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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.11.2025

Eine ungarische Adelsfamilie in den Turbulenzen des 20. Jahrhunderts

Lázár
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Diesem Buch konnte man gar nicht entfliehen auf Bookstagram und überall wo viel über gute Bücher gesprochen und geschrieben wurde, daher hab auch ich es zur Hand genommen, obwohl Romane mit Pferden auf ...

Diesem Buch konnte man gar nicht entfliehen auf Bookstagram und überall wo viel über gute Bücher gesprochen und geschrieben wurde, daher hab auch ich es zur Hand genommen, obwohl Romane mit Pferden auf dem Cover sonst so gar nicht meines sind!
“ Der Schriftsteller fürchtet sich vor nichts mehr als vor dem Glück, was nur verständlich ist, denn Schreiben ist Konservieren, Festhalten, Ordnen, das Glück aber meidet die Sprache, entzieht sich den Wörtern, versteckt sich in der Vergänglichkeit und zerfällt, wenn man es zu erklären versucht.” (S. 108)

Und ich muss das Fazit vorziehen: Es hat sich gelohnt! Was ein tolles Buch. Die unabhängigen Buchhändler:innen haben dieses Buch in 2025 zu ihrem Buch des Jahres erklärt. Gute Wahl!
Nelio Biedermann findet eine äußerst gute Sprache für so vieles unaussprechliches. Für Dinge und Umstände, für die man zur damaligen Zeit keine Worte fand. Geschickt springt er in der Zeit, erzählt episodenhaft, aber zeichnet ein rundes Bilder einer Familie über Generationen hinweg.
“Auch sie, die die Hoffnung nicht verloren hatten, hofften eigentlich nicht auf die Zukunft, sondern auf die Rückkehr der Vergangenheit.” (S. 290)
Es geht um eine adelige Familie in Ungarn, die zurückgezogen in einem Waldschloss lebt. Zunächst im Glauben, dass der Adel und die Lebensweise ohne Umbrüche immer so weiter geht, aber dann kommt der erste Weltkrieg, dann der Zweite und dann die Kommunisten. Eine tragische Verstrickung von Ereignissen.
Wieder ein Buch, dass schafft durch eine fiktionalisierte Geschichte einen emphatischen Raum zu öffnen und die Imagination antreibt sich auszumalen wie die vergangenen Zeiten die Gegenwart geprägt hat.
Ich habe es sehr gern gelesen und wünsche Lazár viele Leser. Ach ja, und ignorieren sie das Pferd, auch wenn ihnen beim Lesen klar wird, welche Rolle es spielt.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Rache ist buchbar!

Hustle
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Was für ein Spaß! Hustle ist so ein Buch, das man aufschlägt, „nur kurz reinlesen“ will – und plötzlich ist man auf Seite 200 und lacht Tränen über Leonies sarkastische Kommentare, bissige Beobachtungen ...

Was für ein Spaß! Hustle ist so ein Buch, das man aufschlägt, „nur kurz reinlesen“ will – und plötzlich ist man auf Seite 200 und lacht Tränen über Leonies sarkastische Kommentare, bissige Beobachtungen und die absurden Situationen, in die sie sich hineinmanövriert. Julia Bähr hat hier einen Roman geschrieben, der gleichzeitig federleicht und messerscharf ist – Unterhaltung mit Köpfchen, Gesellschaftskritik mit Witz.
Im Mittelpunkt steht Leonie, Anfang 30, Biologin, moralisch flexibel und lebensklug. Nachdem ihr Chef ihre Forschung klaut und sie in einem legendären Wutanfall sein Büro verwüstet, findet sie sich ohne Job wieder – und mit einem Neuanfang in München, der teuersten Stadt Deutschlands. Dort stößt sie auf drei Frauen, die sich mit mehr oder weniger legalen „Nebenjobs“ über Wasser halten – und bald gründet Leonie ihr eigenes Business: Rache Inc. Wer Liebeskummer hat, zahlt, und Leonie sorgt mit raffinierten Aktionen für Gerechtigkeit auf ihre ganz eigene Art.
Was das Buch so großartig macht, ist der Ton. Julia Bähr schreibt herrlich trocken, mit einem Gespür für Timing und Situationskomik, das an Mareike Fallwickl oder Caroline Wahl erinnert – nur noch schärfer und urbaner. Ich habe selten so oft laut gelacht und gleichzeitig gedacht: Autsch, das trifft leider genau ins Schwarze. Zwischen überzogenen Mieten, Selbstoptimierung und moralischen Grauzonen erzählt Hustle von einer Generation, die gelernt hat, sich selbst zu hustlen, weil sonst niemand für sie sorgt.
Dabei bleibt der Roman warmherzig. Die Freundschaften zwischen den Frauen sind das emotionale Rückgrat der Geschichte – loyal, wild, solidarisch, und manchmal chaotisch. Es tut gut, dass hier einmal nicht die romantische Liebe im Zentrum steht, sondern weibliche Bündnisse, Wut und Witz.
Leonie ist keine Heldin im klassischen Sinne, sondern ein Mensch, der Fehler macht, flucht, zweifelt – und gerade deshalb so sympathisch ist. Dass Julia Bähr diese Figur nie moralisierend, sondern liebevoll ironisch zeichnet, macht Hustle zu etwas Besonderem.
Kurz gesagt: Hustle ist frech, modern, brillant beobachtet und einfach verdammt unterhaltsam. Ein Buch, das man verschlingt, weil es einen zum Lachen bringt – und danach noch lange zum Nachdenken.
Fazit:
Ein feministischer, hochkomischer Gesellschaftsroman über Geld, Moral und Freundschaft – mit Suchtfaktor!
📚 5/5 Sterne – und der dringende Wunsch, Leonie & Co. bald wiederzusehen.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Eine Frau der Stunde trifft auf eine Leserin mit vielen Hüten

