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Nilchen

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Veröffentlicht am 02.09.2021

Endlich mal ein Buch für kleine Berlin-Entdecker!

Unser Berlin
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„Unser Berlin“ aus dem kleinen, aber sehr feinen Windy Verlag ist ein Bilderbuch über alles was es in Berlin zu entdecken gibt. Super als Reiseführer für die Kleinsten geeignet, aber genauso auch für Mini-Berlin ...

„Unser Berlin“ aus dem kleinen, aber sehr feinen Windy Verlag ist ein Bilderbuch über alles was es in Berlin zu entdecken gibt. Super als Reiseführer für die Kleinsten geeignet, aber genauso auch für Mini-Berlin im Kindergarten- und Grundschulalter (bis 4. Klasse). Eine runde Sache, denn es werden allerlei Bereiche abgedeckt und aus meiner Sicht, als Berliner Urgestein, ist es eine tolle ausgewogene Mischung. Zum einen wird auf die geografische Lage Berlins eingegangen, genauso wie auf die historische Situation der Teilung und dann natürlich auf alle wichtigen Sehenswürdigkeiten. Witzig fand ich die Seite über die lokalen Sportvereine (Hertha, Eisbären usw.).
Kompakte Texte zu den einzelnen Themen von Dagmar Fischer machen es kurzweilig und locker. Selbst ich habe was dazu gelernt, denn ich hatte keine Ahnung was ein „Café Achteck“ ist! Die besonders schönen Illustrationen von Katrin Merle muss man einfach lieben, denn sie sind detailreich und zugleich übersichtlich gemacht.
Dieses Buch sollte zur Grundausstattung jedes Berliner Kindergartens und Grundschulbibliothek gehören und in jedem Reisegepäck für kleine Besucher von 4 bis 8 Jahren.
Ach ja, noch was zur Altersangabe. Ja, es ist ein Bilderbuch, aber das sollte nicht abschrecken, denn es ist auch noch für Grundschüler spannend. Denn die Texte können selbst gelesen werden und ist ein guter Einstieg selbst mehr zu entdecken und eine gute Grundlage mehr Fragen zu stellen.
Fazit: Für kleine Berlin-Reisende, Mini-Berliner, Entdecker und alle die einfach gerne Berlin in klein betrachten. Wir waren sehr begeistert!

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Veröffentlicht am 02.09.2021

Aus Mathilde wird Mariam

Das Land der Anderen
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Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani kann man nur feiern. Wieder ein Buch, dass es zu lesen lohnt! Sie packt viele Themen in ihren neuen Roman ‚ Das Land der Anderen‘ und erzählt eine Geschichte ...

Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani kann man nur feiern. Wieder ein Buch, dass es zu lesen lohnt! Sie packt viele Themen in ihren neuen Roman ‚ Das Land der Anderen‘ und erzählt eine Geschichte aus dem letzten Jahrhundert, aber trifft uns in der Gegenwart. Es ist der erste Teil einer Familiensaga, die sich der Geschichte Marokkos widmet.
Mathilde ist die Protagonistin dieses Romans. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges verliebt sie sich als junge Frau in einen marokkanischen Offizier, der für die Franzosen kämpfte - Amine. Sie wagt es mit ihm nach Marokko zu gehen um ein eigenes Leben zu führen fernab der eigenen Familie. Dort leben sie dörflich bei Meknes auf dem geerbten Hof von Amine. Hier möchte er in trockener Eben als Bauer leben und den Traum seines Vaters verwirklichen hier ernten zu können. Angekommen ist Mathilde, aber findet zum einen patriarchalische Strukturen vor mit sehr traditionellen Lebensweisen in der sie als Frau eine bestimmte Rolle einzunehmen hat. Sie kümmert sich vorrangig um die beiden Kinder, hat aber als „Andere“ Privilegien, darf sich dafür aber auch nicht einmischen.
On top kommt die Sicht auf Marokko als Land, dass die Franzosen kolonialisiert haben und spürt den lokalen Rassismus, die immer die „Anderen“ trifft – egal auf welcher Seite. Eine französische Perspektive, aber von unten auf diesen Kolonialmacht und Wehr gegen die Besatzungsmacht. Ein spannender Ansatz. Dieser erste Band endet mit dem Jahr 1955. Turbulente Zeiten in Marokko -aber ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, lest selbst.
Ich war bisher recht unbewandert in marokkanischer Geschichte und wie Frankreich als Kolonialmacht dort herrschte und wie die Unabhängigkeitsbewegung ihren Lauf nahm. Ich fand diesen Aspekt des Romans äußerst bereichernd.
Außerdem war der Themenkomplex der „Mischehe“ besonders spannend geschrieben, die beiden im Verhältnis zueinander, das Verhältnis zu den Lokalen inklusive der Familie und wie die Franzosen es aufnahmen.
Diese ganze Geschichte wird nüchtern erzählt von Leïla Slimani, aber so durchdringlich, dass es einen fasziniert. Wie immer reibt sie sich an den Themen und es knirscht auch mal und rüttelt den Leser auf ihre ganz eigene Weise auf. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 26.08.2021

