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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2021

Für wen ist dieses Buch gedacht?

Die nicht sterben
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Reizen tut uns die Lektüre, hat man schon oft die vielen Schlagwörter gehört die sich in diesem Roman niederschlagen wie Walachei, dass wir alle ab und an in den Mund nehmen und auf einen verlassenen Landstrich ...

Reizen tut uns die Lektüre, hat man schon oft die vielen Schlagwörter gehört die sich in diesem Roman niederschlagen wie Walachei, dass wir alle ab und an in den Mund nehmen und auf einen verlassenen Landstrich referenzieren oder auch der berühmte Dracula, den wir dank Bram Stoker sogleich als Vampir vor dem eigenen inneren Auge sehen.
Dana Grigorcea, die selbst in Burakest geboren wurde (1979) und nun in der Schweiz ihre Heimat gefunden hat schrieb mit ‚Die nicht sterben‘ einen Roman der sich in keine bekannte Schublade pferchen lässt. Der Roman mag nirgends so recht hineinpassen. Hochliterarisch durch gute Prosa und viele Metareferenzen wird es zur guten Literatur. Die Vampirin gibt dem ganzen einen grotesk abgefahrenen Trashtouch á la Tarantino. Und dann noch die historischen Abrisse Rumäniens in die ferne und die nahe kommunistische Vergangenheit geben dem ganzen ein historischen Anklang.
Die preisgekrönte Autorin schickt ihre Protagonistin, eine junge Malerin aus Bukarest zurück in ihre Kindheitserinnerungen der Sommerfrische in ein kleines Dorf am Rande Transsilvaniens. Dort verbringt sie mit ihrer Tante erneut einen Sommer in dem sich vieles ereignet. Nicht nur findet man in der Familiengruft die Leiche eines Jugendfreundes sondern das auch gleich auf dem Grab von Vlad dem Pfähler. Der lokale Bürgermeister, der wie ein Fähnlein im Winde sich schon unter kommunistischer Führung bereichert hat, auch nun große Pläne schmiedet um einen Dracula-Park zu errichten.
Und in diese Geschichte gebettet, wird die Protagonistin zur Vampirin und fliegt über die Wälder und das Blut fließt. Es hört sich schräger an als es ist, kann man doch nachvollziehen, wie sie sich den Ereignissen hingibt.
Genauso lernt der Leser aber auch was es mit Vlad, dem Pfähler auf sich hatte im 15. Jahrhundert. Diese Passagen haben mir persönlich am allerbesten gefallen und mich ungemein historisch bereichert.
Was mich eher ratlos zurück lies, waren einige Stellen, an denen ich ohne Drittwissen nicht weitergekommen wäre. Denn, dass Jonny ein bekannter Fleischschmuggler im Ostblock war konnte ich nicht ahnen. Oder gar drei Seiten Tischgespräch auf Latein ohne Übersetzungshilfe, da muss ich passen.
Nun ihr seht, meine Frage zu Beginn: Für wen ist dieses Buch geschrieben? Diese Frage ist und bleibt unbeantwortet, da es einerseits vielfältig, andererseits absurd und abgehoben ist und zugleich faszinierend gutgeschrieben.
Ja, dass muss man der Autorin definitiv zugutehalte, sie schreibt großartig und es liest sich gut. Dana Grigorcea hat ein Händchen für die Wörter. Selbst bei harten Themen ist ein ironischer Unterton zu hören wie auf Seite 177: „"Ja, mutig sind die Menschen nur mit den Schwachen, den Mächtigen aber setzen sie nichts entgegen. Ist das gerecht?"
Ich hätte es nicht missen wollen. Machen sie alle ihre Genre-Schubladen zu und lesen sie mal rein. Ich wäre gespannt was Sie dazu meinen! Und wenn es tröstet, es sind keine 300 Seiten.

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Veröffentlicht am 03.04.2021

Besenhexe oder Laubbläserhexe?

Edgar, Ellen & Poe
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Stürzt euch in ein Leseabenteuer der besonderen Art mit „Edgar, Ellen & Poe“ von Antje Leser. Wie man dem Cover und dem Untertitel schon entnehmen kann, geht es um eine Hexengeschichte. Und zwar der besonderen ...