Die Frau der Stunde
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Als Frau mit mehreren Rollen im Alltag – Mutter, Führungskraft, Teilzeit-Therapeutin meiner To-do-Liste und Vollzeit-Multitaskerin – hat mich Die Frau der Stunde von Heike Specht direkt gepackt. Denn ...


Als Frau mit mehreren Rollen im Alltag – Mutter, Führungskraft, Teilzeit-Therapeutin meiner To-do-Liste und Vollzeit-Multitaskerin – hat mich Die Frau der Stunde von Heike Specht direkt gepackt. Denn wer sich schon einmal in einem Meeting zwischen charmanten Mansplainern behaupten musste, der wird Catharina Cornelius sofort ins Herz schließen.
Heike Specht entführt uns ins Bonn der späten 70er – also dorthin, wo Politik noch nach Cognac, kaltem Rauch und Altherrenparfüm roch. Zwischen Aktenbergen und Anzugträgern sitzt Catharina, liberal, ledig, furchtlos – und plötzlich Außenministerin. Die Herren im Bundestag fallen fast vom Stuhl, als die „zierliche Frau mit dem Chignon“ das politische Parkett betritt. Und was macht sie? Sie zieht das durch. Mit Stil. Mit Scharfsinn. Und mit Gin Tonic.
Specht schreibt das mit einer herrlichen Mischung aus Witz, Tiefgang und Zeitkolorit. Ich wäre gern mit Catharina und ihrer Frauenclique in einer Bonner Bar gesessen, während sie zwischen Weltpolitik und Frauenfreundschaft jongliert. Und das mit einem Schlag Selbstironie, der selbst in den verrauchten Hinterzimmern von 1979 frischen Wind verbreitet hätte.
Besonders gefallen hat mir, dass Specht keine Heldin aus Zuckerwatte zeichnet. Catharina ist klug, verletzlich, ehrgeizig – und manchmal einfach müde davon, ständig doppelt so gut sein zu müssen wie die Herren in grauen Anzügen. Ihre Freundinnen, die belgische Journalistin Suzanne und die iranische Regisseurin Azadeh, geben der Geschichte zusätzlich internationale Tiefe – und das Gefühl, dass Frauen auf der ganzen Welt denselben Tanz führen: zwischen Freiheit und Erwartung, Herz und Haltung.
Natürlich gibt es viele Figuren (ich hätte mir fast ein Personenverzeichnis gebastelt), aber sobald man drin ist, entfaltet der Roman eine wunderbare Mischung aus politischem Drama, Frauenpower und 70er-Jahre-Glamour.
Mein Fazit: Ein Buch für alle, die sich schon mal gefragt haben, wie weit Selbstbestimmung wirklich geht – und ob sich Freiheit manchmal wie ein Drahtseilakt in High Heels anfühlt.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Kunst, K-Drama und Küsse

The Seoul Season
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Ich sag’s gleich vorweg: The Seoul Season von Patricia Bouslair ist so gar nicht mein übliches Beuteschema. Normalerweise tummeln sich auf meinem Nachttisch eher Krimis, verschrobene Familiengeschichten ...

