Trotz Kritik ein Buch, das sich zu lesen lohnt.
Bis mein Herz wieder schlägt In »Bis mein Herz wieder schlägt« lernen wir Emery kennen, die im Alter von 5 Jahren aufgrund einer fiktiven Herzkrankheit zum ersten Mal stirbt und dadurch Nick begegnet.
Im Laufe der Jahrzehnte, die ...
In »Bis mein Herz wieder schlägt« lernen wir Emery kennen, die im Alter von 5 Jahren aufgrund einer fiktiven Herzkrankheit zum ersten Mal stirbt und dadurch Nick begegnet.
Im Laufe der Jahrzehnte, die sie eher vage, planlos und abenteuerlustig verbringt, landet sie in unregelmäßigen Abständen immer wieder in der Zwischenwelt bei diesem mysteriösen Mann, der ihr Interesse auf vielfältige Arten weckt. Er versteht sie, hier kann sie sein, wer sie ist, während der reale Alltag, die Grausamkeit des Schicksals, Erwartungen und ihre sorgenvollen Mitmenschen schwer auf ihr lasten. Eines Tages muss sich Emery entscheiden: für das echte Leben oder für das, was sie seit jeher als solches bezeichnet... Becky Hunter schreibt einfach, detailliert und verständlich. Thema und Situation sind definitiv emotional und hart, jedoch fehlte mir das gewisse Mehr. Die Zwischenwelt, die Charaktere – insbesondere Emery selbst –, und die Beziehungen blieben oberflächlich. Es fiel mir schwer, wirklich mitzufühlen und mich in die Figuren hineinzuversetzen. Die einzelnen Kapitel bestehen hauptsächlich aus jenen Momenten kurz vor einem erneuten Tod und einem kleinen Schwenk in die Zwischenwelt, später gesellen sich zwar wichtigere Ereignisse und Veränderungen aus Ems Alltag hinzu, jedoch bleiben das wirkliche Greifen von Entwicklungen und Verstehen aus. Ich empfand den Verlauf daher als recht sprunghaft und eindimensional. Hinzukommt, dass Emery charakterlich bis zum Finale festhing: trotzig, unfair, ich-bezogen sind Adjektive, die mir sofort einfallen würden. Dennoch ist ihr Zögern bei Entscheidungen und Plänen, die distanzierten zwischenmenschlichen Bindungen, im Angesicht ihres fragilen Zustands, der Unberechenbarkeit ihrer Krankheit, nachvollziehbar. Die Beziehung zwischen Nick und ihr blieb recht unausgegoren-mystisch, wenn auch klar ist, was Hunter auszudrücken versuchte. Auch Colin, der im Klappentext als eine Art Anker im wahren Leben bezeichnet wurde, kam erst später wirklich zur Geltung. Aber trotz aller Kritik gab es rührende Aussagen, Szenen, die zum Nachdenken bringen, Melancholie und bewegende Augenblicke sowie unerwartete Wendungen und Tragik. Gerade die letzten 25% haben mich gänzlich gefesselt und berührt. Außerdem fand ich es toll, dass Emerys engste FreundInnen und Angehörige, deren Entwicklung und Erwachsenwerden, thematisiert werden, sacht, aber doch auf eine wichtige Art präsent und für mich öfter als Hauptkomponente fungierten. »Bis mein Herz wieder schlägt« war zwar kein Highlight, dennoch ist es ein Buch das uns daran erinnert, zu leben.