„Das verräterische Herz“

Unter Freunden
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Julian und Flora – ein Paar der filmschaffenden Industrie haben eine gemeinsame Tochter, Ruby. Margot, ihre beste Freundin, eine erfolgreiche Schauspielerin ist mit einem Arzt liiert. Soweit so unspektakulär. ...

Julian und Flora – ein Paar der filmschaffenden Industrie haben eine gemeinsame Tochter, Ruby. Margot, ihre beste Freundin, eine erfolgreiche Schauspielerin ist mit einem Arzt liiert. Soweit so unspektakulär. Dieses Buch erzählt ihre Geschichten, ihr Kennenlernen, ihre tragischen Momente, ihre Sehnsüchte und Verzweiflungen und vor allem ihre ineinandergreifenden Beziehungen, die sich über die Jahre verändert haben. Auch beleuchtetet dieser Roman sehr schön die sehr unterschiedlichen Lebensräume New York und Los Angeles im Kosmos der Schauspielerei die einen künstlerischen Konflikt schüren.
Von Kapitel zu Kapitel revidierte ich als Leserin meine Meinung über fast jede Person in diesem Ensemble! Unglaublich aber wahr, denn wir wechseln die Brille durch die wir das Geschehen und die Vergangenheit sehen und bewerten ständig neu. Wie ein verschwommenes Bild das immer klarer wird. Und erstaunlicherweise kommt immer wieder ein Fakt, eine Regung, ein Gefühl hinzu was den Menschen komplexer darstellt – so wie im echten Leben. Changierend, nach Laune und nach eigenem Empfinden. Aus meiner Sicht eine recht reale Abbildung dessen was wir alle in Freundschaften wahrnehmen.
Neben diesem positiven Aspekt fand ich diesen Roman recht trivial. Trivialität in seiner komplexesten Form. Lange habe ich gegrübelt wie ich diesen Roman nun finden soll. Einerseits machte es Spaß den Protagonisten bei ihrer verschachtelten Problematik über die Schulter zu schauen und wie sie es angehen. Andererseits waren es kein besonders tiefgreifender Plot und recht bedeutungslos in der Summe.
Dies ist der zweite Roman von Cynthia D'Aprix Sweeney. Ich finde ihren Erzählstil wahnsinnig atmosphärisch und sehr gelungen. Daher ist diese Geschichte inhaltlich nicht sonderlich überzeugend, aber wie sie transportiert wird, ist gutes Handwerk. Ich versuch es eventuell mal mit ihrem Welt-Bestseller „Das Nest“ oder das nächste Werk.

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Veröffentlicht am 26.08.2021

Gibt es Hexen im Wald?

4 Kinder, 1 Hund und die coolste Oma der Welt
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Ein herrliches Kinderbuch! Anu & Friedbert Stohner haben hier eine wirklich nette Geschichte zusammen geschrieben und Elli Bruder hat es wunderbar in Szene gesetzt mit ihren Illustrationen!
Wir lernen ...