Ich sag’s gleich vorweg: The Seoul Season von Patricia Bouslair ist so gar nicht mein übliches Beuteschema. Normalerweise tummeln sich auf meinem Nachttisch eher Krimis, verschrobene Familiengeschichten oder Bücher, bei denen man mindestens drei Mal nachdenken muss, bevor man versteht, warum die Hauptfigur plötzlich im Jahr 1862 steht. Aber – und das ist das Schöne am Viellesen – manchmal stolpert man in Genres hinein, die man sonst links liegen lassen würde … und landet prompt mitten in Seoul, zwischen Kirschblüten, Kunst und K-Drama-Vibes.
Schon nach den ersten Kapiteln hatte ich das Gefühl, ich binge-watche statt lese. Location-Scout Maya ist so eine dieser Figuren, die man gleichzeitig schütteln und umarmen möchte. Beruflich ehrgeizig, emotional leicht chaotisch, und immer mit der Kamera im Anschlag – wie eine Mischung aus Karrierefrau und Tagträumerin auf Koffein. Und dann taucht Jae-ho auf, der grumpy Künstler mit der charmanten Aura eines Mannes, der zu viele Espresso und zu wenig Komplimente bekommen hat. Natürlich prallen die beiden aufeinander wie Öl und Wasser – und genau das macht’s so herrlich.
Was mir richtig gefallen hat, war, wie Bouslair die Stadt selbst zur dritten Hauptfigur macht. Zwischen Neonlichtern, stillen Galerien und Gassen, die nach Streetfood riechen, hat man das Gefühl, Seoul atmet mit jeder Seite. Ich musste kurz nach Flugpreisen googeln, bevor ich mich wieder daran erinnerte, dass mein Kontostand die „Reise“ auf Papier eindeutig bevorzugt.
Ja, die Story ist stellenweise vorhersehbar, und die obligatorische „Oh nein, eine Lüge droht alles zu zerstören“-Szene kommt pünktlich wie der Abspann einer Netflix-Romcom. Aber wisst ihr was? Ich habe es genossen. Diese Mischung aus leichter Melancholie, Humor und Fernweh ist einfach ansteckend. Und der „Slow Burn“ zwischen Maya und Jae-ho? Ein emotionaler Tanz auf Glut, bei dem man am liebsten selbst mitfächeln würde.
Fazit einer sonst genrefremden Vielleserin: The Seoul Season ist wie ein hübsch gestalteter Farbschnitt – vielleicht nicht tiefgründig wie ein Dostojewski, aber wunderschön anzuschauen, charmant in seiner Einfachheit und perfekt, wenn man Herzklopfen und Reisesehnsucht auf einmal spüren will.
Wer Romantik mag, bekommt hier Seoul fürs Herz. Wer sonst anderes liest, bekommt eine angenehm süße Überraschung. Und ich? Ich überlege gerade, ob ich mich doch mal an ein K-Drama wage … nur zu Recherchezwecken natürlich.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Erster Teil sehr start, Schluss weniger überzeugend.

HEN NA IE - Das seltsame Haus
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Ein riesiger Erfolg in Japan. Dies war der erste Band von dem ominösen Uketsu. Ein Fall, der anscheinend durch die japanische Presse ging und dann von diesem Unbekannten in Buchform aufgegriffen wurde. ...

Ein riesiger Erfolg in Japan. Dies war der erste Band von dem ominösen Uketsu. Ein Fall, der anscheinend durch die japanische Presse ging und dann von diesem Unbekannten in Buchform aufgegriffen wurde. Spannend daran ist die Art, denn das Buch ist voller Grundrisse von zwei verschiedenen Häusern. Das ist die Grundlage des Rätsel, dass es zu lösen gilt. Und als Leser:in ist man immer dabei das Rätsel mit zu lösen.
Der in Japan als zweites erschiene Band – Seltsame Bilder – erschien auf Deutsch als erstes und hat mich wirklich sehr überzeugt. Das Buch fand ich super gut. Und dann las ich dieses hier: Das seltsame Haus.
Der Einstieg war wieder mega gut, viele Grundrisse und ein stätiges miträtseln. Auch die Charaktere waren klar, der Geschichte war einfach zu folgen. Aber dann im zweiten Teil des Buches, wurde das Tempo sichtlich angezogen, es gab immer weniger Grundrisse, Bilder und die Anzahl an Personen und Verlinkungen stieg auch. Vielleicht sind mir die japanischen Namen einfach zu wenig geläufig um sie mir beim schnelleren Lesen zu merken. Vielleicht hätte ich mir auch anfangen sollen einen Stammbaum zu zeichnen, immer wenn ein neuer Name auftauchte.
Wie dem auch sei, ich hab es zu Beginn gerne gelesen, finde das Konzept weiterhin mächtig gut, aber der Schluss hat mich etwas enttäuscht.

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