Stürzt euch in ein Leseabenteuer der besonderen Art mit „Edgar, Ellen & Poe“ von Antje Leser. Wie man dem Cover und dem Untertitel schon entnehmen kann, geht es um eine Hexengeschichte. Und zwar der besonderen Art. Denn es gibt verschiedene Hexen in diesem Buch, da sind die traditionellen Besenhexen und die modernen Laubbläserhexen. Die Oberhexen beider Gruppen sind Schwestern und im Dauerstreit! Nun fallen zwei Ereignisse zusammen. Ellen steht vor ihre Prüfung zur vollwertigen Hexe und ein Riese taumelt in aller Leben und ist im wahrsten Sinne des Wortes trampelt unterwegs …
Toll an dem Kinderbuch ist, dass es sehr fantasievoll ist. Es gibt so viele witzige Aspekte und Einfälle! Einfach herrlich. Auch die Charaktere sind wunderbar gezeichnet. Vor allem was uns überzeugt hat, ist das ambivalente. Was zunächst negativ erscheint, zeigt sich dann auf den zweiten Blick doch gar nicht so verkehrt. Die Vielschichtigkeit die hier aufgegriffen wird und wie Vorurteile zum Verhängnis werden können, empfand ich als eine ganz klare Stärke des Buches.
Ein weiterer Themenkomplex der uns positiv aufgefallen ist, ist die Botschaft, dass Krisen zusammen bringen können was vorher verfeindet war. Eine großartige Botschaft in diesen ungestümen Zeiten!
Auch ist die Auseinandersetzung Leben mit der Natur oder mit Technik ist eingeflochten.
Das Buch ist sehr gut geeignet zum Selbstlesen für gute Grundschulleser, da der Zeilenabstand und die Buchstaben entsprechend groß sind. Durchsetzt mit netten Schwarz/Weiß-Bildern von Alexander von Knorre lockert es den Text auf. Aber es ist auch Durchhaltevermögen notwendig, da es mehr als 200 Seiten sind. Keine Sorge, die Geschichte ist so spannend, vielleicht auch ein Anreiz mehr zu lesen!
Aber durch die Komplexität und Vielschichtigkeit der Geschichte auch super zum Vorlesen ab der 1. Klasse geeignet. Hier kann man gemeinsam noch stärker auf Themen eingehen, die eventuell beim alleinigen Lesen untergehen, wie witzige Begriffe, Umweltschutz und eben auch: Resilienz!
Noch mal kurz zur Sprache: Die Autorin hat eine wunderbare Art diese Geschichte zu erzählen und auch hier Kreativität gezeigt, wenn es um die „Laubbläser-Konnäkschn MC“ geht oder andere lustige Schöpfungen.
Einzige Kritik ist, dass es wahnsinnig viele Hexen gibt und die Fülle einen etwas langsameren Erstleser erschlagen könnte. Selbst beim Vorlesen kommt man da ins Stolpern und muss mal überlegen wo die eine oder andere Hexe gehört und warum die jetzt auftaucht.
Fazit: Hier wird die Schwarz-Weiß-Sicht auf das Leben großartig in Frage gestellt. Hat uns super duper gut gefallen diese Vielschichtigkeit in Kombination mit der Spannung.

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Veröffentlicht am 01.04.2021

Das Leben der Jungend zwischen zwei Buchdeckeln

Der große Sommer
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Nach „Alte Sorten“ (den Roman kenne ich nicht, wurde aber dezent gefeiert) kommt nun der neue Roman des Autors Ewald Arenz in die Buchhandlungen: „Der große Sommer“. Der Titel mutet etwas fade an, aber ...

