Insel-Atmosphäre und alte Geheimnisse
Fünf FremdeMit „Fünf Fremde“ schafft Romy Fölck eine düstere, beinahe beklemmende Atmosphäre, die mich sofort gepackt hat. Schon das Setting auf der abgelegenen Insel sorgt für dieses klassische „Closed-in“-Gefühl: ...
Mit „Fünf Fremde“ schafft Romy Fölck eine düstere, beinahe beklemmende Atmosphäre, die mich sofort gepackt hat. Schon das Setting auf der abgelegenen Insel sorgt für dieses klassische „Closed-in“-Gefühl: Wegen des Unwetters kann niemand die Insel verlassen, und mit jeder Seite wächst die Spannung ein Stück weiter. Dieses Eingeschlossensein wirkt bedrückend und gleichzeitig unglaublich fesselnd.
Besonders gefallen hat mir, wie stark die Figuren gezeichnet sind. Die Geschichte wird abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wodurch ich die Charaktere und ihre Geheimnisse nach und nach immer besser kennenlerne. Gerade die Themen Freundschaft, alte Schuld und verdrängte Erinnerungen bekommen dadurch viel Tiefe. Niemand wirkt vollkommen unschuldig, und genau das macht den Reiz des Romans aus.
Emotional hat mich vor allem die unterschwellige Melancholie erreicht, die über der gesamten Handlung liegt. Hinter den Konflikten steckt spürbar eine Vergangenheit, die nie wirklich verarbeitet wurde. Dadurch entsteht eine intensive Stimmung, die lange nachhallt.
Trotzdem hatte der Roman für mich auch Schwächen. Der Spannungsbogen war nicht immer so straff, wie ich es mir bei einem Thriller wünsche. Manche Passagen wirkten etwas zu ruhig, bevor die Handlung wieder Fahrt aufgenommen hat. Im großen Showdown wurde es dann zwar dramatisch, allerdings auch stellenweise etwas unglaubwürdig. Vor allem das Ende empfand ich als zu konstruiert.
Trotz dieser Kritikpunkte ist „Fünf Fremde“ ein atmosphärischer Thriller mit starken Figuren und einer beklemmenden Stimmung.