipfel umwölkt von grauem Dunst. Felsige Steilwände. Irgendwie prähistorisch. Ein überwältigendes Gefühl von Alter, von langer Zeit, gepaart mit Schaudern.” S 59

Ein Roman der voller Naturgewalt ist und und jeden Einzelnen nichtig wirken lässt vor dem Leben das die Erde zu bieten hat.

Was ist genauso gut kann ist Zwischenmenschliches aufgreifen und Ambivalenzen des menschlichen Handelns zu zeigen.

Dieser Roman strotzt nur so vor schwierigen Charakteren, vor unbegreiflichem Verhalten und vor Entscheidungen, die jeder vielleicht anderes bewertet.

Hoch spannend erzählt. Jeder kommt zu Wort, die Kapitel sind kurz und die erzählende Sichtweise wechselt. Durch die abwechselnden Sichtweisen auf das Geschehen und die Dynamiken bleibt es trotz weniger Handlung spannend.



Zu Beginn lebt der Text lebt mehr von der Natur als von den Personen und im Laufe des Romans kippt es. Dann stehen die Personen mit ihrem Leben im Mittelpunkt.

„Ich schließe die Augen, sauge alles in mich auf und weiß, dass ich es niemals vergessen werde. Die Welt ist ge-fährlich, und wir werden sie nicht überleben. Aber das hier, das gibt es auch. So vergänglich es auch sein mag.” S 270

Das Buch ist echt ein Ritt. Spannend, ja, aber auch sehr dünste, kalt und mit einer depressiven Grundstimmung. Das sollte gesagt sein.

“Es ist verflucht traurig, dass man die wahre Qualität von Liebe erst erkennt, wenn man sie verliert.” S 326Min

In diesem Sinne, lasst euch dieses Abenteuer nicht entgehen. Besonders lesenswert, wenn es draußen bei uns - durch den Klimawandel bedingt - zu heiß ist und eine innere Abkühlung zu begrüßen ist.

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Du bist nicht die, für die ich dich halte – und ich auch nicht.

Bestie
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Manche Bücher sind wie eine neue Mitbewohnerin: Du denkst, du kennst den Deal – und dann zieht jemand ein, der alles in dir umsortiert. Bestie von Joana June war für mich genau so ein Buch. Ich habe es ...

Manche Bücher sind wie eine neue Mitbewohnerin: Du denkst, du kennst den Deal – und dann zieht jemand ein, der alles in dir umsortiert. Bestie von Joana June war für mich genau so ein Buch. Ich habe es nicht gelesen – ich bin eingezogen.
Was für ein Debüt. So klug gebaut, so emotional fordernd, so sprachlich sicher – Bestie hat mich mit mitgenommen. Es ist ein Roman über zwei Frauen, die sich begegnen und verändern, aber kein Stück des üblichen Selbstfindungskitschs. Delia, die sich als „Lilly“ neu erfindet, und Anouk, die strahlende Influencerin mit Rissen im Lack, könnten nicht unterschiedlicher sein – und ähneln sich doch in ihrem innersten Wunsch: gesehen zu werden. Echt gesehen. Nicht durch den Filter. Einfach nur das normale Leben im echten Raum.
Was dieses Buch so verdammt stark macht, ist seine Ambivalenz. Hier gibt es keine klaren Heldinnen, keine einfachen Antworten. Jeder Schritt, den die Figuren machen, schmerzt ein bisschen. Nicht, weil er falsch ist – sondern weil man weiß, wie viel Unsicherheit, Mut und Selbstverrat dahintersteckt. Ich habe Delia und Anouk nicht immer gemocht, aber ich habe ihnen jede Entscheidung geglaubt.
Und dann dieser Stil! Joana June schreibt mit einer Direktheit, die manchmal weh tut und im nächsten Moment so poetisch wird, dass man kurz innehält. Gerüche, Räume, Sätze – alles ist spürbar. Jede Szene sitzt. Jede Nuance hat ein Echo. Selbst die kleinen Zwischenspiele zwischen den Akten – erst rätselhaft, dann fast magisch – tragen dazu bei, dass man tiefer geht als gedacht.
Besonders beeindruckt hat mich, wie feinfühlig das Buch mit Themen wie weiblicher Selbstdarstellung, Macht, Einsamkeit und der Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit umgeht – ohne Moralkeule, ohne Pathos. Es geht hier um mehr als nur zwei Lebensentwürfe. Es geht um das, was wir bereit sind zu geben – und zu verlieren – um endlich wir selbst zu sein.
Ach, und der Titel: Bestie. Was für ein Coup. So unscheinbar auf den ersten Blick – so vielschichtig, wenn man erstmal drin ist. Freundschaft oder Verrat? Verletzung oder Verbündete? Ich werde ihn so schnell nicht vergessen.
Der Roman bleibt. Vielleicht, weil es sich weniger wie ein Roman und mehr wie ein Gespräch anfühlte. Zwischen den Zeilen. Zwischen zwei Frauen. Zwischen den Leserinnen.
Joana June hat mit Bestie nicht einfach ein gutes Debüt geschrieben – sie hat einen Nerv getroffen. Und ich kann kaum erwarten, was da noch kommt.
Fünf Sterne von Herzen.

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