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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.03.2025

Spannend

Seven Ways to Tell a Lie
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Stell dir vor, du würdest ein Video sehen, in dem du stirbst. Das passiert Jonah, dem Ich-Erzähler dieses Romans, und nicht nur ihm, sondern allen Mitgliedern seiner ehemaligen Clique, denn auf dem Video ...

Stell dir vor, du würdest ein Video sehen, in dem du stirbst. Das passiert Jonah, dem Ich-Erzähler dieses Romans, und nicht nur ihm, sondern allen Mitgliedern seiner ehemaligen Clique, denn auf dem Video rasen sie gemeinsam in einem Bus in den Tod. Natürlich lässt Josh das nicht auf sich sitzen und macht sich auf die Suche nach dem Urheber des Videos.

Ich selbst will mir gar nicht vorstellen, wie das sein muss. Für einen Roman ist das aber natürlich ein prima Ausgangsmaterial, und ich konnte mir gut vorstellen, wie spannend dieser sein müsste. War er übrigens tatsächlich, und ich konnte die ganze Zeit prima mitraten, hatte mehr als eine Idee, manche davon ziemlich absurd, aber gerade das hat Spaß gemacht. Mir gefällt gut, dass Jonah selbst erzählt, wir wissen dadurch nie mehr als er selbst, was hier gut passt.

Warum die Clique ehemalig ist, erfahren wir natürlich auch, genauso wie manches andere, das man nicht immer so erwartet hat. Auch die Cliquenmitglieder lernt man nach und nach besser kennen, immer aus Jonahs Sicht natürlich, aber man hat größtenteils schon das Gefühl, dass man ihm vertrauen kann, obwohl auch er ein Geheimnis zu haben scheint. Jonah und die anderen sind Jugendliche, um die 17 Jahre alt, und auch der Autor ist noch recht jung, dennoch konnte ich mich gut in die Charaktere hineinversetzen. Erwachsene spielen hier eine eher untergeordnete, wenn auch nicht immer unwichtige Rolle. Auch das passt für einen Jugendthriller gut.

Nicht nur die Auflösung, auch der Weg dahin, bietet einige Überraschungen. Für mich waren sie alle okay, ich konnte sie jeweils nachvollziehen. Inwieweit die hier auftretende Art von Video auf dem aktuellen Stand der Technik ist, kann ich nicht sagen, aber immerhin könnte der Roman auch in der nahen Zukunft spielen, in dem die Technik schon weiter ist. Daher habe ich das nicht angezweifelt.

Der Roman ist ein spannender Jugendthriller, der überraschen kann, aber auch die Möglichkeit bietet, mitzuraten. Ich selbst bin schon lange keine Jugendliche mehr, fühlte mich aber trotzdem gut unterhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2025

Passender Abschlussband der Trilogie

The Atlas Complex
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Die Atlas Six können nun das Herrenhaus der Geheimgesellschaft verlassen, doch draußen ist es gefährlich, so dass manche von ihnen wieder einziehen. Immerhin steht auch noch ein Experiment an, und eigentlich ...

Die Atlas Six können nun das Herrenhaus der Geheimgesellschaft verlassen, doch draußen ist es gefährlich, so dass manche von ihnen wieder einziehen. Immerhin steht auch noch ein Experiment an, und eigentlich wird auch noch erwartet, dass sie jemanden aus der Gruppe töten.

Der letzte Band der Trilogie ist, wie schon seine Vorgänger nicht immer leicht zu lesen. Mir gefällt der besondere Erzählstil der drei Romane sehr. Es gibt keine fortlaufende Handlung in dem Sinne, alles wird erzählt durch die einzelnen Perspektiven, die Gedanken und Handlungen der einzelnen, die nach einem Perspektivewechsel auch schon einmal ineinandergreifen, aber auch manchmal erst im Nachhinein Sinn ergeben. Zumal hier nicht nur die Atlas Six zu Wort kommen, sondern auch Mitglieder des Forums, Ezras Six, aber auch Gideon und sogar einmal seine Mutter erhalten ihre eigenen Erzählstränge. Wer die Vorgängerbände nicht kennt, wird wahrscheinlich sofort den Faden verlieren, alle anderen müssen auch hier aufmerksam lesen.

Ich empfand den dritten Band als etwas langatmiger als die beiden vorherigen, aber es gibt auch immer wieder spannende Szenen, gerade, aber nicht nur, gegen Ende. Dass auch dieses Mal alle überleben werden, darf man womöglich nicht erwarten, oder doch?

Auch wenn mir nicht alle Protagonist:innen, und damit meine ich die Atlas Six, sympathisch sind, wobei das wer hin und wieder schwankt, werde ich sie doch vermissen, immerhin sind sie ganz eigene Charaktere mit sehr besonderen Fähigkeiten. Olivie Blakes Trilogie ist sehr originell, nicht nur in ihrer Erzählweise. Ich bin gespannt, was sie als nächstes veröffentlichen wird.