Ein herrliches Kinderbuch! Anu & Friedbert Stohner haben hier eine wirklich nette Geschichte zusammen geschrieben und Elli Bruder hat es wunderbar in Szene gesetzt mit ihren Illustrationen!
Wir lernen eine sehr nette Familie kennen mit ganzen 4 Kindern: die kleine Mia, Lenny, Matteo und die große Schwester Jana. Tja, und Matteo hat Angst. Unüberwindbare Angst vor Hexen und Oma Hildi hat eine großartige Idee wie er die Angst überwinden kann: ein Wochenende Wandern & Zelten mit den gruseligen Zielen: Teufelstisch, drei buckeligen Riesen und dem Hexenhut. Also zieht Oma Hildi mit den 4 Kindern und ihrem Hund Herrn Enquist los und es wird ein Abenteuer!
Ein Buch das geübte Grundschüler alleine lesen können, aber es ist auch ein herrlicher Vorlesespaß für die ganze Familie und überbrückt mehrere Alters“klassen“ – da kann schon ein 4jähriges Kind genauso zuhören wie noch ein 9jähriges Kind Spaß hat. Daher eine klare Vorleseempfehlung.
Es ist witzig, spritzig und in der Tat ist Oma Hildi die coolste Oma weit und breit. So eine wünscht man sich danach sofort. Besonders toll fand ich, dass unabhängig von Alter und Geschlecht jedes der Kinder ein eindeutiges Charakterprofil hat und sich die Zuhörer bzw. Leser sich gut in einer der 4 hineinversetzen können, je nach Entwicklung und je nach Neigung. Das Sammelsurium ist bunt und fröhlich und fern ab jeglicher Perfektion!
Wir wünschen dem Buch ‚4 Kinder, 1 Hund und die coolste Oma der Welt‘ viele viele kleine und große Leser, weil es einfach eine Lesefreude ist!

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Veröffentlicht am 22.08.2021

Drei Männer, eine Insel, eine Idee mit Risiken

Der längste Tag im Leben des Pedro Fernández García
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„Der längste Tag im Leben des Pedro Fernández García“ ist der zweite Roman aus der Feder von Moritz Rinke, der teilweise auch in Spanien lebt. Im Mittelpunkt steht Pedro, der seinen Job an das Internet ...

„Der längste Tag im Leben des Pedro Fernández García“ ist der zweite Roman aus der Feder von Moritz Rinke, der teilweise auch in Spanien lebt. Im Mittelpunkt steht Pedro, der seinen Job an das Internet peu á peu verliert, denn er ist Postbote auf Lanzarote. Er hängt sehr an seinem geliebten Job mit der Honda über die Insel zu düsen und die Post zu verteilen und er ist gut darin zu verschleiern, dass er kaum noch zu tun hat fährt dann gelegentlich die Nobelpreisträgerroute, die Café-con-Leche-Route und noch einige mehr. Nun ist er nicht nur seinen Job so gut wie los, auch seine Frau verlässt ihn und mit ihm sein geliebter Sohn Miguel.
Das gilt es zu verhindern und hier kommen zwei weitere Spezialisten der Insel auf die Bühne des Romans: Tenaro, dessen Vater ein bekannter Fischer war, aber er selbst mit halbseidenen Geschäften versucht einen Jackpot zu knacken und im Endeffekt ein arbeitsloser Fischer ist. Und dann ist da noch Amado, ein Gestrandeter, ohne Perspektive die Insel zu verlassen. Er ist in Freiheit und in Gefangenschaft zugleich. Und dieses Trio infernale will nun mit einem ungeheuren Plan den Pedros Sohn zu ihm holen.
Der Roman ist toll geschrieben, liest sich wunderbar. Es sind unzählige Referenzen und Themen, die angeschnitten werden. Für belesene Leser:innen und Menschen mit großem Wissensschatz eine wahre Freude, ich kann mir aber auch vorstellen, dass man bei weniger Hintergrund auch an mancher Stelle Informationen vermisst. Es kommt beispielsweise der spanische Bürgerkrieg vor, Saramango, Hemingway, die Flüchtlingswelle. Ich fand es toll wie das alles hier eingeflossen ist und hat mir besondere Freude beim Lesen bereitet.
DIE perfekte Urlaubslektüre, wenn man nach Lanzarote fliegen sollte, aber das ist sicherlich schon allen klar. Aber auch sonst ein sehr sehr lesenswerter Roman, kennt man die Insel schon oder auch nicht, denn sie wird ausführlich beschrieben.
Taucht ein und lasst euch von Wind und Sonne von den drei Chaoten nach Lanzarote in Gedanken mitreißen!

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