Nach „Alte Sorten“ (den Roman kenne ich nicht, wurde aber dezent gefeiert) kommt nun der neue Roman des Autors Ewald Arenz in die Buchhandlungen: „Der große Sommer“. Der Titel mutet etwas fade an, aber der Roman ist es nicht! Ja, ein großer Sommer für den Protagonisten Frieder. Eingebettet ist die Coming-of-Age-Geschichte des Jungen in seine vermasselte Prüfung. Er schafft zum zweiten Mal seinen Schulabschluss nicht und hat nur noch eine letzte Chance: Nachprüfung! Will heißen: Lernen über den Sommer und nicht mit der Familie in den Sommerurlaub fahren. Wo parkt man den Jungen, genau, beim Großvater, dem er zunächst nicht ganz so positiv gegenübersteht.
Nun, da sind die beiden: Großvater und Enkel. Aber nicht nur die. Es gibt auch noch andere Personen, die wichtig sind für diese Geschichte sind: Alma, seine Schwester, Johann, sein bester Kumpel und die zunächst unbekannte Beate. Beate, wie ihr euch denken könnte, wird die Liebe, die es zu erobern gilt und damit ist nicht zu viel gespoilert.
Denn was den Roman ausmacht ist das Erleben des Sommers, die Beziehungen Frieders, die sich definieren. Einige neu, wie die zu Beate, andere verändert wie die zum Großvater.
Der Roman nimmt von Abschnitt zu Abschnitt Fahrt auf. Erst holpern wir im zweiten Gang einen Feldweg entlang und zum Schluss brettern wir mit allen mit den Figuren im 5ten Gang über die Autobahn. Natürlich bei offenen Fenstern. So empfand ich die veränderte Lage im Roman bis zum Schluss.
Ewald Arenz erzählt feinfüllig und intensiv von den Momenten, die uns in der Jugend prägen und – let’s face it – in diesem Roman erkennen wir „Alten“ uns doch auch immer mal wieder selbst. Was natürlich auch den Reiz ausmacht einer solchen Geschichte, als Leser:innen schwelgt man dabei schnell mal in Erinnerungen. Natürlich eher im ersten Teil der Geschichte… Diese so bekannte Zerrissenheit wie der Autor es auf Seite 109 anmerkt: „Wie konnte man gleichzeitig ein kleines Kind sein, das von der Großmutter ein Brot gemacht bekam, und ein Junge, der gerade unglücklich verliebt war, und ein anderer Junge, der über russische Gulags las und fand, dass es nie wieder einen Krieg geben durfte, und außerdem jemand, der gerade erfahren hatte, dass es in seiner Kindheit ein Vierteljahr gegeben hatte, von dem er nichts mehr wusste?“
Ein liebevoller Großvater macht das Leben leichter und auch wenn einige Szenen etwas heimelig anmuten und der Schluss ein wenig über das Ziel hinausschießt – in der Summe ein unterhaltsamer Roman, der lesenswert in diesem Frühling uns in die Hitzehinüberbegleitet.
Coming-of-Age, Sommer, Liebe, das pralle Leben - ein Roman der uns mitnimmt Erwachsen zu werden.

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Veröffentlicht am 30.03.2021

Literarisch off the beaten tracks

Die Optimistin
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Treffen ein türkischstämmiger Nerd nach der Flucht von seiner eigenen Hochzeit und eine alte Dame in einem Altersheim zusammen. Die alte Dame beginnt ihre Lebensgeschichte zu erzählen.
So beginnt kein ...