Eine besondere, sehr originelle Trilogie kommt zu ihrem Ende, zu einem passenden. Wer die Vorgängerbände nicht kennt, sollte diese unbedingt zuerst lesen.

Veröffentlicht am 19.03.2025

Lesenswert

Was wäre, wenn wir mutig sind?
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Luisa Neubauer ist eine Kämpferin für das Klima, ich selbst folge ihr schön länger in den sozialen Medien, und höre mir immer gerne ihre Reden an, in meinen Augen sind sie klug, pointiert und auch fesselnd. ...

Luisa Neubauer ist eine Kämpferin für das Klima, ich selbst folge ihr schön länger in den sozialen Medien, und höre mir immer gerne ihre Reden an, in meinen Augen sind sie klug, pointiert und auch fesselnd. Es wurde Zeit, auch einmal eines ihrer Bücher zu lesen.

Auch hier kann man die oben genannten Eigenschaften schnell feststellen. Ich hätte mir aber gewünscht, dass sie etwas einfacher schreibt. Ihr Schreibstil ist sehr elaboriert, passt natürlich zu ihrer Person, aber, um jede:n mögliche:n Leser:in anzusprechen, wäre weniger mehr. Natürlich muss ein solches Sachbuch gewisse Kriterien erfüllen, aber es könnte eben auch auf etwas allgemeinverständlichere Weise geschehen.

Das Buch beschäftigt sich mit Fossilität, Luisa Neubauer zeigt auf, wie es historisch zum Siegeszug der fossilen Energien kam, wie sie sich in unser Denken, unsere Sozialisation prägten, und wie schwer es ist, die Menschen umdenken zu lassen, zumal die fossilen Industrien große Macht haben. Die Autorin zeigt aber auch auf, dass es möglich sein kann, sich darüber hinwegzusetzen, es braucht eben auch den Mut, der schon im Titel anklingt. Sie führt auch Beispiele an, wo es schon geklappt hat. Bemerkenswert ist der Ort Duluth am Lake Superior.

Mich hat fasziniert, wie schnell mich Luisa Neubauers Ausführungen gefesselt haben, so viele zitatwürdige Sätze habe ich mir notiert, wie zum Beispiel diesen: „Es gibt kaum eine Menschengruppe, die so viel Einfluss auf die Weltgeschichte hat wie die Gleichgültigen“ (Pos. 437) oder „Gerade aus Respekt vor Erfindungen aus alten Zeiten schleift man sie nicht endlos in die Gegenwart, sondern verabschiedet sie würdevoll“ (Pos. 1429). Sie selbst zitiert natürlich auch, eine ausführliche Liste der Quellen findet man im Anhang des Buches.

2025 ist für mich das Jahr, in dem ich einige sehr lesenswerte und wichtige Sachbücher gelesen habe. Dieses gehört unbestreitbar dazu. Wem unsere Erde nur ein kleines bisschen wichtig ist, sollte es lesen.

Veröffentlicht am 13.03.2025

Unterhaltsam

Die Brücke von London
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1202: Der Bau der London Bridge hat begonnen und einigen Menschen gute Arbeit gebracht. Einer davon ist Stephen, der Mann Estrids. Estrids Schwester Sibilla lebt im Wald und ist noch dem alten Glauben ...

1202: Der Bau der London Bridge hat begonnen und einigen Menschen gute Arbeit gebracht. Einer davon ist Stephen, der Mann Estrids. Estrids Schwester Sibilla lebt im Wald und ist noch dem alten Glauben zugewandt. Als sie ein Unglück auf der Brückenbaustelle voraussagt, erregt sie den Unwillen der Baumeister.

1749: Auf der London Bridge herrscht reger Verkehr, die dort ansässigen Geschäftsleute machen gute Geschäfte, allerdings dräut schon Unheil, denn der Bau einer anderen Brücke wird den Geschäften schaden.

Juliana Hamley ist die Witwe eines Tuchhändlers mit Sitz auf der London Bridge und führt dessen Geschäft weiter, allerdings hat sie mit einigem Unbill zu kämpfen.

Alder ist ein Straßenjunge, der sich mit anderen Straßenkindern zusammengetan hat. Ihr Leben ist nicht ungefährlich, und auch Alders kommt unterhalb der London Bridge in große Gefahr.

Oliver Morris ist neu in London und hofft auf einen Job im Bridge House. Tatsächlich erhält er eine Anstellung, aber so ganz glücklich ist er damit nicht.

Das Leben dieser drei Menschen verknüpft sich miteinander, wobei die London Bridge ihren Teil dazu tut.

Der Hauptteil der Geschichte erzählt die Ereignisse von 1749, doch immer wieder wechselt sie zu den Ereignissen während des Brückenbaus, die letztlich auf die späteren zurückwirken. Das kann man schon früh ahnen, als von einer Prophezeiung die Rede ist.

Ich mochte alle Protagonist:innen gerne, auch wenn ich mir mit Estrid zunächst etwas schwerer tat. Mein Liebling aber war von Anfang an Alder. Auch seine Bande von Straßenkindern spielt eine wesentliche Rolle in der Geschichte. Man kann sich alle diese Charaktere sehr gut vorstellen, auch die Brücke und das Treiben auf ihr werden lebendig. So ist man sehr schnell im Geschehen und wird gut unterhalten, es macht Spaß, den Roman zu lesen, auch wenn nicht alle Ereignisse schön sind. Für letzteres sorgen schon die Antagonisten, die in beiden Zeitebenen für Ärgernisse und Gefahren sorgen.

Interessant ist natürlich auch die Geschichte der Brücke, die einen großen Teil des historischen Hintergrund bildet, allerdings bleibt diese eher an der Oberfläche.

Hin und wieder konnte ich nicht alles ganz nachvollziehen, was mich aber nicht allzu sehr gestört hat. Am Ende bleiben für mich ein paar Fragen offen, die ich gerne noch beantwortet gehabt hätte. Das Ende bietet meiner Meinung nach Platz für eine Fortsetzung, ich würde mich darüber freuen.

Was mir fehlt, ist ein Nachwort des Autors, für mich gehört das gerade bei historischen Romanen einfach dazu. Gerne hätte ich vor allem über Fakten und Fiktion gelesen, aber auch über seine Intention und Recherchen. Natürlich konnte ich selbst ein bisschen googeln, aber das ersetzt so ein Nachwort nicht.

Der Roman erzählt in zwei Zeitebenen die Geschichte der alten London Bridge, zu Beginn und gegen Ende. Er punktet vor allem mit seinen sympathischen Protagonist:innen und seinem lebendigen Erzählstil, hätte aber tiefgründiger sein können.

Veröffentlicht am 08.03.2025

Wieder ein besonderer Roman

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Ein tödlicher Nebel breitete sich vor Jahrzehnten über die Erde aus und tötete alles. Nur ein kleiner Teil Menschen konnte sich auf eine griechische Insel retten und eine Barriere errichten. Dort lebte ...

Ein tödlicher Nebel breitete sich vor Jahrzehnten über die Erde aus und tötete alles. Nur ein kleiner Teil Menschen konnte sich auf eine griechische Insel retten und eine Barriere errichten. Dort lebte man seitdem sicher und zufrieden, bis ein Mord geschieht.

Stuart Turton ist ein besonderer Autor. Jedes seiner Bücher ist anders, er wandert durch die Genre und schreibt Bücher, die originell und wenig vorhersehbar sind, bisher mochte ich alle, und dieses natürlich auch. Es strotzt, wie von ihm gewohnt, nur so vor Unerwartetem, vor Überraschungen, ist gesellschaftskritisch und hat eine Message, und ist – dennoch – sehr unterhaltsam und spannend. Wieder bin ich sehr gespannt, was Stuart Turton mir als nächstes anbieten wird.

Doch zunächst zurück zu diesem Roman. Ich fühlte mich sofort mittendrin, lernte die Charaktere und die, recht begrenzte Welt, kennen, und wunderte mich auch schon über so manches. Ich werde hier wenig darüber verraten, denn Stuart Turtons Romane muss man von Anfang an auf sich wirken lassen, und ich will keine Überraschung verderben.

Nach und nach lernt man immer mehr immer tiefer kennen, nicht nur die Charaktere, wobei sich der Autor von den über hundert, die es hier gibt, auf nur ein paar wenige beschränkt, was auch gut ist, und diese wenigen sind letztlich die Hauptdarsteller:innen der Geschichte, die hier erzählt wird. Es gibt neben dem Mord viele Geheimnisse, die es zu ergründen gibt, von denen die Leser:innen und auch die Charaktere erst einmal noch gar nichts wissen. Ich habe schnell angefangen, mitzurätseln, aber die Geschichte ist letztlich sehr komplex.

Interessant ist die Erzählstimme in Ich-Form, über die ich aber ebenfalls wenig preisgeben möchte. Sie ist von Anfang an da, und auch über sie kann man sich seine Gedanken machen. Erzählt wird bildhaft, und obwohl die Erzählstimme viel weiß, verrät sie erst einmal wenig. Erst am Ende ergibt sich das gesamte Bild, und das finde ich letztlich gut und logisch hergeleitet. Zwischendurch habe ich mich immer einmal wieder aufgeregt über den einen oder anderen Charakter, vor allem über einen, dessen Motivation ich nicht immer ganz nachvollziehen konnte, den ich am Ende aber doch im wesentlichen verstanden habe.

Die Geschichte ist sehr spannend und hat mich, wie bereits erwähnt, immer wieder überrascht. Manche Geheimnisse werden bereits relativ früh, aber immer der Geschichte geschuldet, enthüllt. Das Buch enthält eine Karte der Insel, ich konnte sie mir aber auch so gut vorstellen.

Stuart Turton ist es auch mit seinem dritten Roman wieder gelungen, mich zu überzeugen. Auch dieser ist wieder besonders, voller Überraschungen, gelungener Charaktere und einer komplexen Geschichte. Chapeau Mister Turton!

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