Treffen ein türkischstämmiger Nerd nach der Flucht von seiner eigenen Hochzeit und eine alte Dame in einem Altersheim zusammen. Die alte Dame beginnt ihre Lebensgeschichte zu erzählen.
So beginnt kein Witz, sondern das ist der Anfang von Timo Bluncks neustem Roman ‚Die Optimistin‘, der herrlich erfrischende Lesestunden beschert! Toygar hat in einer Altenresidenz an der Ostsee bei Charlotte Keller einen Unterschlupf gefunden. Denn er sollte eigentlich durch missliche Umstände eine Frau heiraten, die er bis dato nicht kannte. Charlotte freut sich über den unerwarteten Gast und lauscht zunächst Toygar wie er in diese Situation geriet, um dann selbst über ihr Leben zu erzählen.
Aber keine Sorge! Die Dame hat die historischen Fakten präsent, aber ihre eigenen scheinen da ab und an mit ihr durch zu gehen. Was das Ganze absurd und urkomisch macht. Und zum Glück ist Toygar auch sattelfest mit den Fakten und fragt öfters mal nach.
Dynamik erhält der ganze Text in dem nicht nur Charlotte ihr Leben zum Besten gibt, sondern auch parallel die Suche nach dem Bräutigam stattfindet durch drei Brüder der Brautfamilie, die etwas an der Nase herumgeführt. Dieser Strang hat einen leicht klamaukhaften Touch.
In der Kombination kurzweilig, da der Gegenwartsstrang Toygar immer mehr auf die Spur kommt und weil Charlotte zwar ihre fantasievolle Lebensgeschichte erzählt, aber durch die Geschichte rast und scheinbar überall mitgemischt hat! Wiederaufbau, Beatles, RAF, DDR….
Der Roman enthält Unmengen an Referenzen zu Songs und Filmen. Wer also Film und/oder Musikliebhaber ist, sollte dieses Buch definitiv lesen! Da ich eher der Gattung Leseratte angehöre, konnte ich nicht mit allem was anfangen, aber mit dem meisten und las einfach drüber hinweg, wenn unbekannt. Schadete dem Lesefluss nicht.
Nicht nur die Geschichte ist kreativ, auch hat der Autor sich einen interessanten didaktischen Kniff überlegt und einzelne Sätze oder Satzfetzen zu Überschriften erkoren, aber im Endeffekt ist es der Fließtext selbst.
Das gedruckte Buch ist auch genial, denn das Cover hat keinen klassischen Schutzumschlag sondern es ist direkt auf das Buch gedruckt mit Prägedruck. Viel besser als immer diese anachronistischen Umschläge! Sollte es vielmehr geben.
Fazit: Lasst doch die älteren Generationen auch mal ausreden und hört einfach zu. Nicht immer nur die alten Kamellen von gestern gibt es zu hören, wer länger horcht, erfährt viel mehr und erkennt, dass die Alten von heute die Jungend von gestern waren und es nicht immer einfach war.

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Veröffentlicht am 27.03.2021

Zuckersüß und nicht nur für Mädchen!!!

Maxi von Phlip (1). Vorsicht, Wunschfee!
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Die Autorin heißt war Ruhe, also Anna Ruhe, aber ihre Kinderbücher sind alles andere als ruhig, da geht es in der Regel spannend hoch her. Bekannt ist sie vor allem mit ihrer Duftapotheken-Reihe geworden ...

Die Autorin heißt war Ruhe, also Anna Ruhe, aber ihre Kinderbücher sind alles andere als ruhig, da geht es in der Regel spannend hoch her. Bekannt ist sie vor allem mit ihrer Duftapotheken-Reihe geworden und dort schon in Band 5! Aber wer will was über die Duftapotheke lesen, wenn es nun auch Maxi von Phlip gibt!
Maxi von Phlip bedient im Kinderbuchsegment die Erstleser. Sprich wenig Text, große Buchstaben, viel Abstand, eine Menge Bilder und wenig Seiten führen schnell zum Leseerfolg und dazu noch zu viel Lesespaß! Dies ist der erste Band und heißt „Vorsicht, Wunschfee!“. Denn es geht um Paula, die mit ihrem Vater, einem Trödelhändler, zusammenwohnt und eines Tages besagte Maxi von Phlip, ach nein, eigentlich Maximeralda Feodora Dilara Nima von Phlip in einer Flasche findet! Eigentlich müsste es ziemlich cool seine eine EIGENE Fee zu haben, aber Maxi ist eine Chaosfeen und bringt erst einmal mehr Ärger als erfüllte Wünsche.
Charmant geschrieben, kurzweilig mit abwechslungsreichem, aber einfach gehaltenen Vokabular ist das eine Reihe, die sicher vielen vielen Erstlesern große Freude bereitet. Ach was, meine Tochter, die sich schon durch die dicken Wälzer der Duftapotheke „gesuchtet“ hat, fand das Buch auch hetzallerliebst und hat das als „Buchsnack“ auch gerne noch mitgenommen.
Erwähnenswert sind auch die tollen Bilder von Max Meinzold. Viele Bilder wirken fast dreidimensional durch die ihren Aufbau. Innovativ und große klasse!
Last, but not least, die Genderfrage! Klar, die Protagonistin ist weiblich und außer dem Vater kommt eigentlich kein Junge oder Mann vor, ABER durch die tolle Erzählweise und die witzigen Situationen ist es aus meiner Sicht trotzdem auch für Jungs lesbar! Die werden genauso ihren Spaß an der durchgeknallten Fee haben!
Fazit: Hier werden Buchstabenkinder zu Lesern gemacht!

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